Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-08-20 · Heft 30 (20.8.1920) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 30 (20.8.1920)
Date
1920-08-20
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3229443-3229472--75924-3288465
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1269 lebenslänglich angestellt. Hiervon sind 110 oder 7 v. H. jüdisch und 88 oder 5,5 v. H. katholisch. — Gehejmer Justizrat Cassel hat sich aus seiner Erholungsreise in Bad Nauheim einer Fußoperation unterziehen müssen. Sein Befinden gibt zu ernsten Besorgnissen keinen Anlaß. Er hat die Operation gut überstanden und befindet sich auf dem Wege der Besserung. — Um allen anläßlich seines 70. Geburtstages für ihn geplanten Ehrungen aus dem Wege zu gehen, hat, wie wir hören, Herr Geheimrat Direktor. Georg M i n d e n kürzlich in Begleitung seiner Gattin eilte längere Reise angetreten. - Dem eunä. med. Rudolf Katz, Sohn des Berliner Dentisten Hermann Katz, wurde der 1. Staatspreis der Friedrich-Wilhelm-Universität für die beste medizinische Bearbeitung der Preisaufgabe zuerkannt. — Herr Stadtverordneter Louis Jonas in Berlin-Wilmersdorf ist zum Bortragenden Rat und Abteilungsleiter im Ministerium für ven Wiederaufbau ernannt worden. — Am Sonntag, 22. August, begeht der Prediger Lion Wolfs aus Tempelburg im Hause seines Schwiegersohnes, Rechtsanwalt Dr. Münzer in Charlottenburg, Berliner Straße 19, das schöne Fest der goldenen Hochzeit. - - Im Alter von 3 7 Jahren ist der jüdische Komponist Boris Groß m a n n verstorben, der sich als Schöpfer zahlreicher Lieder und klangvoller Kammermusikwerke einen sehr geachteten Namen gemacht hat. Unter seinen Arbeiten ist eine große Anzahl jüdischer j Gesäuge hervorzuheben, die bereits vielfach aufgeführt worden sind. Die letzte große Arbeit des verstorbenen Komponisten, ein Streichquartett, wird im kommenden Winter in der Berliner Singakademie zur Aufführung kommen. — Eine Gedächtnisfeier für den verstorbenen Bankier Max Jaffa fand in der Tiergarten- Evnaqoge statt. Nach einleitendem Gesang und dem üblichen Gottesdienst würdigte der Rabbiner des Vereins, Dr. Berger, die Persönlichkeit des Entschlafenen. Die Synagoge war von einem erlesenen Publikum gefüllt. Der Synagogenvorstand beschloß, den „ Tiergartentempel dem Verstorbenen zu Ehren in Zukunft Max- Jaffa-Synagoge zu nennen. — In der lebten Sitzung der Gemeindevertreter in Sckireiberhau kam zur Sprache, daß in der' letzten Zeit am Orte, besonders von zwei Postbeamten, eine sehr starke antisemitische Propaganda getrieben wurde. In einer angenommenen Entschließung mißbilligt die Gemeindevertretung entschieden diese Propaganda, durch die die Interessen des Ortes als > stark besuchte Sommerfrische geschädigt werden. Die zuständige Behörde soll ersucht werden, diese beiden Beamten zu versetzen. Der Führer der Sozialdemokratie, Maler Oltmann, erklärte, wenn die Behörde die beiden Herren nicht versetze, dann würde ihnen die Schreiberhauer Arbeiterschaft die Koffer packen helfen. — Aus Göttin gen wird berichtet: Auf dem Deutschen Studententag behandelte Dr. Mahr holz (München) den Antisemitismus in der Studentenschaft in durchaus ablehnendem Sinne; es sei der akademischen Jugend unwürdig, irgendeine Gruppe deutscher Staatsbürger, welchen Stammes und welcher Konfession auch immer, in ihrer verfassungsmäßig gewährleisteten Gleichberechtigung anzutasten. Demgegenüber versuchten die Rassenpolitiker, die sich auf der letzten Tagung in Dresden durchzuringen vermocht hatten, auch diesmal wieder ihre auf Ausschließung aller der Abstammung nach jüdischen Studenten, soweit sie sich nicht ausdrücklich als Nationaldeutsche bekennen und die jüdische Nationalität negieren, zu erreichen. Im allgemeinen herrschte jedoch die versöhnliche Richtung vor. -- In Kassel ist im 75. Lebensjahre Herr Moritz Heß verschieden. Der Verstorbene hat dem Vorstand der Synagogengemeinde mehrere Jahrzehnte, davon lange Jahre als Vorsitzender, angehört. Nach seiner Amtsniederlegung wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Anläßlich seines 70. Geburtstages wurde von Mitgliedern der Gemeinde eine Moritz-Heß-Stiftung ins Leben gerufen, die der Heilung von Kriegsschäden dienen soll. Es entsprach dem bescheidenen Charakter des Verstorbenen, daß er sich jede Grabrede verbeten hatte, so daß Landrabbiner Dr. Walter nur ein Gebet verrichtete. Mitglieder des Gemeindevorstandes und Vorsteheramtes trugen den Sarg zur Gruft. — Aus Regensbnrg wird berichtet: Ein jüdisches Altersheim ist hier durch eine Stiftung des Herrn Isidor Grünberg begründet worden. Der Stifter hat dem Israelitischen Frauenwohltätigkeitsverein Chewras Noschim und dem Israelitischen Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa ein Kapital von 12 000 Mark übergeben, das nach Maß-' gäbe der Stiftungsurkunde zur Gründung und zum Betrieb eines Altersheims in Regensburg bestimmt ist. — In Burgkunstadt (Bayern) starb am 4. Juli d. I. die Aelteste der Gemeinde, Frau Jette Linder, im Älter von 86 Jahren. — Mit Rücksicht auf die in den letzten Wochen in Wien wieder stärk einsetzenden Ausweisungen der aus dem Osten stammenden Juden richtete das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris an die österreichische Regierung folgendes Schreiben: „Das Komitee der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz in Paris hat Meldungen erhalten, daß die österreichische Regierung die während des' Krieges zugewanderteu galizischen Juden aus ihren Wohnungen vertreiben und aus dem Lande weifen will. Das Komitee kann nicht glauben, daß die österreichische Regierung solcher Art die Gesetze der Menschlichkeit und die Bestinunungen des Friedensvertrages verletzen will, und bittet um beruhigende Aufklärung. Wie aus Paris mitgeteilt wird, finden dort seit einiger Zeit Ausweisungen von polnischen Inden statt. Ter Grund, den man in offiziellen Kreisen für diese Maßnahme angibt, ist der, daß Polen gegenwärtig ein Massenaufgebot an alle jungen Leute erläßt und daß Frankreich es daher für seine Pflicht hält, junge Polen I nickst in seinem Bereiche zurückzuhalten. - Ans Ancona wird uns geschrieben: Tr. H. R o s e n b e r g , der bis zum Ausbruch des Krieges das Oberrabinat hier innehatte und der nach der italienischen Kriegserklärung an Oesterreich-Ungarn, wegen seiner damaligen ungarischen Staatsangehörigkeit. Italien verlassen mußte, wurde nunmehr mit Genehmigung der italienischen Regierung wieder in sein Amt eingesetzt. Tr. Rosenberg ist in Lipjani (Tschechoslowakei) geboren, hat seine Rabbinatsautorisatum vom Rabbinerseminar in Berlin und fungierte während der Krieasjahre als Rabbiner in Kristiania (Norwegen). — In Krakau starb am 29. Juli der Gemeinderabbiner Pinchas Dembitzer im Alter von 70 Jahren. — Auf der jüngsten Sitzung des Joint Foreign Committee wurde eine Reihe aktueller jüdischer Fragen besprochen, wie über die Lage der Juden in Rumänien, über die jüdischen Kriegsgefangenen in Sibirien, über die jüdische Not in Wien it. a. m. Bon den ge- J faßten Beschlüssen ist insbesondere derjenige bervorzubeben, einen Unterausschuß zu bestimmen, der für das Juristenkomitee im Haag, welches sich im Nahmen des Völkerbundes mit der Organisierung eines ständigen Gerichtshofes für internationale Gerechtigkeit befaßt, Vorschläge zum Schutze der Rechte der Juden ausarbeiten soll. — Unter der Leitung des bekannten Gelehrten John G a r st a n g , Professor an der Universität Liverpool, und unter der Schntzherrfchnft des Prinzen von Wales wird in Jerusalem ein archäologisches Forschungsinstitut der Engländer errichtet. Das Institut soll nicht nur Mittelpunkt für alle archäologischen Forschungen im Heiligen Lande bilden, sondern auch der Ausgangspunkt für die Grabungen werden, die in Syrien, Moab und im Sinaigebiet stattfinden. Für die babylonischen Ausgrabungen ist die Gründung eines Zweiginstitutes in Bagdad geplant. — Der Reingewinn des I e w i s h Colonial Trust (Jüdische Kolonialbank) für das Jahr 1919 beträgt 25 154 Pfund Sterling. Mit Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse wurde beschlossen, keine Dividende zu verteilen, sondern den Betrag für den Reservefonds anzulegen, der sich somit gegenwärtig auf 35 854 Pfund Sterling beläuft. Das. amerikanische Jewifh Committee hat das Staatsdepartement in Washington verständigt, daß laut einer erhaltenen Nachricht seitens der Polen ein neuerlicher Judenpogrom in Lemberg geplant werde. Die Anführer sollen dieselben Banditen fein, die den Pogrom im November 1918 veranstaltet hatten. Die Nachricht stamme aus sicherer Quelle. — Auf einer Vollsitzung des American Joint Distribution Committee wurde beschlossen. die Namen der in der Ukraine ermordeten Delegierten, des A. I. T. C. Prof. Friedländer und Dr. Kanter, zu verewigen. Zwecks Ausarbeitung von Vorschlägen wurde ein spezielles Komitee eingesetzt. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.