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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-09-07 · Heft 36 (7.9.1906) · p. Seite 431

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 36 (7.9.1906)
Date
1906-09-07
Page
Seite 431 (sequence 11)
Language
German
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-- 431 -:- pfc^yj^y^^aB^^g^JfSg Aus trüber Leit. Eine historische Erzählung. III. ^^^er stolze, prachtliebende Graf von Ramira führte ein großes und glänzendes Haus, und das stimmte, Wohl zum Klang seines Namens, aber, nicht zum Stande seines Vermögens. Seine Finanzen waren durch und durch zerrüttet und er sah mit Unruhe in die Zukunft. Unter solchen Umständen hatte der Graf an eine Verbindung zwischen seinem ältesten Sohne und der Tochter von Diego d'Almora gedacht. Denn diese Verbindung konnte allein den Glanz seines Hauses wieder Herstellen. Aber zum großen Erstaunen des Grafen hatte Diego dMmora, statt mit freudiger Dankbarkeit einzuschlagen, auf das so schmeichelhafte Anerbieten unbestimmt und ausweichend geantwortet, und seine Antwort sah einer Ablehnung sehr ähnlich. Der rachsüchtige und jähzornige Graf sah sich in seinen Hoffnungen getäuscht, in seinem Stolz gedemütigt. Er hatte geglaubt, einem einfachen Hidalgo dadurch, daß er ihm Verbindung mit seiner Familie antrage, die größte Ehre anzutun. Deshalb warf er einen heftigen Haß aus Diego d'Almora und schwur, den ihm zugefügten Schimpf blutig zu rächen. In der ersten Aufregung hatte er daran gedacht, ihn als der Ketzerei dringend verdächtig bei der Inquisition zu denunzieren. Nichts war leichter als das; zwei Zeugen, deren Namen während des Prozesses niemals genannt wurden, genügten, einen Menschen in die Gefängnisse des heiligen Gerichts zu bringen, und war er einmal da, so kam er selten wieder lebendig heraus. Die höllischen Folterqualen, denen man die Angeklagten unterwarf, ließen sie alles eingestehen, was man von ihnen verlangte, und wenn einer der Unglücklichen die übermenschliche Kraft hatte, diesen Martern zu widerstehen, so war er erst recht verloren: er wurde als unbußfertiger und hartnäckiger Ketzer verurteilt. Das Vermögen war übrigens an sich ein genügender Grund, ihn den Verfolgungen der Inquisition auszusetzen. Viele der Unglücklichen, die in den Gefängnissen oder auf den Scheiterhaufen starben, hatten kein anderes Verbrechen begangen als das, daß sie reich waren. Denn das heilige Offizium konfiszierte irr seineur Interesse alle Güter der Schlachtopfer, deren Nachkommen entehrt, für infam erklärt und unfähig, irgendein öffentliches Amt zu bekleiden, dem äußersten Elend und der Verzweiflung nahe gebracht wurden. Jedoch das wollte der Graf nicht; er hatte noch nicht ganz auf die Hoffnung verzichtet, trotzdem die gewünschte Verbindung herbeizuführen. Diego hatte formell seinen Antrag noch nicht zurückgewiesen, nichts bestätigte die Gerüchte über die Ehe Fernandos mit Juanita. Der Graf war also entschlossen, eine günstige Gelegenheit abzuwarten und seinen Antrag auf andere Weise nochmals vorzubringen. Uebrigens entging ihm die Rache nicht, er konnte sie später noch täglich ausüben. — Diego d'Almora bewohnte mit seiner Tochter eines der unscheinbarsten Häuser von Saragossa; Fernando, ein einziger Bedienter und eine Dienstmagd bildeten das ganze Hauspersonal, und außer der Mildtätigkeit gegen die Armen und der Freigebigkeit gegen die Kirchen verriet nichts in seinem Hause den Reichtum, den die Welt ihm zuschrieb. Denn er lebte höchst einfach und bescheiden. Einige Tage aber nach der erzählten Unterredung Fernandos mit Mateo gewährte sein sonst so stilles Haus einen belebteren und geräuschvolleren Anblick: die erwarteten Freunde waren angekommen, itnb da sämtliche Gasthäuser der Stadt überfüllt waren, hatten sie die Gastfreundschaft Diegos in Anspruch nehmen müssen. Dieser selbst aber ließ sich in seiner gewohnten Lebensweise nicht stören. So war er denn eines Morgens seiner Gewohnheit gemäß mit Juanita zur Promenade in den Garten hinabgegangen. Von Zeit zu Zeit betrachtete er mit glücklichem Stolz die reinen und angenehmen Züge des jungen Mädchens, denen die schwarzen Augen und das üppige, wie Seide glänzende Haar einen eigentümlichen Reiz verliehen. In bcu Blicken des Vaters lag eine solche Zärtlichkeit und Besorgnis, daß jeder, der ihn ansah, es ahnte, daß er dieses Kind mit doppelter Hingebung liebte. Er mußte ihm die Mutter ersetzen, die Juanita früh verloren; er hatte sie allein erzogen mit alb der Aufopferung, mit all der Liebe, deren ein Vaterherz fähig ist, wenn sich all seine Gefühle in einem Wesen vereinen. Und Juanita — sie fühlte sich glücklich am Arme ihres Vaters, den sie wahrhaftig verehrte, den sie so zu sagen anbetete. Für sie war er der erhabenste Ausdruck aller Tugenden und Vollkommenheiten; sie war stolz darauf, ihm anzugehören, und ihre Hochachtung für ihn war ohne Grenzen, ebenso wie die rührenden Herzensergüsse, mit bcucu sie ihm immerfort ihre Liebe zu erkennen gab. Aber heute lag noch etwas Turchdringenderes, als gewöhnlich, in Diegos Blicken, wenn er seine Tochter ansah, noch ein zärtlicherer Ausdruck in seiner Stimme, wenn er mit ihr sprach. Eine unerklärliche Unruhe erregte sein ganzes Wesen, und je länger er schweigend und in ernste Gedanken versunken dahinschritt, als ob er die Anwesenheit seiner Juanita gar nicht merke, desto mehr überhäufte er sie mit Liebkosungen; oft hielt er plötzlich in der Promenade inne und wandte sich zu seiner Tochter, als wollte er mit ihr sprechen, aber er schwieg, denn ein neuer Gedanke schien seine Worte auf den Lippen zurückzuhalten. Juanita bemerkte die Aufregung ihres Vaters und fühlte sich dadurch ebenfalls beängstigt. Hundertmal war sie im Begriff, ifyn zu fragen, was er habe, und immer vermochte sie, von einer unbesiegbaren Macht znrückgehalten, kein Wort hervorzubringen. Diego war heute schnell müde geworden, denn nachdem er einigemal die alte Akazien-Allee durchschritten hatte, stand er wiederum still. „Gehen wir hinein," sagte er zu Juanita, „gehen mir hinein, mein Kind, ich fühle mich außerordentlich ermüdet, übrigens muß ich Dich sprechen, und was ich Dir zu sagen habe, läßt sich besser im Zimmer als hier im Garten abmachen." Wenn Diego ohne Zeugen mit seiner Tochter sprechen wollte, so waren die Umstände dazu gerade jetzt sehr günstig; oder vielmehr er selber hatte diese Umstünde herbeizuführen gewußt. Fernando war mit den in Saragossa angekonunenen Freunden ausgegangen; der einzige Bediente des Hauses hatte sie auf Diegos Befehl begleitet und die Dienstmagd wurde durch die Sorge für die Wirtschaft, die in den letzten Tagen durch die Anwesenheit der Gäste größer als wie gewöhnlich, in der Küche znrückgehalten. Das Haus war infolgedessen einsam und verlassen. Diego wollte seine Tochter in sein eigenes Zimmer führen; er stieg die Stufen der Freitreppe hinan und durchschritt mehrere Gemächer, bis er in sein Kabinett gelangte, daß am äußersten Ende des Erdgeschosses lag. litt

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