Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 11 (27.5.1921)
- Date
- 1921-05-27
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 außer zahiliveichen anderen Ehrungen eine künstlerisch! ausgesüihirte Plakette mit eingravierter Widmung, durch den Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg überreicht worden. — Das Jüdische Arbeitsamt teilt uns folgendes mit: Ein von privater Seite ausgehendes Schreiben, das dem Zweck diente, den in 'den jüdischen Genossenschaften arbeitenden Leuten rituelle Pessachverpslegung zu verschaffen und das diesen Zweck auch bestens erfüllt hat, ist mißverständlich dahin ausgefaßt worden, daß es von der Agudas Jisroel ausgegan-gen wäre, und daß die Genossenschaften mit dieser in engem Konnex ständen. Wir stellen hiermit f-eft, daß diese Vermutung nicht den Tatsachen entspricht und daß den beteiligten Herren die Absicht serngelegen hat, diesen Eindruck zu erwecken. — Aus Lissa i. P. wird uns geschrieben: In unserem prächtigen Tempel, der bisher stets als eine Stätte ehrwürdiger Scheu und gefeit schien gegen jegliche räuberische Gelüste, ist in der Nacht zum 8. d. M. ein Einbruch verübt worden. Es gelang den Dieben, eine große Anzahl seidener Gebetmäntel, Gebetbücher und andere gottesdienstliche Gegenstände fortzuschleppen. Obgleich man naheliegende Spuren verfolgt, ist es bisher nicht gelungen, der Täter habhaft zu werden und die gestohlenen Sachen wiederzuerlangen. Wir leben in einer Zeit der kleinen und der großen „Einbrüche". — Auch in Dortmund wurde kürzlich in die Synagoge eingebrochen. Die Diebe öffneten die Tore gewaltsam und warfen die Gesetzesrollen auf den Boden. Außerdem erbrachen sie Behälter mit Kelchen und Kerzenleuchtern und rissen von den Betmänteln die Goldverbrämung herunter. Es wurden Gegenstände, die im ganzen einen Einkaufswert von 75 000 Mark haben, geraubt. — Aus Mannheim wird berichtet: Der Oberkantor unserer Gemeinde, Herr Th. Nettler, feierte seinen siebzigsten Geburtstag. Der Jubilar, der wohl zu den Hervorragendsten seines Faches in Deutschland zählt und der sich in den weitesten Kreisen unserer Stadt der größten Wertschätzung erfreut, hat das Glück, trotz seiner 42 jährigen Amtstätigkeit noch im Besitze einer selten schönen Tenorstimme zu sein. Die Besucher des Gottes-, dienstes in der Synagoge haben oft, insbesondere an den hohen Feiertagen, Gelegenheit, seinen verständnisinnigen Vortrag sowie die Ausdauer seiner Stimme zu bewundern. Die Feier seines siebzigsten Geburtstages begegnete allgemeinem Interesse. — Wie seinerzeit im Alpenverein, so wurde jetzt auch im „Oesterreichischen Touristenklub" der sogenannte Arierparagraph angenommen. Die Generalversammlung nahm einen sehr stürmischen Verlauf. In der Abstimmung wurden von insgesamt 3840 Stimmen 3058 für und 782 gegen die Einführung des Arier Paragraphen abgegeben. Die Majorität war also für den Ausschluß der Juden aus dem Klub. — Frau Annita Müller aus Wien, die'hervorragende Arbeiterin auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge, ist in Lemberg in Angelegenheiten der ukrainischen Kriegs- und Progromwaisen im Aufträge der Exekutive der Jüdischen Welchilfskonferenz eingetroffen. Ihr Besuch gilt u. a. dem Abtransporte der in den polnischen Randgebieten weilenden Waisenkinder nach dem Westen. — Aus Budapest wird gemeldet: Ministerpräsident Graf Bethlen entwickelte im ungarischen Parlament sein Programm. Er schloß mit der Bemerkung, daß die in Ungarn bestehende Judenfrage nur durch die wirtschaftliche Erstarkung der ganzen Bevölkerung, nicht aber durch konfessionelle und gesellschaftliche Hetze gelöst werden könne. Die Regierung fühle sich stark genug, um alle Formationen, Truppen und Körperschaften, die sich der Wiederherstellung des öffentlichen . Friedens im den Weg stellten, zu vernichten. — Die jüdischen Kolonisten in Beßarabien haben sich verpflichtet, im Laufe der nächsten fünf Jahre den-zehnten Teil ihres Vermögens und Einkommens zum Besten des Kolonisationskapitals in Palästina zu spenden. Auch haben sie sich eine Getreide- und Mehlsteuer zum Besten desselben Kapitals auferlegt. — Die Exchange Telegraphen-Agentur berichtet aus Paris, daß dort Meldungen über neuerliche zahlreiche Pogrome, die in letzter Zeit in der Ukraine, vor allem in Podolien, sich ereigneten, eingetroffen sind. Flüchtlinge aus Odessa wissen über schauderhafte Pogrome in den Gouvernements Poltawa, Cherson und Podolien zu berichten. Die bolschewistischen Truppen, die sich in diesen von Pogromen heimgesuchten Gegenden befanden, zerstreuten sich infolge des Aufstandes der ukrainischen Bauern. — Professor Dr. Einstein, der ursprünglich alle Aufforderungen, in London Vorlesungen abzuhalten, abgelehnt hatte, hat eine Einladung des Kings-College in London, eine Vorlesung vor dem College nach seiner Rücköehr aus Amerika zu halten, angenommen. — Unter den 765 Studenten der Wilnaer Universität befinden sich 180 Juden. — In Riga wurden bei der ersten Volkszählung 30 769 jüdische Seelen sestgestellt; 24 168 davon gaben als ihre Muttersprache Jiddisch an, 51 Hebräisch, 1745 Russisch und 1789 Deutsch— Aus Jerusalem meldet das J.C.B.: Die Regierung verössentlicht soeben ein Dekret, demzufolge den Einwohnern Palästinas und den Einwanderern die Abänderung ihrer Namen ohne weiteres gestattet wird, doch muß diese Tatsache im offiziellen Negierungsorgan verlautbart werden. Dieser Erlaß erschien hierdurch notwendig, weil die Einwanderer ihre Namen oft spontan hebräistert haben. — Das, Druckereiunternehmen „Hasolel" in Jerusalem, dessen neue große Druckerei kürzlich eröffnet wurde, wurde im Jahre 1919 gegründet. Das heutige Kapital beträgt 2000 Pfun!d Sterling und soll auf das Doppelte erhöht werden. Die Gesellschaft besitzt die modernsten typographischen Hilfsmittel. Die von ihm heran sgegebene hebräische Tageszeitung „Doar Hajom" erscheint täglich in! 4006 Exemplaren, die Zeitschrift „Pa>l>estine Weeklh" wöchentlich in 3000 Exemplaren, ferner die arabische Zeitung „Barid al Daum" zweimal wöchentlich in 2000 Exemplaren. — Der Staat von New -Jork hat trotz des Einspruchs des Stadtrats Falconer, der erklärte, von der Relativitätstheor'ie nichts zu wissen, Professor Albert Einstein doch das Ehrenbürgerrecht von New Bork verliehen, ebensowie seinem Reisebegleiter Dr. Weizrnann von dem Zionistischen Komitee. Einstein hörte, den „New Jork Times" zufolge, in dem College der Stadt New Uork eine Vorlesung von Prof. Edward Kasner von der Columbia-Universität über Theorie und sprach dann selber. Vom 9. bis 15. Mai ist er Gast der Princeton-Universität und wird dort fünf Vorlesungen über seine Theorie halten. Die Herausforderung von Prosessor Reuterdahl in St. Paul, der ihn als Barnum der wissenschaftlichen Welt anredete, hat er abgelehnt. Zum Vertreter der „World" sagte Einstein, der Fall erinnere ihn an zu Hause, wo er gewohnt sei, von Leuten beschimpft zu werden, die anderer Meinungv seien als er. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moste. BAD KUDOWA * Haus Rheingofd direkt am Kurpark und den Bädern gelegen. Moder, e Zimmer mt< BiUko, U. Loagien. E stkiaistge Berpsleauna. mäkige Preise. Zentralheizung, elektr. Licht Bäder. Teleph 56. 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