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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-01-20 · Heft 9 (20.1.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 9 (20.1.1838)
Date
1838-01-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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9 M. Jahrgang. NLLWMelM No. 9. Zeitung -es Iudcnthums. Ein rmpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Königl. Sächsischer allergnä'digfter Coricesilon.) Leipzig, den 2V. Zanuar 1838. politische Controle. Analyse der Rede des Ministers Winter. (Eingesandt von einem Juristen zu Mannheim.) Die Juden - Emancipation nimmt noch immer das lebhafteste Interesse des Publikums in Anspruch. Da kämpfen Dorurtheil gegey Humanität, Egoismus gegen Freiheit, Tradition gegen Vernunft, spießbürgerliche Befangenheit gegen Duldung und christliche Liebe. Bei keinem andern Kampfe treten des Menschen Schwachen seinen Tugenden so schroff gegenüber. Die badische zweite Kammerhatte diese Frage zuerst in Deutschland angeregt. Dort wurde sie mit der größten Heftigkeit und Erbitterung von den damaligen Koryphäen des deutschen Liberalismus debattirt. Einig in allen Fragen sehen wir sie hier getrennt. Welker gegen Rottek, Duttlinger gegen Jtzster'n. Die Regierung wohnte dem Kampfe bei und.— schwieg. Man suchte ihre Ansichten aus dieser oder jener ihrer Handlungen zu errathen, aber es blieb bei Eonjecturen. Endlich nach 6 Jahren bricht sie das geheimnißvolle Schweigen. Der Minister des Innern legt die Ansichten der Regierung dar. Wir haben seine Rede nicht gehört, haben aber die karlsruher Zeitung, welche als officielles Organ der Regierung bei innern Angelegenheiten gilt, vor uns. Diese legen wir unserer Analyse zu Grund. Alte Rechte der übrigen Staatsbürger, sagt der Minister, haben die Juden mit Ausnahme der Wählbarkeit zu Deputieren, Gemeinderäthen, und Bürgermeister. Ein gewichtiges Wort! Bedeutsam für alle deutsche'Staaten, weit-kein anderer deutscher Staat den Juden alle Rechte mit so wenigen Ausnahmen gegeben hat; bedeutsamer noch durch den Zusatz, daß alle diese Rechte den Juden nicht feit heute, nicht seit gestern, sondern seit 3 0 Jahren zustehen. - Welche Masse von Argumenten gegen die Emancipation zerfallen vor dieser Thkttsache! Seit dreißig Jahren sind die Juden in Baden gleichsam emancipirt, und dieser Staat existirt noch, blüht heran in wachsendem Wohlstände, in steigender Bevölkerung! Dreißig Jahre schon können Juden in Baden angestellt werden, und sie haben noch nicht alle Staatsstellen occupirt; sie haben die Regierung nicht corrumpirt! Ja diese Regierung ist eine anerkannt gute, für das Gemeinbeste besorgte, die Volksrechte achtende Regierung! Sollte man nicht glanben, wenn man die Gegner über Emancipation sprechen hört, diese zerstöre, wie eine Sündstuth, die Wohlfahrt der Völker und der Redlichkeit der Regierungen? Volle Gewerbfreiheit haben die badischen Juden, das ist nie bezweifelt worden. Auch hört man nicht, daß die christlichen Gewerbtreibenden irgend eine Klage deshalb erheben — mit Ausnahme der Specereihändler in Karlsruhe, die durchaus keine jüdische Eoncurrenten aufkommen lassen. Volle Freiheit der Erwerbung von Grundeigenthum steht den badischen Juden unbezweifelt zu, ohne daß die in andern Landern taut gewordenen Befürchtungen auch nur im Entferntesten sich bewahrt hätten. Die badischen Juden wirken bei allen Wahlen ohne Ausnahme mit, ohne daß daraus für das Gemeinbeste irgend ein Nachtheit erwachsen wäre. Alles dieses und noch ^veit mehr, bezeugt der Minister des Innern, wenn ec sagt: Uebrigens bin ich den Juden das Zeugniß schuldig, daß sie sich dieser Freiheit immer würdig benommen haben. Dies erinnert an die Worte des französischen Ministers des öffentlichen Unterrichtes, der im Jahre 1830 in der Pairskammer .den französischen Juden bezeugte, sie hätten sich sowol durch Fortschritte in Wissenschaft und Kunst, wie durch Vaterlandsliebe ausgezeichnet, und die Würdigkeit zur Freiheit auf glänzende Weise bewährt. Das Zeugniß des französischen Ministers blieb in Deutschland unbeachtet. Wird man sich aber auch umsonst auf einen deutschen Minister berufen, der in den schwierigsten Zeiten (v. Jahr 1819 bis 1830) ein unerschütterliches Bollwerk der Volksrechte war, dessen Bürgersinn die Erhebung in den Adelstand stets verweigerte, wiewol dieser Umstand lange Zeit seiner Beförderung zum Minister (er war. früher Director des Ministe-

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