Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 32 (17.9.1920)
- Date
- 1920-09-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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k Mvrgrmgr «r. 3Z Berlin, 17.Septemberl920 Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint vierzehntägltch. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 Ul. — Postscheckkonto 32$. Begründet von Rabbiner Dt. Ludwig Pbilippfon Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße $6-$9, zu richten. Verlag von Rudolf rNssse, Berlin. Rudolf Mosse s. A. u d o l f Mosse, der Begründer und Seniorches ■£\ der seinen Namen tragenden, eines Weltrufes sich erfreuenden Firma, ist am 8. d. M. plötzlich aus dem Leben geschieden. Auf einer Ausfahrt von seinem Sommersitz Schenkendors traf ihn ein Schlaganfall, einige Minuten darauf hatte ihn der unerbittliche Tod ereilt. „Am Tage zuvor", schreibt die in seinem Verlag erscheinende „Berliner Volks - Zeitung". „weilte er noch unter unS. frisch und tatkräftig, klar und umsichtig, wie es die Art dieses nimmermüden, ewigjung,en Mannes war. Heute stehen wir schmerzerfüllt an der Bahre und trauern mit seiner Gattin, der Tochter und dem Schwiegersohn um einen Verlust, der weit über die Kreise seiner Familie und Mitarbeiter hinaus eine tiefe, unausfüllbare Lücke aufklaffen läßt." Wir schließen uns dieser Trauer an und mit uns sicherlich weite Kreise der deutschen Judenschast, die in Rudolf Moffe das Musterbild eines deutsch - jüdischen Mannes sahen, mit Bewunderung und Verehrung zu ihm emporblicktsn. Jude sein, lautet ein bekanntes Wort, heißt Mensch sein: ein solcher war Rudolf Mosse im wahren Sinne des Wortes. Er zählte zu den Auserlesenen des jüdischen Stammes, die, in unverbrüchlicher Treue den großen Traditionen ihrer Ahnen anhängend, mit ihrem Schaffen und Wirken, mit Dr. Rudolf Moffe. ihren Geistesgaben und ihrem Besitz der Allgemeinheit, der Menschheitsidee dienen. Er beurteilte und wertete darum den Menschen n i e nach seinem religiösen Bekenntnis, sondern nur nach seinen Kenntnissen, nach seiner geistigen Begabung und Fähigkeit und, was für ihn immer ausschlaggebend war, nach seinem Charakter. Rudolf Mosse war auch kein Freund hochtönender Worte, insbesondere wenn es sich um kulturelle und humanitäre Werke handelte; er war ein Mann der greifbaren Tat, ganz im Sinne unserer Weisen, die schon vor Jahrtausenden das schöne, auch gegenwärtig zu beachtende Wort prägten: „Sprich wenig und leiste viel!" Nach diesem Grundsatz hat Rudolf Mosse gelebt und gewirkt, ging er seinen Zeit- und Standesgenossen mit leuchtendem Beispiel voran. Am 8. Mai 1843 als Sohn des Arztes Dr. Marcus Mosse zu Grätz in der ehemaligen Provinz Posen geboren, besuchte der nun Verewigte bis zu seinem 15. Lebensjahre das Gymnasium in Lissa i. P., um sich dann dem Buchhandel zu widmen. Nach einer kurzen Lehrzeit in Posen kam er als Buchhandlungsgehilfe nach Berlin, wo er in verschiedenen Verlagen tätig war, auch bei der Verlagsbuchhandlung des „Kladderadatsch", A. Hofmann u. Co. Nach, einer weiteren Tätigkeit in Leipzig,