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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-10-28 · Heft 22 (28.10.1921) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 22 (28.10.1921)
Date
1921-10-28
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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oblteflcn, tu der Uebersetzung bcr Gebete, in der Geschichte des Judentums, in der hebräischen Grammatik und in der Methodik des Religionsunterrichtes unterwiesen werden. Aufnahme-finden Bewerberinnen, die geläufig Hebräisch lesen können und einen streng religiösen Lebenswandel führen. Mit Hilfe dieser Neuerung dürfte der Religionsunterricht der Mädchen in Bälde intensiver werden und zur Vertiefung des religiösen Gefühles gerade in jenen Kreisen beitragen, die bisher in> dieser Hinsicht am stiefmütterlichsten behandelt waren. Von Sah und ffrrn. — Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur E. V. veranstaltet im Winter 1921/1922 im Parterresaal des Logenhauses, Kleiststraße 10, folgende Vorträge: Donnerstag, 3. November 1921: Professor Dr. Ludwig Stein, Berlin: Gibt es eine jüdische Rasse? Donnerstag, 17. November 1921: Rabbiner Dr. I. Bergmann, Berlin: Buddha und Moses. Donnerstag, 8. Dezember 1921: Rechtsanwalt S. Grone mann, Berlin: Das jüdische Theater. Unter- Mitwirkung von Schauspielern des Jüdischen Künstlertheaters. Donnerstag, 5. Januar 1922: Professor Dr. Jsmar Elbogen, Berlin: Das Gebet im Judentum. Donnerstag, 26. Januar 1922: Oberkantor Wilhelm Klein, Berlin: Jüdische Volkslieder, mit Klavierbegleitung. Donnerstag, 16. Februar 1922: Studienrat Dr. James H e y m a n n, Berlin: Der ewige Jude in der Literatur. Donnerstag, 9. März 1922: Professor Dr. Gotthold Weil, Berlin: Ursprung und Entwicklung der jüdisch-deutschen Sprache. — Der Stifter der R u d o l f - V i r ch o w - Plakette, Geheimer Regierungsrat Dr. M i n d e n , hat das Stiftungskapital um 15 000 Mark erhöht, um der Berliner Gesellschaft für Völkerkunde und Anthropologie die Mittel für weitere Verteilungen der Plakette über 1926 hinaus zu gewähren. In ihrer letzten Sitzung int Völkerkundemuseum hat die Gesellschaft die Virchow-Plakette verliehen' dem Professor Dr. Baur und Professor Hans V i r ch o lv , dem Sohne Rudolf Virchows. — Aus Rom wird unter dem 25. d. M. gemeldet: Gestern hielt Professor Einstein in Bologna den ersten Vortrag über die Relativitätstheorie. Der Andrang war so groß, daß das Publikutn aus der überfüllten Aula des Gymnasiums in den Lesesaal der Bibliothek wandern mußte, der auch sofort gedrängt voll war. Einstein wurde mit minutenlangem Beifall ausgenommen. Der Vortrag soll auf die studentische Jugend großen Eindruck' gemacht haben. Zwei weitere Vortrüge folgen. — Professor Darmstaedter, der kürzlich 70 Jahre alt wurde, sowie Kommerzienrat Mamroth, den die Technische Hochschule zu Breslau zum Ehrendoktor ernannt hat, sind, wie uns mitgeteilt wird, schon vor längerer Zeit aus unserer Glaubensgemeinschaft ausgeschieden. — Aus Breslau wird uns geschrieben: Aus arbeits- und erfolgreichem Leben schied am 18. Oktober Justizrat Max Schreiber im 68. Lebensjahre nach kurzer Krankheit von dieser Erde. Einer der angesehensten Altwälte der Stadt, hak er unter Einsetzung seiner ganzen Persönlichkeit vielen, die sich in schwieriger Lage an ihn wandten, mit Rat und Aat zur Seite gestanden. — Der nationalsozialistische „Völkische Beobachter" in München ist auf Ersuchen der Reichsregierung vom Münchener Polizeipräsidenten neuerdings auf vierzehn Tage verboten worden wegen zweier Artikel, betitelt „In Berlin" und „Der eiserne Kanzler", in welchen Aufsätzen die Reichsregierung eine Verächtlichmachung des Reichskanzlers Wirth und des Wiederaufbauministers Rathenau erblickt. — In München drangen kürzlich Nationalsozialisten in ein jüdisches Gotteshaus während des Gottesdienstes mit brennenden Zigaretten ein. Als sie hinausgedrängt werden sollten, erklärten sie, es sei nirgend in einem Betlokal eine Vorschrift angebracht, die das Rauchen während des Gottesdienstes verbiete! Schließlich wurde der rechtsbolschewistische Haufe mit Gewalt aus dem Tempel entfernt. — Auf der am 25. September stattgefundenen Tagung des Verbandes der israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz wurde auf Antrag des Verbandsvorsitzenden,. Albert Joseph (Landau), ohne Widerspruch bezüglich Mitarbeit am Keren Hajessod folgende Resolution angenommen: „Ter Verband der israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz erkennt den Aufbau Palästinas als Aufgabe der gesamten Judenheit an und fordert daher die Mitglieder der angeschlossenen Gemeinden auf, die dieser Aufgabe dienenden Institutionen lveitestgehend zu unterstützen." Es wurde ferner' in Aussicht genommen, daß nicht nur Einzelpersonen, sondern auch die Gemeinden selbst sich durch Zeichnungen am Palästinawerke beteiligen sollen. — Die Israelitische Gemeinde in Schwabenheim hat ihre Synagoge versteigern lassen. Sie wurde von einem Herrn Ehrlicher zum Preise von 8900 Mark erworben, der sie zu einem Geschirrschuppen einrichten will. — In Heilbronn fand am 11. Oktober eine Tagung des Landesverbandes der jüdischen Jugendvereine Württembergs statt, bei der Rabbiner Dr. Tänzer und Rechtsanwalt Scheuer wirkungsvolle Referate über die Palästinafrage hielten. Im Anschluß daran fand ein Festgottesdienst in der Hauptsynagoge statt. — In Karlsbad verschied der hebräische Schriftsteller Abraham Schalkowitsch aus Warschau, der unter dem Pseudonym Ben Avigdor bekannt war. Er war der Begründer der hebräischen Verlagsanstalt Tuschjia, die in gleicher Weise wie die Gesellschaft Achiassaf für die Förderung der hebräischen Literatur segensreich gewirkt hat. — Die holländische Königin stattete dieser Tage gelegentlich ihr^s Aufenthalts in Rotterdam auch dem jüdischen Ghetto einen Besuch ab. Sie wurde in ihrem mitten im jüdischen Viertel haltenden Wagen von Vertretern der jüdischen Bevölkerung begrüßt und erwiderte in freundlichen Worten auf die an sie gerichtete Ansprache. — Der rumänische Ministerrat hat beschlossen, die Grenze für Flüchtlinge aus Rußland zu sperren, nachdem sich in Rumänien bereits 60 000 Flüchtlinge befinden sollen. Die' sich bereits in Rumänien befindenden Flüchtlinge sollen, soweit sie keine Möglichkeit haben zu emigrieren und in Rumänien Beschäftigung finden können, als rumänische Bürger naturalisiert werden. lieber das Schicksal der anderen ist noch nichts verlautbart worden. — In Polen eingetroffene Flüchtlinge aus der Ukraine erzählen, daß infolge des neuen Wirtschaftskurses der Sowjetregierung der Kleinhandel, der größtenteils in jüdischen Händen war, wieder aufzuleben beginnt, insbesondere in den Städten mit großer jüdischer Bevölkerung. Dies erstärkt bedeutend die ökonomische Lage der Juden. — Laut „Daily Expreß" haben die gegen Spanien kämpfenden marokkanischen Aufständischen bei ihrem Einmarsch in Melitta die Juden förmlich abgeschlachtet und deren Häuser total ausgeplündert. — Dem neuen Ministerium König Faysuts gehört auch ein Jude an, und zwar der Finanzminister Sassoon. Sassoon Esfendi Haskail war früher Deputierter von Bagdad und ehemaliger Präsident des Budgetkomitees von Konstantinopel. Seit 1920 amtierte er zur allgemeinen Zufriedenheit in Bagdad als .Finanzminister. Er gehört der bekannten vornehmen Sassoon-Familie an. — In den letzten drei Wochen sind um .4700 Passagiere dritter Klasse mehr als Einwanderer aus Amerika ausgewandert. In der darauffolgenden Woche haben 8000 Personen New-Uork verlassen, und wird für die nächste Zeit mit einer noch größeren Auswanderung gerechnet. — Die Entsendung eines Juden als Vertreter der Union bei der Pforte scheint in Amerika Tradition geworden zu sein. Nach Mr. Henry Morgenthau kam Mr. Elkus auf den amerikanischen Botschafterposten in der Türkei. Nun weiß der „Boston Jewifh Advocate" zu -berichten, daß der Jude Mr. A. C. Rawschewfky, Präsident der United States Trust, Company, dem Präsidenten Harding als künftiger amerikanischer Botschafter, für die Türkei empfohlen wurde. — Am 24. und ' 25. September fand auf Grund einer Einladung von Julius Rosenwald und Louis Marshall in Chicago eine Zusammenkunft prominenter jüdischer Persönlichkeiten statt, um über das nächste Sammelwerk des Joint Distribution Committee zu beraten. Der bezügliche Bericht wurde von Felix M. Marburg erstattet, der die Lage der Juden in den Pogrom- und Kriegsländern schilderte. An der Diskussion beteiligten sich Henry Morgenthau^ Louis Marfhall, Julius Rosenwald, General Abel Davis und David A. Brown. Es wurde beschlossen, die Summe von 14 Millionen Dollar für baldige Hilfe für die Juden in Sowjetrußland und in anderen osteuropäischen Staaten zu schaffen.' Die 200 Teilnehmer waren Gäste des bekannten jüdischen Philanthropen Rofenwald.__ Verantwortlicher Redakteur: Albe rtÄatzin Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max JungemBerlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe. '

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