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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-01-13 · Heft 6 (13.1.1838) · p. Seite 24

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 6 (13.1.1838)
Date
1838-01-13
Page
Seite 24 (sequence 4)
Language
German
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24 Correspondenzen, Alrsjüge, Repliken. Reise des Herrn von Schubert durch Aegypten und Palästina. Auszug aus dem vorläufigen Bericht in der Allgemeinen Zeitung. St. Leopold bei Livorno, d. 30.August 1837. Noch nie habe ich die Worte des vielsinnigen Verses: Inveni jportum, spes et fortuna valete! in ihrer naher liegenden Bedcurusig so rief empfunden, als in der Stunde, in welcher ich gestern vor 4 Wochen den Hafen von Livorno vor mir sab, auf dessen festem sichern Boden ich jetzt ausruhe. Ich harre bei der 33 tägigen Dauer unsrer Quarantäne schon bisher und habe noch fortwährend Muße genug auf die ganze zurückgelegte Reise wie auf ein zwar etwas saures aber wohlgelungnes Werk meines Lebens zurückzublicken. Ich darf wol sagen, ich habe in einem weiten "reichen Umfange jene Länder und Gegenden der Erde gesehen, denen die bedeutungsvollsten, die erhabensten Zeiten der Geschichte unsres Geschlechts rhr Gedächtnis eingeschrieben haben; nicht nur die Statten „der Wunder der alten Welt," die von Menschenhänden gemacht, und deshalb, mit Ausnahme der Pyramiden Aegyptens, in. Staub versunken sind, sondern die Stätten und Denkmale jener Wunderwege habe ich besucht, welche eine höhere Hand den Menschen führte, und deren Folgen deshalb so bleibend, so ewig waren als die Hand,^ von welcher jene Wege bereitet wurden. Und nicht mit leeren Händen bin ich aus dem Heimatlande der alten Wunder zurückgekehrt. — Die Denkmale des stillen Friedhofes der Wüste, an denen wir auf unsrer Reise von Cairo nach dem rothen Meere und von diesem nach Palästina vorüber kamen, haben noch ein besondres Interesse: sie sind mit Erinerungen an den Zug der Heere Israels aus Aegypten-nach dem Lande der Verheißung bezeichnet. — Wenn auch auf die Gegend bei dem Brunnen Mosis, dem hehren Atlaka gegenüber, nicht jenes verklärende Licht fiele, das die Geschichte auf sie wirft, so wäre sie schon durch den erhabnen Ernst, mit welchem sie die Seele anspricht, höchst bedeutungsvoll. Es war (Sonntags d. 19. Febr. d. I.) ein Frühlingsmorgen des rothen Meeres, den wir hier feierten; die Palmen am Quell von keiner-beschneidenden Menschenhand entstellt, entfalteten die Kolben ihrer Blüthen, im Schatten ihrer Wipfel sang ein Vogel ein für uns neues niegehörtes Lied; das Meer, lasurblau wie ich nie ein andresMedr gesehen, ruhcte in sabbathlicher Stille, der Himmel war so klar und blau, daß er das forschende Auge jede Schlucht, jeden Felsenvorsprung am Atlaka und dem ihm gegenüber gelegnen Geb alah erkennen, und dasselbe tief hineinschauen ließ in das breite, aümälig ansteigende Thal, das zwischen beiden hinanführt, gegen den unsrer Erinnerung tief eingeprägten Greibur. In jenem Thale, seitwärts dem Atlaka, dem.Thale Hiroth der Bücher Mosis (2 Mos. 14.). waren die Heere Israels gelagert,- als Pharaos Roye und Wagen sie ereilten, von dort aus gingen sie hinab ins Schilfmeer, das hier eine Breite von 5 Stunden hat; dies bezeugen nicht nur die geheiligten Urkunden, sondern, so lebendig ist hier noch die Erinnerung an das große Ereigniß, es bezeugt es jeder unmündige Knabe der hier umwohnenden Beduinen, denn er hat es seinen Vater erzählen hören, wie dieser von dem seinigen es vernahm. — Erst am andern Nachmittag uiy 4 Uhr zeigten sich uns nach einem langen Wege durch die dürre, mit Feuersteinen bestreute Sandfiache, wirkliche Palmen, beim Brunnen Havarah (Marah), dessen klare aber bittre Wasser dem Erdreich ein Grün entlocken, an dem das Auge des Reisenden ein Ausruhen, die Gazelle ihre nächtliche Weide findet. Unsre Kamele hatten etwa | Stünden jenseits Marah gelagert, uns war die Sonne bei den Palmen von Marah untergegangen, wir erreichten die Ruhestätte in später Dämmerung. . . . Von Tpr aus zogen wir in der kaum merklich aufwärts steigenden Ebene Rakabah zum Fuße des Gebirges Serbal. Wir hatten das Zodiakallichr noch nie so leuchtend gesehen, denn am Abend des 26. Februars, da wir an der Mündung des engen Felsenthales Chabron uns gelagert hatten.... Ein beschwerlicher Gebirgssteig, der sich im Angesicht des nahen Katharinaberges auS dem Thale hinauflenkt, und der zu Fuße erstiegen werden muß, führt hin nach dem Hochthale Slav, dessen Beduinen zu jenem Stamme gehören, der, vormals zum Christenthum sich bekennend, vor etwa drei Jahrhunderten bei einer Streitigkeit mit den Mönchen des Sinai abfiel, und zu dem Mohamedanismus zurückkehrte. . . . Der letzte Tag der Reift nach dem Sinai durch das Slavthal und an den Felswänden des Herbathales hinauf, welches mehr einer Schlucht oder Spalte des Gebirges, denn einem Thale gleicht, war ein sehr, beschwerlicher; bis fast zur Ohnmacht ermatrer, kamen wir an den Mauern des St. Katharinaklosters an. Die jüngern Gefährftn wurden, wie die Sitte jenes Hauses ssr^in ernem Korbe am Seil, empor gezogen, und so in eine obere Oeirnung des castellartigen Klosters Hineingelaffen; wir andern stiegen auf einer Leiter über die Mauer des Gartens, der durch einen unterirdischen, leicht zu verschließenden Gang mit dem äußersten Hof des Klosters zusammenhängr. Dort, im Garten, war jetzt eben die lieblichste Zeit des Frühlings gekommen: der Mandelbaum und die Pfirsiche hatten fast verblüht; die Aprikosenbäume standen (wie wir sie schon im Januar bei Cairo sahen) in voller Blüthe; die Birnen und Aepfel waren nahe am Aufbrechen. Nach einer mehr als llragigen Reift durch die Wüste erschien uns der achttägige Aufenthalt im Sr. Katharinakloster und in seinen blühenden Gärten wie ein Ausruhen im Paradiese. Der beständige Anblick des Horeb, und der seltenere des Sinai, deß Majestät etwas tiefer im Innern des Hochrückens verborgen; das Wandeln im Thale Raphidim und in der Wüste Sinai erregten Gefühle, wie das Nahesein einer andern höhern Welt des Geistigen. WaS wir während des.achttägigen Aufenthaltes am Sinai für die Wissenschaft gewonnen und geleistet, das werden unsere spätem Bearbeitungen des gewonnenen Stoffes bezeugen; uns erschienen mancher Hinsicht die Ausbeute, welche diese Gegend uns gab, als die bedeutungsvollste von der ganzen Reift. — Vom Sinai nahmen wir unfern Weg nach dem ailgnitischen Meerbusen, durch das Scheikhthal, nach dem Manda.ro oder Salthal. . . . Wir kamen am 12. März in die Gegend, über welche hinauswärtS selbst der kühne Burkhardt nur mit seinem durchs Perspectiv blickenden Auge vorgedrungen war. Er hatte Akaba und die ganze Umgegend des alten Aila und Eziongeber nur durchs Fernrohr gesehen, weil seine Beduinen sich mein in die Grenzen des feindseligen, streitlustigen Stammes wagten; wir konnten, geschützt durch die Furcht vor Aegyptens Macht, ruhig über diese Grenzen einziehen. . . . Die Sorge für das Herbeischaffen der nöthigen Kamele und für unsere sichere Begleitung bis in eine der Städte Palästina's war dem großen Scheikh der Araba, dem Scheikh von Gaza übertragen, der alljährlich für den Zug der Pilgrime nach Mekka tausend Kamele stellt. Der Schutz dieses mächtigen Oberhauptes war für die Sicherheit^ einer Reise durch das ganze Gebiet vom Mittelmeer bis zu dem östlichen Gebirge der Araba (dem Gebirge Edoms) hinlängliche Bürgschaft; nur jenseits des Gebirges konnte er uns nicht begleiten, weil er als Verbündeter des Ibrahim Pascha mit dep Beduinen von Korek im Krieg war. — Der Wohnsitz des Scheikh von Gaza, das weitläufige Beduinentager oder Dorf, das, wie dieser Theil der Wüste, den Namen Araba führt, ward von Akaba aus in anderthalb Tagen erreicht; unsere Araber hatten ungewöhnlichen Drang und Eite nach der Heimat, denn morgen feierte man da den großen Beiram und den Frühlingsanfang. Uns war der Tag des Aufenthalts kein verlorner: wir sahen uns mit eigenen Sinnen zu den'Zelten Jsmaels oder Cdoms versetzt, so unverändert treu ist dieses Volk -er Wüste der Sitte der Väter geblieben. (Schluß folgt.) Rcdacteur: Dr. L. Philippfon. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. -- Druck von I. B. Hirschfeld.

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