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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-11-26 · Heft 37 (26.11.1920) · page 16

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 37 (26.11.1920)
Date
1920-11-26
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Von Sah und Frrn. — DieGc s e l l s'ch a f t zurFörderung der Wissenschaft des Judentums hält am 26. Dezember eine Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung stehen neben einem wissenschaftlichen Vortrag von Herrn Rabbiner Professor Dr. Bloch sowie den üblichen geschäftlichen Berichten ein Antrag auf Eintragung der Gesellschaft ins Vereinsregister und ein Antrag auf Erhöhung der Mitgliederbeitrüge. Den Mitgliedern geht -eine besondere Einladung zu. die dem, soeben versandten Heft 7/9 der Monatsschrift bei-liegt. — Ter bekannte Berliner Schriftsteller Tr. I. Kaftan beging, am 24. dieses Monats seinen 80. Geburtstag. „Unglaublich viel," schreibt Paul Block in einer Würdigrnrg des Jubilars im „Berliner Tageblatt", „hat dieser Mann gelernt und gelesen und unglaublich wenig hat er vergessen. Was ihm von Jugend an Lebensgesetz war: Keine Zeit aus Leichtes und Seichtes zu verschwenden, sondern in allen Dingen, in Wissenschaft und Kunst und Politik und Dichtung nur deur Großen und Schweren inbrünstig, zu dienen, das hat ihm die Jahre leicht gemacht, auch wenn sie schwer waren. In jeder Woche macht erden werten Weg von seiner Junggesellenklause in der Potsdamer Straße zu einem alten hebräischen Gelehrten, mit dem er die Propheten im Urtext liest. Fröhlich wie ein junger Student erzählt er Freunden, wenn er etwas Neues gelernt hat. Und wie sein lieber Meister Jesaias kann er sagen: „Ter Herr hat mir eine gelehrte Zu NM gegeben, daß ich wisse mit deur Müden zu rechter Zeit zu reden." Mögen ihm noch viele frohe Lebensjahre beschieden sein. — Wie uns mitgeteilt wird, werden jetzt Postsendungen mit Etiketten antisemitischen Inhalts auf Grund der Bestimmung: „Von der Postbeförderung ausgeschlossen sind Sendungen, deren Außenseiten oder sichtbarer Inhalt gegen die Gesetze oder das öffentliche Wohl oder die Sittlichkeit verstoßen", von der Post nicht mehr befördert. — Regierungsbaumeister a. D. Max Grünfeld, der im Jahre 1916 mit der liberalen Liste zum Repräsentantenstellvertreter gewählt wurde, hat sein Amt niedergelegt. — Am 18. d. M. ist Kommerzienrat Hugo Landau im 70. Lebensjahre gestorben. — Dr. Simon EPPenstein, Dozent am Berliner Rabbinerseminar, ist nach kurzem, schwerem Leiden am vergangenen Freitagabend verschieden. — Aus D a n z i g wird uns geschrieben: Die Verwaltung der Synagogengemeinde hat sämtlichen Beamten, und auch den im Ruhestand befindlichen bzw. deren Hinterbliebenen, ansehnliche Winterbeihilfen gewährt. Eine Neuregelung der Gehalts- und Pensionsverhältnisse ist vom Vorstande in Aussicht gestellt werden. — Die Adolf Beckerschen Eheleute in Elbing begingen das schöne Fest der goldenen Hochzeit. Aus diesem Anlaß fand in der Synagoge ein feierlicher Gottesdienst statt, bei dem Herr Rabbiner Tr. Auerbach dem Jubelpaar namens der Gemeinde herzliche Wünsche aussprach. — Herr Lehrer M annheim, bisher in Graudenz, ist zum Nachfolger des verewigten Sturmann in Osterode gewählt worden. — Aus Breslau wird uns mitgeteilt: Für das Fach der Mathematik habilitierte sich an der Heidelberger Universität Dr. Wolfgang Sternberg, Assistent am mathematischen Institut. Der neue Dozent, ein geborener Breslauer, Schüler von Adolf Löwy (Freiburg), Rosanes und Kneser (Breslau), Hilbert und Landau (Göttingen), ist besonders auf dem Gebiete der Differentialgleichungen und Integralgleichungen sachwissenschaftlich tätig. — In Görlitz ist der langjährige Vorsitzende der dortigen Ortsgruppe des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Justizrat Dr. Hoeniger, gestorben. — Aus Hamburg wird uns geschrieben: Die diesjährige Eröffnungsfeier des Jüdischen Gemeinschastsheims im Logenheim hatte eine große Beteiligung gefunden. Eingeleitet wurde der Abend mit einer Ansprache des Syndikus Dr. Nathan, der die Ziele und Bestrebungen des Gemeinschaftsheims erörterte und 'sämtliche Kreise der Gemeinde zur Unterstützung und Mitarbeit aussorderte. Es folgte dann ein Violinkonzert, vorzüglich gespielt von Fräulein Hertha Goldschmidt und Fräulein Rosenbaum; hieran schlossen sich die Gesangsvorträge des Fräulein Rose Ader (Stadttheater) sowie Rezitationen von Olla Bauer (Deutsches Schauspielhaus) und Marzella Halisz (Kammerspiele). Sämtliche Darbietungen fanden stürmischen Beifall. — Am Sonntag, 7. d. M., fand in Oldenburg die Einführung des neuen Landrabbiners, des Herrn Dr. de Haas aus Kattowitz, verbunden mit einer gottesdienstlichen Feier in der Synagoge, statt. In Vertretung des Ministeriums der Kirchen und Schulen war Oberregierungsrat v. Finckh, als Vertreter der jüdischen Landgemeinden die Mitglieder des Landgemeinderates erschienen. — Prof. Dr. Ernst Levy wurde auf den ordentlichen Lehrstuhl für römisches und deutsches Recht der Universität Frankfurt a. M. berufen. — Die in Frankfurt a. M. am 11. November stattgefundenen Wahlen zur Studentenschaft hatten folgendes Ergebnis: Gruppe vaterländisch christlicher Studenten, 26 Sitze, Arbeitsgemeinschaft freier Stundenten 9 Sitze, Arbeitsgemeinschaft jüdischer Studierender 5/Sitze. Die Wahlbeteiligung betrug 50 Prozent. — Im richtigen Augenblick erscheint im Verlag von A. I. Hosmann, Frankfurt a. M., ein ebenso unterhaltendes wie pädagogisch wertvolles Spiel, Hofmanns Bibel-Quartett. Es eignet sich für Kinder vom achten Lebensjahre an und verdient als Chanuka-Geschenk wärmste Empfehlung. (Siehe Inserat). — Aus Lehden wird berichtet: Die Antrittsvorlesung von Professor Einstein wurde von den 1400 Studenten der Universität wie ein Fest gefeiert. Einstein schloß seine Redemit folgenden Worten: „Wir können sagen, daß nach der allgemeinen Relativitätstheorie der Raum mit physikalischen Eigenschaften erfüllt ist, und es besteht ein Aether. Ein Raum ohne Aether ist undenkbar. — In Wien starb im Älter von 65 Jahren an Hungerödem der Physiker, Meteorologe und Chemiker Dr. Max Margules, einer der bedeutendsten Meteorologen der Welt. Er bezog als ehemaliger Beamter der Zentralanstalt für Meteorologie eine Pension von 5000 Kronen. — Die Judenschaft der ungarischen Hauptstadt hat einen bedeutungsvollen Schritt zu ihrer in den jetzigen Zeiten so notwendigen Konsolidierung gemacht. Sowohl die Pester Israelitische Religionsgemeinde als auch die Ofener Jüdische Gemeinde haben ihre Vereinigung zu einer großen jüdischen Gemeinde beschlossen, die die bisher getrennten, angesehenen Gemeinden einer einheitlichen Verwaltung zuführt. Eine von beiden Gemeinden entsandte gemischte Kommission ist jetzt bestrebt, die Details der für das Gemeindeleben der. Judenschaft Budapests so bedeutungsvollen Verschmelzung festzu stellen. — Im Alter von 72 Jahren verschied Rabbi Meier Hakohen Rapaport, der Vorsitzende des Veth-Din zu Krakau, ein Mann von hervorragenden menschlichen Eigenschaften und ein Fürst des jüdischen Schrifttums. Er entstammte einer altangesehenen Gelehrtenfamilie; der „Schach" war sein Ahne. — Der von der polnischen Regierung eingesetzte Oberfeldrabbiner für sämtliche polnische Armeen, Dr. Mises, hat seine Wirksamkeit angetreten. In einem Schreiben an die jüdische Gemeindeverwaltung teilt derselbe mit, daß er im Aufträge des Kriegsministeriums wie des Ministeriums für religiöse Angelegenheiten die Zustände auf dem jüdischen Friedhof kennenlernen und besonders die Gräber der Gefallenen in seine fürsorgliche Obhut nehmen möchte. — Aus Moskau wird gemeldet: Piotr Semioniwicz (Peisach) Marek, Vizepräsident der Jüdischen Gemeinde, Verfasser einer Geschichte der jüdischen Drucke in Rußland, mit Saul Günzberg Zusammen Herausgeber der bekannten Sammlung jüdischer Volkslieder, Mitarbeiter der Jüdisch-russischen Enzyklopädie, Hauptredakteur der elfbändigen „Jüdischen Geschichte" in russischer Sprache usw., ist — 58 Jahre alt — verschieden. Marek . ernährte sichviele Jahre als Buchhalter. — In den politischen Kreisen der " russischen Judenschaft beabsichtigt man ein spezielles Buch über.die Hinrichtungen von Juden in Polen mit Beginn der Kampagne gegen Sowjetrutzland auszugeben. Eine derartige Publikation sei um so notwendiger, als die polnische Presse beständig die Wahrheit unterdrückt. — Entgegen bisherigen Meldungen über die Ermordung des Zaren im Hause eines Juden stellt die „Poslednia Nowosti" auf Grund verläßlicher Informationen fest, daß diese Ausstreuungen unwahr sind, da einwandfrei ' festgestellt wurde, daß das betreffende Haus dem Bruder eines bekannten russischen Aristokraten gehört. — Am Mittwoch, 3. November, wurde in London Mrs. Edwin L. Samuel, die Mutter von Sir Stuart Samuel und Sir Herbert Samuel und Schwägerin des ersten Lord Swahthling (Montague), die ein Alter von 84 Jahren erreicht hat, unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Chacham Dr. Gaster hielt die Leichenrede. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florasttaße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenaü. Druck und Verlag von Rudolf Mofse.

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