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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-12-09 · Heft 25 (9.12.1921) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 25 (9.12.1921)
Date
1921-12-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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85. Jahrgang. Nr. 25 Berlin/ 9. Dezember 1921 Lin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse! Dieseseitung erscheint vierzebntäglich.! Abonnements-Preis: durch den Vuch-! Handel oder die Post (in Berlin und Vor-! orten durch unseres vertriebsftellen) bezogen! vierteljährlich 3 ITC. — Postscheckkonto 524. Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Philipp fon Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen sür Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße 46-49, zu richten. Verlag von Rudolf rNosse, Berlin. tfllhillt4 David Hosftnann s. A. Vvn Bezirksvabbiner Dr. Veer- 9 mann (Heilbronn). — W o che ns ch a u. — Die Berliner Religionsschulreform. Von B e r n h >a r d T r a u b e über g (Berlin). — Jüdische Blindenanstalt für Deutschland (Berlin-Stealitz). Von Obersekretär N a L h a n C o h n (Charlottenburg). — Micha- Joseph bin Gorion. Don Fab ins Schach (Berlin). — Ein indisches Kindorlesebuch. Von F. Lieber ma n n (Berlin). — Die Lebensanschauungen der groben jüdischen Dachter. Von Rabbiner Dr. Löwen stamm «Spandau). III. — Feuilleton: Der Fall Berjack. Von Lhdia Auer b a ch. s8. Forts.l — Literarisch e Mitt -e i l u n g e n. — Sprechsaal. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"): Berlin, Breslau. Halberstadt, Mainz. Wien, Budapest. —- Von Nah und Fern. David Holtmann s. p. Vvn Bczirksrvbbin-er Dr. Beer mann (Hellbraun), er Talmud iMakk. 22, a) rügt einmal die Menschen, die sich ehrfurchtsvoll vor der Thorarolle erheben, aber in Gleichgültigkeit verharren gegenüber der lebendigen Gottesgelehrsamkeit. Die überwältigende Kundgebung von Liebe und Verehrung, zu der sich die Bestattung des geliebten großen Meisters gestaltete, beweist, wie stark im Judentum der Geist der Pietät die Seelen erfüllt. Mir war-es leider durch unaufschiebare, unbedingt persönlich zu erfüllende Amtspflichten nicht möglich, aus unserem bergumrahmten westsüdlichen Neckartäle nach der ferngelegenen Reichshauptstadt zu eilen, um an des Verklärten frischem Grabe den Zoll meiner dankbaren Verehrung zu entrichten. Habe ich doch nicht nur am Rabbinerseminar seine Vorlesungen gehört, sondern schon seit meinem 14. Lebensjahre fast täglich seine Lehrvorträge im Talmudverein besucht, so daß ich mit wehmutsvoller Erinnerung der milden, freundlichen, durchgeistigten Gesichtszüge gedenke, von denen es galt: „Die Weisheit des Menschen erleuchtet sein Antlitz". Schon an seinem siebzigsten Geburtstage offenbarte sich reichste Anerkennung und Hochschätzung für die Großlcistungen des verdienten Forschers. Immerhin wurde damals der Rat der Weisen bedacht: „Nur ein Teil des Lobes darf in Gegenwart des zu Rühmenden gesagt werden". Nun er, hochbetagt, in gesegnetem Alter von uns geschieden ist, darf die Liebe nicht nur jener früheren Huldigungen mit bangen Gefühlen sich erinnern: „bescliaah scheattah maskin, damals, als du des Greisenalters Krone gewännest, hakkol bairn umesabbebim otach, kamen alle und zeigten dir ihre Anhänglichkeit." Nein, es darf heute die Liebe den Heimgegangenen Greis unter den Alten preisen, denen Gott Ehre gab am flammenden Busch — basneh — am ragenden Berg besinaj — im stillen Lehrzeit — beohel moed. „Am stammenden. Busch" der Offenbarung hat unser Verblichener gestanden und die heilige Glut hineinlohen lassen in die eigene Seele und sie darin gehütet als reines Altarfener, das nimmer erlöschen soll. Von Natur auf Gedankenklarheit und Forscherarbeit angelegt, ein Verstandesmensch und doch ein Gläubiger gleich Moses Maimonides, waren die Tiefen seines Innern stets offen jenen geheimnisvollen Erlebnissen der Frömmigkeit, die ihn mit dem königlichen David sprechen ließen: „Zu Liederklängen sind mir deine Satzungen geworden". Wie jener Jünger, von dem die Gemara berichtet, stand auch ich oft genug hinter dem Meister, als er betend seine Seele zu Gott erhob, und sah etwas aufleuchten von den Flammen, die das Gebetswort in seinem Gemüte entzündet hatte: „ki karan or panaw, denn im Hellen Scheine strahlte sein Angesicht", wenn er aus der Gottesgemeinschaft sich wieder den Menschen zuwandte. Daher die Demut. Je größer er ward, um so demütiger wurde er. An dem Sabbat seiner Sterbewoche predigte ich über Demut und hernach im Lehrvortrage des Talmud-Thora-Vereins über jene haggadische Verherrlichung von Hillels Demut und Geduld. Auch unser Verblichener gehörte zu denen, von denen es heißt: „jefaer anawim bischuah, Gott krönet die Demütigen mit Heil". Nur wo es die Gottessache galt, wo das Dichterwort zu erfüllen war: „Wenn Wahrheit ruft nach Zeugen und bang kein Mund das Schweigen zu brechen wagt, beschäme du die Feigen, sprich unverzagt", da fand er das mannhafte Wort voll der Kraft und des Gottesgeistes und wußte es darzubieten in eindrucksvoller Wucht. So trat er dem Judenhasse entgegen, der Talmud und Schulchan aruch in ihrer Moral verdächtigte, und befolgte so das Wort der Weisen: „Alle Völker sollen sehen, daß Gottes Namen über dir genannt ist und dich ehrfürchten, atilu schedim ummassikim, selbst die Geister der Bosheit und die Dämonen des Vorurteils!" „Am ragenden Berge" stand er, die Thora des Ewigen, ein Kind der Höhe, fand bei ihm liebevolle Aufnahme. Unmög- . lich ist es, an dieser Stelle von seinen Meisterleistungen aus dem Gebiete jüdischer Wissenschaft ein einigermaßen erschöpfendes Bild zu geben. Als der verehrte Herausgeber dieses Blattes mich um Worte der Würdigung für unfern großen Toten bat, da war es mir Herzensbedürfnis, seinem Wunsche zu entsprechen, der mir Gelegenheit gab, das zu sagen, was ich an seiner Bahre nicht künden konnte. Noch aber ist der Schmerz zu groß, als daß wir in aller Ruhe die Größe des Verlustes ermessen können. Bibel und Talmud waren die eigentlichen Forschungsdomänen des Verblichenen. Im Gegensätze zu der modischen Kritik, die den Pentateuch als ein aus vier Schriften zusammengesetztes Werk behandelt, sucht er die Einheit des Pentateuchs festzuhalten. Kurz nach Erscheinen der „Geschichte Israels" von Wellhausen hat Hoffmann im „Magazin für die Wissenschaft des Judentums" eine Reihe von Artikeln veröffentlicht, worin er seine Bedenken gegen die kritische Auffassung mit der ihn: eigenen ruhigen Sachlichkeit und Gedankenklarheit ausspricht, und in seiner l 903 erschienenen, Hrogrammbeilage zum Seminarbericht behandelt er in großzügigen Zusammenhängen „die wichtigsten Instanzen gegen die Gras-Wellhausensche Hypothese" und berücksichtigt dabei mit erstaunlicher Gründlichkeit auch die Einwendungen, welche die Kritiker früheren Ausstellungen

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