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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-08-03 · Heft 31 (3.8.1906) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 31 (3.8.1906)
Date
1906-08-03
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Haus Ecke der Wollzeile und des Parkrings. Dort kamen alle hervorragenden Persönlichkeiten der damaligen politischen Welt zusammen, und in feinsinniger und liebenswürdiger Weise machte Frau Regina Kuranda die Honneurs des Hauses. An der Bahre der Verblichenen trauern drei Söhne, der Ministerialrat im Eisenbahuministerium Camillo Kuranda, der Direktor des Wiener Bankvereins Felix Kuranda, der Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Arthur Kuranda, und eine Tochter, Olivia Kuranda. — Die „Nowa Reforma" meldet, daß der Bezirkshauptmann von Chrzanow 24 jüdische Familien seines Bezirkes, die aus Rußland stammen, aber zum größten Teile nahezu 30 Jahre in Oesterreich wohnen, ausgewiesen und angeordnet hat. daß sie binnen acht Tagen Oesterreich verlassen müssen. Die Zahl der Ausgewiesenen beträgt insgesamt etwa 150 Personen. Preußen macht Schule! $ Von Sah und fern. ,Der Bankier Alexander Löwenherz, Begründer der Bankfirma Alexander Löwenherz Nächst., feierte am 29. d. M. seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar hat besonders als Vorstandsmitglied der jüdischen Reformgemeinde eine eifrige und segensreiche Tätigkeit entfaltet..— Im 69. Lebensjahre ist am 26. v. M. Herr Theodor Lustig nach langem Leiden gestorben. Derselbe gehörte seit Jahren dem Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes an und hat dort eine rege und verdienstvolle Tätigkeit entwickelt. Ehre seinem Andenken! — Auf Gründ der vorläufigen Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 zählt Breslau bei einer Gesamtbevölkerung von 470 827 Seelen neben 269 342 Evangelischen, 352 Reformierten, 3013 Alt-Lutheranern, 171 774 Katholiken, 20 418 Juden. — Der Magistrat zu Bunzlau hat den Beschluß gefaßt, das Schlachten nach jüdischem Ritus im Schlachthose zu untersagen. Eine entsprechende Vorlage wird der Stadtverordnetenversammlung zugehen und schon in nächster Versanunlung zur Beratung kommen. — In Dessau ist am 24. v. M. der Kommisstonsrat Moritz Pr obst im kaum vollendeten 59. Lebensjahre gestorben. Derselbe gehörte seit Jahren dem Vorstände der israelitischen Gemeinde und vielen Vereinen innerhalb derselben als Mitglied an. — Sanitätsrat Dr. Stern in Nord hausen ist der einzige Jude, der der Aerztekammer der Provinz Sachsen als Mitglied angehört. — Wie aus Bern gemeldet wird, hat der ordentliche Professor für Geographie au der dortigen Universität, Dr. Alfred Philippson, einen Ruf nach Halle erhallen. — Der verstorbene Vorsitzende der Gemeinde in Delmenhorst, Herr 3 I. Schwabe, vermachte der israelitischen Gemeinde sein in der Gartenstraße belegenes, unmittelbar an die Synagoge angrenzendes Grundstück. — Dr. Max Eschelbacher, Sohn des Rabbiners Dr. I. Eschelbacher in Berlin, der ein Vierteljahrhundert in gleicher Eigenschaft dort amtiert hat, ist einstimmig zum Rabbiner von Stadt und Bezirk Bruchsal gewählt worden. — Die, natürlich antisemitischen, Meldungen von einer tätlichen Beleidigung des Majors Dreyfus durch einen anderen Offizier bei einem Diner sind amtlich in aller Form dementiert worden. — Der Rat vom Appellgericht zu Paris, M. Valabregue, wurde zum Kammerpräsidenten daselbst ernannt. — Deutsche Blätter orakeln über jüdische Namen im französischen Heer. Man trifft sie ziemlich häufig bei der Infanterie an, wo es u. a. einen Obersten Holender, mehrere Oberstleutnants Bloch usw. gibt, — in den unteren Graden verstärkt sich das Verhältnis noch ganz wesentlich. Besonders zahlreich aber sind diese Namen bei der Artillerie, die u. a. die Obersten Francfort, Krebs, Mayer-Samuel, Lucas, einen Oberstleutnant Borchard, die Majore Isidor, Levi, Ely. Bloch, Meyer, Kotz, Kahn, Marcus, Aron, Cahn und Fraenkel und die Kapitäne Grünfelder, David, Levy, Libmanu, Koblentz, Magnus, Adam-Salomon. Weil und Baron aufweist. Der Name Levy kommt im französischen Osfizierkorps nicht weniger als 90mal vor, der Name Meyer 70mal, der Name David 79 mal, Bloch 7nml, Jacob 36mal, Jsaac 6mal und Simon 121mal. Es gibt ferner vier Nathan, drei Cohen, ein Davidsohn, zwei Jacobsohn, fünf Loevy lbezw. Loeb, Loewe. Loew), drei Oppenheim, ein Gerson, zwei Barone Rothschild, fünf Katz, zehn Kauffmann usw. In der Generalität scheinen zurzeit nur die Namen Heimburger, Feldmann und Libermann auf israelitische Abstammung ihrer Träger hinzudeuten. Das letztere ist entschieden falsch. — Angesichts des in Odessa drohenden Ausbruchs einer neuen Verfolgung, hat das Zentralkomitee der „Alliance Israelile Universelle" eine Eingabe an den Ministerpräsidenten Bourgeois gerichtet, um ihn zu bitten, dafür zu sorgen, daß sich im Hafen von Odessa französische Kriegsschiffe einfinden mit der Ermächtigung, die aus der Stadt flüchtenden Juden aufzunehmen und ihnen den Schutz der französischen Flagge zu gewähren. — Der verstorbene Bey von Tunis war bekannt als ein Feind der Juden. Er schloß während seiner ganzen Regierung systematisch diese von allen öffentlichen Aemteru aus. Sein Nachfolger, Sidi Nacer Bey, ist liberaler gesinnt und den Juden wohl geneigt. Eine seiner ersten Regierungshandlungen war die Begnadigung vieler, die lange Zeit eingekerkert worden waren. Zu der bei seinem Regierungsantritt im Bardopalast abgehaltenen Zeremonie waren auch die Führer der tunesischen Juden geladen. — In diesem Monat wurden dreizehn russische Juden, worunter sich mehrere politische Flüchtlinge befanden, von der Lon d oner Hafenbehörde nach den Bestimmungen des Einwanderungsgesetzes zurückgewiesen. — Eine Flugschrift des Fürsten Urussoff mit Aktenstücken, die die Mitschuld Trepows sowie der Polizei an den russischen Judenmetzeleien beweisen, soll am 17. Juli erscheinen. Der Fürst wird ein Exemplar dem Zaren übersenden. Es wird versichert, daß Urussoffs Auftreten im Einvernehmen mit Witte erfolge. — In Jerusalem ist am 21. v. M. der Chacham Baschi der portugiesischen Gemeinde, Rabbi Saul Jacob Eljaschar, im Alter von 89 Jahren gestorben. — Wie der „Köln. Ztg." berichtet wird, ist in den letzten Monaten eine große Anzahl jüdischer Einwanderer aus Rußland und Rumänien in Jerusalem eingetroffen. Man schätzt die Zahl der Einwanderer, die sich in Jaffa ausgeschifft haben, auf 5000. Die Einwanderer haben sick hauptsächlich in der Nähe der Städte Ramley und Lydda niedergelassen. Fast das ganze fruchtbare Land ist bereits in Händen der Juden, die es mit großem Geschick und viel Fleiß bearbeiten sollen. Zurzeit durchforschen jüdische Finanzleute die Gegend östlich vom Jordan nach Kerak zu. Man hat sehr fruchtbaren Boden gesunden, nur bildet die Nähe von Beduinenstämmen ein Hindernis der friedlichen Ansiedlung. Die Finanzleute haben sich daher mit der türkischen Regierung in Verbindung gesetzt und sie um Schutz gegen Ueberfälle von Beduinen gebeten. — Nach der Zeitschrift „Die Welt" hat sich eine Gruppe von Ger im (russische Proselyten), frühere Erdarbeiter in Rußland, die im Winter nach. Palästina gekommen sind, jetzt in Schimschon, in der Nähe von Liberias, auf der Jca gehörigem Boden als Pächter niedergelassen. Ferner ist eine Gruppe kaukasischer Bergjuden, gleichfalls Erdarbeiter, mit etwas Vermögen angekommen, die sich eventuell in Transjordanien niederlassen wollen. — Um den armen jüdischen Flüchtlingen, welche Rußland verlassen und dadurch ihr Gewerbe verloren haben, Gelegenheit zu geben, sich ihren Unterhalt zu verdienen, hat die North Egyptian Land Co. Ltd. westlich von Alexandrien ein Terrain gekauft, auf dem sich diese russischen Flüchtlinge ansiedelu werden. Das von der erwähnten Gesellschaft gekaufte Terrain umfaßt einen Flächeninhalt von 14500 Feddan kein Feddan — 4200 Quadratmeter) und liegt 60 Kilometer westlich von Alexandrien, bei der Station Hammam der Privateisenbahn des Vizekönigs von Aegypten. Die Bahn selbst ist bereits 130 Kilometer lang und ihr Bau wird ununterbrochen fortgesetzt, da sie bis zur Grenze von Tripolis, etwa 450 Kilometer westlich von Alexandrien, ausgebaut werden soll. — Vom 1. bis 7. v. M. fand in Indianapolis (Indiana) die sechszehnte jährliche Konferenz der Rabbiner Amerikas statt. Die Hauptthemata der Beratung waren der Sonntagsgottesdienst und die Frage einer Zentralvertretung der amerikanischen Juden — Bei der in Kimberley (Kapland) erfolgten Neuwahl des Bürgermeisters ist ein Jude namens Sa gar gewählt worden. Er ist der erste Jude, der in Kimberley dieses Amt bekleidet. Jedoch wirkten in anderen Städten Britisch-Südafrikas schon öfters Juden als Gemeindeoberhäupter, wie zum Beispiel in Kapstadt Mr. Langermann.

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