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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-01-30 · Heft 13 (30.1.1838) · p. Seite 50

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 13 (30.1.1838)
Date
1838-01-30
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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oö Suchen wir diese jüdische Bevölkerung zu gruppiren, so ist es bemerklich, daß die Provinzen, in denen Juden wohnen, die Grenzprovinzen sind, die sich westlich und südlich um das ruffische Reich schlingen. Die Ostsee war nie den Juden günstig, daher fangt die jüdische Bevölkerung sehr' schwach erst im südl. Liefland an, verstärkt sich in Curland, und schwillt dann rasch in den Provinzen längs der polnischen, galizischen und moldauischen Grenze (nemlich Wilna, Witepsk, Bialostock, Grodno, Miosk, Mohilew, Volhynien, Podolien, Kjew, Tschernigow, Pultawa, Beffarabien) und schlingt sich dann um das schwarze Meer (Cherson, Taurien, Jekateroslaw, Gruft'en). Im Innern und Norden wohnen also gar keine Juden, so daß ungefähr gerade mit dem Winkel des 50sten Längenu. 50sten Breitengrades die jüdische Bevölkerung aufhört, und erst in Sibirien wieder anhebt, das hier nicht eingeschlossen ist. Das Zahle nverhättniß der Gotteshäuser stellt sich durchschnittlich zur Bevölkerung also: der Synagogen wie 1 zu 1838, der Bethäuser wie 1 zu 462, beide zusammengenommen wie 1 zu 369 (wohingegen im preuß. Staate wie 1 zu 211). Das Aahlenverhältniß der Schulen zu der ganzen Bevölkerung ist wie 1 zu 282, oder wenn man den vierten Theil der Bevölkerung als schulfähige Jugend annimmt, ungefähr wie 1 zu 70. — Theologie. Die jüdisch-theologische Facnltät. Magdeburg, d. 13. Januar. Wir haben in einer der frühem Nummern zu bemerken Gelegenheit genommen, daß von Seiten der christlichen Brüder unsere Aufforderung in No. 88. mit vorzüglichem Beifall ausgenommen worden, und auch nicht eine Stimme dagegen sich "kund gethan. Wir könnm zu den dort aufgezählten Zeitschriften auch noch die mit so vielem Geiste redigirte Neue Hamb. Zeitung hinzufügen, die sich gleich Anfangs unbedingt dafür erklärte. Besonders aber ließ sich der Redakteur des Eremiten sehr belobend über dasProject aus, wodurch wir uns zu ganz besonderm.Danke verpflichtet fühlen. Natürlich bleibt es der Unpartheilichkeit des Herrn Dr. Gleich unbenommen, auch eingesandte Artikel, die sich in anderem Sinne aussprechen, aufzunehmen. Den Anfang eines solchen haben wir denn in No. 3. d.J. vor uns, der in einem verworrenen Style die Frage beantworten will: Haben die Juden gerechte Ansprüche auf mosaisch-theologische Facultaten auf christlichen Universitäten? — Derselbe erklärt sich am Eingang den laut gewordenen Wunsch, eine jüdisch-theologische Facultät zu besitzen, wo die Disciplinen der jüdischen Theologie gründlich, systematisch und wissenschaftlich vorgetragen werden sollen, ganz einfach aus unserm theokratischen Begriffe, daß wir das auserwählte Volk Gottes seien! — Ist das nicht köstlich? Wir sollen, weil wir keine Lehrstühle für unsere Theologie besitzen, den Wunsch danach aus dem Begriff des auserwählten Volkes Gottes schöpfen, während doch selbst die Eingeweidewürmer ihren Lehrstuhl gewiß ohne solchen Begriff haben! — Aus welchem lieblichen Tone der Abfasser des Artikels pfeift, sieht man auch daraus, daß er den „Juden Dr. Kreizenach" zu einem vermuthtichen Rabbiner mctcht, der in des Oberrabbiner Dr.Geiger's Zeitschrift zuerst die Sache angeregt, dem der Rabbiner Dr. Philippson gefolgt. Mein College Kreizenach ist aber eben so wenig Rabbine, als ich, und als unser Geiger auf den Titel Oberrabbiner Anspruch macht. — Die Argumentation des Abfassers ist nun, die Universitäten wären nur für Christen gestiftet und privilegirt, somit können Juden nur ausnahmsweise als Lehrer an denselben angestellt werden. — Nun, wir werden ganz zufrieden sein, wenn ein Landesherr uns nur „ausnahmsweise" gestatten wird, eine Facultät in einer Universitätsstadt zu errichten, und wir können dem Abfasser zu seinem Mißvergnügen sagen, daß dieses „Ausnahmsweise" nicht unbegründete Hoffnung bereits hat. Wir machen ihn übrigens darauf aufmerksam, daß wir uns jetzt in keine Discussion über seine Frage einlassen, sondern es uns aussparen, bis wir erst gegründete Ursache zur Discussion haben, nemlich den in Anspruch genommenen Fonds. Bis dahin verspüre derselbe seine menschenfreundlichen Ansichten, und lasse sich bedeuten, daß die Rechtskenntniffe, auf die er pocht, hier übel angebracht sind, selbst wenn der Abfasser einen Namen trägt, der einst einem berühmten Rechtsgelehrten gehörte. — Wir können daher unsere Glaubensgenossen nur darauf aufmerksam machen, daß sie sich beeilen mögen, die Frage des Besprochenen nicht ohne Grund und Ursache zu lassen. Hamburg, 8. Jan. Ein hiesiger Gelehrter hat einen trefflichen Aufsatz über die projectirte jüdische Facultät abgefaßt, der in einiger Zeit Ihnen zukommen wird. Man hat mich schon mehre Male befragt, warum Sie bis jetzt noch nicht Gelegenheit genommen, weitläufiger Ihre Ideen über die Einrichtung rc. des Instituts darzulegen, und die Sache zur Discussion schon vorläufig zu bringen. Ich habe darauf geantwortet, was Sie mir selbst darüber geschrieben, daß Sie nicht einen Fe-

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