Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 24 (25.11.1921)
- Date
- 1921-11-25
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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-4 genommen ist, kann rmnmehr mit den Ameliori erungsarbvi ten begonnen werden.. Die erste Phase dieser Arbeiten besteht in einer topographischen Aufnahme der Ländereien und -der Ausarbeitung eines Mwässernngsplanes. Diese Arbeiten wurden unter Leitung des Ingenieurs P. R u t e n b e r g in Angriff genommen. — Die Nationalfonds-Wektkonferenz und der Zionistenkongreß haben einmütig die neue, großzügige Tätigkeit des Jüdischen Nationastfonds in Erez-Jsrael gutgeheißen und durch ihre Beschlüsse seine wichtige Rolle als Träger der jüdischen Bodenpolitik in Stadt und Land hervorgchoben. Von der Bedeutung des Jüdischen Nationalfonds beim Aufbau von Erez-Jsrael durchdrungen, gehen seine zahlreichen Mitarbeiter und Freunde mit verstärkter Energie daran, ihm die erforderlichen Mittel für die Durchführung seiner Aufgaben zu beschaffen. Davon legen auch die im Monat Tischri planmäßig 'durchgefühvten Aktionen zugunsten des Jüdischen Nationalfonds, die diesmalin den meisten Ländern stattfinden, Zeugnis ab. Angarn. 2. Budapest, im Oktober. Herr Wolfs v. Wolfenau, der intransingente Diktator der Hauptstadt Budapest, ha-t e'nen glänzenden Erfolg zu verzeichnen. In zwei Mittelschulen von Budapest wurde bei den jetzigen Einschreibungen in die erste Klasse kein einziger Jude ausgenommen. Es ist dies seit ftinfzig Jahren der erste Fall in Ungarns Hauptstadt, daß eine Schulklasse so „judenrein" gestaltet wurde. Die strenge Anwendung des nuinerns clausus in den hauptstädtischen Lehranstalten hat natürlich zur Folge, daß die Schulen der Israelitischen Neligionsgemeinde bestürmt werden und kaum mehr in der Lage sind, den zahlreichen Anforderungen zu entsprechen. Für das Schuljahr 1921/22 wurden an den zwei Volksschulen der Pester Israelitischen Relichonsgemeinde 590 Knaben und 486 Mädchen, an den zwei Bürgerschulen 502 Knaben und 476 Mädchen, am jüdischen Knabenghmnasium 2 57, am jüdischen Müdchengymnasium 802 Mädchen, insgesamt also 2618 Zöglinge inskribiert. Von Sah und jfern. — Ter Generalsekretär des Ardeitssürsorgeamtes der jüdischen Organisationen Deutschlands, Herr Alfred B e r g e r, wurde vom Leiter des preußischen Medizinalwesens, Herrn Ministerialdirektor Professor Tr. Gottstein, zu einer längeren Unterredung empfangen. Herr Ministerialdirektor Professor Tr. Gottstein nahm mit besonderem Interesse die Mitteilungen über die sanitäre Behandlung und Unterbringung der ostjüdischen Flüchtlinge, die durch die Stellen des Arbeiterfürsvrgeamtes der jüdischen Organisationen Deutschlands, insbesondere in dem Flüchtlingsasyl in der Wiesenstraße in Berlin, untergebracht werden, entgegen. Demnächst wird das preußische Wohlfahrtsministerinin, dessen Referent Herr Ministerialdirektor Professor Tr. Gottstein ist, das AM in der Wiesenstraße offiziell besichtigen. — In der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Berlin N 24, werden in den nächsten Wochen namhafte hebräische Schriftsteller aus ihren.Werken oder über Probleme des Judentums lesen. Dienstag, den 29. November, liest Tr. H. Czernowicz, Dienstag, den 6. Dezember, Eh. N. Bialik, Dienstag, den 13. Dezember, Dr. S. Bernseld und Dienstag, den 20. Dezember, T. F r i s ch m a n n. Beginn der Vmträge abends 8 Uhr. Die Borträge sind unentgeltlich und jedermann zugänglich. — Der bekannte Berliner Komunmalpolitiker, der frühere Schöneberger Stadtrat Dr. Licht ist im 45. Lebensjahre in Königsberg i. Pr. gestorben. Dr. Licht war am Berliner Magistrat als Assessor beschäftigt und wurde dann zum Stadtrat in Schöneberg gewählt, wo er viele Jahre hindurch als Sozialpolitiker eine führende Stellung in'nehatte. Vor 1X> Jahren wurde Dr. Liebt als Direktor der Ostbank itad) Königsberg berufen. Der Entschlafene war ein Schwiegersohn des Professors Dr. Ludwig Stein in Berlin. — Im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" zu Elbing gab Frau" Edith H e r r n st a d t - O e t t i n ge r (Nowawes) einen Rezitationsabend. Sie trug unter anderem längere Stellen aus Stephan Zweigs „Jeremias" vor. Die Versammlung! stand im Banne der bedeutenden Vortragskunst dieser Dame, und allgemein ist der Wunsch, die Vortragskünstlerin bald wieder in Elbing zu hören. — Aus Bamberg wird geschrieben: In einer Sitzung des Deutschen Juristentctges wandte sich der Vorsitzende, Professor Dr. Kahl (Berlin), gegen ein mit dem Hakenkreuz geschmücktes Inserat, das in einer hiesigen Zeitung erschienen war und in dem die aus deutschvölkischem Boden stehenden Mitglieder des Jurist-entages zu einer Versammlung eingeladen wurden. Kahl Lezeichnete es als den ersten Fäll, in dem der Juristentag zu politischen Zwecken mißbraucht werden sollte, und erklärte, daß der Juristentüg derartige Unterscheidungen ablehne und nur den Boden des Rechtes kenne, auf dem alle Mitglieder ständen. — Die Stadtverordneten Witzenhausens bewilligten einen Zuschuß in Höhe von jährlich 5000 Mark zur Unterhaltung der dortigen israelitischen Gemeindevolksschule. — Der Hilssverein für unbemittelte jüdische Nerven- und Gemütskranke in Bad Ems, der an Yen „Israelitischen Kuranstalten zu Sayn" beteiligt ist, veröffentlicht seinen Jahresbericht. Einnahmen und Ausgaben balancieren mit 174 000 Mark. Die Zwecke des Vereins sind es wert, von den weitesten jüdischen Kreisen gefördert zu werden, denn die Sayner Gesellschaft ist die einzige^ derartige jüdische Anstalt in Deutschland. — Dr. Alexander, bisher Rabbiner in Cöthen, wurde in Saarbrücken als Rabbiner eingeführt. — Herrn Oskar Mayer in Coblenz, Mitglied des „Coblenzer Fußballklub 1900" e. V.. zur Pflege und Förderung körperlicher Hebungen, wurde das Turn- und Sportabzeichen vom Deutschen Reichsausschuß für Leibesübungen in Berlin zugesprochen. — Die Witwe L. Heilbrunner in Allst bei Ettenheim (Baden) feierte am 23. d. M. in körperlicher und geistiger Frische ihren 100. Geburtstag. — Aus Paris wird gemeldet iChajim N a h u m, der ehemalige Großrabbiner der Türkei, der von einer Propagandareise in Amerika für die „Alliance Jsraolite Universelle" zurückgekehrt ist, wurde zum Offizier der französischen Ehrenlegion ernannt. — Aus Bukarest meldet das .,J. C. B.": Die jüngst geschaffene Rabbinerkommission erläßt einen Aufruf au die rumänische Judenheit, in welchem eine rege Kontrolle des religiösen Lebens und die Vereinheitlichung der üblichen Riten in ganz Rumänien anoekündigt wird. Ter Ausruf tadelt hierbei die in der lebten Zeit wiederholt bemerkte Erscheinung, daß viele jüdische Familien sich der rechtzeitigen Ausführung der Beschneidung ihrer Söhne hzw. der Beschneidung überhallvt entziehen. — Der jüdische Philanthrop Arnold Weihrauch spendete 250 000 Leis zwecks Ankaufes oder Ausbaues eines Objektes für das hebräische Lehrerseminar in Jassy. — Die in Konstantinopel lebenden j ü d i f che n F l ü ch t l i n g e aus Rußland und der Ukraine begründeten eine S-etbsthilffsorganisation, it;m das vom Joint fallengelassene Hilsswerk fortzuführen. An der Spitze der neuen Hilfsorganisation stehen Dr. M o g a t o w aus Charkow und H. I. N e u - mann aus Sebastopol. — In Haifa war diesmal die'Zahl der vrovfforischeu Miuiamin ausfallend: ein Bewe-s des AiMknbens des jüdischen Lebens. Das Stadtoberhaupt stattete dem Rabbiner eine „Neusahrsvisite" ab, und bealückwünfthte ihn. Auch Dr. Benderli, der Delegierte des amerikanischen Palästinaverbandes, war anwesend. — Ben Iehuda ist von seiner Europareise zurückaekehrt lind wird demnächst die Herausgabe des 6. Teiles seines Wörteobuckes in Angriff nehmen. — Der Herausgeber des „Israels Messenger" erhielt vom japanischen Außenminister Grafen Uchi-da die Verständigung, daß er in Berücksichtigung des Appells der sibirischen Juden an die japanische Regierung allen japanischen Konsulaten und Behörden in Sibirien die strikte Weisung erteilte, den Juden in Sibirien jeglichen Schutz ang-edeiben zu lassen. —. Unter den von Harding neu ernannten amerikanischen Gesandten befindet sich auch der Jude Louis Einstein aus New Pork, der zum Gesandten Amerikas in -der Tschechoslowakei ernannt worden ist — In einer Rede wandte sich Rabbi Dr. Stephen Wise in scharfen Worten gegen die.berüchtigte Geheimorganisation „Ku-Klux-Klan", deren Existenz ausgemerzt werden müsse. Er sagte, daß die Frage -der Bekämpfung dieser Organisation mehr ein amerikanisches als ein jüdisches Problem sei, denn die Juden seien nur ein Bruchteil der vielen Klassen-, die den Gegenstand -des Haffes dieser Organisation bilden. Verantwortlicher Redakteur: Albert KaH in Berlin-Pankow, Florastraße 58. . Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Möge.