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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-01-30 · Heft 13 (30.1.1838) · p. Seite 52

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 13 (30.1.1838)
Date
1838-01-30
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 den? Um wie viel weniger hätten Sie, Herr Redacteur, bei der Schöpfung eines allseitigen Organs für das Judenthum, eines Mittelpunkts für die zerfallenen und verworrenen Bestrebungen der heutigen Juden, hoffen können, aller Ankampfungen ledig zu bleiben! Wäre Ihr Unternehmen mißglückt, hätte eS nicht eben auf überraschende Weise die Theilnahme aller in - und' ausländischen Juden und wohlgesinnten Christen geweckt, hätte es nicht die Producte der verschiedensten Tendenzen im Judenthum und der entlegensten Glaubensgenossen' zu vereinigen und ihnen eine einheitliche Färbung zu geben verstanden, — gewiß man hätte daraus eine wohltöncnde Anklage der Gleichgiltigkeit der Juden und so fort, geformt — und dazu hätte man sogar Grund genug gehabt. Da aber alle Erwartungen, welche die edelgesinnten aller Confessionen bei dem Beginn der Allg. Zeit, des Judenthums von ihr gehegt, in vollständigem Maße in Erfüllung gegangen: haben sich denn auch die Gegner eingestellt. Warum sollte man den Juden ungestört ein ihren Bedürfnissen so nothwendiges Mittel der Communication, der Verständigung unter sich und mit der gesammten Welt lassen! Einige Tropfen Wermuth hineinzumischen, erlaubt man sich gern — aber die Juden sind an solche Tranke längst gewöhnt. Zum Glücke, Herr Redacteur, offen gestanden, Laben bisher Ihre Gegner entweder zu viel Egoismus, oder zu viel Oberflächlichkeit und Einseitigkeit an den Tag gelegt, als daß ihre Angriffe nicht wirkungslos sein sollten, und die unerläßliche Norhwendigkeit Ihres Blattes nur desto mehr bezeugten. Jedoch kann ich nicht unterlassen, die herzliche Weise, mit welcher der Vorurtheilslose, rwe der Recensent im Hamburg. Corresp., der Eremit, der Phönir und Andere Ihr Werk begrüßten und verfolgten, anzuerkennen und zu gestehen, daß diese Vielen Genüge und Befriedigung schafften. So kann ich nicht unterlassen, zu berühren, waS Ihnen vielleicht entgangen, daß es auch dem Redacteur des „Telegraphen für Deutschland" — wenn dieser nemlich der Versager und der Erfinder (denn gewißlich ist er anders woher inspirirt,) jener Zeilen ist — gefallen, in No. 7. einen derben, wenn auch schlecht gerichteten Ausfall gegen die Allg. Zeit, des Judenthums, von der. er etwa die ersten Probebogen gelesen haben mag, zu unternehmen. in welcher er ihr' zum Vorwurfe Fracht, daß sie aus allen Landern Nachrichten von und über Juden gibt, mithin die jüdische Nation als ein zusammenhängendes Ganzes betrachtet, in dem nicht jeder Einzelne auf dem Boden da er lebt einheimisch sei. Eine Folgerung, di§ Sie gewiß nicht etnräumen werden, und die gerade die Oberflächlichkeit des Kritikers zeigt. Denn warum geben denn die protestantischen und katholischen Kirchenzeitungen Nachrichten ihrer Kirche aus allen Ländern, und betrachten diese nicht auch Katholiken und Protestanten als einen Religionskörper, ohne daß es ihnen je im Traume einfiele, die Anhänger ihrer Confessionen in jeder sonstigen Beziehung ihrem Vaterlande zu entziehen? Warum sollen also die Juden, unbeschadet ihres BürgerthumS, ihrer Bürgerpflichten und Vaterlandstreue, in religiöser Beziehung nicht ein einheitliches Interesse bewahren, und geschieht nicht fast überall und zu jeder Stunde so Vieles gerade von nichtjüdifcher Seite, das sie immer wieder erinnert an ihr gemeinsames Schicksal? Würde übrigens der vornehme Herr Kritiker die Allg. Zeit, des Judenthums kennen, und Ihre Erklärungen „über die Grundsätze der Redaction" gelesen haben, besonders in No. 41 vor. I. — so würde er, das, Fälschliche jenes Vorwurfs selbst eingesehen, wenn er dies über-' Haupt hätte einsehen wollen. Er fährt fort, daß ein jeder vernünftige Mensch (schon wieder so ein Vernunfts-Monopolist!) einsehen müsse, wie die Emanzipation nur Folge der völligen Verschmelzung, sogar des Bluts sein könne, was Riesser gesagt haben soll, weil er die gemischten Ehen im Staatsgesetz erlaubt wissen möchte. Man sieht, der Red. des Telegraphen, der hier ganz en passant dem englischen Parlamente rcdie menschliche Vernunft abspricht, weist uns hier einen sehr kurzen praktischen Weg an, der uns wol einmal an den griechischen Kalender zum Ziele führt. Da er sich aber gerade in Hamburg befindet, so mag er doch Nachfragen, wie viele von den Senatoren und Bürgern Hamburgs sich mit den Juden verschwägern wollten — und er hätte die Antwort bei der Hand. Der Redacteur des Telegraphen gehörte gestandlich zu den Gelehrten, die nie an Juden und Judentbum (weit eher an tibetanische Polyandrie) gedacht hatten, als etwa, daß cs in manche Philosopheme schlecht passe, bis er — vielleicht kurz nach den Reisen Webers, auch so eines Liberalen — RiefferS Schriften las, und sich freilich überzeugte, daß die Judenfrage in Deutschland zu den charakteristischen des Jahrhunderts gehörte, aber von den Juden selbst, von ihren wissenschaftlichen, religiösen, pädagogischen, ja speciell politischen Interessen har er auch nicht die geringste Notiz genommen; auch die Hinweisung Rieffers auf Napoleons Weise, den Gegenstand zu behandeln — die man jetzt wol eben so frei empfehlen kann, als Napoleons Concordat — hat er übersehen oder mißverstanden. Bis der Red. des Telegraphen der israelitischen Nation und Religion diese Ehre erzeigt haben wird, muß er allen denen, die thangen Theil an der Allg. Zeit, des Jud. nehmen, erlauben, auf sein Urthcil — gar nichts zu geben. Eine seiner Rügen harre allerdings, offen gesagt, in den ersten Paar Nummern , aber auch da nur, einigen Grund, nemlich die Notizen über die dem Hause Rothschild und seiner Repräsentanten in allen Ländern und von allen Confessionen gezollten hohen Ehrenbezeigungen, die Sie, Herr Redacteur, längst aufgegeben, weil Sie wahrscheinlich befürchteten', man möchte darin eine gar zu bittere Satyre — aber nicht auf die Juden, sondern auf die zu solchen Ehrenbezeigungen Gewilligen finden °). H. °) Die Redactlon muß sich erlauben, hier ihre Worte in den ,,Grundsätzen der Redaction" No. 92. S. 366 anzuführen. „Am wenigsten aber wird, bei vollständiger Uebe rsch auung, etwa eine aristokratische Färbung, besonders Aristokratie des Geldes, zu erschauen sein, und protestiren wir feierlichst hiermit gegen jede solche Muthmaßung und Verdächtigung rc." Allein was helfen gegen Böswilligkeit alle Protestationen, der vornehme Kritiker beurtyeilt ja so Alles nach dem Winde, der ihm irgend woher blaßt, ohne den Gegenstand selbst zu kennen« So lange eö aber noch Gegner gibt, die wie j ner Holste Nischen Stände-Präsident dreist fragen, ob es denn wol Juden in der Welt gebe, die an Arbeiten der Industrie und des Ackerbaus Theil nehmen, oder wie jener sächsische Bürgermeister behaupten, Juden hätten sich noch nirgends in Künsten und Wissenschaften ausgezeichnet, oder wie jener Minister den Bescheid geben/, Juden wären überall Fremdlinge, und gehörten blos nach Palästina, oder endlich wie jene Legion von Schriftstellern davon ausgehen, das Judenthum sei blos eine zurückgebliebene Schlacke vorweltlicher Civilisation, der eS an allem Trieb zum Fortschritt und namentlich an dem Element der Liebe mangle — so lange werden wir nicht ermüden in der heiligen Pflicht aus allen Zonen und Ländern Beispiels von Juden zu sammeln, die sich durch Gewerbsthatigkeit, Kunst, Gelehrsamkeit, Tapferkeit, Bürgersinn und Vaterlandsliebe auszeichnen; vor Allem aber nachzuweisen, daß Juden in allen Ländern, in Algerien und Ostindien eben so wohl als in Europa begierig Theil nehmen '.an dem Fortschritt der Intelligenz und sich, Dank sei eS dem Geiste ihrer Religion, überall Hervorthun durch Werke der Barmherzigkeit und der Menschenliebe. D. Redact. Redacteur: Dr. L. Philippfon. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. Druck von I. B. Hirfchfeld.

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