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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-11-12 · Heft 36 (12.11.1920) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 36 (12.11.1920)
Date
1920-11-12
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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für Arbeits recht. — Die fünf Berliner Logen des Unabhängigen Ordens Bue Brith veranstalten in ihveur Hause, Kleiststr. 10,1. Etage, eine Au sst e l l u n g von Werken jüdischer Künstler aus den Ge-; bieten der Malerei, Graphit, Plastik. — Professor Tr. Hugo P r e u ß, i der Schöpfer der neuen Reick)Sversass.ung, volleirdete am 28. v. M. sein 60. Lebensjahr. Leine staatsrechtlichen Micher und Abhandlungen füllen eine kleine Bibliothek. Trotzdem ist Preusz Privatdozent geblieben, gegenwärtig der älteste Privatdozent an der Berliner Universität. Im republikanischen Deutschland war Prenß kurze Zeit , Reichslninister des Innern. —Anr 9. d. M. beging der Privatdozent! für Arzneimitte l lehre Professor Tr. Louis L e w i n semen 70. Geburtstag. Er gehört zu den gesuchtesten Universitätslehrern; seine Vorlesungen über die Heilmittel- und Giftkunde erfreuten sich stets wegen der anregenden Darstellung größter Beliebtheit. Lewin hat eine überaus fruchtbare wissenschaftliche Tätigkeit entfaltet: nahezu 200 Arbeiten über alle Zweige der Pharmakologie sind von ihm verfaßt. Professor Louis Lew in war eine Reihe von Jahren Mitglied der Repräsentantenversannnlnng der Jüdischen Gemeinde, in der er die konservative Richtung vertrat. — In vergangener Woche feierte Herr Kaufmann'Simon Rotstein mit seiner Gattin Saara geb. Triller das Je st der goldenen Hochzeit. Der Mann ist 70 und die Iran 69 Jahre alt. Beide erfreuen sich einer guten Gesundheit. Herr Rotstein ist religionswissenschaftlich, gebildet und setzt sein Thora-• stndmm ununterbrochen fort. Auch herrscht im Hause großer Wohltätigteitssinn. Bier Söhne, eine Tochter und elf Enkel zieren das Familienoberhaupt. Herr Lehrer Hermann Wolfs, ein freund des Hauses, würdigte am Festabend in einer Ansprache die Verdienste des Herrn Rotstein. Tie jüdische Gemeinde einer ' Stadt Oberitaliens null eine Sägerei auf genossenschaftlicher Grundlage einrichten und ist bereit, zu diesem Zwecke etwa 30 jüdische . Schreiner aufzunehmen. Interessenten werden gebeten, unter aus- ■ jährlicher Angabe der vorhandenen Papiere sich sofort an das Jüdische Arbeitsamt, Berlin, Monbijouptatz 1, zu wenden. Bedingung find strenggläubige Inden, die den Sabbat halten. — Wie aus Tarnowitz gemeldet wird, hat der englische Kreiskontrolleur eine dort angesagte antisemitische Versammlung verboten. Jüngst hatte er einer Buchhandlung das Ausstellen antisemitischer Literatur untersagt. — Aus Breslau wird uns geschrieben: Fräulein Nanni Stern, die sich in Berlin eifrig Musik- und Kunststudien gewidmet hat, hielt am 18. Oktober in der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur, Sektion Kunst der Gegenwart, vor einem erlesenen Kreise einen Vor- *' trag über „Brahms und Klinger — Brahmsphan taste" und errang durch die eigenartig fesselnde Zusammenwirkung von Wort, Bild und Ton einen außerordentlichen Erfolg. Der Vorsitzende des Vereins, Geh. Rat Professor Förster, sprach ihr den Tank der Zuhörer, der ' sich schon in reichem Beifall bekundet hatte, in den schmeichelhaftesten Worten aus. Fräulein Stern entstammt einer hochangesehenen frommen Familie Oberschlesiens; die eine ihrer Schwestern ist die - Gattin des Rabbiners Tr. Walter in Dessau, die andere die des Rabbiners Tr. G a l l i n e r in Gelsenkirchen. In S ch r i..m m ist einer der geachtetsten Bürger der Stadt, Herr Kaufmann Abrahan- I. Jaffa, nach mehrtägigem Krankenlager dahingeschiedeu/ Ter Verstorbene, der aus jndischsrvmmem Hause stammte, bekleidete viele Ehrenämter in der Stadtkommune und israelitischen Gemeinde. Zur Beerdignngsseier hatten sich Juden und Christen zahlreich eingefunden, um ihrem geschätzten Mitbürger die letzte Ehre zu erweisen. - Der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Kolberg, Tr. B a r o n, ist als Bezirksrabbiner nach Kaiserslautern berufen worden. - - Aus Schönebeck a. d. E. wird uns geschrieben: „Zu der Notiz ans Stuttgart in Nr. 34, daß Herr Stadtrabbiner Professor Tr. Rosen zweig in diesem Jahre an deiZ dortigen Volkshochschule über jüdische Ethik.eine Vortragsreihe Haltens wird uno daß es der -erste Fall ist, daß solche Vorträge an einer deutschen Volkshochschule eingerichtet werden, sei bemerkt, daß schon im vorigen Jahre unser Prediger Dr. Galla ndt einen Vortragszyklus über die Ethik des Talmud an der hiesigen städtischen Volkshockpchule vor einem zahlreichen nichtjüdischen Auditorium gehalten har." — Tie Synagogengemeinde Krefeld hat m Monatsfrist zwei bewährte Vorstandsmitglieder verloren: die Herren Markus Reiß und Cmanuel Gold sie in. — Tie Gemeindebehörden in Essen haben einstimmig .Herrn Rabbiner Dr. .Hugo Hahn ans Breslau zum zweiten Rabbiner der Synagogengemeinde gewählt. Herr Tr. Hahn empfing seine Ausbildung zum Rabbiner am Breslauer Jüdisch? theologischen Seminar. Ter neue Rabbiner wird sein Änch voran ssichtl-ich - am 1. Januar 1921 an treten. — Aus Ansbach erhalten 'wir folgende Mitteilung: Als Zeichen des Dankes für die opferbereite Mitarbeit der israelitischen Einwohnerschaft Ansbachs überwies der HauptausschuH des Ortssammelkomitees- ÄnMach- Stadt für die Armen der Israelitischen Kultusgemeinde 1000 Nlark. In einer Zeit, da die Leistungen der deutschen Judenheit während.des Krieges nicht genug herabgewürdigt werden können, freuen wir uns, von maßgebender Stelle, eine ehrliche Stimme der Anerkennung verzeichnen zu dürfen. — Herr Justizrat Dr. Albert K atz e nel'l e nbogen, Vorstandsmitglied der Mitteldeutschen Kreditbank in Frankfurt a. M., sah am 1. November auf eine 25jährige Tätigkeit bei dem Institut Zurück, eine Tätigkeit, die reich an Erfolgen war und ihm eine angesehene Stellung in der deutschen Bankwelt verschafft hat. Auch in Jndnstriekreisen ist. sein Name wohl bekannt, indem er sein Institut im Aussichtsrat von neun Jndustriegesellschasten (darunter bei Buderus und Westdeutsche Jutespinnerei als Vorsitzender, bei West e r - egeln als stellvertretender Vorsitzender) und bei drei Kaligewerkschasten vertritt. Im Aufsichtsrat der Deutschen Hypothekenbank in Meiningen führt er ebenfalls den Vorsitz. Ebenso gehört er dem Frankfurter Börsenvorstande an. — Im Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. wurde Zum leitenden Arzt der chirurgischen Abteilung Dr. Emil Altschüler gewählt. — Aus Konstanz wird gemeldet: Unter Teilnahme der Spitzen unserer Kommunal- und Justizbehörden wurde hier Herr Rechtsanwalt Leopold Jung Zu Grabe getragen, der 20 Jahre als Vorsteher und Synagogenrat der dortigen Israelitischen Gemeinde ebenso wie dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wertvolle Dienste geleistet hat. Herr Stadtrabbiner Dr. Ch o ne hielt die Leichenrede. — Tie Israelitische Religionsgemeinde zu Preßburg feierte am 17. Oktober den hundertjährigen Bestand der Israelitischen Volksschule, die seit 1873 unter der Verwaltung der Jsraelitschen Religionsgemeinde wirkt. — In Konstanza sind zahlreiche Juden, die vor den in der Ukraine verübten Petljuraschen Pogromen und Plünderungen geflüchtet sind, eingetrofsen, mit der Absicht, nach Amerika auszuwandern. Noch zahlreichere jüdische Flüchtlinge aus. der Ukraine befinden sich, trotz aller Einreiseverbote, in Betzarabien und hauptsächlich in Krschinew, wo sie größtenteils infolge des ungeheuren Wohnungsmangels obdachlos sind. Es bildete sich ein spezielles jüdisches Komitee, um die Unglücklichen in jüdischen Privathäusern unterzubringen. — „L'Action Fran^aise" sowie eine Reihe anderer Blätter haben eine Kampagne gegen die sich in Paris aufhaltenden Ostjuden ausgenommen. Die Polizei hat vor einigen Tagen eine Razzia im Jüdischen Viertel veranstaltet und dem „LDeuvre" zufollgje 60 polnische Juden verhaftet. — Der Lordbischof von Manchester resignierte aus Gesundheitsgründen aus seine Aemter. Rabbiner Dr. S a l omvn widmet ihm einen herzlichen Abschiedsgruß, worin er darauf hinweist, daß Dr. Knox, der Bischof, stets ein Freund der Juden war und sich stets bemühte, jede Differenz zu vermeiden. Auch in der Oesfent'lichkeit predigte er, daß man jeden Angriff auf die Juden energisch zurückweisen müsse. — Wie der Jerusalemer „Doar-Hajom" berichtet, hat der Uaad von Ramah auf feiner Sitzung vom 9. Oktober geschlossen, daß jedes Mitglied der Kolonie Ramah verpflichtet fei, entweder selbst fünf Tage in der Saison Erdarbeit zu leisten oder einen Vertreter zustellen, dem 22,5 ägt>p tische Piaster pro Tag gezahlt werden müssen. Infolge dieses Beschlusses erschienen am 10. Oktober morgens 20 Mitglieder, unter denen sich Rabbiner R i w l i n und der greise Rabbiner der jemenitischen Gemeinde, Rabbi Alschich, befanden, die mit Landarbeitsgeräten ausgerüstet waren und die ihnen auserlegte Arbeit verrichteten. — Aus New Jork wird gemeldet: -Felix Marburg hat gleich nach seiner Rückkehr nach Amerika die allgemein verbreiteten Gerüchte, er hätte in Europa Verhandlungen gepflogen, um womöglich die jüdische Einwanderung nach Amerika einzudämmen, aufs energischste dementiert. Eine derartige Tat in der jetzigen kritischen Zeit würde er geradezu als verbrecherisch bezeichnen. Verantwortlicher Redakteur: Albert 5tatz in Berlin-Pankow, Florastraße -8. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge. Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Masse. tz

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