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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-03-09 · Heft 10 (9.3.1906) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 10 (9.3.1906)
Date
1906-03-09
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 wird die Geberhand gewiß noch um so bereitwilliger zur Spende sich öffnen. i. München, 2. März. Wie in den Vorjahren, wird auch diesmal wieder die Hermann und Jettchen Müller'sche Allgemeine Wohltütigkeits stiftung ihren Zwecken entsprechend verwendet werden. Aufgabe der Stiftung ist: a) die Förderung und Unterstützung von Einrichtungen und Veranstaltungen von Erziehungs-, Unterrichts- und Wohltätigkeitszwecke, sowie sonstiger gemeinnütziger Zwecke innerhalb des Judentums, d)' Die Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Glaubensgenossen, jedoch nur sofern die Gewährung inr mittelbaren und unmittelbaren Interesse des gesamten Judentums ist. Andere Unterstützungsgesuche können nach dem Stiftungsstatute keine Berücksichtigung finden, e) Die Verbesserung der bürgerlichen Stellung der Juden. Die Erledigung der Gesuche, welche bis spätestens Mittwoch, 28. März l. I., an die Kultusverwaltung einzureichen sind, geschieht ohne Rücksicht aus Ort und Land der Petenten. g. Bayreuth, 2. März. Gestern hat unter lebhafter Anteilnahme, nicht nur der israelitischen Gemeinde, sondern auch der weitesten Kreise der Bahreuther Bevölkerung, Rabbiner Dr. Salomon Kusznitzki sein 25jähriges Amtsjubiläum gefeiert. Die allgemeine Verehrung und das hohe Ansehen, dessen sich der Jubilar mit Recht erfreut, kam sehr lebhaft zum Ausdruck. Vor allem bei dem Gottesdienst in der Synagoge, zu dem außer der israelitischen auch die Vertreter der Stadtgemeinde zahlreich erschienen waren. In der Predigt gab der Jubilar, seinen Worten den gleichen Text unterlegend, mit dem er sich vor 25 Jahren in der hiesigen Gemeinde eingeführt hatte, ein Bild seiner reichen und gesegneten Tätigkeit. Der Dank, den er für die Unterstützung seiner Bestrebungen der Gemeinde aussprach, mag ihm füglich von der Gemeinde verdoppelt zurückgegeben werden. Im Saufe des Tages folgten der Feier in der Synagoge eine lange Reihe von Ehrungen, viele Glückwunschschreiben und Telegramme, darunter auch, jenes des Bürgermeisters Dr. Casselmann, der zurzeit in München weilt. Regierungspräsident Freiherr v. Roman hatte in einem Handschreiben namens der Negierung von Oberfranken besonders warm und herzlich gratuliert. Im Laufe des Vormittags erschien dann zur Gratulation unb zur Ueberreichung eines wundervollen Blumenarrangements die Deputation der beiden städtischen Kollegien mit Rechtsrat Preu an der Spitze. Sodann überbrachte die Deputation der israelitischen Gemeindeverwaltung ihre Glückwünsche und Festgabe. Antiquar Seligsberg verlieh als Führer der Deputation den Gefühlen Ausdruck, von denen die Gemeinde für ihren Rabbiner beseelt ist. Eine Deputation der städtischen höheren Mädchenschule mit dem Lehrerkollegium überreichte eine prächtige Blumenspende, die Deputationen der übrigen Schulen, an denen der Jubilar wirkt, schlossen sich an. Mit einem silbernen Pokal als Ehrengabe erschien eine Abordnung der dem hiesigen. Rabbinate angeschlossenen auswärtigen Gemeinden. Persönlich erschienen zum Glückwunsch die Vorstände der Schulen, an denen der Jubilar lehrt. Auch die Direktion der Gefangenenanstalteu, an denen dem Jubilar die Seelsorge übertragen ist, brachte ihren Glückwunsch dar. Am Abend war eine Familienunterhaltuug zu Ehren des Jubilars im Ankersaal arrangiert worden. Auch hierbei waren die städtischen Kollegien vertreten. Manches herzliche Wort ward da gesprochen. Die Herren Dr. Holzinger und Dr. Klein dankten in warmen Worten dem verehrten früheren Lehrer. Dr. Kusznitzki selbst erhob sein Glas auf das Blühen und Gedeihen der ihm anvertrauten und am Herzen liegenden Jugend und dankte dann den staatlichen und städtischen Behörden für ihre warme Anteilnahme nicht nur an diesem Fest, sondern auch überhaupt an der israelitischen Kultusgemeinde. Rechtsanwalt Frölich wiederholte namens der Stadtgemeinde die herzlichsten Glückwünsche und verwies mit Recht auf die bewährte Toleranz, die in Bayreuth herrsche und wohl für immer erhalten bleiben möge. So klang das schöne Fest ebenso würdig aus, wie es begönne u hatte. Gesterreich-Nnsarn. A Wien, 5. März. Die Wahlreform steht im Mittelpunkt des Interesses. Vor einigen Tagen empfing der Minister des Innern den Obmann des zionistischen Landeskomitees und des jüdischen Wahlrechtskomitees für Oesterreich, Dr. med. Schalit. Die Audienz war die Fortsetzung einer am 14. d. M. stattgefundenen Unterredung, in der Dr. Schalit dem Minister des Inneren folgende Forderungen bezüglich der Wahlreform formuliert hatte: Die Durchführung der nationalen Autonomie unter Anerkennung der jüdischen Nationalität, wie sie in verschiedenen Versammlungen in Wien und in den Provinzen gesordert worden war, weiter die Einführung des Proportionalwahlverfahrens zum Schutze der Minoritäten, die Trennung der städtischen von den ländlichen Bezirken, für den Fall der Einführung nationaler Kataster die Schaffung eines jüdischen Wahlkatasters und schließlich die Schaffung entsprechender Wahlkreise in Galizien und in der Bukowina. Gras Bylandt-Rheidt erklärte nunmehr, in den von hohem Idealismus erfüllten Bestrebungen der Zionisten eine loyale und österreichische Politik zu erblicken, daß aber das Proportionalwahlverfahren für die Juden keineswegs günstig und daß es überhaupt in Oesterreich schwer durchführbar wäre, weil hierzu zunächst die Zusammenlegung mehrerer Wahlkreise zu einem großen Wahlbezirke erforderlich sei, wodurch die Wahlbezirke eine territoriale Ausdehnung gewinnen würden, die sowohl die einheitliche Organisation und Agitation als auch eine einheitliche Kontrolle unmöglich machen würden. Die Regierung habe es versucht, in der Vorlage allell berechtigten und derzeit erfüllbaren Wünschen der Juden nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. Die weitere Unterredung ergab, daß die Forderung nach Durchführung der nationalen Autonomie aller Völker, und somit auch der Juden, derzeit nicht berücksichtigt worden sei. Dr. Schalit überreichte auch ein Memorandum bezüglich der jüngst erfolgten Auflösung der zionistischen Vereine in Galizien. Diese Maßregel sei eine Folge der vom Abgeordneten Dr. Byk gegen die zionistischen Organisationen begonnenen Agitation; die Auflösung vollzog sich stets in der Form, daß die Negierungsvertreter eine gleichlautende Entrüstungsdepesche vorwiesen, die die zionistischen Vertrauensmänner an Dr. Byk abgesendet hatten, und in der eine statutenwidrige politische Betätigung erblickt werde. Dr. Schalit beschwerte sich darüber, daß die staatliche Intervention, die bei den Jiideuexzessen von Zablotow und Uhnow nicht rechtzeitig bewirkt werden konnte, jetzt zugunsten der Politik eines einzelnen so prompt funktioniert habe. Der Minister sicherte Dr. Schalit eine eingehende Prüfung der Akten nach deren Einlagen zu und versicherte, daß bei loyaler Agitation eine objektive und gerechte Haltung der Regierung erwartet werden könne. Wie mall auch über die zionistische Propaganda urteilen mag, das Vorgehen der galizischen Behörden wird niemand billigen. — In Eg er wurde Rabbiner Dr. M. E. Proßnitz aus Mährisch-Schönberg einstimmig zum Rabbiner gewählt. — In Schasfa ist am 23. v. M. Rabbiner Dr. Adolf Diamant im 63. Lebensjahre gestorben; er hat beinahe ein Vierteljahrhundert segensreich in seiner Gemeinde gewirkt. Vmr Sah und Lern. Anläßlich der Eröffnung des Kaiserin Friedrich-Hauses für das ärztliche Fortbildungswesen erhielt Geh. Kommerzienrat Jacob den Kronenorden 2. Klasse, der Direktor Professor Dr. Robert Ku tu erden Roten Adlerorden 4. Klasse. — Der in unserer vorigen Nununer erwähnte Professor Dr. Fritz Straßmann ist nicht mehr Jude. — Am 28. v. M. ist hier Herr Ludwig Wollenberg im 67. Lebensjahre gestorben. Derselbe war seit sieben Jahren im Ehrendienste der Gemeinde tätig, als Mitglied der Armenkommission, der Kommission zur Unterstützung Durchreisender, der Veranlagungskommission und des Vorstandes der neuen Synagoge. — In Ch arlottenburg ist am 23. v. M. der ehemalige Oberinspektor der türkischen Tabakregie in Smyrna, Saniel Markus, gestorben. Derselbe gehörte zu den vornehmsten Kärnpfern für die Emanzipation der Juden in Runlänien und hat sein ganzes Leben hindurch für die Befreiung seiner Glaubensgenossen gewirkt. Berühmt sind seine Artikel über die Jndenfrage in Rumänien, die er 1901 im „Siöele" publiziert hat. Er zählte zu den Mitgliedern der diplomatischen Sendung, welche vornehmlich in Berlin beim Fürsten Bismarck zugunsten der rumänischen Juden intervenierten. — Nach dem Statistischen Jahrbuch der Stadt Berlin für 1904 wird über die Konfession der Einkommensteuerpflichtigen bekannt, daß die nur 4,88°/0 bet* Gesamtbevölkerung ausmachenden Juden 15107 % der Gesamtzahl aller Stellerpflichtigen mit einem Satze von 21 Mark und darüber I bilden und von delll gesanllen Ertrag der Einkoliilllensteuer 30,114 0 0

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