Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1916)
- Date
- 1916-12-29
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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^iit)i|d)<e Kongretzkomitee" mit dem Lubkomitee der „Konferenz amerikanisch-jüdischer Organisationen" in der Frage des amerikanisch-jüdischen Kongresses getroffen hat, ist den Delegierten der Philadelphia-Vorkonferenz in einem zweiten Referendum zur Abstinnnung unterbreitet worden. An der Abstimmung haben sich 2*21 Delegierte beteiligt, von denen 217 für und nur 4 gegen das neue Abkommen gestimmt haben. Es scheint demnach, daß in dieser Sache nun doch eine einheitliche Aktion der amerikanischen Jndenheit erwartet werden darf. Von Wh und Fern. — Der Hilfsverein der beutfdjcn Juden denkt nächstens in Konstantinopel ein Lyzeum von acht Klassen für jüdische Mädchen zu errichten. Man hofft, da alle Vorbereitungen getroffen sind, es in kurzer Zeit zu eröffnen. Außer der türkischen Sprache soll noch in dieser Anstalt Deutsch, Hebräisch, Englisch und Französisch gelehrt werden. -- Auf Veranlassung der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge fand am 20. d. M. tut Berliner Rathhaus eine Konferenz statt. Die Referentin, Fräulein Müsse, eine Tochter des verstorbenen Herrn Emil Messe, sprach über die Notwendigkeit einer Vermehrung der Kinderschutzanstalten, Horte, Krippen usw., und führte aus, daß es dringend wünschenswert wäre, diese Anstalten auch nachts offen zu halten. da gerade die Kinder der vielen Frauen, die in den Munitionsfabriken nachts arbeiten, einer besonderen Obhut bedürften. Die Referentiu betonte nachdrücklich die Notwendigkeit der Vergrößerung und Neugründung von Anstalten zum Kinderschuh. Der jüdische Wiener Privatdvzent Dr. Barany, der bekanntlich der jüngste Nobelpreisträger sür Medizin ist, sprach kürzlich vor den Berliner Aerzten im Kais er i n -F r i ed r ich-Ha use über seine kriegschirurgischen Beobachtungen. Er hatte als Thema die Schutzverletzungen des Gehirns gewählt: ein Gegenstand, der seinem Hauptarbeitsgebiet besonders nahe liegt. Verdanken wir doch Dr. Barauh grundlegende Aufklärungen über die Wechselbeziehungen zwischen Gehirn und Ohr. Seine Studien über die hier obwaltenden ebenso verwickelten wie interessanten Verhältnisse trugen ihm den Nobelpreis ein. Der V e r e i n z n r P f l e a e h e b r ä i s ch e r M u s i k veranstaltete im engen Kreise eine T rauer fe ier für sein verstorbenes Vorstandsmitglied W i l t i b a l d L v e w e n t h a l. Einem Bortraa K e l l e r m a n h scher Gesänge durch den Vereinschvr folgte eine Gedächtnisrede von Professor Dr.' Si e g i tz m u u d B l a s ch k e, an die sich ein Gesang des Oberkautors K l e i n anfchtoß. Abermaliger Ghorgesang beschloß die stimmungsvolle Feier. Herr Rabbiner Tr. L ö lv e n st a m m l'Plesz, O.-Schles.) ist einstimmig zum Rabbiner der Synagogengemeinde Spandau gewählt worden. Tie Spnagogengememde Rakel betrauert dell Heimgang ihres langjährigen Rabbiners Tr. Gabriel P erlist, der am 22. d. M. im 78. Lebensjahre plötzlich verschieden ist. Er war ein gelehrter und gottesfnrchtiger Mann, eine Zierde seines Standes und ein treuer Führer seiner Gemeinde, in der er 35 Jahre lang im Geiste seines Lehrers Zacharias Frankel als Priester des Friedens und der Versöhnung zum Segen und zur Ehre des Judentums gewirkt hat. Wir verlieren in dem Heimgegangenen einen lieben Freund und treuen Mitarbeiter. - - Aus Posen wird uns geschrieben: Wegen Kriegswnchers nstv. und von hiesigen nab auswärtigen Gerichten wiederum 20 Personen zu Geldstrafen bzw. Gefängnis verurteilt worden. Es verdient hervorgehoben zu werdendas; unter den Bestraften nicht ein Jude sich befindet. Tran Landgerichtsrat Geheimen Jnstizrat S p r i n g e r in Posen ist die nachgesnehte Dienstentlassung mit Pension erteilt worden. Am 16. Dezember 1801 - also vor 25 Jahren ist Herr Kaufmann Jakob S ch l e y e r in die Stadtverordnetenversammlung als Mitglied erstmalig gewählt worden, als Nachfolger des damals zum unbesoldeten Stadtrat gewählten Kaustnann Adolf Kantvrmvicz. Am 17. d. VI. feierte Herr Syuagogenvorsteher Bernhard Gohn in Gnesen seinen 80. Geburtstag. Derselbe ist seit vierzig Jahren in diesem Ehrenamte. Herr Rabbiner Tr. Ferdinand Rvsenthal in Breslau beging am 20. Dezember das g o l d e n e D o k t o r j u b i l ä n m. Wir entbieten dein gelehrten Jubilar nachträglich unsere herzlichsten Glückwünsche. . Ans München wird uns geschrieben: Die Konferenzgemeinschaft der deutschen Grvßgerneinden, welche am 10. November in München tagte, beschloß die Bildung eines Ritnalansfchusses, der in gerneinsanien rituellen Angelegenheiten tätig sein soll. - Der Israelitische H i l f s v c r e i n F ü r t h, dessen Zweck die Unterstützung durchreisender armer Juden ist, hielt seine diesjährige Hauptversammlung ab. Tie Mittet des Vereins wurden wegen der beschränkten Zahl Durchreisender infolge des Krieges wev'ig beansprucht, doch sprach der Vorstand die Verlnutung aus, daß dies nach dem Krieg durch starken Zuzug aus dem Osten Deutschlands, Polens, Galiziens, nstv. in erheblich größerem Umfange wieder der Fall sein lverde, so das; der Verein dann seine Mittel gut gebrauchen könne. Der Verein zählt rund 300 Mitglieder. — Frau Hermine Spring e r Wwe., Frau Betth K u h n und Fräulein Anna Löb, sämtlich in Haßloch (Pfalz), wurden mit dem König- Ludwig-Kreuz ausgezeichnet. Herr Kaufmann L. K n n r r in Aurich wurde einstimmig als Stadtverordneter wiedergewählt. Herr K n n r v bekleidet auch schon seit vielen Jahren in Aurich das Amt eines israelitischen Gemeindevorstehers. -- Herr Oberkantor Octfon Linh a rdt in Hannover feiert am 20. Januar 1917 sein 25jähriges Amtsjubiläum. - Aus Heidelberg wird uns geschrieben: I)r. niest, ei pliil. Hermann Freu n d, Assistenzarzt in der medizinischen Klinik, Sohn des verstorbenen Geheimen Jnstizrats Freund in Breslau, bat sich als Privatdvzent in der medizinischen Fakultät der hiesigen Universität habilitiert. Die von Biehgroßhündler Simon Werth ei ni er irr Kebt lBaden) begrmkdete Simon-Werth e i m e r - S t i s t u n a im Betrage vor; 20 006 Mark, deren Mittel zur Unterstützung bedürftiger Krieaerfamilien dienen, hat staatliche Genehnrignng gefunden, ebenso die von Kanfmann H e i n r i ch L. W e r t h e i m e r daselbst begründete Heinrich-Wertbeimer-Stiftnna. ebenfalls int Betrage von 20 000 Mark. Die Bndapester Hanptgeineinde begann den Reigen mit 500 600 Kronen zur Gründung einer Franz-Josefs-Blindenanstalt. Mi stolz. Großwardein. Preßburg und alle arößereil Kebillvs fotoen in kleiner Distanz, imb ancb das kleinste jüdische Gemeiuweseu betrachtet es als heiligste Ehrenpflicht, etwas zürn Andenken des unsterblichen Königs zu schaffen. DaS ..Nene Wiener Journal" meldet ans Sofia: Die Lage der Juden in Rumänien hat sich seit Eintritt Rumäniens in den Krim bedeutend verschlechtert. Ans der liberal gesinnten rumänischen Presse ist zu er sehen, daß den Inden, namentlich im Heere, beispiellose Behandlung zuteil wird. Der Pariser rtunünische Gesandte Lalwvary erklärte einem Mitarbeiter der ..Renaissauee Suisse". daß die ' rumänische Regierung wegen der Inden frage keinerlei bindende Verpflichtnnaen einaehen könne. Für die notleidende'.; Inden im besetzten Teile von G a l ii e u und in der Bntolvina hat das Kielver jüdische Hilfskomitee mehrere tausend Stück verschiedene Kleider zugeschickt, die in Tarnvpol, Ezortkow und Ezeruvwitz verteilt wurden. Das Korniiee erhielt die Mitteilung, daß die Not dort sehr groß nud weitere Hilfe dringend nötig sei. Mit Bezugnahme auf die Vorschriften über die Sonntagsruhe hat das Kreiskvmmando in Petrokvw ein Verzeichnis von 42 jüdischen Händlern mit Nahrungsmitteln veröffentlicht, lvelche ihre Läden am Sabbat von 8 bis 11 Uhr vormittags und von 3 bis 4 Uhr nachmittags offen halten utüfsen. Aehuliche Bekanntmachnngen sind auch in anderen Städten der österreichischen Okkupation erlassen worden. „Jewish Ehrvnicle" meldet, Protvpopmv, der russische Minister des Innern, habe einer Deputation von; Journalisten gegenüber geäußert, das; die Regierung auf den Wunsch des Zaren sich bemühen lverde, alle Untertanen glücklich zu macheu: Er lverde vor allem, erklärte weiter der Minister, der jüdische!; Lage seine volle Aufmerksamkeit widmen und auf ihre Besterung bedacht sein. Sv 'seien schon jetzt gewisse Erleichterungen den jüdischen Heimatlosen in Moskau gewährt worden, ferner habe er den Familien jüdischer Studenten in dieser Stadt zn lvohnen er- . laubt. „Die Botschaft höre ich wohl, allein nur fehlt der Glaube." - Ans New?)ork wird berichtet: Die Hebrew Sheltering and ' Emigrant Eompanp hat mit Präsidenten Wilson einen Vertrag wegen der Emigranten geschlossen. Danach dürfen für die Dauer des Krieges die aus den kriegführenden Ländern Einaewanderten nicht zurückgeschickt werden: dafür aber verpflichtet sich diese Gesellschaft, die Sorge mib Verantwortung für die Emigranten zu übernehmen. Verantwortlicher JHetuiftcuv: A l b e r t Kak in Berlin-Pankow, Moraftrcche 58. verantwortlich siir den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedcnan. 2rnek und Verlag von Rudolf Moste.