Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 2 (21.1.1921)
- Date
- 1921-01-21
- Page
- Seite 23 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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23 David (sie umschlingend): Lea, eine größere Freude konntest du mir nicht bereiten. Lea: Ich hatte mir längst voryenom-men, es ihnen zu sagen. Das Versteckspiel kam mir so unwürdig vor. David (glücklich lächelnd): Was sagte denn die Mutter? Gab sie bald ihre Zustirmnung? Lea: Sie wäre mit allem einverstanden. Du möchtest ihr bloß glücklich aus dem Kriege zur-ückkehren. David: Und der Vater? Lea: Brummte ein wenig, gab sich aber schließlich zufrieden. (Es klopft an die Auhmtür.) Lea (während David nuMMeßt): Wer mag das sein? (Ein PMAst tritt ein und liest von einem Zettel db): „Der Kaufmann Elias Kvongold soll gegen das ausdrückliche Verbot des Kommandanten eine jüdische Jungfrau in seinem Hause ausgenommen haben, die sich unter den Ausgewiesenen aus Skierniöwice befand und deutscher Abstammung ist. Krongold soll daher wegen Uebertretung des Verbotes und wegen Landesverrats unter Anklage gestellt werden, wenn die Jungfrau: nicht innerhalb 24 Stunden die Stadt -verlassen hat." (Pause.) (Fortsetzung folgt.) Litrrsrilchr Mitteilungen. — D i e F r a u -im ne u e n Deutschla 'N. .d. Von Camilla Jellinek. Kart. 8— M. Verlag I. EngMorns Nachf. iw Stuttgart. Die bei Engelhc.ru erschienene Serie „DaG neue Gieschlecht" Zeigt du-rchweg eine glückliche Hand bei der Auswahl der Stoffe und der Autoren, und auch dies neueste B-uch der bekannten Heidelberger Frauenrechtlerinist höchsten Lobles wert. Nach! «den vielen Phrasen, die man seit 'der Revolution über bk Aufgaben der Frau vorgesetzt bekommen hat, ist es wahrhaft wohltuend, einmal -ausder Fülle der Sachkenntnis heraus in aller Nüchternhe-it ein. Bild des Ausgabenkreifes zu bekmnmen, in den die Frau in u'nseren schweren Zeiten gestellt ist. Soweit es sich in dieser kniappen- Formüberhaupt sagen läßt, ist hier alles gegeben, undbk innere Herzenswärme spricht vernehmlicher ans diesem Buch als in -manchem, das sich -aufgeregt gebärdet. ' * A r i e l Be n s i o n : Die Hochzeit des Todes. E. P. Tal u. Co., Verlag, Leipzig, Wien, Zürich. Geheftet 12,50 M. (50,— Kr.), gebunden 9,— M. (40,— Kr.). „Die Hochzeit des Todes" ist eine fesselnde mystische Dichtung, die den Leser vom Anfang'bis zu Ende in ihrem Banne hält. Von der Stürbe und Reinheit dieser morgenländischen farbigen Visionen wird auch der sich gegen jede Geheimlehre Wehrende tief ergriffen werden. R i ch a r d B e e r - H o f m a n n, der der Dichtung ein enthusiastisches Gleitwort mit aus den Weg zu den deutschen Lesern gibt, schreibt darin von Bensions Werk: „Morgenland! Das war das Morgenland unserer Kindheit, und nun hebt es wieder an, das Träumeland vieler zu werden, die nicht mehr Kinder sind. Nicht jener bloß, die nach zwei Jahrtausenden eines Schicksals ohnegleichen dort die alte Heimat und ein Leben, das Haß nicht mehr umlauert, suchen." Göttliches und Irdisches durchströmen einander ungehemmt in diesen mystischen Visionen, die jeden suchen, der fühlenden Herzens bereit ist zu empfangen. — Sascha Kronburgs sechs Zeichnungen geben in Linien die Erschütterung des Dichters mit verwandter Inbrunst wieder. , * — Jüdische V o I k s! l i ed e r, 18 Lieder für mittlere' Singstimme mit Klavierbegleitung, gesetzt von Paul Jüan und' Wilhelm Groß, herausgegeben von Karl Seelig, betitelt sich eine neue Sammlung, bk soebenbei Gebrüder Hug, u-. Co., Leipzig und Zürich, erschien. Das Werk bringt die eigenartige Schönheit des jüdischen Volksliedes zum Ausdruck und ist die erste Sammlungdieser Art. Deutsche Übertragung von Arno Nadel und Alex. Eliasberg. Die Auswahl kann als charakteristisch bezeichnet werden. Der Klaviersatz ist wohlklingend, die Ausstattung künstlerisch. Ter schmucke Band wird seiner Eigenart wegen großes Interesse in weiten Kreisen Hervorrufen und au.ch Freunden -echter Volkskunst willkommensein. $$$> * — Jewish Rights at International Congrosses. By M a x J. K o h 1 e r. Reprint from the American Jewisih Y-ear Book. 5678. Philadelphia, The Jewish Publication Society of America. Man kann aus dieser Schrift des bekannten amerikanischen Gelehrten ersehen, wie bie Rechte der Juden aus internationalen' Kongressen innerhalbeines Jahrhunderts behandelt worden sind. Köhler beginnt mit dem Wiener Kongreß im Jahre 1814 und schließt mit der Konferenz von Algeciras im Jahre 1906. Verhältnismäßig am günstigsten sind die Juden noch auf dem Wiener Kongreß 1814 sortgekömmen, und das haben sie wohl ihren hervorragenden Vertretern dabei zu verdanken. Da traten in ebenso warmer wie entschiedener Weise für ihre Rechte ein Jacob Varuch, der Vater von Ludwig Börne, G. Uffenheim und I. G. Gump recht, sämtlich 'als Vertreter der Juden von Frankfurt a. M. Da fanden sie fturige Fürsprecher für ihre Rechte in den Salons der Baroneß Fanny v. Arnstein, Madame v. Eskeles, Rahel Levin--v. Varnhagen, Madame Leopold Herz und Dorothea Mendelssohn - v. Schlegel, mb in diesen Salons verkehrten die Freunde der Juden, Fürst Hardenberg, Wilhelm v. Humboldt, Metternich und Gentz. Freiilich vernichtete die spätere Reaktion zum. größten Teile die Erfolge, die für sie errungen wurden, und ähnliches zeigte sich auch -auf den späteren Kongressen, z. B. dem von Berlin 1878, wo die Rechte, die sie in Rumänien haben sollten, auf dem Papier stehen blieben. Die schönste Frucht wurde den Juden der Weilt schon -aus dem Kongreß von Versailles 1919 beschert, der in dem Buche nicht erwähnt ist, denn er brachte ihnen Palästina, wenn auch nicht in der Form und mit all den Rechten, die sie erwartet hatten. Immerhin wird M»ax I. Köhler seinem lesenswerten Buche in einer späteren Auflage diesen Kongreß, was die Rechte der Juden und den Schutz der Minoritäten betrifft, mit einiger Genugtuung hinzufügen können, wenn auch dieser Kongreß von Versailles der Welt sonst nicht viel Schönes gebracht hat, und wenn esauch mit der „Stabilisierung" der Rechte allein nicht getan ist, solange die Juden nicht von den anderen Völkern als gleichberechtigt mit vollem Herzen anerkannt werden. Sanitätsrat Dr. Scherbel (Lissa i. P.) * — MitteilungenzurJüdischenVolkskunde. Heran s- -gegeben von Dr. M. Grün Wald, Rabbiner der Israelitischen Kul'tu-sgemeiude in Wien. 21. Jahrgang, 1. bis 2. Heft. Wien 1919. Diese Mitteilungen erscheinen zugleich -als Organ der Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg, und wenn diese u. a. den Zweck verfolgt, die Erkenntnis des inneren Lebens der Juden durch eine möglichst vollständige Sammlung aller in Wort und Schrift lebenden jüdischen mundartlichen Eigentümlichkeiten zu fördern, so liefert das vorliegende Heft -dazu, außer anderen wertvollen Beiträgen, ei:nen historisch^grammatischen Versuch über „die jiddische Sprache" und ihre Zusammenhänge mit deutschen- Dialekten von Matthias Mieses. Schon Vieser Aufsatz allein macht das Heft recht interessant und zeitgemäß und« sollte der verdienten Gesellschaft für jüdische Volkskunde neue Mitglieder zuführen. Sanitätsrat Dr. Scher bei (Lissa). * A r ch, i v s ü r j ü di s ch e F -a m i -l! i e -n f o r s ch u n!g, Kunstgeschichte und Museumsirvesen. 2. Jahrgang, Nr. 4, 5 und 6. Verlag R. Löw'it, Wien I. Das vorliegende Heft bringt Artikel, die von hervorragendem Interesse für die jüdische Familienforschung sind, aber, auch von hohem Wert für die jüdische Geschichte und Literatur. Wiir erwähnen einen Aufsatz: „Zur Kenntnis der Donrnäh in Saloniki von Dr. A. I. Brawer (Konstantinopeli) und eine längere Arbeit „Gottlieb Saphirs Testament" von Dr. Bernhard Wachstein (Wien). In d-er letzteren zieht der Verfasser eine treffende Parallele zwischen Saphir un!d Heine in ihren Beziehungen zum Judentum unld bemerkt dazu: „Wie hatte