Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1906)
- Date
- 1906-11-23
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 der Gründer Und damalige Eigentümer des „Fremdenblattes", einen publizistischen Wirkungskreis in dieser Zeitung eröffnete, wo er dann die Schärfe und Logik seiner juristischen Deduktionen in den Dienst aller Negierungen stellte, die in' den letzten 25 Jahren in Oesterreich am Ruder waren. Nach dem Tode Gustav Heines (1886) wurde Frydmann Chefredakteur des „Fremdenblattes". Die Hochschätzung, die er sich in dieser Eigenschaft in Regierungskreisen eryiarb, kam darin zum Ausdruck, daß er nacheinander Regierungsrat und Hofrat wurde und den erblichen Adel erhielt. Frydmann ist etwa 60 Jahre alt geworden." Er starb nach langer, schwerer Krankheit. — In Lemberg wurde Dr. Simon Schaff an Stelle des verstorbenen Dr. Enül Byk zum Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde gewühlt. — In Budapest hat der Vorstand der israelitischen Kultus" gemeinde beschlossen, ein jüdisches Gymnasium zu errichten. Die Baukosten werden aus der Freistädtlerjchen Stiftung gedeckt werden, während die nach dem Bau noch verbleibenden 300 000 Kronen sowie die Zinsen zweier von der jüdischen Kultusgemeinde verwalteter ähnlicher Stiftungen zur Erhaltung des Gymnasiums verwendet werden sollen. Die Kultusgemeinde hofft, der Unterrichtsminister werde der Verwirklichung dieses seit langer Zeit gehegten Planes keine Schwierigkeiten in den Weg legen. — In Budapest ist der Ilniversitätsprofessor Dr. Ladislaus Fayer, ein namhafter Jurist, gestorben. Vvn Aah und jfern. - Am 13. d. M. ist hier der Rittergutsbesitzer Dr. M a x Heim ann im 71. Lebensjahre gestorben. Er war Breslauer von Geburt, der jüngste Bruder des verstorbenen Geheimen Kommerzienrats Heinr. Heimann, ein unter seinen Berufsgenossen hochgeschätzter Landwirt, der durch eigene rationelle Bewirtschaftung seines Besitzes denselben zu hoher Ertragsfühigkeit und Rentabilität gebracht hatte. Seinem Glauben treu, hat er die Gemeinde Kofel stets tatkräftig gefördert. Ehre seinem Andenken! — Verschiedene Blätter bringen wieder Nekrologe aus den hier verstorbenen Publizisten Hugo Jacobi, der Protestant war. „ Das Gleiche gilt von dem Professor Oscar Israel unb dem Schriftsteller Dr. Ludwig Salomon in Jena. Dieses Treiben wird mit der Zeit doch gar zu arg! — Anläßlich der 25jährigen Wiederkehr des Tages der Botschaft des hochseligen Kaisers Wilhelm betreffs der sozialen Fürsorge hat der Kaiser der verwitweten Generalkonsul Freifrau Mathilde von Rothschild in Frankfurt a. M. den Wilhelm- Orden verliehen. - - In K ü strin hat die Stadtverordnetenversammlung nach warmer Befürwortung durch den ersten Bürgermeister und andere Redner mit großer Stimmenmehrheit die Aufhebung des vor zwei Jahren erlassenen Verbots des Schächtens im städtischen Schlachthofe beschlossen. — In Glogau wurden auf dem alten jüdischen Friedhofe 106 Ausgrabungen vorgenommen; es wurden nämlich 106 Leichen, resp. deren Gebeine, Schädel usw., exhumiert, wozu ebensoviel kleine Särge und Leichentücher verwendet wurden. Diese Arbeiten und die Ueberführung und Wiederbestattung nahm volle drei Wochen Zeit in Anspruch. — In Bunzlau ist das Schächten nun doch untersagt. Auf Grund eines einzigen „Gutachtens" wurde die Angelegenheit der Polizeiverwaltung überwiesen, und diese hat das Schlachten nach jüdischem Ritus untersagt. Diese Bestimmung ist bereits am 1. d. M. in Kraft getreten. Die jüdischen Einwohner beabsichtigen, nunmehr aus einem der benachbarten Dörfer, wo das Schächten gestattet ist, ihren Fleischbedarf zu beziehen. — Eine Sittlichkeitsvereinigung hatte mit den Vorsitzenden der größten Cölner Karnevalsgesellschafteu, mit der katholischen, evangelischen und auch jüdischen Geistlichkeit, sowie angesehenen Bürgern der Stadt, Besprechungen darüber, wie den Auswüchsen des Karnevals bei dem Trubel auf den Straßen beizukommen sei. — In Siegburg ist am 7. d. M. der Vorsteher der dortigen Synagogengemeinde, Herr Bernhard L öweil stein, gestorben. Derselbe führte 22 Jahre utt, unterbrochen das Amt des ersten Vorstehers. — Aus Stut tgart wird uns niitgeteilt, daß die 25jährige Wiederkehr des Todestages von Bertold Auerbach einer Anzahl von Freunden und Verehrern des Verstorbenen Veranlassung geben wird, an seinem Geburtshause in Nordstetten bei Horb eine Gedenktafel anzubringen. Anch soll in Erwägung gezogen werden, dem unvergeßlichen Manne an geeigneter Stelle ein einfaches, seinem schlichten Wesen entsprechendes Denkmal zu errichten. Eine Biographie Auerbachs aus der Feder Dr. Anton Bettelheims wird im Cottaschen Verlag erscheinen. — In Papa (Ungarn) ist der bekannte Oberrabbiner Dr. Roth im 62. Lebensjahre gestorben. -- Der aus Leipzig stammende Dr. med. L. Asher, seit 1895 Titularprofessor und Privatdozent für Physiologie an der Universität Bern, wurde zum außerordentlichen Professor der Physiologie, mit besonderem Lehrauftrag für Biophysik und Eruährungsphysiologie, an derselben Universität ernannt. — Der König von Italien hat den Orden der italienischen Krone dem Chef des großen Bankhauses Michele Tebenedetti in Alessandria und Herrn Giacobbe Tedeschi, Mitglied der Handelskammer, in Turin verliehen. — Professor Dr. M. Hugo in Nizza ist zum Chefarzt des dortigen Hospitals gewählt worden. — Alfred Dönery, Ingenieur im Departement der Posten und Telegraphen, ist zum Privatsekretär des Staatssekretärs für dieses Departement, und M. A. Levy zum Privatsekretär des Justizministers ernannt worden. - Der Oberstleutnant Frederick Nathan in London hat die Ritterwürde erhalten. England hat zwölf jüdische Barone und vierzehn Ritter. — Die russische Finanzagentur in London dementiert offiziell die Nachricht, daß die russische Regierung mit dem Hause Rothschild wegen einer Anleihe verhandelt habe. Das ist die Geschichte von dem Fuchs, dem die Trauben zu sauer waren! — Die Anglo-Jewish-Association hat in ihrer letzten Sitzung den Vorschlag des zionistischen Aktionskomitees abgelehnt, ein Waisenhaus für Pogromwaisen in Palästina einzurichten. Man hielt es für bedenklich, sich in die politischen Verhältnisse Palästinas einzumischen, was mit der Annahme des Vorschlages geschehen würde. Die palästinensischen Juden seien in den letzten Wochen in einem Zustande der Gärung gewesen, infolge des Todes des Chacham Baschi, und die zionistische Frage und die Absichten der Zionisten seien während der Wahlen mit außerordentlicher Leidenschaft diskutiert worden. In einem solchen Zeitpunkte erscheine es nicht opportun, eine zionistische Gründung in Palästina zu unterstützen. — Die Hohenlohesche Besitzung „Werki" in Rußland wird in einem großen russischen Blatte zum Verkauf angeboten. Diese Nachricht dürste gerade gegenwärtig weitere Kreise interessieren. In der Annonce heißt es ausdrücklich: „Anhänger jeder Konfession können, wie ausdrücklich hinzugefügt wird, den Besitz erwerben." Wie gütig! —- Zahlreiche zur griechischkatholischen Kirche übergetretene Juden haben bei dem russischen Ministerium des Innern um die Erlaubnis nachgefucht, auf Grund des Manifestes vom 17. Oktober 1905 wieder den mosaischen Glauben annehmen zu dürfen. Nachdem sich das Ministerium des Innern mit dem Heiligen Synod in Verbindung gesetzt hat, ist den Bittstellern die Antwort geworden, daß dem Rücktritt nichts iin Wege steht, die Rekonvertiten jedoch verpflichtet sind, sich im Ansässigkeitsrahon der Juden niederzulassen. Unerhört! — Unter allgemeiner Teilnahme weiter Kreise wurde in Petersburg der siebzigste Geburtstag des berühmten Gelehrten Staatsrat Dr. A. Harkavy gefeiert. Nachdem vormittags ein Festgottesdienst die Freunde und Verehrer des Gefeierten vereinigt hatte, erreichte am Abend die Veranstaltung ihren Gipfel in einer Festversammlung, die im Alexandersaale der Gemeiudesynagoge stattfand. Baron Günzburg überreichte die Adressen. Depeschen und Briefe aus allen Ländern der Welt. Dr. Markon machte Mitteilung über die Jubelschrift der hervorragendsten jüdischen Gelehrten aus diesem Anlaß, die demnächst erscheinen wird. Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagier-Dampfern der Hambnrg-Amerika-Linie finden statt: Nach Newhorkr 17.ZI. Postdampfer „Pretoria", 24.11. „Graf Waldersee", 29./II. „Kaiserin Auguste Victoria", 1./12. „Blücher", 8./12. „Pennsylvania", 13./12. „Amerika". 22. 12. „Batavia", 29./12. „Pretoria". 5./1. 07 „Kaiserin Auguste Victoria, 12.'1. 07 „Blücher". Nach Boston: 17./11 „Belgravia", 27. 11. „Silvia". Nach Baltimore: 17./11. „Belgravia", 27., 11. „Silvia". Nach Philadelphia: 20./11. „Pallanza", 29./11. „Barcelona". Nach Westindien: 16./11. „Georgia", 24./11. „Hel" vetia", 27./11. „Gälicia", 1/12. „Hellas". Nach Mexiko: 14./11- „Kronprinzessin Cecilie", 17./11. „St. Croix", 29./11. „Bavaria"' Nach Äeworleans r 27./11. „Manchester Spinner". Nach Ostasien: .0.11. „Silesia". 30./11. „Saxonia". 10./12. „Slavonia", 20,112. „Scandia". Nach Wladiwostok: 20./12. „Suevia". Arabisch- Persischer Dienst: 15./11. „Canadia", 17./12. „Sicilia". £