Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 2 (21.1.1921)
- Date
- 1921-01-21
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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85 üahtaang. Nt - <60tUßÜlhpßOtß. '' Vetlsse zur „Allgemeinen Leitung de^ Judentums" Korrespondenten und Mschnchten. SeutlchisnL. E. M. Berlin, 18. Januar. Die Rep räsentantenverfamml u n g beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit dem Rechnungsabschluß der Armenkonnnission für das Jahr 1919/20. Die Verwaltung der Armenkommisston erforderte im Berichtsjahre 584 000 Mart, von denen 319 583 Mart aus Stiftungsmitteln, 264 000 Mark aus dem Gemeindesäckel stammen. Die Armenkommissston hat ein überaus arbeitsreiches Jahr hinter sich. Es gingen 4757 Gesuche ein. an der Tageskasse wurden weitere 332 Personen abgesertigt. Bewilligt wurden 3068 einmalige, 546 laufende Unterstützungen; 1152 Gesuche wurden abgelehnt, 11 zurückgezogen. Zur Erledigung der Geschäfte wurden 180 Sitzungen abgehalten. Die Entwertung des Geldes hat die Notwendigkeit zu einer allgemeinen Erhöhung der Unterstützungen ergeben. Um die Wohlfahrtspflege intensiver gestalten zu können, wurden Helfer und Helferinnen für die Kommissionsmitglieder herangezogen, welche später vollberechtigte Kommission smitglieder werden sollen. Laufende monatliche Unterstützungen wurden 546 Personen gewährt, 127 Fälle wurden von den beiden Gemeindeschwestern bearbeitet. Der Fonds für verschämte Arme erledigte in 33 Sitzungen 204 Gesuche. Herr Eugen Caspar y, welcher für den Zweiten Ausschuß über diesen Rechnungsabschluß berichtete, betonte die durch die gegenwärtigen Verhältnisse bedingten veränderten Aufgaben der Kommission. Die Kreise, welche die Armeukomm'ission in Anspruch nehmen, haben sich verändert. Heute ist es vielfach der Mittelstand, der gezwungen ist, Unterstützungen von der Armenkommisston zu nehmen. Es wird erwogen!, den Namen 'der Kommission abzuändern, doch sind diese Beratungen noch nicht zum Abschluß 'gelangt. Auch die Art der Unterstützung hat eine Aenderung zu erfahren. Die Bewilligung von Geldbeträgen ist zurückgetreten hinter den Naturalga'ben, wie Wäsche, Kleidung und Stiesel, die heute für weite Kreise des Mittelstandes unerschwinglich sind. Die Gemeinde hat in der Kleiderkammer, welche die Sammel stelle für 'derartige Gegenstände ist, eine Einrichtung geschaffen, welche weitgehende Förderung aller Kreise verdient. Leider ist die Kleiderkammer noch nicht in der Lage, allen an sie herantretenden Wünschen gerecht zu werden. In der Aussprache gibt Dr. Klee dem Bedauern Ausdruck, daß die sozialen Leistungen der Gemeinde nur in einem kleinen Kreise bekannt sind. Er empfiehlt, über diese Gemeindeausgaben kleine Veröffentlich,ungen herauszugeben, die das Interesse der Gemeindemitglieder heben und sowohl die Steuerwilligkeit fördern ül§ auch, ein werktätiges Interesse für die sozialen 'Gemeindeeinrichtungen wecken werden. Es wäre wünschenswert, wenn auch den Beamten die Benutzung der Kleider kammer ermöglicht werden könnte. Herr Caspary erwidert, daß der Gemeindevorstand bereits mit der Herstellung einer Arbeit über die sozialen Aufgaben und Leistungen der Gemeinde beschäftigt ist. Der Vorstandsdezernent für das Wohlfahrtswesen, Dr. Baum, betonte ebenfalls, daß sich die Tätigkeit der Armenkommission nach der Revolution geändert hat. Die Armensürsorge gestaltet sich immer mehr zu einer Mittelstandsfürforge, wodurch die Kleiderkam'mer an Wichtigkeit gewinnt. Der Gemeindevorstand berät über den Ausbau derselben zur selbständigen Berwaltungskommifsion unter Heranziehung eines Kreises von Fachleuten. Bei dieser Gelegenheit wird auch geprüft werden, ob die Kleiderkammer für die Beamten nutzbar gemacht werden kann. Dem Gemeindevorstand wird hierauf die gewünschte Entlastung erteilt. 6. Berlin, 18. Januar. Am 7.. d. M. And anläßlich des 80. Geburtstages von Michael Holzman vor Beginn des planmäßigen Unterrichts eine kleine Feier im Musiksaale der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt .statt, an welcher die Lehrerkollegien der Knabenschule und des Seminars, ferner die Zöglinge der Lehrerbildungsianstalt und die Schüler der ersten Klasse der Knabenschule teilnahmen. Den Hauptgegenst.and der Feier, die durch (Sieficmig. 'des Seminarchors eingeleitet und beschlossen wurde, bildete die eindrucksvoll^ von liebevollem Verständnis und freundschaftlicher Verehrung für den Jubilar getragene Ansprache des derzeitigen Leisters der Anstalten, Herrn Direktor Dr. G u t m an n. Um Wiederholungen zu vermeiden, sei hier kurz aus den Artikel aus der Feder Dr. Gutmanns in der vorigen Nummer dieses Blattes hingewiesen, der zum Teil die Ausführungen der Ansprache zum Ausdruck brin>gt. Die Anstalt hat mit dieser im engsten Rahmen gehaltenen, aber nichtsdestoweniger würdigen Feier eine sittliche Pflicht erfüllen wo-llen, die sie dem Maun schuldig zu. sein. 'glaubte, der eswegen seiner vorbildlichen, Eigenschalsten verdient hat, Schülern und Lehrern, in dankbarer Erinnerung' und Verehrung als Muster vorgesührt zu 'werden. Berlin, 18. Januar. Die erste Tagung der Zentralwohl s a h r t s st e l l e der d e u t f ch e n I u d e n findet am 24. und 25. Januar 1921 in Berlin im Logenhaus, Kleiststraße 10, statt. Die Tagesordnung enthält folgende Punkte: I. Montag, den 24, Januar 1921, vormittags 9y2, Uhr: 1. Eröffnung durch den Vorsitzenden, Geheimen Justizrat Berthold Timendorser (Berlin). 2. Geschäftsbericht: Eugen Easparh und Dr. Segall (Berlin). 3. Vorlage der Satzungen der Zentralwohlsahrtsstelle: Berichterstatter: Justizrat Salomon (Berlin). 4. Finanzen: Frau Henriette May (Berlin). 5. Wahlen des Gesamtvorstandes und des ersten Vorsitzenden. 6. „Die Forderungen der Gegenwart an die jüdische Wohlfahrtspflege": Frau S. Wronsky (Berlin). 7. „Jüdische Sozialpolitik": Dr. Georg. Baum (Berlin). Aussprache. — II. Montag., den 24. Januar 1921, nachmittags 4 Uhr: 1. „Die Not unserer Waisen- und Erziehungsanstalten": Emil Waldstein (Breslau). Aussprache. 2. „Aufgaben der jüdischen Kinderfürsorge": Rechtsanwalt Dr. Fritz Lamm (Berlin). Aussprache. Abends: Gemütliches Beisammensein. III. Dienstag, den 25. Januar 1921, vormittags 9%) Uhr: 1. „Sozialhygienische Aufgaben m der jüdischen Wohlsahrtspflege": Referent: Privatdozent Sanitätsrat Dr. Hanauer (Frankfurt a. M.). Korreferenten: a) Professor Sanitätsrat Dr. Tobh Cohn (Berlin): „Fürsorge für Nervenkranke." b) Sanitütsrat Dr. Wilhelm Feilchenfeld (Berlin): „Fürsorge für Lungenkranke." e) Sanitätsrat Dr. Nawratzki (Berlin-Nikolassee): „Fürsorge für geistig zurückgebliebene Jugendliche." 2. „Die Notwendigkeit der örtlichen Zentralisierung der jüdischen Wohlfahrtspflege sowie die Maßnähmen zur Verhütung von Doppelunterstützungen unwürdiger Bittsteller." Referenten: Frau Elara Samuel (Elberfeld), Eugen Caspary (Berlin). 3. „Pläne zur Begründung einer deutschen Reichsarbeitsgemeinschast für freie Wohlfahrtspflege und Die Anteilnahme der Zentralwohlfahrtsstelle." Referent: Dr. Albert Levh (Berlin). Allssprache. — IV. Dienstag, den 25. Januar 1921, nachmittags 4 Uhr: 1. „Jüdische Auslandshilfe": Direktor Dr. Friedrich Ollen'dorsf (Berlin). 2. „Karlsbader Welt-. Hilfskonferenz und ihre Bedeutung für die jüdische Wohlfahrtspslege": Referent: Dr. Alfred Klee (Berlin). 3. „Probleme der Ostjudensrage in Deutschland": Referent: Fritz Mordechai Kaufmann (Berlin). Aussprache. E, M. Berlin, 18. Januar. Die diesjährigen M o n t a g s v o r - t e s u ll g e n an de r H o ch, s, ch u l e s ü r d i e W i s. s e n s ch, a f t des Judentums leitete Privatdozent Dr. Eugen Panossky mi,t einem Lichitbildervortrag! über „R e m b r a n d t u ll d d a s Judentum" ein. An Hand gut gewählter Porträts und Radierungen zeigte er, wie Rembr-andt seinen Stoff im Judentum suchte und fand. Die Marannen, die zu jener Zeit in Holland günstige Aufnahme fanden, wurden in ihrer neuen Heimat durch ihren individuellen. Geist, ihre Intelligenz und Bildung bald zum Mittelpunkt des geistigen Lebens. Zu dieser intellektuellen Sympathie gesellte sich bald« die politische, religiöse und mit ihr .auch, 'die ästhetische Sympathie. Ihre lebhaften Gesten, ihr südländisches Temperament und ihre reiche Empfindungsart zogen Dichter und Maler in gleicher Weise stark an. Riembrandt, der Erwecker einer neuen Richtung in der Malerei, dessen Bestreben dahin ging, historische Motive individuell zu gestalten, fand im Judentum eine nie versiegende Quelle. In der ersten Periode seines Schaffens, in dem ersten Drang nach Wiedergabe 'ausdrucksvoller Geberden und starker Typen und des Maleri'sch^Phiantastisch-en, findet er reiche Nahrung in jüdischen Typen.. Das Bild Manasse ben Israel, sein Jüdischer Bettler und Belsazar Zeigen, wie sein zunächst noch -äußerliches Interesse an den