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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-01-16 · Heft 7 (16.1.1838) · p. Seite 28

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 7 (16.1.1838)
Date
1838-01-16
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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28 Correspondenzen, Ausz6ge, Repliken. Reise des Herrn von Schubert durch Aegypten u n d P a l ä st i n a. Auszug aus dem vorläufigen Ve-richt in der Allgemeinen Zeitung. (Schluß.)' Das Wettrennen auf edeln arabischen Rosten, das der Sohn des Scheikh (ein neunjähriger Knabe) mit einem seiner.Vettern hielt, der mit ihm von gleichem Alter war, dann ein Tummeln der Kamele, bildete die augenfälligste Belustigung des BairamS; höher stand den Beduinen die minder augenfällige des Zusammenkommens in dem großen Zelte des Scheikh, des Tabakrauchens und Wassertrinkens. Wir sollten aber nid)t blos die Schönheiten und Annehmlichkeiten der erhabenen Natur der Araba, wir sollten auch ihre Schreckniste kennen "lernen. Am Tag unsrer Abreise aus dem Lager überfiel uns ein Orkan der Wüste, der uns so dicht in das nächtliche Dunkel seiner Sandwolken und Sandwirbel verstrickte, daß wir, das Weiterziehen gern aufgebend, nur froh sein mußten, daß uns das auögetrocknete Bett eines Winterstromes, hinter seinem erhöhten Rand und dem Gebüsch der Tamariske, einen nothdürftigen Schutz gewahrte. Doch schon am Abend legte sich der Sturm; am andern Tage erreichten wir, während ein.furchtbares Gewitter sich entlud und seine letzten Donner und Regengüße auch die Ebene trafen, die Mündung des Mofesrhale^s r Wadi Musa), das neben dem Berge Hör vorüber zu den Ueberresien der alten Höhlen - und Gräberstadt Petra hinaufführt. Auf dem Gipfel des Hör, bei Aarons Grabmal, genießt man eine weite Aussicht über die ganze Breite der Araba; vor allem anziehend ist jedoch die in das östliche Hochland! das Vaterland Hiobs und seiner Freunde. Aarons Grabmal ist den Mohammedanern so heilig, daß selbst die Vorüberreisenden, wenn sie von fern den Gipfel des Hör mit dem viereckigen, von ihren Glaubensgenoffen errichteten Grabgebäude erblicken, einen Steinhaufen errichten und ein Opfer schlachten. Auch aus sehr alter Zeit finden sich in einer Kluft des Gebirges Ueberreste von Bauwerken, und bis zum östlichen Abhange des Hör erstrecken sich die Höhlenwohnungen und Grabstätten von Petra. Das römische Amphitheater, wie der wohlbehaltene Tempel des Friedens, so schön auch beide find, machen zwischen den Resten des fremdartiger«, abgelegnen AlterthumS dieser Edomitenstadt einen ähnlichen Eindruck des Modernen, wie das kleine Theatergebäude, ^das in Verona im. römischen Amphitheater steht, zwischen den Gemäuern von diesem macht. Nur in Palästina und am Antilibanon, im Westen von Damaskus, fanden wir vereinzelte Bauwerke in den Felsen gehauen von ähnlicher Arr, in welcher das alte Petra nach riesenhaft weitläufigem Maßstab im Thal und an den Abhängen der Felsen bis hinan zum Nest des Steinfalken sich ausgebaut hat. . . . Hebron, wo wir während des Osterfestes ruhten und uns erquickten, ließ uns zwar, als Christen, nicht in das Innere des mächtigen Moscheegebättdes blicken, das die zweifache Höhle und Abrahams Grab umfaßt; desto ungehinderter durchforschten wir die an seltenen Pfianzen reiche.Statte des Haines Mamre. Wir fanden die Luft hier so lieblich, wie sie bei uns in den Tagen des Mai's ist, denn Hebron liegt fast dreitausend Fuß über die Meeresfiache erhöht; ein erfrischender Wind, wie wir ihn so lange nicht mehr empfunden, webte durch die Zweige der eben in voller Blüthe siebenden uralten Pistazicnbäume und durch das Haschischgesträuch. Außer der Luft und der Gestalt mancher Nachbarthäler, die uns lebhaft an die Gegend von Müggendorf erinnerten, außer den bekannteren Formen mancher Pflanzen, die sich mit den unbekannten mischten, und der Stimme des Finken, der sich in den Bäumen bei Iesaias Grabe vernehmen ließ, fanden wir in Hebron noch nähere Anklänge aus dem Vaterland: eine Anzahl deutsch redender, meist aus Polen gebürtiger Juden. Wir wohnten bei dem gelehrten Oberrabiner, einem gebornen Spanier; seine Frau wie ihre sammtlkchen Verwandten waren Deutschredende. Durch die hier wohnenden Juden wurde mir auch ein auö riesenhaften Werkstücken erbautes Gemäuer, das einen Hefraum umschlosen zu haben scheint, als „Abrahams Wohnung" gezeigt; es liegt ostwärts der Straße nach Jerusalem, etwa eine reichliche Stunde von Hebron entfernt; nicht weit von ihm, über dem an Weingarten sehr reichen Engtbale, zeigten meine Führer mir Nathans des Propheten Grab, und am jenseitigen Abhange des Hügels die Reste eines-arabischen Gebäudes, das Davids gewöhnliche Wohnu«gewährend seines Aufenthalts in Hebron gewesen sein soll. Die Stätte wird von ihnen und den Bewohnern der Gegend Iluel (auch Kuar) genannt. Ein Theil der Reisegesellschaft, zu welcher auch ich gehörte, machte die Reise von Hebron gen Jerusalem zu Fuße. In dem grünenden Engthale, das seine Wasser aus Salamo's versiegeltem Brunnen und seinen fest gemauerten Teichen empfängt, genossen wir zum drittenmal in diesem Jahre die Blüthenzeir des Frühlings. Denn wie vom 9. Jan. an bei dem Obelisken von Heliopolis, unweit Eairo, wie am 28. Febr. in den Garten des Katharinenklosters am Sinai, so blühten jetzt am 28. Marz die Aprikosen und andere Fruchtbäume in „Salomo'v verschlafenem Garten." Die Gegend um Berhlehelm ist lieblich und hehr, wie-ein Gesang der Hirten in heiliger Nacht. Wir begrüßten sie heute nur auf einige Stunden', denn von Jerusalem aus besuchten wir sie von neuem. Was ich von unserem fast dreiwöchentlichen Aufenthalte in Jerusalem, der noch innner aus ihren Bergen festgegründeten Städtekönigin, und ihrer Umgegend zu sagen harte, das läßt sich schwer in die Form dieses kurzen Namenöverzeichnipes der Durchgangspunkte unserer Reise zusammenfaffen. Ich erwähne nur, daß wir die Stadt und ihre Umgegend mir mehrfachem (auch naturhistorischem) Interesse durchforscht, dis die Höhenpunkte so gut als möglich barometrisch bestimmt, und manche, vielleicht nicht ganz-unwichtige Wahrnehmungen gemacht haben. Eine zweite Reise nach Bethlehem dehnte stich bis Tekoah und.in die höhlenreichen Engthäler, in denen noch jetzt, wie einst David und seine Männer, ganze Scharen von Kriegern einen Sicherheits- und Bergungsort finden könnten. Das sogenannte Labyrinth gibt an Ausdehnung der Adesbacher Grotte ober Triest nichts nach, und die ganze Landschaft umher ist ein .Land der Höhlen. Ebenso die Thaler im Süden und Südwesten der Stadt, namentlich das von St. Philippsbrunnen und jenes 'von St. Johann, welche beide mich eben so wie jene'bei Hebron sehr an die ihnen ähnlichen Thäler des Kalkgebirges bei Müggendorf erinnerten. Der Weg von Jerusalem nach der Stätte des alten Jericho geht meist durch eine gräßliche Einöde der Berge und'Thäler. Es ist kein Todtenhaus, wie die Wüste, es ist ein Sterbebett der Natur, an dem man da vorüberkommt. Bei Iericho's (wemgen) Trümmern, wird das Land wieder.grünend: hier sahen wir die ersten blühenden Granaten dieses Jahres; außerdem gibt der Feigenbaum den Bewohnern des armen Dörfleins, das sich an die Statte dre alten Stadt gesetzt hat, seine Früchte. Die Ufer des Jordans sind durch das Dickicht der Pappeln und Weiden, unter die sich die südliche Form der Mimosen mischt, fast unzugänglich gemacht. Desto weniger sind es die des todten Meeres, auf dessen schweres, dunkles. Wasser das Gebirge des Pisga in erhabener Majestät herunterblickt. Mit den Marin ortrümmern von Her ödes goldnem Pallaste zu Samaria hat der dort wohnende Türke die Mauern seines Hauses gebaut. Die Stufen vielleicht eines Tempels dienen zur Schwelle des Ziegenstalles; an die noch aufrechtstehenden Säulen! der königl. Prachtgebäude lehnt der Feigenbaum seine veralteten Zweige. — Die Ebene Jesreel, daS Gefilde Esdraelon ist ein gastlicher Tisch der Natur, den jedes Jahr von Neuem mit der Fülle der Speisen bedeckt, von Neuem aber aber auch die vergebliche Spende hinweghebr, weil keine Gaste kommen, die ihrer genießen. — Von Liberias am See Galiläas (durch das Erdbeben am 1. Januar zerstört,) stehen nur die Mauern — dennoch hielten die hier wohnenden Juden, darunter manche deutschredende Familie, an der ihnen viel fachtheuern Statte fest; sie wohnten in Bretj terhütten über den Trümmern, darunter Viele der Ihrigen vom Erdbeben begraben liegen. Redacreur: vr. L. Philippsyn, — Verlag von BftttmgärLners.B:rchhsrrd!nrrg. — Druck von I. B. Hirschfeld.

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