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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-01-04 · Heft 2 (4.1.1838) · p. Seite 8

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 2 (4.1.1838)
Date
1838-01-04
Page
Seite 8 (sequence 4)
Language
German
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8 desgleichen, Herr Rabbiner Dr. Aub in München desgleichen; Herr Herrmann Hirsch in Teterow zeigte freiwillig an, daß er eine Subscription in den meklenburgischen Landen veranstalte. Zu größerer Bequemlichkeit und Erleichterung legten wir nun der No. 111. ein Schreiben nebst Subscriptionsblatt bei. Indem wir also in den nächsten Wochen das Resultat dieser Bemühungen erwarten und dann sofort mittheilen werden, übergehen wir vorerst noch alle die Schritte, die wir außerdem gethan haben, bemerken jedoch sogleich, daß wir im genauesten Detail unser Journal über diese Angelegenheit veröffentlichen werden, um dem Publikum und insbesondere den Gemeinden den Stand der Dinge offen zu legen, und wir hiervon Gelegenheit nehmen können, uns selbst deutlich zu erkennen. Einstweilen geben wir für die neuen Leser unsrer Zeitung die in No. 97. begonnene Subscriptionsliste noch einmal, uns setzen sie zugleich fort. Sn bserip Lions liste. 1) Der Redacteur der Allg. Zeit. d. Jud. . . 109 Thlr. 2) Der Verleger der Allg. Zeit. d. Jud. . . . 100 - 3) Die Herren Ernst und Ferdinand Friedeberg, KaufLeute, in Magdeburg...... 200 - 4) Herr I. Philippson, Commis, in Mgdb. 10 - 5) - D. Treite! aus Bernstein in Landsberg an der Warthe. 40 - 6) - S. Stein in Landsberg a. d. Warthe 10 - 7) - Jul. Lebegott, Commis, in Königsb. 20 - 8) - Jacob Hamburger, Kaufmann in Schmiegel. 50 - 9) - Abrah. Meyer, Kaufm., in Berlin 50 - 10) - Meyer Magnus, Kaufm., in Berlin 50 - 11) - I. Abr. Meyer, Kaufm., in Berlin 100 - 12) . S. Rosenfeld, Commis, in Berlin 10 - 14) - B. Kewall, Lehrer derhebr., ital. u. franz. Spr. in Pesth. 10 - 14) Herr Gerson Cohn, Lehrer und Cantor in Coswig .. 10 - 15) Herr Carl Tannen hausen, in Baireuth 3 - Summ 703 Thlr. (Schluß folgt.) Correspoudenzeu, Auszüge, Repliken. Berlin, Ende Decembers. Harfe und Lyra. In diesen Tagen ist vom Verfasser der „Klagen eines Juden" ein neues, wahrscheinlich nur um einiger Schimpsreden im Vorwort willen geschriebenes Werk: „Harfe und Lyra" betitelt, erschienen. Nachdem der Verfasser desselben alle Effectffücke der neueren Literatur vergebens versucht hat, und, einer in spätem Tagen fromm gewordenen Buhlerinn nicht unähnlich, von der Revolution zur Religion und von dieser zur Obrigkeit zurückgekehrt ist, hat er den wohlfeilen Ruhm eines Grattenauer und Hundt-Radowsky nicht verschmäht, um die gallige Wuth unbefriedigter Eitelkeit und genußsüchtiger Erlösungsgier in der Beschimpfung eines unglücklichen, seine alten Ärrthümer abstreifenden Volkes, dem er doch selbst der Geburt nach ungehört, auf's erbittertste auszutoben. — Was er in der Vorrede über eine allgemeine Judenzeitung (sie) sagt, ist ein so gemeines, anbegründetes Schimpfen, daß es selbst, wenn es eine dergleichen Zeitung gäbe, ihm von dieser unbedingt verziehen werden würde. Er.ist gewiß persönlich so sehr von der Erfolglosigkeit seiner unsinnigen Tiraden überzeugt, daß es einer ernstlichen Widerlegung derselben eigentlich gar nicht mehr bedarf. Was den Inhalt des Werkes selbst betrifft, so besteht derselbe wiederum in der aufgewärmten Klingel-Phrasen-Sauce über den längst bekannten alten Judenklagen-Brei und gehört diesmal sogar seinem ästhetischen Werthe nach der Würde der Kritik nicht mehr an. Ob es dem Verfasser mit diesem Schellengetön, mit diesem ewigen Unisono von Glocken, Nachtigallen, Schwalben und dergleichen mehr wirklicher Ernst ist, oder, ob er im Stillen selbst darüber lacht, zu solchem Süßholzgeraspel noch gutmüthige Leser und Verleger zu finden, la^en wir dahingestellt fein. Jedenfalls ist der Verfasser in diesem Werke so sehr gesunken, es ist dasselbe eine so seichte Wiederholung, eine so gänzliche Verflachung, daß von einer eigentlichen Beachtung im literarischen Gebiete von ihm nicht mehr die Rede s e y n kann. Es sei uns daher nur noch erlaubt, Folgendes über ihn und seine Werke im Allgemeinen hinzuzufügen. Wie weit muß es wohl mit der heutigen Literatur gekommen sein, wenn Jemand, der so ganz dem von ihm verrufenen encyklopädischen Deismus angehörr, es wagt, durch solches Gewäsch Einfluß auf das religiöse Leben der Völker zu gewinnen; wie weit — fragen wir — muß es mit einer Literatur gekommen sein, wo Gedanke mit That, Schreiben und Leben so weit auseinander stehen, wo der Styl so sehr zum Instrument und zur tobten Maschine geworden ist, daß die oberflächliche Sprachgewandtheit eines Halbgebildeten hinreichend ist, nur nach Belieben und ohne allen innern Beruf alle Themata vom Himmel bis zum Pöbelschimpf der Judengasse durchzumachen, und sich.dabei noch des Beifalls der Edelsten und Besten im Volke frecher Weise rühmen zu dürfen? — Wir sind immer der Meinung gewesen, daß sich wahrhaft poetische Anlage nur da zeige, wo man eö versteht, sich von äußerlichen, paradoxen, larmmachenden Stoffen zurückzuhalten, und wo man aus einem reichen, innern Gemüthsleben eine Reihe plastischer Gestalten hervorzurufen und objectiv darzustellen vermag; ohne mit den Juden, mit .der Polizei und mit den Potentaten in Berührung zu kommen. Nur der geistesarme Schmarotzer im Gebiete der Literatur pflegt sich den politisch-religiösen Bettlermantel umzuhängen. Wer sich eigner Poesie, eigner Geistesfülle rühmen kann, bedarf solcher Lumpen nicht. Nur zu bald -rächt sich die Versündigung am Heiligsten der Menschheit. Ein Scandalum, wie der Widerruf des klagenden Juden in den öffentlichen Blättern war, hat die Welt nur selten, selbst nicht im Uebergange jener Literaten, die der Hunger zu den Jesuiten trieb, erlebt. Aber sich in denjenigen, welchen man so ganz durch äußeres und inneres Leben angehört, selbst verdammen: als moderner Jude das Wehe des eignen Hepphepp über sich rufen zu muffen, diese Schmach war Herrn Jaköby allein Vorbehalten. Es thut uns leid, daß gerade ein Jude so tief sinken mußte, sich dazu hergab, in der neuesten Literatur die Rolle des PickelharingS zu übernehmen. Wenn wir diesem Herrn Jakoby den Rath geben, uns rein poetische Gebilde, die seine Kunst von der Scholle des Materialismus befreit und in ein höheres Gebiet versetzt hat, künftighin vorzuführen, um der Oeffentlichkeit wenigstens einen Beweis seines poetischen Talents zu geben, so wird er vielleicht aus dieser Aufrichtigkeit allein lernen, daß die modernen Israeliten alle gute Eigenschaften, namentlich die einer vernünftigen Feindesliebe, nicht so ganz entbehren, wie er der Welt nur gar zu gern vorspiegeln möchte. Wenigens wird er, zu solchen Leistungen befähigt, es fernerhin nicht mehr nöthig finden, unter den Juden den reichen Herrn von Rothschild allein zu loben. L. Redacteur: vr. L. Philippson. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfeld.

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