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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-08-05 · Heft 16 (5.8.1921) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 16 (5.8.1921)
Date
1921-08-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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85. Jahrgang* Nt. 16 Berlin, 5. Ruguft 1 Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung' erscheint v i e r z e h n t ä g l i ch. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch Unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich SM. — Postscheckkonto 32<*. Begründet von Rabbiner Dt. L u d w I g Pb i tippf o n Vertag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße zu richten. Verlag von Rudolf rnosse, Berlin. ♦ Der Gelehrte und der Achter Zum Problem des deutschen yillJtUi* Juden und des Antisemitismus. I. Von Rabbiner Dr. Dienemann (Osfenbach a.. M.). — Wochenschau. — Briese aus Ungarn. Von X L. Jüdische Elemente im. italienischen Parlament. Von Prof. Dr. E r m a n n o L o e v i n s o n (Rom). sSchluß.j — Der „Heilige" Verein. Von Gotthard Deutsch (Cincinnati). —■ Iudengassen. Jüdenviertel und. Judendörfer im Mittelalter. Von Rabbiner Dr. Adolf Kober (Köln). — F e u i l l et o n : Der Neunte Äb. Gedicht von Dr. B. Gö tz. — Der Neunte Ab. Gedicht von Dr. V. A s ch n e r. — Frau Hanna-Maier/ Von Anna Goldschmidt. iSchluß.s — L i t e r a r i s che M i t t e i l u n g e n. Der Gemeindebote (Beilage Zur „Allgemeinen Zeitung des Judentum"): Berlin, Königsberg i. Pr., Bernstadt i. Schl., Elberfeld. Gelsentirchen, Frankfurt a. M., Budapest. — V o n N a h und Fern. Srr Gelehrte und der Dichter?um Problem des deutschen Juden und des Antisemitismus. Von Rabbiner Dr. D i e n e m a n n (OWenbach >a. M.). I. as Problem des deutschen Inden läßt uns nicht zur / Ruhe kommen. Daß er, der deutsche Jude, zum Problem wird.ist eine der Tatsachen, die uns unsere Zeit nicht als einen Höhepunkt geistiger und sittlicher Kultur empfinden lassen; daß darüber noch gesprochen werden kann, ob der deutsche Jude einen vollberechtigten Anteil an deutscher Kultur haben kann und hat, hätte man vor fünfzig Jahren gewiß nicht gedacht und wird man in einigen Jahren hoffentlich nicht begreifen. Aber nun ist es leider heute wieder einmal eine umstrittene Frage, und daß unser Anteil an deutschem Volkstum uns von mancher nichtjüdischen Seite abgesprochen wird, nötigt den Juden, die Frage immer aufs neue zu erörtern, zwingt ihn, sich selbst zum Problem zu machen und den ganzen Komplex der dazu gehörigen Fragen immer wieder neu zu durchdenken. Nicht jeder macht das auf die gleiche Weise. Man könnte es tun, indem man sachlich und wiffenschastlich die in Betracht kommenden Tatsachen und Fragen zergliedert und im einzelnen untersucht, man könnte es tun, indem man, unabhängig von aller Wissenschaftlichkeit, die Frage ans sich selbst heraus; aus seinem subjektiven Empfinden, aus seinen Erlebnissen, aus der Art, wie man selbst auf seine Umwelt reagiert, zu beantworten sucht. Das erste wäre die Antwort des Gelehrten,,Das ändert die des Künstlers. Diese verschiedengeartete Betrachtungsweise und Stellungnahme kommt zum Ausdruck in zwei Büchern,'die, eben erschienen, einen Höhe- Punkt' dör Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus darstellen, in Gold st ein s /,Rasse und Politik" und in Wasserm a n n s „Mein Weg als Deutscher und^ Jude". Beide sind sie bedeutsam und interessier'ends und es ist in hohemMaße reizvoll, zu verfolge«, wie jeder'das Zchemä nach seiner Art anpackt und verarbeitet, wie der andersgeartete Ausgangspunkt, die andersgerichtete Persönlichkeit andere Wege des Denkens und Fühlens bedingen. — Professor Goldsteins BuchH ist das des Wissenschaftlers, des sachlich forschenden Gelehrten. Was ihm seinen besonderen Reiz verleiht, ist die Entstehungsgeschichte des Werkes. Es ist heranSgewachsen aus drei Fragen, die der protestantische Theologe Frick öffentlich im christlichen ,;Neuen Werk" aufwars. 1. Was gibt eigentlich der Partei der Antisemiten eine derart eigene Färbung, daß sie sich für das Gefühl sein empfindender Menschen von allem'sonstigen Parteiwesen als etwas besonderes abhebt? 2. Ist die Rasse das maßgebende Merkmal der Nation, so daß Nation gleich Abstammung ist? Kann man also europäische und besonders deutsche Geschichte vom Standpunkt der Rassenfrage aus begreifen? 3. Die Antisemiten behaupten, es gäbe bestimmte (schlechte) Rassenmerkmale des semitischen Geistes. Wieweit liegen diesen Behauptungen Tatsachen zugrunde, und dreht es sich dabei um angeborene Rasseneigentümlichkeiten oder um geschichtlich gewordene, also auch geschichtlich bedingte, und darum wandelbare, wieder veränderliche Erscheinungen? Diese drei Fragen ergaben sich ihm aus der Notwendigkeit, Klarheit darüber zu verschaffen, ob es denn überhaupt möglich sei, Antisemitismus mit christlicher Religiosität zu vereinen. Er fühlte, Nationalinteressen höher stellen als Gerechtigkeit heißt die prophetische Lehre verleugnen, die die innere Seelenhaltung des Menschen für höher und entscheidender erachtet als seine Herkunft. Er versenkte sich in den Geist der biblischen Erzählung vom Turmbau zu Babel und fand, ihr Sinn sei, daß der Zustand der gespaltenen Menschheit keine gottgewollte Naturordnung sei, sondern ein Strafgericht. Gottes Unwille, nicht sein Wille hat die , Nationen geschaffen. „Darum heißen in der Bibel „die Böller" soviel wie „die Heiden", das bedeutet, die von dem wahren Gott Abgefallenen, Anbeter >,erdichteter" Götter, also, solcher, in denen sich ein abgeirrter religiöser Trieb verdichtet." Der schlimmste Widerpart solchen Denkens ist der Nassenantisemitismus, er erscheint als der Gegensatz schlechthin zmn religiösen Denken. Und darum warf Frick in dem der VeLkundigung einer Erneueruug des religiösen Bewußtseins gewidmeten christlichen Blatt jene Fragen aus, und Goldstein gab so öffentlich, wie die Frage gestellt war, die Antworh Sie besteht in einer tiefschürfenden und methodischen Untersuchung des ganzen Rasseproblems in seiner Anwendung auf', die Judenfrage. Es kann nicht Aufgabe dieser Zeilen sein, den OÄankenAäipg des. Verfasters, in? MsfÄhÄichkeit wiederzugebech das wate aüch unmöglich: soviel 'sei gesagt, daß das Buch von Anfang bis Ende fesselnd geschrieben, in vokkstüm- - licher .Wrm abgefatzt ist lind 'doch dabei me den Böden(ernster wissenschaftlicher und ,objektiver Forschung gerläßt. Klar und lehrreich ist die HinäüshebunF des'Begriffes Nation über die bloße AbstMmungsgemeinschast. ' Ganz' besönders schlagend (?) Julius' Muwötk-VeÄlagl ' Schlüchtern, 1921. Io2 S. 14 M. '■ '*

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