Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 32 (17.9.1920)
- Date
- 1920-09-17
- Page
- Seite 372 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Die erste Arbeit des geschätzten Autors hat fünf. Auflagen erlebt und ist auch in nichtjüdische Kreise gedrungen. Wir wünschen der zweiten Folge den gleichen Erfolg. In einer Zeit wie der unsrigem in der christliche und leider auch jüdische Leser etwas von der talmudisch-midraschischen Literatur nur aus den Fälschungen der „Gelehrten" Fritsch und Dinter ersahren, ist das Büchlein von Weinberg auss dankbarste zu begrüßen und sollte in keiner jüdischen Bibliothek fehlen. Der rührige Philo-Berlag hat das Werkchen würdig ausgestattet; es eignet sich daher für Schulprämien und Geschenkzwecke ausgezeichnet. Dr. E. F i n k e l. * — Esra: Monatsschrift des jüdischen Akademikers, herausgegeben vom Jüdischen Hochschulausschuß in Wien. (1. Jahrgang Juni/September-Hest.) Von den vielen zionistischen und nationaljüdischen Monats- und Zeitschriften, die jetzt allenthalben in deutscher, hebräischer und jiddischer Sprache herausgegeben werden, bringt obige die besten und sachlichsten Artikel. Hier kommt die besonnene jüdische Jugend zum Wort, nicht die Stürmer und Fanatiker, die über alles sich hinwegsetzen und ohne jedes Verantwortlichkeitsgefühl ihren Ideen freien Lauf lassen, ohne dabei zu bedenken, wie gefährlich oft ein Wort und eine Anschauung sich gestalten kann. Es ist notwendig, daß der jüdische Student nicht einseitig über die Bewegungen im Judentum unterrichtet wird, sondern daß er „vom Fundament an jüdisch baue, sonst kehren wir nach Babel zurück und bauen den Turm der Verwirrung" (stehe Einleitungsartikel.) Der Herausgeber dieser Zeitschrift ist Eugen Höflich; der Stab der Mitarbeiter ist kein schlechter. Männer wir Max Brod und Hugo Bergmann steht man überall gern. Gerade des letzteren Ansprache in Heft 1 enthält so viele Momente, die für alle die maßgebend sein dürfen, die nur „Politische" Juden sein wollen. Bergmann sagt: „Solange wir nur eine politische Bewegung sind, so lange werden wir nicht selbst sein." Besonders der jüdischen Jugend, die heute soviel Politik treibt, gelte dieses Wort. Wir müssen wieder mehr religiöse Juden werden, dann wird auch die hohe sittliche Idee des Judentums in unserer Jugend ein Wiederaufleben feiern, einen Gedanken, den Bergmann zwar nicht äußert, den wir aber daraus schließen und schließen müssen. Sehr interessant und für weitere Verbreitung (besonders in allen rassetheoretischen Kreisen arischer und jüdischer Nationalität!) geeignet ist der Aufsatz von Eharlot Straffer (Nichtjude) über „latenten Antisemitismus". Das Wesen des Antisemitismus wird in seinen Grundlagen erörtert, und manche Folgerung gleicht dem, was Goldniann in seinem „Wesen des Antisemitismus" uns zeigt. Jedes politische und nationale Dogma, verb-rämt mit einer wissenschaftlichen Theorie, ist geeignet, den Antisemiten zu dienen. Als gefährlichstes Dogma erscheint auch Straffer die sehr hypothetische Raffentheorie (s. auch Hertz, „Moderne Raffetheorien"). Es tut weh, wenn junge Juden, auf solche Theorien fußend, die ihre ganze Erziehung und ihre Bildung der deutschen Schule verdanken, sich zu Behauptungen versteigen: „ich fühle nicht deutsch", oder „mir geben deutsche Dichter nicht das, was der jüdische". Sie untergraben die Existenz der Diasporajuden. Es wäre so notwendig, daß die jüdische Jugend den Heg von der materialistischen Weltanschauung weg zur bewußten Bejahung des Religiösen und zur Gläubigkeit, vom weltlichen Nationalismus zur Erkenntnis der religiösen Bedeutung und Bestimmung des jüdischen Volkes einschlagen möchte und nicht durch die Nachbetung dieser gefährlichen Theorien der Judenfeindschaft in die Hände arbeite. — Der Aufsatz des „Nichtjuden" ist ein wertvolles Stück in der Reihe dieser Abhandlungen. Straßburger (Ulm). Lprrchlaai. Aufruf. Die letzten Wochen haben die Augen der gesamten in Deutschland lebenden Juden auf die Ereignisse in Oberschlesien gerichtet. Die Abschiebung vieler Hunderter unserer polnischen Glaubensgenossen hat diese einem sehr traurigen Los, vielleicht dem Tode, preisgegeben. Es gilt jetzt, die Zurückgebliebenen vor dem gleichen» Schicksal zu bewahren, ihnen Obdach und Nahrung zu beschaffen. Das nackte Leben der Flüchtlinge muß geschützt werden. Wir appellieren an »das jüdische Empfinden aller deutschen Juden, nnser Hilfswerk zu unterstützen, umgehend Sammellisten herumgehen und uns jedwede Mögliche Geldunterstützung zukotnmen zu lassen. Schnelle Hilfe ist unbedingt nötig, da eine Wiederholung der gewesenen Razzia täglich zu befürchten ist. Geldunterstützungen sind zu richten an die Bank für Handel und Industrie, Kattowitz, auf das Konto von Herrn Dr. Z i v i e r für die Jüdische Arbeiterfürsorgestelle Kattowitz. Jüdische A r b e i t e r f ü r s o r g e st e l l e Kattowitz. * An die Red a ktion der „Allgemeinen Zeitung des Judentums". In Nr. 29 Ihrer Zeitung steht ein Artikel des Herrn Dr. I. Ziegler in Karlsbad über das Buch „Die große Täuschung" von Prof. Delitzsch. Hierzu möchte ich einige Bemerkungen machen: Es wird hier der Unterschied zwischen „Nochri" und „Ger" erklärt. Meines Erachtens aber nicht ganz richtig, sowie überhaupt das Wort „Ger" fälschlich mit Fremdling stets übersetzt wird. Was soll das Wort Fremdling anderes bedeuten als Fremder? In Wirklichkeit gibt es für den Nichtisraeliten, welcher nach dem Lande Israel gekommen ist, drei Ausdrücke: „Nochri", „Ger", „Tauschow". „Nochri" ist der Fremde, der vorübergehend zweckshalber dorthin kommt. „Ger" ist, richtig übersetzt, der Eingewanderte, und zwar ist es der unselbständige, abhängige Eingewanderte. „Tauschow" ist. der selbständige Eingewanderte, der schon Eingesessene bzw. der das Bürgerrecht erworben hat. Gerade dem „Ger", der unselbständig und abhängig war, ist der größte Schutz anempfohlen worden. Er ist sogar dem Waisenkinde und der Witwe vorangesetzt bei allen mildtätigen Zwecken. So heißt es bei der Ernte: „Und du sollst es lassen für den Ger, für die Waisen und die Witwen." — Der Grund, weswegen besonders der eingewanderte Ger bevorzugt wurde, ist ja auch angegeben; es heißt: „Denn ihr wäret Eingewanderte im Lande Aegypten". Das soll so viel sagen: „Du kennst ja die Seele des abhängigen Eingewanderten, denn du selbst warst so ein Ger im Lande Aegypten und kannst also mit ihm fühlen, wie weh es tut." Ueber Prof. Delitzsch hätte ich auch noch manches zu sagen, doch überlasse ich dies Berufenerem B e r l i n - G r u n e w a l d, im September. A. Scli. * Die „Deutsche Zeitung" brachte in ihrer Nummer vom 16. August die üblichen Aufsätze über Raffensragen und betonte wieder einmal ihren Hakenkreuzstandpunkt, daß ein Tropfen jüdischen Blutes einer arischen Generation mehr als verderblich werden müsse. Bekanntlich verlangen ja die Leute vom „völkischen Bau", die den Leserkreis der genannten Presse bilden, die sogenannte Blutprobe, also den Nachweis indogermanischer Raffenaristokratie bis zum hoch xten Gliede. Das Unglück will es, daß in derselben Nummer — und zwar auf der Gegenseite — ein Artikel sich in Tönen höchsten Preises über den Sohn Hans v. Hopfens ausläßt, der als Mitstreiter edelster Art in den siebenten Himmel gehoben wird. Zufälligerweise bin ich im Besitze eines, Chumesch und eines Paares Tephillin, die seinerzeit meinem Vater von einem gewissen Herrn Hopfen, Wien, Kaiser- Joses-Straße Nr. 14 — vorher Vereinsgaffe Nr. 7 — geschenkt wurden. Besagter Herr Hopsen, ein kleiner Herr von absolut „fremdrassigem Aussehen", der in zweiter Ehe mit einer Christin verheiratet gewesen, war der Großvater des arischen reinrassigen Mitstreiters der „Deutschen Zeitung", denn er war der Vater des in München lebenden Hans v. Hopsen, dessen Mutter ebenfalls eine Jüdin war. Woraus man ersehen, kann, daß die Blutprobe erstens sehr schwer zu erbringen ist und daß zweitens bei emsigen „Mitstreitern" nach den Urquellen weniger genau geforscht zu werden pflegt. „Wie's Paßt!" sagt in irgendeiner älteren Posse der Hauptheld. Berlin, im September. Maximilian Blum. flttftftff* Rudolf Masse s. A. Bon Alberl^Katz. — Zum VeriJlUJUU« söhnungstage. Don Rabbiner Dr. Die ne mann (Ossenbach a. M.). — Enttäuschungen! Von Bezirksrabbiner Dr. B e e r m a n n (Heilbronn). — Wochenschau. — Die Entdeckung des Judentums. Von Dr. A. Eckstein (Bamberg). — Feuilleton: Zum Sühnefeste. Von S a p h r a (Annaberg). — Dein Sühnungstag. Von S. Katz (Gelsenkirchen). — Der Gesang des Bösen. Eine chassidische Legende von Nt. M. B a a r o ch. Aus dem Hebräischen übersetzt von S. M e i s e l s. — Literarische Mitteilungen. — Sp r e chs a a l. Der Gemeindevote (Beilage zur ^Allgemeinen Zeitung des Judentums"): Berlin,. Tilsit, Beuthen. Posen. Erfurt, Fürth. Frankfurt a. M., HeMronn. — V o n N a h u n d F e r n.