Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1921)
- Date
- 1921-01-07
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3229482-3229483--76095-3288657- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4 sich schweren Herzens zu dem Anträge -an das Kuratorium entschließen müssen, die sämtlichen M ädchenabteiluugen der -Schu-le bis aus, weiteres — d. h. solange die üblen iFnanzverhältnisse andauern — zu schließen, und hat dements.Pr-eckPN'd seinen Voranschlag für 1921 ansgostellt. Das Kriratorium hat dem Vorstandsau trage zugestimm-t. Selbst beider erheblich vereingerten Zahl der Zöglinge würden im Jahre 1921 mehr als 150 000 Mark an freiwilligen Spender: auszuibringen sein, um den Betrieb der Schuile a-usrechtzwerh-alten. Man hofft, mit dieser Srl-mme zu reichen, und es wären dann bis Ende 1921 im ganzen 250 000 Mark erforderlich. Mit Rücksicht auf diesen Riesenbedarf hat das Kuratorium aber die Ausgaben vorläufig nur für ein halbes Jahr bewilligt. Es will im März aufs neue zusammentreten, um über die Lage der Anstalt weiter zu beraten und, wenn-nötig.-eine weitere Herabsetzung der Schülerzahl zu beschließen. Alle diejenigen, denen das Wohl der jüdischen Jugend am Herzen liegt, werden mit den: Vorstände und dem Kuratorium das Gefühl haben, 'daß diese einstweilen notwendig, gewordenen Beschlüsse mögiichst wieder ansigehoben ro-erden sollten. Das fanci natürlich nur durch Heranführung großer Geldmittel -geschehen, und es wird insbesondere die Ausgabe der in ganz Deutschland, verteilt wohnenden Mitglieder des Kuratorimn-s und der Lokalkolnitees, sein müssen, diese Gelder h>era-nznschasfen. An jeden Leier dieses Berichts ergeht die Bitte, nach seinen Kräften hierbei mitzuwirken. <ya Cannstatt, 31. Dezember. Einen schweren Verlust hat die israelitische Kirchengemeinde Cannstatt und mit ihr die gesäurte israelitische Religiousgemeinscha'st Württembergs zu beklagen. Au: 19. Dezember verschied nach langem, schloer-em Leiden Herr Privatier Ferd. Levi. Derselbe war einer der immer seltener werdenden Männer, welche ans innerster Ileberzengnng und mit ganzer Kraft sich der Sache des Judentums widineten- und durch ihr Wirken aus allen Gebieten des öffentlichen Lebens, namentlich aber aus dem der Wohltätigkeit, sich große Verdienste erwarben atnb darum in der breitesten Oeffentlichkeit großes Ansehen genießen. — Die Beisetzung gestaltete sich zu einer wohltuc-nden Kundgebung der Liebe und der Verehrung für den Entschlafenen. Die Kapelle des -israelitischen Friedhofs konnte die Masse der Teilnehmenden nicht fassen. Nach der eigentlichen Grabrede dos Herrn Lehrers E. Adler, welcher den Verstorbenen als einen charakterfesten, aufrechten undfür das Wohl seiner Glaubensgeuoffen und der Allgemeinheit unermüdlich tätigen Mann,, als treuen Israeliten und als edlen. Menschen und guten Bürger schilderte, sprachen Herr Präsident Tr. v. Balz namens der israelitischen Oberkirchonbehörde, Herr H. W ü r z b u r g e r in: Aufträge des israelitischen Kirchenvorsteheraints und Herr /y. M ayer für den Israel i'ti scheu Wohltüti-gkei'1'sverein Cannstatt, desserr erster Vorstand der Verewigte viele Jahne war, Worte des Dankes, der Anerkennung und der Verehrung ans. Es sprachen ferner Herr Landaerichtsdirektor Stern für das Waisenhaus Wilhelms- Pflege. Herr Fabrikant Hugo Kahn für die Stuttgart-Loge n-. a. m. Herr Oberbürgermeister La u.te nsch'l nge r , der Persönlich am Erscheinen verhindert lvar, sprach seine Teilnahme schriftlich aus'. Von Sah und Fern. — Der Ausschuß des Deutschi-Jsraeli tischen Gemeindebundes versendet die Einladungen zu dem am Sonntag, den 23. Januar d. I., vormittags 9 Uhr, und eventuell Montag, den 24. Januar d. I., im Saale des Logenhauses, Berlin W, Kleiststraße, stattfindenden Gemeindetage. Die Tagesordnung umfaßt folgende Punkte: 1. Konstituierung des 15. DentsckpJsrnelitischen Gemeindetages. 2. Bericht des geschäftsführenden Vorsitzenden. 3. Bericht der Kafsenrevisoren und Entlastung des Ausschusses. 4. Wahl des Ausschusses und der Revisoren. 5. Abänderungen der Satzungen entsprechend dem Verfassungsentwurf für eine Gesamtorganisation des deutschen Judentums. Referent: Herr Dr. I. Freund. — Ge>- l)eimer Kommerzienrat Max Steinthal vollendete am 24. Dezember v. I. das siebzigste Lebensjahr. Der Jubilar, ein geborener Berliner, gehört zu den Richtung gebenden Männern des deutschen Wirtschastslebens — %m 10. Januar begeht Herr Ado l s P r a ger, Krausnickstraße' 15, seinen 8 0. Geburtstag. Seit Jahrzehnten waltet sein wohltätiger Geist? in allen Zentren der Stadt. Zu« dem Gründer der Chewra Kadischa, zu dem Vorsitzenden des Talmud-Vereins in einer Reihe von 30 Jahren blicken heute Unzählige dankbaren Herzens auf. Fünfzig Jahre im Zentrum Berlins teb.nd — begleiten heute Arme, Kranke und Genesende seinen ehrenvollen Weg mit heißen Lebenswünschen. — Aus Danzig wird uns geschrieben: D a s K o m i te e d e r jüdischen Delegationen in Paris hat der zuständigen 6. Kommission des Völkerbundes ein Memorandum überreicht, in dem die Einbürgerung der in Danzig lebenden Juden gefordert wird. Die Eingabe protestiert energisch gegen die von der Regierung des neuen Freistaates geplanten Hemmungen gegen die Naturalisation von Ostjuden. Die Denkschrift der jüdischen Delegationen fordert ferner für Danzig die Anerkennung der Schutzbestimmung für nationale Minoritäten und ihre Anwendung auf die hiesigen Juden. — Ein langjähriger bewährter Mitarbeiter unseres Blattes, . Herr S. Plocki in Hamburg, ist, wie wir zu unserem Bedauern erst jetzt erfahren, nach schwerem Leiden am 29. November v. I. verschieden. Wir. werden diesem braven Manne ein treues Gedenken bewahren. — In Aschersleben fand jüngst eine vom „Deutschen Schutz- und Trutzbund" einberufene antisemitische Versammlung statt, in der der „Arbeiterführer" Pöhl (Nürnberg) einen Vortrag hielt. Seine Ausführungen bewegten sich in den Bahnen des „Hammer"- Kreifes. Sie wurden von den Vertretern der sozialistischen Parteien arg zerpflückt. Schlagend wurden seine Ausführungen wiederlegt von Rabbiner Dr. Behrens (Göttingen). Die lokalen Zeitungen berichteten am nächsten Tage darüber mit dem Bemerken,' daß nach dieser Diskussion die Niederlage des antisemitischen Redners endgültig besiegelt war. — In Sondershauseu starb im hohen Alter von 90 Jahren der Lehrer und Kantor a. D. Schön la n k. Mit ihm ist einer der ältesten jüdischen Lehrer dahingegangen, der sich noch durch große jüdische Kenntnisse ausgezeichnet hat. — Herr Michael W o I s in Waldbreitbach bei Neuwied am Rhein feierte am 16. Dezember in vollster Gmstesfrische und in körperlicher Rüstigkeit seinen 100. Geburtstag. Ein Zeichen seiner Gesundheit ist, daß erber günstigem Wetter noch regelmäßig die Synagoge besucht. Auch in diesem Jahre hat Herr Wolf am Jom Kippur gefastet. Der Jubilar ist am 16. Dezember 1820 zu Ockenheim (Nheinhessen) geboren. An seinem Geburtstage war er von vier Kindern, elf -Enkeln und zwei Urenkeln umgeben. — Aus Köln wird geschrieben: Aus Anlaß des am 11. und 12. Dezember hier abgehaltenen Verbandstages der Bezirk'sleiter der Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlester für Rheinland und Westfalen wurde Herrn Dagobert Steinitz, hier, der Schlesische Adlerorden 2. Klasse (Maria-Dheresia-Stiftung) verliehen. — Für die jüdisch e 'U n i v e r s i t ä t s b i b l i o t h e k i n Jerusalem haben die gelehrten Gesellschaften und Bibliotheken in Haarlem und Utrecht eine große'Bücherspende gemacht, die von der Royal Netherlands Steamboat Company kostenfrei nach I a fsa verschifft wurde. — Am Mädchengymnasium der Pester ‘ Israelischen Religionsgemeinde hat dessen Direktor Koloman Wirth nach dem Muster der englischen Lyzeen Institutionen geschaffen, die neben den geistigen auch körperliche Eigenschaften der Zöglinge zu fördern geeignet sind. So wurden an der Anstalt eine Eislausbahn, für das Frühjahr und den Sommer Tennisgründe, eine Gartenanlage zur Einführung! -der Zögli nge in die Gartenu nd Obstbau künde und verschiedene Sportklubs eingeführt. — Dem Ukrainischen Komitee in Kischinew ging ein offizieller Vorschlag der brasilianischen Regierung zu, nach dem Brasilien bereit sei, 2500 jüdische Emigranten aus der Ukraine auf ihre Kosten zu übernehmen und sie als Kolonisten anzusiedeln. Das Komitee nahm den Vorschlag dankend an und entsandte einen Delegierten nach Brasilien, um die näheren Umstände der Ansiedlung kennenzulernen. — In Frankreich ist zum ersten Male eine Straße nach einem Juden genannt worden, und , zwar in Lyon nach dem Oberrabbiner A r m a n d Bloch, der als der erste Feldkaplan unter heroischen Umständen im Kriege gefallen ist. — Herr Charles Nordmann, der hervorragende Astronom der Pariser Sternwarte, erhielt von der Akademie der Wissenschaften einen Ehrenpreis von 5000 Francs und Herr Marier Leon- Direktor der „Revue de Metaphysique et Morale", den Estradei-Delcros- Preis von 8000 Francs. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moste.