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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-02-04 · Heft 3 (4.2.1921) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 3 (4.2.1921)
Date
1921-02-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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lang. Nr. 3 Berlin, 4. Februar 1921 Lin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Pbitippfon Verlaa: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Diese Zeitung erscheint vierzehntäglich. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 ITC. — Postscheckkonto 324. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgern. Zeitung des Judentums", Berlin Jerusalemer Straße 46-49, zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Die Gründung der Gesamtorganisation der deutschen Juden. LßUljULL.— Wochenschau. — Lord Reading — Vizekönig von Indien. Von Benas Levh (Berlin). — Adolf Jellmek. Von Rabbiner Dr. D. Leimdörser (Hamburg). — Die jüdische Bühne. Von Samuel Meisels (Wien). — Feuilleton: Pogrom und Krieg. 12. Forts.s Schauspiel in fünf Akten. Von Meta Opet-Fuß (Breslau). — Literarische Mitteilungen. — Sprechsaal. Der Gemeindevote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"): Berlin, Breslau, Hannover, Heldenbergen, Frankfurt a. M. Mainz. — Von Nah und Fern. Die Gründung der Gklamtorgsnilation der deutschen luden. 3m Logenhause, in der Kleiststraße erfolgte am 23. Januar die Gründung der Gesamtorganisation der deutschen Juden. 325 Vertreter von 669 Bundesgemeinden hatten sich zum 15. Gemeindetage des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes versammelt, um unter dessen Führung eine auf dem festen Willen der Gemeinden beruhende einheitliche Einrichtung zu schaffen, der das Recht zusteht, die inneren Angelegenheiten der deutschen Judenschaft zu leiten und ihre Interessen auch der Außenwelt gegenüber zu vertreten. Die Mühe der Propagatoren dieser Idee war, wie man schon beim Beginn der Verhandlungen voraussehen konnte, nicht vergeblich. Deutschlands jüdische Gemeinden haben die Wichtigkeit dieser Tagung vollauf begriffen und durch fleißige Mitarbeit a'n dem nunglücklich zu Ende geführten Werk der Welt gezeigt, daß der Wille zur Einheit und zum Frieden unter ihren Mitgliedern mächtiger ist als alle Sonderbestrebungen b=er Parteien, die bisher dahin geführt hatten, daß „ein Jude bald die Sprache des anderen" nicht verstand. Der Vorsitzende, Professor Dr. K a l i s ch e r, begrüßte die Delegierten mit folgender eindrucksvoller Rede: „Zwischen dem letzten Gelmeindetag im Jahre 1913 und heute liegt das ungeheure Weltgeschehen, welches das Antlitz der Welt verändert hat und Deutschland von feinem Hochsitz im Rat der Völker herabstietz. Wir alle hoffen, daß deutsche Kraft und Energie ihm wieder den gebührenden Platz in der Völker gerne inschaft sichern werden. Reben der Trauer, die wir >als Deutsche zu tragen haben, haben wir als Inden noch eine besondere Klage zu führen. Es ist das Schicksal der Juden, von jedem historischen Ereignis in schwererem Maße betroffen zu werden als die übrige Umwelt. Wir glaubten, daß der deutsche Antisemitismus von dem gemeinsam vergossenen Blute fortgespült werden würde. Das war die „große Täuschung", die wir erleben mußten. Wir Juden sind wiederum zum Sündenbock der Weltgeschichte geworden. Der Antisemitismus ist in wütender Form wieder aufgelebt und kämpft mit Lügen und Verleumdungen gegen unser Recht. Schon aus diesem Grunde müssen wir uns zusammenschließen zu einer Phalanx, an der alle Wogen zerschellen. Aber unser Leid ist gering, wenn es. an den Leiden unserer jüdischen Brüder im Osten gemessen wird, die schon im Kriege weit Schwereres zu leiden hatten als wir, Hunderttausende wurden hingemordet, Frauen geschändet, ihre Kinder «getötet, Millionen in Jammer und Elend gestoßen, ohne daß die Mächtigen der Erde ein- .gegrissen haben. In heißem Mitgefühl und unaussprechlicher Ergriffenheit gedenken wir jener Opfer aus unserem Blute. (Die Versammlung erhebt sich.) Taufende und aber Tausende werden das Wanderschicksab der Juden auf sich nehmien und' in die Fremde ziehen müssen — in einem Moment, in dem die Ha.upteinwander-un.gsländer ihre Pforten .geschlossen haben. Der einzige Lichtblick in dem Grau der Not ist Palästina, das unter mächtigem Schutz sich vorbereitet, diese Massen ausz>uu«ehmen. Auf welchem Standpunkt Wan auch stehen mag: kein Jude, der noch jüdisch fühlt, kann gleichgültig an der einen Tatsache Vorbeigehen, daß eine Heimstätte errichtet wird, wo unseren Brüdern die Möglichikeit gegeben wird, sich in der Sonne der Freiheit aus uraltem heiligen Boden eine Existenz zu schaffen, die ihrer Energie entspricht. Der Gemeindebund betrauert den großen Territorialverlust Deutschlands. Der schmähliche Frieden von Versailles hat uns zweihundert Bundesgemeinden entrissen. Wenn wir auch äußerlich getrennt sind, bleiben sie doch unsereln Herzen nahe. Wir werden ihrer in Treue und Liebe gedenken. Mit besonderer Freude begrüßen wir den Vertreter der Gemeinde Danzig, die unserem Bunde hoffentlich erhalten bleibt. Der Gemeindebund hat das Hinscheiden bewährter Führer zu beklagen, aus deren Menge Salo A b (e r, Sigismund B l a s ch k e, Siegfried Brünn, Joseph I o s «e p h. s t h a l, Martin Philippson und Louis Spachs besonders zu erwähnen, sind. Ihre großen Berdienste sichern ihnen ein dauerndes Andenken. Als Kriegsfolge ist auch die Feier des 50jährigm Jubiläums des DeutschJsraelitischen Gemeindebundes unterblieben. Diese Jubelfeier kann nachträglich nicht würdiger begangen werden als durch die Erweiterung und Krönung des .alten- Baues. durch die Erhebung des Deutsche-Israeli tischen Gemeindebuudes zur um fassende n öffentlichrechtlichen Gesam>torganis>ation der deutschen Judenheit. Sie wird lauf Freiwilligkeit beruhen. Wir wlerden uns selbst unsere' Gesetz? geben in der Erkenntnis, daß der Zusammenschluß aller Kräfte zur Erhaltung und Erstarkung des Judentums erforderlich ist. Auf breiter demokratischer Grundlage ausgebaut, wird sie uns gegen die Lockerung im Innern nn-d gegen den- Ansturm von außen sichern. Im Interesse des großen Werkes müssen alle Sonderwünsche zurückgestellt werden. In dieser Stunde blickt die .gesamte deutsche Judenheit erwartungsvoll auf uns. Wir müssen den Gedanken des k’lal Jisrael verwirklichen. Möge Gott seinen Segen zur Vollendung dieses Werkes geben, damit dieser Segen von hier ausströme über unser gesamtes geliebtes Judentum." Die Versammlung folgte dieser Ansprache in sichtlicher Ergriffenheit, die sich, zum Schluß in anhaltendem Beifall Lust machte. Die geschäftlichen Verhandlungen wurden mit der Konstituierung des Bureaus eingeleitet. Zum ersten Vorsitzenden wurde Professor Dr. K a l i s ch e r, zum zweiten Leopold Ba.dt (Berlin), zum dritten Qberlandesgerichtsrat Neumayer .(München) gewählt. Das Schriftführeramt übernahmen Justizrat Feilchenfelr (Berlin) und Rechtsanwalt Katz enstein (Kassel). Als Beisitzer gehören dem Bureau an Geheimrat Apfel (Köln), Dr. Nobel (Frankfurt .a. M.), Direktor P e r e tz (Königsberg), Rabbiner

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