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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-01-21 · Heft 2 (21.1.1921) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 2 (21.1.1921)
Date
1921-01-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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85. Jahrgang. Nr. 2 Berlin, 21. Januar 1921 Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint vierzehntäglich. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 HX. — Postscheckkonto 32H. Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße H6-H9, zu richten. Verlag von Rudolf rNosse, Berlin. Jahr 1920. Von Albert K a tz. — Wochenijlltjmi^ a u. — Salomvn Hermann Mosenthal. Von L. H o rw i tz (Kassel). — Fürsorge für jüdische Kriegs- und Pogromwaisen. Von H a i w r i. — Saul. sSchluß.j Von Dr. Verübt G ö tz (Verlin-Wittenau. — Von Menschlichem und Göttlichem. Von Rabbiner Dr. S. L e v i (Mainz). — Feuilleton: Pogrom und Krieg. [1. Fvrts.s Schauspiel in fünf Akten. Don Meta O p e t - F u ß (Breslau). — L i t c rari f ch e Mitteilungen. — Büchereinla u f. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"): Berlin, Königsberg i. Pr., Breslau, Bingen, Gießen, Prag, Budapest. — Don Nah und Fern. Das Jahr 1920. .SSon Albert Katz. II. and in Hand mit der antisemitischen Bewegung im verflossenen Jahre, der gegenüber die früherer Perioden gang in den Hintergrund tritt, ging die Abwehrtätigkett, an der in zahlreichen Orten auch prominente Nichtjuden und neben unseren Rabbinern auch christliche Geistliche sich eifrig beteiligten. Nur müssen wir zu unserem Bedauern konstatieren, daß diese Abwehrtätigkeit, wie notwendig sie auch war und so hoch einzuschätzen sie auch >ist, zu einem positiven Ergebnis bisher nicht geführt, die immer mächtiger gegen uns heranziehende feindliche Welle auch nicht um einen Schritt zurückgedrängt hat. Nicht einmal der Radauantisemitismus ist merklich in Abnahme begriffen. Er ist allerdings, wie so oft schon, in letzterer Zeit von der Straße verschwunden, aber nicht spurlos und noch lange nicht gänzlich überwunden. Er wartet nur auf eine passende Gelegenheit, die in unserer politisch bewegten Zeit leicht zu finden ist, um sein verwerfliches Treiben in gesteigertem Maße wieder aufzunehmen. Der weit gefährlichere aber, der die Salons beherrscht und in der ihm zur Verfügung stehenden Presse seine giftigen Anklagen, Lügen und Verleumdungen ungestört verbreitet, ist unablässig bei der Arbeit, um kein friedliches Verhältnis zwischen jüdischen und christlichen Staatsbürgern — und sei es auch nur für kurze Zeit — aufkommen zu lassen. Da wird der Jude fortgesetzt verbrannt, und nicht bloß dieser allein, sondern auch die des eigenen Stammes und eigenen Bekenntnisses, wenn sie es wagen, für die Juden öffentlich Partei zu ergreifen, ihre verblendeten Hasser zu Vernunft und Einkehr zu mahnen. Darüber mag sich wundern, wer den Antisemitismus, sob ald er in aggressiver Io rin austritt, für eine Neuerscheinung hält. Wer aber weiß, daß das ewige Volk ein ewiger Haß verfolgt, daß der Antisemitismus nur feine äußere Hülle, in der er sich zeitweise kundgibt, nie aber sein Wesen wechselt, der wundert sich weniger darüber, daß seine ' Abwehr so wenig gelingt, als vielmehr, daß es ihm bisher noch nicht gelungen ist, sein Endziel, die Ausrottung Israels, zu erreichen. Sollen wir in dem uns aufgezwungenen Kampf, weil er bisher erfolglos verlaufen ist, erlahmen? Nein, das wollen und dürfen wir nicht. .Gedenke, was Amalek dir getan! Der Kampf gegen den Antisemitismus, dessen Prototyp der biblische Amalek ist, darf keine Unterbrechung erfahren, insbesondere, wenn er uns. wie sein altes Vorbild, hinterrücks, immer auf dem Wege — zum Aufstieg überfällt und den Nachtrab hinter uns, oder richtiger die Müden und' Schwachen unter uns, kopfscheu macht, zur Verzweiflung treibt. Allein dieser Kampf darf sein jüdisches Gepräge nicht verlieren; er muß, wenn er nicht zwecklos fein soll, im Geiste des Judentums und von Männern geführt werden, die Israels Lehre kennen und in ihrem Namen zu sprechen berufen find. „Wenn du gegen deine Feinde ins Feld ziehst," kündet unsere Lehre, „so mußt du dich vor allem Schädlichen hüten." Darunter ist zu verstehen: Wir müssen alles vermeiden, was unsere eigene Kraft schwächt und den Erfolg des Kampfes von vornherein illusorisch macht. Was aber nehmen wir wahr? Wir selbst zerstören die Festung, in der wir bis jetzt vor dem immer von neuem anstürmenden Feinde Schutz und Zuflucht gesucht und gefunden haben. „Wenn die Glieder des Hauses Israel", bemerkt ein alter jüdischer Gelehrter'), „auch in alle Weltgegenden gehetzt werden, von Nord nach Süd, von Süd nach Nord, von Ost nach West und von West nach! Ost, so sind sie doch stets im Mittelpunkte", d. h. bilden sie doch eine geschlossene Einheit, gegen die auch der gefährlichste Feind früher und später, freilich nachdem nicht selten auch reichlich jüdisches Blut geflossen war, seine Waffen strecken mußte. „Wie ein mächtiger Strom", schreibt Heinrich Grätz in der Einleitung zum fünften Band seiner Geschichte der Juden, „durch große Wassermassen hindurchfließend und in inniger Berührung damit seinen eigenen Lauf einhält und seine Farbe nicht wechselt, ebenso haben der jüdische Stamm und die jüdische Geschichte der diafporischen Zeit inmitten der gewaltigen Völkerströmung ihre eigene Art behalten, ihr Wesen nicht verändert." Das trifft bis aus den. heutigen Tag zu. Durchdrungen von dem Bewußtsein der Zusammengehörigkeit, getragen von den Erinnerungen einer gemeinsamen Geschichte bilden wir noch heute eine Phalanx, die uns gegen die Angriffe unserer Feinde gefeit macht. Verlassen wir den fruchtbaren historischen Boden, der den jüdischen Geist auch in der Diaspora nährt und zu neuen Kraftäußerungen anhält, und durchschneiden gewaltsam das uns mit den Juden anderer Länder einigende Band, indem wir in ihnen im günstigsten Falle unsere Glaubensgenossen, unter keinen Umständen aber Bestandteile eines gemeinsamen Volkstums erblicken; fahren wir fort, während eine Welt von Feinden uns umringt, uns in unfruchtbare religiöse und politische Diskussionen zu verlieren, uns in der Presse und in öffentlichen Versammlungen gegenseitig zu befehden, einander bald das Deutschtum, bald das Judentum abstvMg zu machen und 'die Schuld an. den: Empori) Dana di be-Elia Rabba, Kap. 5.

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