Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1906)
- Date
- 1906-09-07
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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ovtreit dieses Mannes, die iCju doch nie banm linderte, sich jedettl Menschen gegenüber, der feinett Rat oder seine Hilfe in irgend welcher Angelegenheit auch immer nur wünschte, edel und stets gern hilfsbereit zu zeigen. Ehre seinem Andenken! England. f. London, 1. September. Am 20. d. M. starb, wie bereits gemeldet, nach kurzer^ber schwerer Krankheit hier der bekannte Red. Simeon Singer. der langjährige Rabbiner derNew^e^-I! 1-16-850 a.- gogue. 1848 als Sohn eines ans Ungarn eingewandertenJuden zu London geboren, besuchte er den Jews College, um dann zunächst Lehrer an der Vorbereitungsschule dieser Anstalt zu werden. Schon als 19jähriger Jüngling zum Rabbiner an der eben eingeweihten Borough-New-Synagogue gewählt, verstand er sich als Rabbiner, Lehrer und Prediger einen solchen Ruf zu verschaffen, daß er schon 11 Jahre später als Rabbiner der vornehmen und freisinnigen New- YVest-End-Synagogue berufen wurde. Hier wußte er sich die Achtung und Liebe aller seiner Gemeindemitglieder bald in so hohem Maße zu erwerben, daß ihm für wohltätige Zwecke stets reiche Mittet zur Verfügung standen. Er verwendete die ihm so reichlich gespendeten Summen vornehmlich nur zur Unterstützung verschämter Armen, deren traurige und bedrückte Lage häufig auch nur ihm allein bekannt war und für die er nebst gütigem, trostreichen Zllspruch stets ganz bedeutende Beträge zur Verfügung hatte. Außer für die Armen war Singer auch ein Wohltäter für die Reichen, welche für ihre Gaben von ihm in Gestalt von in geistvoller Weise vorgetragenen Reden reichlich belohnt wurden. Namentlich war sein Einfluß auf die jüdische Jugend ganz enorm, und mancher reiche Londoner Ju.de, der jetzt an der Spitze jüdischer Wohltätigkeitsvereine steht, hat sein Interesse für das Judentum ausschließlich Rabbi Simeon Singer zu verdanken. Er selber stand als Vorsitzender oder Vorstandsmitglied an der Spitze zahlreicher jüdischer Wohlfahrtseinrichtungen, und man kann sagen, daß es in London überhaupt keinen jüdischen Wohltätigkeitsverein gibt, dem der Verstorbene nicht in leitender Stellung angehört hatte. Trotzdem seine ganze Zeit von lokaler jüdischer Wohltätigkeit in Anspruch genommen war, fand Singer doch noch Zeit und Muße, sich auch mit allgemeinen, über die Grenzen Englands weit hinausgehenden jüdischen Dingen zu befassen. So war er Vorstandsmitglied des bekannten Russo-Jewish- Komitees, für welches er mehrere Reisen nach dem Kontinent unternahm. Ferner war er Vorsitzender des englischen Zweigvereins zum Schutz von Frauen und Mädchen und Leiter des Komitees für die Abarbanellbibliothek in Jerusalem. Daß der Verstorbene bei dieser hingebenden Beschäftigung mit jüdischen Tagesinteressen für literarische Arbeiten nicht viel Zeit übrig hatte, ist nahezu selbstverständlich. Dennoch hat er selber viel studiert und galt hier als bester Kenner des Midrasch. Außerdem hat er eine Reihe von größeren Artikeln religiösen Inhalts in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht. In Buchform erschienen von Zeit zu Zeit seine Predigten, ferner „Talmudische Fragmente aus der Bodleiana". Endlich hat er im Aufträge des englischen jüdischen Gemeindebundes das Gebetbuch in ein vortreffliches Englisch übertragen. Rev. Singer gehörte durch seinen ausopfernngsvollen Charakter, sein edles, für die Not aller Juden warmsühlendes Herz, sowie endlich. durch seine immense Arbeitskraft zu jenen Männern in Israel, deren Zahl von Jahr zu Jahr immer geringer wird. Ehre seinem Andenken! Von Kah und Ifrrn. — Ter Regierungsrat z. D. Dr. jur. Eg er hat den Charakter als Geheimer Regierungsrat, der Verlagsbnchhändler Heinrich Kornfeld das Fürstlich Lippesche Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft, „die Lippesche Rose am Ringe", der japanische Konsul Kaufmann Carl Wolfsson den Kaiserlich Japanischen Verdienstorden der aufgehenden Sonne erhalten. — In Schönebeck a. E. ist der Vorsitzende der Gemeinde, Herr Moritz Marcuse, am 28. v. M. gestorben. Er gehörte mehr als 30 Jahre dem Vorstande an. — Zn Breslau ist Herr- Siegfried Pulvermacher, Mitglied der städtischen Arnieiwerwaltnng. früher Apothekenbesitzer "itt Kn ruck. im 56. Lebensjahre gestorben. — In Salzbrnn n wurde eine Bekanntmachung der herzoglichen Brnnnendirektion angeschlagen, daß vom nächsten Jahre ab das Tragen von Kaftans auf den Promenaden nicht mehr geduldet werden soll. Dieses Kleiderregulativ ist gegen die russischen Juden gerichtet. Es trifft sich seltsam, daß gerade in dieser Woche in den illustrierten Zeitschriften ein Bild reproduziert wird, ans dem König Eduard von England unmittelbar neben einem Kaftantrüger sein Glas Brunnen trinkt. — In Elberfeld wurde am 24. v. M. eine sinfonische Dichtung des Oberkantors H. Ziwi „lieber Babylon nach Nom" mit großem Erfolg int Stadthallen-Konzert anfgeführt. — Ter Generalkonsul Max von Goldschmidt - Roth schild in Frankfurt a.M. hat das Kommandeurkrenz des italienischen Mauritius- und Lazarnsordens erhalten. — Zn der Mitteilung über die Synagogen'weihe in Wein- Heim ist nachzutragen, daß der Erbauer des Gotteshauses, der Architekt Max Seckbach ans Frankfurt a. M., ein Glaubensgenosse ist. — In Frankfurt a. M. fand am 3. d. M. in Gegenwart des Kultusministers Dr. v. Studt, von Vertretern der städtischen Behörden und der ärztlichen Wissenschaft, die feierliche Einweihung des Georg Speyer-Hauses, das von der Witwe Georg Speyers gestiftet wurde, statt. Das dem Geheimrat Ehrlich unterstehende Institut wird der Erfindung und Erforschung neuer Heilstoffe dienen, die direkt aus die Ursache und den Sitz der Krankheit wirken. Frau Georg Speyer erhielt den Wilhelmsorden, Geheinlrat Ehrlich den Roten Adlerorden 3. Klasse. — Bei der Großen Internationalen Jubiläumsausstellung in Frankfurt a.M. für Hunde aller Rassen ist Dr. Piorkowski- Berlin, dem Entdecker des Hnndestaupeerregers, für die Erfolge, die mit dem von ihm hergestellten Staupeserum erzielt worden fiub, der erste Preis und die goldene Medaille zuerkannt worden. — Zum fünfzigjährigen Jubiläum der „Frankfurter Zeitung" haben Herr und Frau Leopold Sou ne mann dem Aujsichtsrat der Frankfurter Sozietätsdruckerei G. nt. b. H. 100 000 Mark übergeben, die nach den näheren Bestimmungen des Anssichtsrats als verzinslicher Iubiläumssonds zugunsten der Angestellten verwendet werden sollen. Außerdem hat aus Anlaß dieses Jubiläums Frau Rosa Sonne mann der Frankfurter Augenheilanstalt für Arme 10 000 Mark überwiesen. — In Dambach (Elsaß! wurde wegen zu geringer Schülerzahl — fünf Kinder im ganzen —- die israelitische Schule aufgelöst und die Kinder der katholischen Schule überwiesen. — Ans Anregung des Neichsrats-Abgeordneten Regierungsrat Dr.S e i n f e l d wird die israelitische Kultusgemeinde Lemberg in Kürze eine Versammlung von Delegierten aller größerer israelitischer Kultusgemeinden Galiziens nach Lemberg einberufeu, die in Sachen der jüdischen Reichsrats - Ma udate verhandeln wird. — In Paris ist im Alter von 58 Jahren der Rat am Appellgericht Georges Denis Weil, einer der angesehendsten französischen Juristen, am 24. v. M. gestorben. — In H yittel kam es zu einem Zusamtnenstoß zwischen Juden und Russen. Es wurden dabei mehrere Schüsse abgegeben, jedoch niemand getroffen. Das Eingreifen der Polizei beugte weiteren Ausschreitungen vor. — In dem russischen Orte Wloclawek sind bei einer Kahnpartie infolge Kentern des Bootes fünf jüdische Studenten ertrunken. Zwei sind gerettet. — Die Liste der hohen französischen Offiziere in den antisemitischen deutschen Blättern war sehr unvollständig. In der frartzösischen Armee dienen 8 Generäle: See, Hinstin, Abraham, Levi-Alvares, Brisac, Valobregue, Franksort, Naquet, Larogue, ferner drei Generalärzte: Aron, Widal, Lemant, endlich der General Auscher, Chef-Ingenieur und Direktor der Marine- Jngenieur-Akademie. — Die am 24. v. M. zu Newy ork verstorbene Witwe des bekannten amerikanischen Porträtmalers Jacob Lazarus, Frau Amelia Lazarus, hat ein Vermögen von 500000 Dollar hinterlassen. Davon sind 180 000 Dollar für 16 verschiedene Newyorker Wohltätigkeitsanstalten bestimmt. Unter - diesen befinden sich acht jüdische Institutionen, welche zusammen 95 000 Dollar erhielten. Der Rest im Betrage von 320 000 Dollar wird nach Abzug einer Reihe von Legaten zu gleichen Teilen unter vier jüdischen Wohltätigkeitsanstalten verteilt werden. — Jüdische Kapitalisten haben eine Konzession zum Bau einer elektrischen Tramway und Art läge elektrischer Beleuchtung in Jaffa erhalten.