Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 13 (24.6.1921)
- Date
- 1921-06-24
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 lüften Erzeugnissen ans dem Anfang des 13. Jahrhunderts gezählt lverden müssen, aber neben ihn; steht,eine nicht un'bedeutende Anzahl von Verfassern van Volts und Gefellschastsliedern. Bei den Sitten der deutschen Juden läßt sich eine eigenartige Gegenseitigkeit insofern seststellen, als deutsche Sitten in jüdischen Kreisen eine Neugestaltung erfuhren und jüdische Sitten unter den Christen Aufnahme fanden. Ter Redner verweist besonders ans die bemerkenswerte Tatsache, das; die deutschen Juden in allen ihren geselligen Betätigungen, vor allen; aber -ihrer Freude am Waffenhand-werk, von ihrer christlichen Ilma-ebung sich nicht unterschieden haben. Streitbare Jude;; werden während des ganzen Mittelalters in allen Teilen Deutschlands genannt. Selbstverständlich beteiligten sich die Juden auch an allen .Handwerken, bis ihnen das Zunftwesen eine weitere Betätigung auf dieser; Gebieten unmöglich machte. Seit dem 11. Jahrhundert sind die Juden am Geld Handel beteiligt, nachdem sie vorher den Großhandel und vor allem die Aus- und Einfuhr aus und nach dem Orient gepflegt hatten. Trotz aller Gehässigkeiten, von denen uns das Mittelalter berichtet, lassen sich doch zahlreiche Züge vachweven, aus denen Hervorgeht, daß weite Kreise der christlichen Bevölkerung sich von jeglichem Judenhasse serngehalteu haben. Ter Redner erwähnte' vor allein Reuchlins „Augenspiegel" und Luthers klassische Schrist von 1523, daß Jesus Christus ein geborener Jude gewesen sei. Mit einem Hinweis daraus, daß die deutsche Nationalliteratur gerade dem. Eintreten Moses Mendelssohns für ein deutsches Schrifttum unendlich viel zu verdanken habe, schloß der Redner seine von einem dankbaren Publikum von Anfang bis zu Ende mit gespannter Auftnerk'samkeit verfolgten Darlegungen. — Stuttgart, im Juni. Am 30. uno 31. Mai tagte hier die ordentliche Nritgliederversammlung des B e r e i n s w ü r t t e m - b e r g i s ch e r R a b b i n e r , die ganz im Zeichen der neuzuregelnden israelitischen Kirchenverfassung in Württemberg stand. Die israeu1is.cbe Landestirchenversammlung, die am 23. Mai Don dem Kult usuri niste rialpräsidenten Dr. v. B ä l z eröffnet worden war, hatte die Aufgabe, der israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs eine neue Kirchenverfassung zu -geben. Der Rabbinerv-erein, der durch seinen Abgeordneten Rabbiner Dr. Berlinger (Hall) in dieser Landsversammlung vertreten war, bedauerte die Aenderung der ganzen Stellung des lvurttembergi-schen Rabbiners. Bisher von der Staatsregieruna> angestellt und besoldet, kraft seiner Stellung zum Vorsitzenden des Gemein bevor stau oes berufen, rückt der Rabbiner in die Stellung eines Geineindebeamten herab, besoldet aus den Mitteln ^er Gemeinde und der Zentralkircheukasse, und kann nur durch Wahl zun; Gemeindevorsitzeuden berufen werden. Es wurde angeregt, die Wünsche und Forderungen der Rabbiner in einer Denkschrift niederzulegen und der La i; deski rcheuver sa mm ln ng zu l'i vergeben. Bei der Besprechung des Religionsunterrichts au der Grundschule und Volksschule, über welche Fragen Rabbiner Dr. Beer inan n (Heilbronn) ein vorzügliches Referat allsgearbeitet hatte, entw-ckelte sich eine eingehende Debatte, die vor; der Wichtigkeit des den; Rabbiner besonders an; Herzen liegelldel; Thenlas beredtes Zeugnis ablegte. Auch dir von Rabbiner Tr. S ch l e s i n g e r (Bllchau) besprochene Frage der .Aufsicht des Religionsunterrichts war von allgemeinem Interesse. Ein von Rabbiner Dr. Schweizer (Horb) gehaltener halachischer Bortrag über die Qualität der Zeuger; bei Trauungen, Ehescheidlmgen und Ehalizah ilud das 3techt des Mesadder Kiduschiu, die Zeugen z;; bestimmen, beschloß in würdiger Weise die diesjährige Tagung des Württemberg! scheu Rabbiuervereius. Og?ssting. Jaffa, im Mai. In Jaffa silld an; ersten Maltage schwere Unruhen borget omimm-, die jüdisches Blut gelostet haben. Noch ist die Ursache nicht ganz geklärt; doch vu'r wissen, daß Araber Horden, und zwar llicht ganz unvorbereitet. das jüdische Eimvaudererheim üb-ersallen, jüdisches Leben getötet und jüdisches Eigentum vernichtet haben. Tel Awiw, die jüdische Neustadt Jaffas, ist von diesen Borgängen nicht berührt worden. Die jüdischen Kolonien, gegen die in deil ersten Maitagc-n Peichfalls Angriffe versucht wurden, haben sie abgewchrt. Sollen >vir aus diesen Vorgängen ilun schließen, daß die arabische Bevölkerung Palästinas judeufeindlich ist^ Wir haben trotz alledeul kein Rechit dazu. - Wir können da-rau's mir schließen, daß einzelne Kreise Palästinas der jüdischen Eimvandernng lviiderstreben, und daß sie sich . zu diesem Zwecke mit rauflustigen Elementen des städtischen Pöbels! verbündet imb auch einige Ullterorgeme des staatliche;; Sicherheitsdienstes für sich gewonnen haben. Es ist unwahr, daß die I Araber in ihrer Gesanltheit der jüdischen Eimvanderm;g i lviderskrebei;. Judenifrelmdliich sind die Beduinenstäm.me des? palästinensischen Südens, die sich um den Scheck von j Berfa ba gruppieren; der jüdischen Eimoanderung;vider strebt lücht die gedrückte Masse der kleinen Landpächter, der Fellachen, - die unter dem Druck der Großgrundbesitzer, der in den Städten! lebenden Effendis, seufzen. Und selbst aus den Kreisen der Land- Herren, der Besitzeudeu, der Gewerbetreibenden, erwarten viele voll der jüdischen Einwanderung Steigerung aller Werte und wachsenden j Wohlstand. Es bleibt ein kleiner Rest nationalistisch gefärbter Gruudi Herren und Intellektueller, die von der begonnenen Entwicklung Politisch, sozial und wirtschaftlich eine Schwächung ihrer bisherige!; Position befürchten. Es sind dies die Kreise, benen in; Krieg? viel Gold zngeflossen ist, teils von der einen, teils von der anderen Seite, i teils durch' skruppelloses Ausnutzeu der Konjunktur. Junner noch sind es diese Kreise, die mit Hilfe aller Mittel der Elltstehung des jüdischen Palästilm Schwierigkeitei; in de;; Weg zuckegen suchen.! Ihre Bemühungen sind von vornherein zum Scheitern verurteilt, j Sie rennen sich tot an dem beharrlichen Palästinawilleu des jüdische!; Volkes und an der Zähigkeit, mit welcher das englische Volk au der einmal gegebenen Zusage festhält. Der Qberkommissar von Palästilla, Sir Herbert Samuel, hat für kurze Zeit die Einwanderung nach Palästina gehemmt, um Maßnahmen z;; treffen, die eine Wiederkehr der Jasfaer Vorgänge unmöglich machen. Sir Herbert Saiuuel dürfte eingefeheu haben, daß seine bisherige Politik, dllrch Vertrauen und Entgegenkommen a;;ch gegenüber dei; radikalen Elementen der Araber eine völlige Versöhnung sämtlicher Strömungen des Landes herbeizuführen, einer gewissen Korrektur bedarf, und daß eine straffere Behandlung gewisser radikaler Grnppei; sich als notwendig erwiesen hat. Wir alle würden lieber eine Fortsetzung der echt jüdischen Politik der Milde und Versöhnung gesehen haben; sie darf jedoch nicht so weit -gehen, daß dadurch! jüdisches Lebe;; und jüdisches Eigentum gefährdet ist. Auf der anderen Seite sind wir fern davoi;. die Grundlinien von Recht iu;b Gerechtigkeit verlassen zu wvllei;, die wir den Arabern und aller; anderen Bevölkerirngsteiten Palästinas fchlllden. Nicht das winzigste Recht soll ihnen genommen werden. - das ihnen znsteht. Das jüdische Palästina rvird llicht ans Unrecht ausgebaut lverden, aber es wird allch keine Gewalttat dulden. Von Sah und Lern. — Aus Anregung der - Freier; Jüdischen Boltshochschule Berlii; rvird geplant, einer; B e r b a n d a l l e r j ü d i s ch e n B v l k s - Hochschulen i;;s Leben zu rufen. Der Zweck dieses Verbandes soll sein: 1. Der Austa;;sch von Erfahrungen über jüdische Bolksbildnngsfragen. 2. Die Ausdehnung des jüdischen Volkshochschulwesens a;lf die kleineren Gemeinden durch Vermittelung von Dozenten. 3. Gemeinsame Erwirkung materieller Förderung dllrch die jüdischen Organisationen. Bis jetzt haben ihre Zuskimmullg zn diesen; Plan erteilt: die Jüdischen Volkshochschnle;; von Berlin, Breslau, München, Frankfurt a. M. M it den lveiteren Vorarbeiten für dieses wichtige Knltnrwerk ist das Sekretariat der Freien Jüdischeu Voltshochschute in Steglitz betraut worden. -- In Berlin traten aus dem Jlldentnm von den etwa 130 000 ansässigen Juden a;ls: im Jahre 1910: 237, in; Jahre 1912: 223, im Jahre 1913: 180 und in; Jahre 1917 etwa 150 Personen. Auch hier machte sich beim Ausbruch der Revolution die große Austrittswelle bemerkbar. Sie dauerte etwa von Anfang bis Mitte 1919: In diesem Zeitraum betrug die Zahl der Austritte mindestens das Doppelte der Vorkriegszeit. Die Welle verebbte mit dem Ende des Jahres 1919, aber, wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, noch gegenwärtig ist die Zahl der Austrittserklärnngen um ei;; Drittel größer als vor dem Kriege. Wie an maßgebender Stelle betont wurde, ist die Stenerpflicht bei vielen Angestellten, die verhältuismäßig geringe Gehälter beziehen, der entscheidende Grund für ihren Austritt. — Wie aus Köln gemeldet wird, hat die bekanllte Johannes Fastenrath-Stiftnng ihre diesjährige Ehrengabe für lyrische Dichtung Herrn Arthur Silber gl eit in Berlii; verliehen. — Unser früherer Posener Berichterstatter, der Lehrer a. D.