Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 3 (3.2.1922)
- Date
- 1922-02-03
- Page
- Seite 28 (sequence 7)
- Language
- German
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28 oU er erklärte, baß Palästina ein Nationalheim für die Juden werden soll. Tie Luden, sagte er. müßten hier (in Amerikaihre Arbeit verrichten,- Großbritannien habe seine Arbeit in Palästina getan. Beide müßten an diesem Werk Zusammenarbeiten. Tie Juden sollten Diplomatie und Ueberlegung. jedoch keine unnötige Hast zeigen. ES sollte auch keine Momente des Nachlafsens bei den Anstrengungen zur Vollendung des soeben begonnenen Werkes geben, in welches beide Teile frei und offen eingestimmt hätten. — Im weiteren Verlauf feiner ausführlichen Ansprache äußerte Balfour, daß die zionistische Bewegung der Sicherheit bedürfe, alle Schwierigkeiten in Geduld zu überwinden. Dies könne aber nicht durch politische Formulierungen oder Reden. sondern nur durch die Bemüh ungenderganzenjüdifchenRasse geschehen, die. wie er hoffe, aufrichtig gewillt sei, für das große Werk des Palästinaaufbaus Gedanken und Geld aufzubringen. _*_ ___.. Etn Grirtz von ven Pogromwaisen aus Argentinien. Das Mitglied des Zentralrates der Jüdischen Welthilfs- Organisation Herr W. Latzkh hat vom Leiter der aus Ukrainer Waisenkindern bestehenden und nach Argentinien beförderten Emigrantenschar folgendes Schreiben erhalten: Sehr geehrter Herr! Seit der gestrigen Sitzung, es war etwa die zwanzigste seit unserer Ankunst mit den Ukrainer Pogromwaisen vor fünf Wochen, habe ich endlich Gelegenheit. Ihnen, sehr verehrter Herr, zu berichten, daß die . minder nunmehr entweder in einer Garten- oder Agrikutturkolonie! .ober in zwei Waisenheimen zu handwerklicher und allgemeiner - Schulung untergebrachr werden. Ter Plan, die Binder zu adopj tieren. war kurz vor unserem Eintreffen verworfen worden.! Ich bitte Sie. sehr geehrter Herr, im Namen der Binder, die mit; mir oft der frohen, gastfreundlichen Stunden in Berlin gedenken, allen Damen und Herren, die sich um die kleine Emigr^meuschar io j guüg bemühten, ganz herzlich zu danken und unsere Grüße zu! entbieten. : Genehmigen Sie den Ausdruck ansgezerchneter Hoäpchätzung Il-rem ergebenen Ernir E zuczka.! B u c lt o s Aires, den 29. ' Dezeuiber 1921. Es wird für die an jüdischer Kinderhilse interessierten kreise von Wichtigkeit sein zu erfahren, daß die Adoptionsmethode, die Aufnahme in jüdische Familien in Argentinien, als eine unzweckmäßige Einrichtung für die Ukrainer Waisenkinder nicht in Anwendung gebracht worden ist. * Aus tstt* über Palästina. Im Laufe der vorigen Woche hatte Professor Weizmann. der Präsident der Zionistischen Organisation, in Paris eine Längere Unterredung mit dem französischen Obcrtvmmissar in Surren. Ge-! neral Gourand. In politischen Kreisen mißt man dieser Unterredung! angesichts der bevorstehenden Orientkonfercnz wesentliche Bedeutung! bei. da man annimmt. daß die künftigen Beziehungen zwischen i Syrien und Palästina Gegenstand der Besprechung gewesen sind. j Nach einer vssizietten Mitteilung des britischen Holonialnrinistcriums sollen 709 englische Polizisten, die bis jetzt in Irland stationiert waren, nach Palästina versetzt werden. Die Mitteilung hat j folgenden Wortlaut: In Verfolg der allgemeinen Bemühungen. die - Ausgaben der Regierung im mittleren Orient zu verringern, de j schloß der Staatssekretär für die Kolonien im Einvernehmen mit; der palästinensischen R.'g'erung eine kleine britnck-e Gendarmerieabteilung. die bislang in Irland stationiert war. nach 'Palästina zu verlegen. Die 7»h> Mann starke Formation wird der palästinen I fischen Polizei und Garnison angeschlvuen. jedoch besonders rekrutiert rmd verwaltet rverden. S-e wird ausgebildet und bewaffnet rverden als eine militärische Polizeiabteilung. deren normale Aufgabe in Polize d enst besteht. In dringend«'« Fällen uürd sie aber auch als militärische Abteilung Verwendung finden. Diese Maßnahme des Uolonialmiuisteriums ist zweifellos m:f den Bericht der Unter- - suchungskonunissiou über die Iastaer Maiunruheu zurückzuvühreu.! Die Uounuijsiou hatte festgestettt. daß die arabischen Pvlizeiorgane I während der Unruhen disziplinwidrig gehandelt haben Die neue Gendarmerie wird aus kavalleristnch gedienten Soldaten gebildet werden. Eolonel Bernvn. ein hoher Beamter im Kolonialnümsterium. stattete in Begleitung des Bezirksverwalters von Jaffa Petach Titwah einen Besuch ab. Nach der Begrüßungsansprache durch den Vorstand der Kolonie, Gisin und Liebrecht, dankte Eolonel Vernon für den Empfang und erklärte: Ick danke für die Geleaenbeit, die Sie mir geboten haben, den jüdischen Ackerbau zu sehen. Es bereitet mir große Freude, in Palästina zu sein und die Ansickten Churchills zu teilen, die er während seiner Anwesenheit in Palästina geäußert hat. Es ist eines der schönsten Dinge, die ich je im Leben gesehen habe. Nach meiner Rückkehr werde ich im Kotomalininisterium berichten, was ich hier an Sckönlieit. Fruchtbarkeit und Fortschritt gesehen habe und was ohne die Juden nicht möglich gewesen wäre. Anfang Januar fand in Risckon-le-Zion eine Konferenz der ..Landwirtschaftlichen Vereinigung jüdischer Kolonisten in Palästina" statt. Tie Versammelten besprachen ausführlich den Bau einer Eisenbahn »wischen Bcth Tagan. Rischon-le-Zion und Rechoboth. Im Lause der Tagung wurde ein neuer Vorstand gewählt. Tie palästineiisisck'e Zivilverwaltung hat der ..»Töteration der jüdischen Kolonien in Palästina" mitaeteilt. daß sie bereit sei. größere jüdische Siedlungen als Staatsaemeinden anurerkennen. Tiefe Erklärung wurde von den Kolonisten mit großer Genugtuung ausgenommen. da sie als Beginn einer neuen 'Periode kolonisatorischer Entwicklung betrachtet »oerden kann. Bis jetzt hatten sich die jüd'ichen Kolonien in I"däa an Jaffa, in Galiläa an Haifa m wenden, wenn sie irgendwelcher Kvnrefsionen bedurften. Tiefe Abhängigkeit von Städten, die noch arabische Majoritäten a"f,venen. hat vor allem die Kreditatttonen der Kolonien stark behindert. Künftighin werden die als Stadtaemeinden anerkannten Kolonien ihre Konzessionen unmittelbar bei der Reg eruug einbolen und io über größere Selbständigkeit verfügen dürfen. Tabei wird man aus organisatorischen Gründen riein-.' Siedlunecn einer benachbarten großen unterstellen, wodurch gleichzeit'g die wirtichaftlick^e Zusammenarbeit der jüdischen Kolonien in Palästina gefördert lverden soll. Z. K. Die Ehewra lßaddifcha Groh-lllerlin. ie Ehewra üaddischa Groß-Berlin»wird bald ihr zehnjähriges Bestehen feiern können. Das ist in unserer ichnellebigen Zeit eine relativ lange Epoche. Dazu kommt, daß unter diesen zehn Jahren fünf Kriegsjahre sind, die ihrer Schwere nach nicht doppelt, sondern fünffach zählen. Tie Entstehung der Ehewra, die der Initiative des Willensstärken Idealisten Dr. Arthur Kahn zu verdanken ist. war für Berlin eine lebendige Tat. und wenn je eine Institution durch ihr Wirken ihre Eristenzberechtigung bewiesen hat. wird man 'das von dieser Ehewra sagen dürfen. Seit Jahrzehnten gab es ~ von der Gemeinde Adaß Jisroet abgesehen keine Ehewra Kaddischa mehr in der Jüdischen Gemeinde in Berlin, die nicht nur quantitativ mächtig heranwuchs. Die wenigsten nur machen sich einen Begriff davon, wie viel jüdisches Leben und wie viel religiöse Kraft in diesem Berlin vorhanden ist. Nun gehörte die Ehewra Kaddischa. die Behandlung der Toten mit Liebe als Mizwah, als Ehrenamt, stets zu den Einrichtungen einer jeden großen Gemeinde Israels. Tie Pierät ist eine alte jüdische"T ugenD~üntrtrie höchske Pietät ist das Gedenken der Toten in Liebe und Treue. Das Judentum verstand es glänzend, hier religiöse Empfindungen, familiäre Verehrung und geschichtliches Denken zu einer seltenen Harmonie zu verflechten und damit eine Brücke zwischen Vergangen- Ivtt und Zukunft zu schlagen. Der Talmud lagt mit feiner Psychologie: „(•«•milltis .«eitel em«\« eine w a h r e Wohltat, das ist die. die man Toten erweist, weil man hier aus Gegenleistungen nicht zu honen hat."