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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-01-09 · Heft 4 (9.1.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 4 (9.1.1838)
Date
1838-01-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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n. Jchrgoug. Allgemeine No. 4. Zeitung des Zudcnthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Kdmgl. Sächsischer allergnädigfter Conceffion.) Leipzig, den 9. Januar 1838. Zeitungsnachrichten. Mainz, 11. Dec. Um das laute Verlangen eines Thekles der hiesigen jüdischen Bevölkerung nach Reformen und Verbesserungen in ihren religiösen Angelegenheiten begreifen zu können, muß man wissen, daß in dieser großen Gemeinde fast noch gar nichts geschehen ist, was davon Zeugniß ablegen könnte, daß man den Forderungen unsrer aufgeklärten Zeit Genüge.leisten wolle. Da ist noch von keiner deutschen Predigt, von keinen Choratgesangen, von keinem allgemein verständlichen Gottesdienste, ja kaum von einer tüchtigen religiösen Erziehung der Jugend die Rede, und Alles geht noch seinen alten, tragen Schlendrian. Man glaube aber nicht, daß es an einem empfänglichen Sinne fehle. Wol die Hälfte der hiesigen jüdischen Bewohner gehört zur aufgeklärten, gebildeten Klasse, die für jede Verbesserung ein offenes Ohr, und wenn es nöthig ist, auch eine offene Hand hat: eine Klasse, die Alles aufbietet, in den Augen der andern Glaubensbekenner geachtet dazustehen, und bei ihren eigenen Glaubensgenossen zu einem zeitgemäßen Fortschritt anzufeuern, der so nöthig ist, um die den Juden von außen noch vorenthaltenen Rechte mit Nachdruck zu erstreben. Deshalb sehen wir eben diese bessere Klasse so viele Opfer bringen, um die Heranwachsende Generation für ehrbare Gewerbe zu erziehen, und ihre Bemühung wird von dem schönsten Erfolg gekrönt. Allein, auf die Reformen der innern religiösen Angelegenheiten, die wir als fromme Wünsche bezeichnet haben, einzuwirken, ist dieser aufgeklärten Klasse noch nicht gelungen, und zwar aus dem einfachen Grunde, weit die Verwirklichung ihrer Wünsche leider in den Händen von Männern liegt, die, in der alten Schule erzogen, jede Neuerung ängstlich scheuen und zurückzudrängen suchen. An unsrer Staatsregierung liegt das Gebrechen nicht, sie will das Gute aufrichtig, wie überhaupt die hessische Staatsregierung gegen fcie Juden äußerst loyal und wohlwollend gesinnt ist. Allein was Alles hemmt, ist der^ Obskurantismus Einzelner, die leider Kraft genug haben, zu schaden und zu hemmen. Wie das die aufgeklärte Klasse, die der Gemeinde so wohlwill, kränken muß, laßt sich leicht begreifen, und ich wundere mich nur, daß diese nicht müde wird,, den sogenannten Conservativen immer von Neuem die Hand zu bieten, um auf einem versöhnlichem Wege die nöthigsten Reformen herbeizuführen. Wir wünschen von Herzerz, daß das möglich werden möge; denn ein Schisma in dieser wichtigen Gemeinde wäre höchst verderblich und fast,noch schlimmer als der alte Schlendrian, der bei dem Bessern höchstens Bedauern, aber keine Feindschaft erregen kann. Was in der gegenwärtigen Krisis die Bessern fordern, ist das Billigste von der Welt: gebet uns einen Cultus, der sittlich-religiös veredelnd auf die Bekenner wirkt, schaffet für unsre Heranwachsende Jugend einen in jeder Beziehung guten und würdigen Religionsunterricht, das sind die Forderungen! Ihnen zu widerstehen würde von den verderblichsten Folgen sein; denn mindestens würde diese Hartnäckigkeit bei den Aufgeklärten jenen Jndifferentismus für jüdisch-religiöse Angelegenheiten nur vermehren, der leider schon so Manchen angesteckt hat. Soll das Ganze nicht zerfallen, so gebet nach! (Allg. Lekpz. Zeit.) politische Conti ote. Verhandlungen im englischen Unterhause am vierten December 1837. (Fortsetzung.) Sir Robert Jngtis gab altes willig zu, was zu Gunsten persönlicher Eigenschaften der Herren Salomons und Mouteflore gesagt sei; aber, fügte er hinzu, eine Pcincipkenfrage dürfe nicht von persönlichen Beachtungen instuirt werden. Der Grundsatz, den er verfechte, sei der, nie Personen, welche sich nicht zu der gemeinschaftlichen Christenheit bekennten, zu irgend einem Antheile an der Gesetzgebung für England zuzulassen. Es seien zwei ganz verschiedene Dinge, denjenigen aufzuhelfen, die von der anglikanischen Kirche, oder denjenigen, die von dem Christenthum überhaupt dissentirten. Er bestehe darauf, daß die letztere Klasse nicht Gesetze geben dürfte für dasselbe Christenthum, an welches sie nicht glaubten; die Herren, welche eine entgegengesetzte Meinung verteidigten, vergaßen, daß sie berufen waren, um über Dinge zu berathen, die mit der Kirche und ihrer Vertheidlgung in Verbindung ständen. Man möge ihm nicht vorwerfen, daß allerdings Personen zugetassen seien, die an der Kirche.Englands kein Interesse hätten, wären doch keine darunter, die sich überhaupt nicht als Christen bekennten.

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