Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 27 (9.7.1920)
- Date
- 1920-07-09
- Page
- Seite 307 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3229443-3229469--75864-3288396- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
M Abstieg, eine Senkung des Niveaus würde nur die Weigerung dokumentieren, der Gemeinschaft ein Opfer zu bringen aus eigener Leistung. Die Provinz harrt des Beispiels der Großgemeinden, das sie getreulich nachahmt. An chnen liegt eS, den Bedürfnissen einer neuen Zeit Rechnung zu tragen: man räume auf mit dem Zopf veralteter Bureaukratie, mit der abergläubischen Rivalität des Herrfchens, und man sorge, daß nicht das notleide, was das Lebenselement deS Judentums zu allen Zeiten gewesen ist, der Geist, der in Wissenschaft, Denken und Empfinden seinen mächtigsten Antrieb darstellt, der in Glauben und Forschen, in Tatkraft und Liebe seine Offenbarungen erstrahlen läßt. Wie die Gemeinden von ihren berufenen Führern erwarten, daß sie ihr« Pflicht tun, so dürfen auch sie fordern, daß die Gemeinden ihnen gegenüber in Gerechtigkeit und Wohlwollen tun/— ihre Pflicht. Man gebe den Rabbinern ohne kleinliches Markten und Feilschen wirtschaftliche Unabhängigkeit, man gebe ihnen diejenige Bewegungsfreiheit und Spruchbefugnis, die ihrer beruflichen Bildung, ihrer Erfahrung und ihrer unparteiischen Sachlichkeit entspricht. Man mache endlich Ernst mit dem Gedanken, unsere Gemeindeverwaltung zu einer wahrhaft jüdischen Institution zu erheben, die sich nicht bloß mit einem Geldbewilligungsapparat begnügt, sondern darüber hinaus neben religiösen, kulturelle und soziale Aufgaben verfolgt. Solange man die Pforten vor der Oeffentlichkeit verschließt, ist zu befürchten, daß ohne die Mitwirkung des Rabbiners Geist und Verständnis des modernen Judentums von der Stelle ferngehalten werden, wo alle Richtungen zur Geltung kommen müssen. Denn eine gesunde Oppösition ist heilsam im Kampf der Geister. Der tzaushaltsrtat der berliner Iiwilchrir Gemeinde kür 1920-21 Von Venus Levy (Berlin). (Noch seinem in der NepräisenLantenversammlunH gehaltenen Referat.) och niemals ist einer deutschen jüdischen Gemeinde ein Etat vorgelegt worden, der eine so gewaltige Höhe erreicht hat, wie der diesjährige Etat der Berliner Gemeinde. Er balanziert in Einnahme und Ausgabe mit Mark 23 244 955,88 und von den Steuerzahlern sind nicht weniger als Mark j 15 200276,62 in diesem Jahre aufzubringen, — das sind Mark 6 291884,79 mehr als im vorigen Jahre. Hierzu reicht der bisherige Steuersatz nicht aus und eine Erhöhung um 50 Prozent ist notwendig, um das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben ausrechtzuerhalten. In der letzten Sitzung der Repräsentanten am Mittwoch, den 16. Juni, in der der Etat beraten wurde, ist der Beschluß gefaßt worden, 60 Prozent, anstatt der bisher erhobenen 40 Prozent von dem Satz der Einkommensteuer einzufordern. Bei den untersten sechs Steuerstusen sollen aber nur 25 Prozent erhoben werden, damit die Unbemittelten geschont werden. Die Zahl der Zensiten beläuft sich -auf ca. 44-000. Die Ausgaben der Gemeinde verteilen sich auf sieben Kapitel. Um eine bessere Uebersicht der Erfordernisse zu gewinnen, sind die Einnahmen von. den Ausgaben abgezogen worden, und es sind folgende Zuschüsse erforderlich: Für Kapitel 1 Kultus- und Ritualangel'ege'nheiten — für Synagogen, Festgottesdienste —, Subventionen von Religions-Vereinen sowie Gehälter der Rabbiner und Kantoren, Ausgaben: Mark 2 535 048,— demgegenüber stehen Einnahmen von.. 599692,— Zuschuß..Mark 1935 356,— . llobertrag: Mark 1935 356,— Für Kapitel 2 Beerdigungswesen und Friedhofsverwaltung: im Etat sind vorgesehen als Ausgaben.Mark 4 932 210 — dagegen Einnahmen.... „ 4 706 844,— so daß ein Zuschuß von.Mark 225 366,— erforderlich ist. Kapitel 3 umfaßt das Unterrichtslvesen, die Knabenschule, die Mädchenschule, die Religionsschulen sowie die Bibliothek. Die Ausgaben hierfür betragen .Mark 1297 607,43 die Einnahmen.. 185 876^60 der Zuschuß der Gemeinde.Mark 1 111730,83 Zn Kapitell gehörendas Armenwesen, die Armenkommission. - die Durchreisekommission, die Fürsorgekommisston und die Samwelvormundschaft. Hierfür sind die Ausgabenetatisiert in Höhe von .Mark 722 359 — die Einnahmen von ... „ 197 615,— so daß ein Zuschuß zu leisten ist von . . Mark 524,744,— Kapitel 5 erstreckt sich aus die Wohltätigkeitsanstaltien und aus die Waisenpslege. Für die Alterversorgungsanstalten — das Hospital —, das Krankenhaus; und die Waisenanstalten sind in den Etat eingesetzt Ausgaben . ..Mart 4 961689,36 Einnahmen-.. 2 101089,36 so daß ein Zuschuß vou.Mark 2 860 600,— nötig fein wird. I ni Kapitel 6 sind die Allsgaben für die V-ermögensverwaltllng verzeichnet. Die Zahlungen für Zinsen llnd | Amortisationen belaufensich auf., Mark 1 262 192,09 Während für Zinsen -eing,ehest „_242 947,30 der Zuschuß beträgt.Mark 1 019 244,79 Im KaPite l 7 sind die Gehälter und Remunerationen, die Geschästsbedürfnisse — die Bauverwaltung — die Beiträge an Vereine und Anstalten — die Wahlkosten — die Kosten für -das Gemeindeblatt und Inserate sowie die ilnvorhergestheneu Ausgaben enthalten. Die Ausgaben hierfür belaufen sich auf .... Mark 7 533,850,— die Einnahmen.. 10 615 — der Zuschuß auf...Mark 7 523 235,— so daß im ganzen -an Zuschüssen.Mark 15 200 276,62 von -der Gemeinde gezahlt werden müssen. . Wie groß der Umsang der Leistungen der Gemeinde ist, davon gibt der Etat den Beweis, wenn wir ihn im einzelnen betrachten. Zehn Synagogen sind jetzt in Berlin, an ihnen fungieren 13 Rabbiner und ein Prediger sowie 20 Kantoren. Für die hohen Feiertage sind 26 Festgottesdienste und 20 Jugendgottesdienste seitens der Gemeinde eingerichtet. Für die einzelnen Synagogen' steht der «Etat vor: