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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-01-02 · Heft 1 (2.1.1838) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 1 (2.1.1838)
Date
1838-01-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Facultät, an die sich eine allgemeine geistige Hebung des Judenthums und seiner Bekenner knüpfen, die mehr als Alles eine schöne Ehrenrettung der Israeliten an die Hand geben, und viele Vorwürfe, die man ihnen immer wiederholt zu machen beliebt, auf immer vernichten wird, ist das beste Mittel, auch die öffentliche Stimmung von ihrer Verirrung zurückzuführen. Wir fordern daher einen Jeden, der je das Wort für Emancipation der Juden, für Besserung und Veredelung des Judenthums und seiner Anhänger geführt hat, auf, Ln dieser Sache möglichst zu wirken: sonst müssen wir sein bisheriges Thun für eitel und wesenlos halten. Kehren wir nun zu den Ereignissen des verflossenen Jahres. zurück, und da das Allgemeine uns trostlos laßt, beschäftigen wir uns mit dem Einzelnen, und bringen das Bedeutungsvolle noch einmal vor unsere Erinnerung. (Schluß folgt.) Correspoudenzeu, Auszüge, Repliken. Ofen, Ende November. Schulprüfung. Am 18. und 19. October wurden zu Ofen in Anwesenheit einer ungemein zahlreichen und glänzenden Versammlung die öffentlichen jährlichen Cursprüfungcn mit den Zöglingen Der hiesigen israelitisch-deutschen Lehranstalt abgehalten, und die allgemeine Anerkennung und Würdigung, deren das segensreiche Streben der Lehranstalt sich zu erfreuen hatte, und der laut und unverkennbar sich aussprechende, ungeteilte Beifall, womit die sichtbaren Fortschritte Der Zöglinge ausgenommen wurden, können der umsichtigen Leitung, wie auch dem unermüdet tharigen und eifrigen Lehrpersonale nur zur fernern Aufmunterung und höchsten Ehre gereichen. Auch diesmal ist dem Lehrinstitute die hohe Auszeichvung zu Theil geworden, daß Se. k. k. Hoheit, der Erzherzog Stephan, das Prüfungsfest am 19. Nachmittags mit höchst Ihrer Gegenwart zu beehren geruhten. Se. k. k. Hoheit schenkten während V* Stunde der Prüfung die huldreichste Aufmerksamkeit, wonach Höchstdiesclben unter den gnädigsten Acußerungen der Zufriedenheit dle beglückte Schuljugend verließen, die, so wie der Vorstand und die ganze Gemeinde die Tage des. 13. September und 19. October zu den denkwürdigsten ihres Lebens zählet, deren Andenken in ihrem dankbaren Herzen nie erlöschen wird.. Frankfurt am Main, Ende December. Vergrößerung der Hauptsynagoge. Der hiesige Vorstand der israelitischen Gemeinde hat schon mehre Male den Versuch gemacht, die Hauptsynagoge verschönern zu lasten, sie durch Vereinigung derselben mit einem hart anstoßenden Betsaale in ein Gotteshaus von würdigem Aeußern umzuschaffen, und dadurch einer progressiven Verbesserung des CultuS den Weg zu bahnen. Der letzte Versuch dieser Art, welcher erst vor wenigen Monaten gemacht wurde, hatte besonders den Beifall der meisten Gemeindemitglieder, und von allen Seiten kam man dem Vorstande mit dem Anerbieten ansehnlicher Beitrage entgegen. ES mißlang nur durch, den Widerstand des Rabbinats, welches in einem darüber abgegebenen Gutachten erklärte, es sei durch das Gesetz d. h. durch den Schulchan aruch verboten, aus zwei Betsälen einen einzigen zu machen. Es wird demnach mit dem hiesigen. israelitischen Cultus, bis auf Weiteres, beim Alten verbleiben, denn in öffentlichen Religionsanczelegenheitcn stehen die Juden hier, wie überall, nicht durch eignen, sondern durch obrigkeitlichen Willen, unter der Herrschaft der Rabbiner. Wohin dies indessen führen muß, braucht die Zeit erst nicht zu zeigen. Die Anzahl derjenigen, die sich dem Gottesdienste gänzlich cntzieben, nuumt mit jedem Jahre bedeutend zu, nicht weil das Bedürfniß acht religiöser Erbauung nicht gefühlt, wird, sondern weil die Synagogen in ihrer jetzigen Gestaltung durchaus nicht geeignet sind, dieses Bedürfniß zu befriedigen. Der Talmud wird hier auf eine Weise abgeschafft, die ihre Wirkung durchaus nicht verfehlen kann: er wird nicht mehr gelehrt und ein einstiger Rabbiner wird hier den Vortheil genießen, daß er, ohne selbst viel von dem bänderreichen Codex zu verstehen, für einen großen L am den gelten kann. Desto schwieriger wird es ihm aber sein, mit oberflächlichen Kenntnissen und doppeldeutigen Prinzipien die Achtung der Gemeinde zu erwerben; man ist des religiösen Provisoriums, in dem wir schon so lange begriffen sind, müde, und dringt mit Ernst auf eine mit Aufrichtigkeit und Bewußtsein eingeführre bessere Gestaltung. Den 10. December 1837. vr. M. Creizenach. Aus Frankfurt am Main. Die Andachtsübungen in unserm deutschen Betsaale haben, wenn man nur das von ihnen verlangt, wozu sie ursprünglich eingeführt wurden, einen ziemlich gedeihlichen Fortgang. Sie verbreiten nützliche Ansichten, erhöhen die Anhänglichkeit der Gemeinde für den israelitischen Glauben und wirken überhaupt auf das sittliche und das religiöse Leben heilsam ein. Man wirft ihnen vor, daß sie keinen regelmäßigen Gottesdienst bilden, und darin besteht eben ihr Verdienst. Man will hier keinen erneuerten Cultus, und zwar nicht aus Jndifferentismus, sondern weil man mit Recht der Ansicht ist, daß man mit Versuchen dieser Art warten muffe, bis sich einmal die neuern Rabbiner mit mehr Freimüthigkeit über das israelitische Ritualwesen ausgesprochen haben. ES kann kein vernünftiger Jude mehr die Predigten eines Rabbiners anhören, der durch Lehre und Leben den Talmud sanctionitt, von dem er, wenn die Lehre nicht ein bloseS Spiel sein soll, für einen Ketzer, einen Freigeist, einen yuns gehalten wird. Man wirft unfern Predigern Gleißnerei vor, man fragt, warum sie immer ausschließlich von den natürlichen Pflichten aller Menschen, fast nie aber von den Observanzen sprechen, die den Juden eigenthümlich sind, um unumwunden zu erklären, was der Juden Pflichten sei und was nicht. Freilich kann man bei Erörterungen dieser Art keine schöne Perioden bilden, und nicht die Herzen mächtig anregen, aber ist es denn so nöthig, daß das, an jedem Sabbath geschehe? Ist die Synagoge als n*o, denn blos zur Erbauung und nicht auch zur Belehrung bestimmt? So lange die im religiösen Bewußtsein der Israeliten eingetretene Zerrüttung nicht gehoben ist^ so daß die Lehre nicht mit dem Leben, oder umgekehrt, in Harmonie gebracht ist, bleibt jede Modernisirung des Synagogendienstes eine bittere Ironie. Die Ansicht, daß man das Ritualwesen ignoriren müsse, damit es geräuschlos in Verfall komme, ist verwerflich und leichtsinnig, denn, wäre eö auch erlaubt, mit religiösen Angelegenheiten so zu verfahren, so bürgt doch.nichts dafür, daß nur gerade derjenige Theil des Gebäudes cinstürzen werde, den man abgetragen wissen möchte. Man höre daher auf, wegen unerheblicher/Synagogenreformcn die Gemüther zu entzweien, und bringe zuerst mehr Klarheit in das System unsrer religiösen Pflichten, und die Einführung einer zweckmäßigen Synagogenordnuug wird dann nicht mehr an große Schwierigkeiten stoßen. vr. M. Creizenach. Druck von I. B. Hirfchfeld.

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