Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 16 (6.2.1838)
- Date
- 1838-02-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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B Zahrgaug. All§eMktNe Nv. 1«. Zeitung des Audcnthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer aLlergnädigster Concefsion.) Leipzig, den h. Februar 1838. Zeitungsnachrichten. Mainz, 7. Jan. Die kirchliche Feier der hiesigen Synagoge, bei Gelegenheit des Geburtsfestes unseres Großherzogs, war diesmal eine wahrhaft würdige. Treffliche deutsche Choräle erklangen, und eine inhattschwere Predigt setzte auseinander, wie Vieles die Juden des Großherzogthums von jeher, und besonders in den neuern Zeiten, ihrem Fürsten zu danken haben. Das ist aber auch ein Punkt, der nicht genug hervorgehoben werden kann. Will man eine wirklich erfreuliche Lage dieser Staatsangehörigen sehen, so muß man sie in Hessen suchen. Zu den Wissenschaften, zu den Künsten, zu allen Gewerben, zum Feldbau, kurz zu allen Quellen ehrbarer Lebensbeschästigungen ist hier den Juden der Weg gestattet, und eben so wenig denkt man daran, sie im kleinern oder großem Handel zu beschranken, obwol man sie indirect von dem unehrbaren Schacher abzieht, da man sie in den ehrbaren Nahrungszweigen vorzugsweise unterstützt. Ist auch die vollkommene Emancipation als solche noch nicht ausgesprochen, so zeugen doch alle Symptome dafür, daß wir nicht mehr fern von diesem Endpunkt der gerechten Wünsche der hessischen Juden sind. Und bliebe auch dieses erwünschte Gut noch langer aus, als man erwartet, so wird schon darum die Entbehrung nicht wehe thun, weit man weiß, daß sie von keiner Intoleranz und von keinem Vorurtheil ausgeht. (L. A. Z.) Polnische Grenze, 2. Januar. Wahrend in England und Deutschland noch lange dafür. und dagegen gestritten werden wird, ob den Juden alle bürgerliche Rechte zu ertheilen, ist dies in Rußland bereits auf das vorteilhafteste entschieden. Der Erfolg des Judenreglements vom 15. April 1835 zeigt jetzt schon seine beste Wirkung. Der eben so aufgeklärte als gelehrte Minister des öffentlichen Unterrichts, Graf von Uwaroff, hat es dahin gebracht, daß die Juden in allen Lehranstalten ausgenommen werden können, und auf den Universitäten werden ausgezeichnete Schüler jüdischer Religion sogar auf Staatskosten erzogen, da (?) der jüd. Nation sich in Rußland befindet, nemlich 1,070,000 Seelen. Jeder Jude, welcher als Candidat entlassen wird, erhält den Titel Ehrenbürger; wer aber den Doctorgcad erhalt, erwirbt das Recht auch auf seine Nachkommen. Auch können solche Doctoren in den Staatsdienst treten. Außer den 3523 in Rußland bestehenden Talmudschulen, ward zuerst in Odessa eine höhere Bürgerschule für Juden angelegt, wo jetzt über 400 junge Leute erzogen werden, die Ruffisch, Französisch, Rechnen, Geographie, Physik und Geschichte lernen. Eine zweite solche Schute ist seit 1835 zu Kuwano im Gouvernement Kjew eröffnet und zählt bereits 100 Zöglinge. (L. A. Z.) Paris, 13. Jan. Ueber das in Saint-Esprit letzt stattgefundene und bereits berichtete Ereigniß schreibt der Co u rrier-fran9ais wiederum: — „Die Sentinelle der Pyrenäen hat in einrr der letzten Nummern eine Thatsache berichtet, die wol die Beachtung der pariser Blätter zu verdienen scheint, denn sie zeigt offen, wie sehr noch Fanatismus und Intoleranz sogar bei den hohen Ständen einiger Departements vorherrschen." — „Herr Rodriguez der jüngere, Israelit und geachteter Kaufmann, versah seit mehren Jahren in Saint-Esprit (Depart. Candes) das Amt eines Maire-Adjunkten, und da er durch Ordonnanz des letzten December zum wirklichen Maire ernannt worden, hielten es zehn katholische Mitglieder des Stadtraths für eine Gewissenspflicht, durch Niederlegung ihrer Stellen gegen diese.Ernennung zu protestiren. Sie richteten deshalb ein Schreiben an die Redaction der Sentinelle der Pyrenäen, datirt vom 4. Januar, um sich durch dieses Blatt zu rechtfertigen; sie verbreiten sich deshalb mit einer Offenheit, die einer bessern Sache würdig, wäre." — „Wir brauchen wol nicht zu erwähnen, daß Sitten und Ideen unsrer Zeit eine solche Thatsache mißbilligen, und daß wahrlich ein unsinniger Muth dazu gehört, um offene Fehde gegen Principien zu beginnen, die, ehe sie das Gesetz festsetzte, bereits in der öffentlichen Anerkennung Grund und Boden erhalten." — „Da sich Herr Rodriguez als Maire-Adjunkt die Achtung Aller erworben, so können wir diesen Schritt der zehn Mitglieder des Stadtraths von Saint-Esprit nur als eine offene Erklärung der örtlichen Intoleranz betrachten. Wir glauben, daß bei genauer Erwägung der besondern Interessen sowol, die sie vertreten sollten, als auch in moralischer und politischer Hinsicht von ihnen ein großer Fehler begangen worden, wo es recht gut ist, wenn die Gerechtigkeit der öffentlichen Meinung, die nicht so leicht auf Abwege geräth, als sie denken, von ihnen strenge Rechenschaft fordert." Lemberg, 11. Jan. (Privatmitth.). Ich erlaube mir, die Berichtigung einiger Jrrthümer in Oertlichkeiten, die mir bei dem aufmerksamen Verfolgen der Attg. Zeit. d. Jud. aufgestoßen, Ihnen mitzutheilen. In No. 94. vor. Jahrg. im Artikel Literatur, steht: Arad in Galizien, anstatt in Ungarn *); ebendaselbst Becdiczom im Littauischen, da es *) Bei öfterer Erwähnung deS verehrten Obcrrabbin. Chorin in Arad hat die Red. ihrerseits stew Ungarn angegeben. D. Red.