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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-11-30 · Heft 48 (30.11.1906) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 48 (30.11.1906)
Date
1906-11-30
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 hatte, die er bis 1900 behielt. Im Jahre 1888 gehörte er zu den behandelnden Aerzten Kaiser Friedrichs. 1896 zum Titularprofessor ernannt, wurde er 1900 mit der Leitung der ersten in-Deutschland errichteten Universitätsmassageanstalt zu Berlin sowie des damit verbundenen Lehramts für Massage an der Friedrich Wilhelms-Universität betraut. Zahlreich sind die Publikationen, die Zabludowski sowohl in russischer wie in deutscher Sprache hat erscheinen lassen und die mit geringen Ausnahmen die Massage und Heilgymnastik zum Gegenstände haben. Zabludowski war ein guter Jude. Er schrieb und sprach Hebräisch, wie man es heute selten in Deutschland hört. Ehre seinem Andenken! a. Posen, 13. November. Die Verwaltung der jüdischen Lesehalle erstattet ihren zweiten Jahresbericht (1905/06). Sämtliche in Deutschland erscheinenden jüdischen Zeitschriften liegen in der Lesehalle auf, außerdem auch eine Anzahl ausländischer. Der Bestand der Leihbibliothek^ ist von 485 Bänden auf 620 Bände gestiegen. Die Frequenz der Lesehalle betrug an 296 Tagen des Jahres im ganzen 2758 (im Vorjahr 2264); Bücher wurden entliehen von 1481 Besuchern (im Vorjahr 757). Der durchschnittliche Tagesbesuch hat in der Berichtsperiode die Zahl neun überschritten und erreichte an Samstagen im Winter oft 20 bis 25, an Sonntagen nicht selten 30 und mehr. Da an diesen Hauptbesuchstagen die beschränkten Räumlichkeiten nicht mehr genügen, so wird die Verwaltung darauf bedacht sein, in absehbarer Zeit ein größeres Lokal zu beschaffen. Verwaltung und Kuratorium der Jüdischen Lesehalle bestehen aus folgenden Herren: I. Brandt, M. Ehrenwert, Dr. Galland, Sally Hamburger, Dr. Jeremias. Dr. Ludwig Kantorowicz, Dr. Kottenscher, M. Krause, I. Rosenthal, S. Schecek, Justizrat Schottländer. r. Kottbits, 18. November. Der verdienstvolle Vorsitzende der hiesigen Gemeinde, Herr Bankier W. Löwenstein, sieht in diesen Tagen auf eine 25 jährige Zugehörigkeit zur Verwaltung der Gemeinde zurück. Zuerst als Repräsentant und seit 18 Jahren als Vorstandsmitglied trug er an seinem Teile wesentlich bei zur gedeihlichen, fortschrittlichen Entwicklung der Gemeinde und ihrer Institutionen. Seiner Initiative und seiner wirkungsvollen, erfolgreichen Tätigkeit ist der Neubau der Synagoge zu danken, ein Monumentalbau, der zu den schönsten der Stadt gehört. Herr Löwenstein ist auch Stadtverordneter und gehört dem Vorstande verschiedener Vereine an. Der Gemeindeverwaltungskörper ehrte den Jubilar durch Ueberreichung einer künstlerisch ausgestatteten Adresse und Veranstaltung eines Bankettes. Auch der Frauenverein Chewra und der Literqturverein überbrachten Herrn Löwenstein Wünsche und Adressen. ----- Neusteelitz, 12.November. Oberrabbiner Dr. Hamburger, der Landesrabbiner der jüdischen Gemeinden des Großherzogtums, feierte gestern seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlaß fand nachmittags im „Mecklenburger Hof" ein Festessen statt, an dem etwa vierzig Damen und Herren teilnahmen. Die Gemeinden in Neustrelitz, Neubrandenburg, Fürstenberg, Mirow und Friedland waren durch Deputationen vertreten und stifteten Dr. Hamburger ein kostbares Silberbesteck. An Se. Königliche Hoheit den Großherzog, der das Geburtstagskind durch ein Glückwunschschreiben erfreut hatte, ging ein Huldigungstelegramm ab, auf das der Landesherr telegraphisch erwiderte. Barmen, 24. November. Um Gemeindesteuern handelte es sich bei einer Klage vor dem Bezirksausschuß, die F. Cohen in Barmen gegen die Synagogengemeinde daselbst angestrengt hat. Cohen sollte für das Jahr 1906 Kultussteuern in Höhe von 180 Mark bezahlen, was er ablehnte mit der Begründung, daß er bereits früher vor dem Amtsgericht seinen Austritt aus der jüdischen Gemeinde erklärt habe, zur Zahlung von Steuern daher nicht mehr verpflichtet sei. Entscheidend bei der Streitfrage ist, daß der Austritt aus religiösen Bedenken erfolgt sein muß, sonst liegt ein gültiger Austritt aus der Gemeinde nicht vor. Der Kläger Cohen glaubt, eine dahingehende Bescheinigung, die nur auf Verlangen ausgestellt wird, hat er sich nicht geben lassen, und im Protokoll steht nichts davon, daß der Austritt aus religiösen Bedenken erfolgt ist. Der Bezirksausschuß wies den Klüger ab, er stützte sein Urteil auf das Fehlen der Erklärung im gerichtlichen Protokoll, daß tatsächlich religiöse Bedenken den Aus, tritt aus der Synagogengemeinde veranlaßt hätten. i. Köln, 21. November. Dem Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit des Jugendverei ns Gabriel Rießer hier entnehmen wir folgendes von allgemeinem Interesse. Der Verein wurdeHm 8. Dezember 1905 mit sieben aktiven Mitgliedern begründet. Bei Abschluß dieses Berichtes (Ende Oktober 1906) zählte derselbe 106 aktive, 33 inaktive, insgesamt 139 Mitglieder. Der Verein hat neun Diskussionsabende über jüdische, vier über allgemeine Themata, einen Vortragsabend, vier gesellige Abende veranstaltet. Diese Uebersicht über die bisherige Vereinstätigkeit möge zu der Frage anregen, ob nicht überall solche Jugendvereine einzurichten wären. Am Schluß des Berichts heißt es: „Mit besonderer Genugtuung heben wir hervor, daß sich die Angehörigen sämtlicher Richtungen des deutschen Judentums bei uns eingefunden haben. Unsere Arbeit war von dein Grundgedanken getragen, daß die Liebe zum Judentum einen Boden für die gemeinsame Arbeit aller bietet. Die stetig wachsende Teilnahme der Gemeindemitglieder, der überraschende Besuch unserer Veranstaltungen, hat unseren Verein zu einer beachtenswerten Erscheinung in der jüdischen Jugendbewegung gemacht, die aber auch für das deutsche Gesamtjudentum insofern von Interesse sein darf, als sie ein Ausdruck der immer stärker werdenden Einigungsbestrebungen innerhalb desselben ist." Darmstadt, 22. November. Die hessische Regierung hat dem Landtage bekanntlich einen Gesetzentwurf unterbreitet, in denr die Verfassung und Verwaltung der israelitischen Religionsgesellschaften in Hessen gänzlich neu geregelt wird. Daraufhin haben nun die orthodoxen israelitischen Religionsgesellschaften eine Petition an den hessischen Landtag gerichtet, in der die Ablehnung der Vorlage gefordert wird, da die zur Vorberatung des Entwurfes geladene Kommission nur aus Anhängern des Neujudentums bestanden habe, „die den orthodoxen Juden genau so fern stünden, wie die Evangelischen den Katholiken". So wenig man, so heißt es in der Petition, ein gemeinsames Konsistorium für Protestanten und Katholiken bilden könne, so wenig könne man auch eine Zentralverwaltung für die beiden Richtungen im Judentum schaffen. — Das sind immer dieselben falschen Behauptungen, die schon hundertmal widerlegt sind, trotzdem aber regelmäßig wiederkehren. Gesterretch-Nnsarn. Wien, 26. November. Wie sehr die österreichischen Juden an der neuen Wahlreform beteiligt sind, ist in diesem Blatte schon wiederholt ausgeführt worden. Leider herrscht unter uns zu wenig Einigkeit, sonst hätten wir bei diesem Anlasse viel mehr erreicht. Das zeigten auch die mährischen Landtagswahlen. In verschiedenen Wahlkreisen wurden Antisemiten mit Hilfe jüdischer Stimmen gewählt. Das ist traurig und beschämend zugleich! — Nach jahrelangen Vorarbeiten ist der Religionsunterricht der ungarischen Israeliten einer gründlichen Reform unterzogen und einheitlich geregelt worden. Der neue Lehrplan liegt nun vor. Er erstreckt sich auf alle Klassen sämtlicher Schulkategorien sowie auf den Jugendgottesdienst. Er ist ein mustergültiges Elaborat, welches zeigt, auf welch hoher Stufe der israelitische Religionsunterricht dort steht. Denr neuen Lehrplan entsprechend hat die Pester Kultusgemeinde auch neue Schulbücher für den Religionsunterricht ausarbeiten lassen. — In Sissek wurde Dr. A. Heiß vom Breslauer Seminar zum Rabbiner gewählt. England. i. London, Mitte November. Vor kurzem verschied hier plötzlich im besten Lebensalter Frau Helene Chotzner (geborene Banasch), die Gattin des langjährigen Mitarbeiters an diesen Blättern, Reverend Dr. Chotzner, und ihr unerwarteter Tod hat in all den jüdischen wie nichtjüdischen Kreisen, wo sie Umgang pflegte, ein schmerzliches Gefühl hervorgerufen. Die Verblichene, die eine Cousine der Frau Rabbiner Dr. Werner (geborene Banasch) in München war, machte sich als Rabbinersgattin in Belfast während einer langen Reihe von Jahren, und auch in jedem anderen Lebensstande, durch ihre hilfreiche Tätigkeit unter den Armen allgemein beliebt. Zu ihrem Andenken wurde daher ein Trauergottesdienst in der Belfaster Synagoge abgehalten. Was diesen traurigen Vorfall noch viel schmerzlicher macht, ist der Umstand, daß die Verblichene gerade in derselben Woche verschied, wo ihr einziger Sohn, der im englischen Staatsdienste einen bedeutenden Posten bekleidet, sich mit der Nichte des

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