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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-08-06 · Heft 29 (6.8.1920) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 29 (6.8.1920)
Date
1920-08-06
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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der orientalischen «Abteilung der preußischen Siiaa.tsibiibliothok, Tr. Gie'ttholv W e i I, ist zum Honorarprofessor in dov phiilosophischen Fakultät der Universität Berlin ernannt worden. Professor Weil', der schon in den Jahren 1912 bis 1918 an «der Uniivertsttät als Privatidozent lehrte, war auch eine Reche Don Jahren als Bibliothekar und Dozent am Seiuinar sü'v orientalische Sprachen tätig. — Tr. Ignaz I a st r o w. Professor der Staatswissenlschasten, der Gehilfe Rankes bei dessen Vorarbeiten zur „Weltgeschichte" und erster Rektor 'der Berliner Handelshrchschule,. ist zum ordentlichen Professor ernannt worden. — Frau Rosa Vogel stein, die Witwe des unvergeßlichen. . Stettiner Rabbiners. Dr. Vogelstein, ist am 2. August, 74 Jahre alt, verschieden. — Aus Kattowitz wird geschrieben: Hier befinden sich nahezu 1000 polnische Juden, meistens junge Leute, die von dem falschen Gerücht, „Kattowitz rüste Expeditionen nach Palästina", hierher gelockt worden sind. Trotz aller Dementis in den jüdisch-polnischen Zeitungen wächst der Zustrom von Tag zu Tag, und es ist nicht abzu sehen, was werden soll. Mit Recht hat 'der Vertreter -der zionistischen Ortsgruppe auf dem Delegier tentage bittere Vorwürfe gegen -die Londoner' Leitung, -insbesondere gegen Weidmann, erhoben, der durch seine unvorsichtige Aeußerung, die „Einwanderung nach Erez Jisroel werde am 11. Juli frei", aeradem einen Funken in ein Pulverfaß geschleudert habe. — Aus Bad Landeck w'rd uns geschrieben: Sonntag, 25. Juli, wurde in! Geaenwart des Bürgermeisters zur Erinnerung an den in Breslau verstorbenen Stadtr^t Alvbons Marck, welcher iahrzebntelang Kurgast von Bad Landeck aewesen. eine von Frau Stadtrat Marck gestiftete Bank ans Sandstein auf dem Moltkefelsen der Bisumrckkovve. dem 9ieblmaspläßcken des Verstorbenen, eingeweibt und dem Magistrat der Stadt Lan-deck überaeben. — Zum Rachfolaer' des v<y& Insterburg berufenen! Rabbmers Tr. N e n - ield wurde in Briefen Rabbiner Dr. Mar au lies, ein Schüler des Jüdisch-tbeoloaischen Seminars in Wien, aewäbtt. Aus Bosen wird berichtet: Infolge der Politischen Verhältnisse sind mehrere Schulen der jüdischen 'Gemeinden der ehe-nnliaen Provinz Posen aufgelöst worden. Die Lehrer haben aiian Teil Berufungen nach Tentschsand erhalten oder sind in den 'Ruhestand getreten. Es sind nur noch wenige jüdische Lehrer in den ietzt m Polen geböriaen Sy naaogen gerne irrden vorhanden. Tie Abwanderung der indischen Einwohner nach Deutschland nimmt ständig zu. — Das Krankenballs (Rohrsche Stiftung) zu Posen feierte das Jubiläum des 25jährigen Bestehens«. -Aus diesem Anlaß fand ein Felstgo-ttesdienst statt, bei dem Herr Do. Silberberg die Festpredigt hielt, und ein Festakt, bei dem Herr Direktor Go'ldschmidt und Herr Vinn Ansprachen hielten. Den Beamten und Angestellten, die 25 Jahre im Krankenhaus tätig sind, wurden Ehrengaben überreicht. — Ein Leser schreibt einem Leipziger Blatt: Auf meiner Urlaubsfahrt von Dresden nach Döbeln, am 16. v. M. stieg in Rossen ei-n Reichswehrsoldat in mein Abteil 3. Klasse und holte eine Hand voll Schriften aus der Ta«sche, welche er flüchtig ansah und dann neben sich niederlegte. Nichts Gu'tes ahnend, nahm ich eins -an nrich, und was sah ich? Es waren- Propagan'daschriften gegen das Iudent u m. Mutz man Steuern bezahlen, damit die Reichswehr antisemitische Agitation betreiben kann? Es scheint, daß die Reichswehr selbst bemüht ist, der Entente Beweise für die angebliche Notwendigkeit -der 'Verminderung 'der deutschen Militärmacht zu liefern. — Professor Dr. Moritz Bonn, Rektor der Handelshochschule München, hat einen Rnf als Professor der Staats- Wissenschaften an die Handelshochschule Berlin angenommen. Bonn war vor 'dem Krieg als 'Anstauschpro'fessor in. Amerika, 1919 Sachverständiger in der Friedensdelegatron und auch' bei der soeben sendeten Konferenz in Spaa Sachverständiger. Er ist einer 'der besten Ken'ner des englischen Wirtschaftslebens und hat eine Reihe hervorragender Arbeiten 'darüber veröffentlicht. — In Bad Neuenahr fand kürzlich eine Vorstan'dssitzung des Vereins „Israelitisches Krankenheim, Neuenahr" statt. Seitens des Vorsitzenden, Herrn Simon (Köln), wurde berichtet, daß «die Anstalt infolge des Krieges dieses Jahr ihre Tätigkeit nicht aufnehmen könne, indes sollen Erholungsbedürftigen 500 M^rk zu den Kosten beigesteuert werden. U«m ein Eigenheim errichten zu können, benötigt man zirka 500 000 Mark, die man glaubt, durch milde Gaben und Stiftungen im Laufe dieses Ja«hres zusammenzubringen. In den Vorstand neu gewählt wurde Herr Fabrikant I. Borg (Bingen am Rhein). — In 'Kassel ist im Alter von 80 Jahren, Sanitätsrat Dr. Moritz Alsberg verschieden. Der Heimgegangene war zu Beginn seiner ärztlichen Laufbahn jahrelang in der Kapkolonie, wo er durch Heilung 'des Schlangenbisses' bekannt wurde, den Anakreon lyrisch übersetzte und einen Gedichtband, „Afrikanische Klänge", erscheinen lieh. 1>877 kehrte er in seine Vaterstadt Kassel zurück. Er verfaßte „Anthropologie mit besonderer Berücksichtigung der Urgeschichte des Menschen", „Die Rassenmischung im« Judentum" ustv. — Ferner wird aus Kassel gemeldet: Das 'Vorsteheramt hat beschlossen, das hiesige Jüdische L ehr erfe m in a n a ufzulösen. — Dem Privatdozerrten an der« Universität Heidelberg, Dr. Arnvld -Rüge, wurde von dem badischen.Klultusministerium wegen im Lehramte betätigter antisemitischer '.Gesinnung die. Venia le^encki entzogen.—Die niederösterreichi«sche.Reglieriung erläßt wieder einmal eine Verfügung^ welche einige Taufend galizische Flüchtlinge in Wien obdachlos macht. «Angeblich soll dieser.Akt durch die politischen Parteien bei der Regierungsbildung, verabredet worden. sein. Cs ist aber zuhoffen, daß die praktische Ausführung an der Rechtswidrigkeit 'des Vorgehens scheitert. — Herr Dr. E. Baß aus Kutten-berg, vom Rabbinerseminar zu Berlin, wurde zum Nachfolger -des nach Kopenhagenberufenen Rabbiners Dr. F r i e d i ge>r> gewählt. — In Lemberg wurde eine Vereinigung der polnischen Staatsbürger mosaischen Glaubens begründet. Vorsitzender ist Dr. Schleicher, Vizepräsident der Stadt Lemberg. (Und wenn Lemberg russisch wird?) — Erst jetzt kam die Kunde nach Warschau, daß bereits am 2. Siwan in Rostow am Don Rabbi Schneerfohn, der Lubawitscher Chasfldirnrabbi, ein Urenkel des berühmten Seneor Salm an aus Ladie, im Alter von 64 Jahren am Typhus verschieden ist. Der „Lubawitscher", der Hunderttausende von Chassidim zu seinen Anhängern zählte, war Begründer der weltbekannten Lubawitscher Jeschibah „Tomche Temimim" und hat auch an der bekannten Rabbinerkommission 5u Zeiten Stolypins teilgenommen. — Am 15. und 16. Juni fand in Rom der Kongreß der jüdischen Gemeinden Italiens statt. Die Diskussionen waren sehr lebhaft. Besonders hat die Zionistische Gruppe von Florenz ihre Ideen stark betont. Advokat Alphonse Pacifici, der Führer der zionistischen Bewegung in Florenz, ist Mitglied des neugewählten Komitees. — Aus Konstantinopel wird gemeldet: Jsak Ferrara, einer der Herausgeber der nationaljüdischen Zeitung „La Nation", ist zum Vizeminister im Justizministerium ernannt worden. — Rabbiner Jehoschua Joseph (Pros. Kolbo) ist in Jerusalem am 24. Juni im hohen Alter von 113 Jahren verschieden. Prof. Kolbo war als großer Gelehrter bekannt und hat sein ganzes Leben der Palästinakunde gewidmet. Besonders bekannt war er durch sein Buch „Binjan-Ariel", in dem der Plan und die Form des ehemaligen Tempels in Jerusalem und des Thrones König Salomos rekonstruiert werden. Ein entsprechendes Holzmodell befindet sich im Britischen Museum in London. Das Buch ist in mehrere europäische Sprachen übersetzt. — Wie das „I. E. B." aus Jerusalem« meldet, fand man die Grabstätten der königlichen Familie des Herodes in der Nähe von Jemin Mosche in letzter Zeit mit Erde verschüttet. Bevor die Höhle verschüttet wurde, bemerkte man dort drei sehr hübsche Särge, von denen der eine als der Sarg der „schönen Mirjam", der Frau des Herodes, erkannt wurde. Man vermutet-, daß auch diese Denkwürdigkeiten, wie schon viele andere, vonunbefugter Seite herausgeholt und aus dem Lande weggebracht wurden. — Aus Nein Jork wird gemeldet: Vier europäische Dampfer aus Holland, England und Frankreich brachten gestern erstmals wieder eine größere Zahl jüdischer Einwanderer: elfhundert Personen, meist Frauen und Kinder, die auf Grund der von Leon Kamaika eingeleiteten Aktion zu ihren Familienoberhäuptern herübergeholt worden sind. Die Emigranten stammen meist aus Polen, teilweise aber auch aus Palästina und der Türkei. — Sir Matthew Nathan, der früher sukzessiver Gouverneur von der Goldküste, Hongkong und Natal war, wurde jetzt zum Gouverneur von Queensland ernannt. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 88. Verantwortlich für den Anzeigenteil: M a x I u n g e, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosie.

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