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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-06-25 · Heft 26 (25.6.1920) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 26 (25.6.1920)
Date
1920-06-25
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Von Ash und Fern. Der frühere Direktor der chirurgischen Abteilung des KrankenlMdses der Berliner Jüdischen Gemeinde, Prosessor Dr. James I s r a e l, beging dieser Tage das 50jährige Doktorjubiläum. — Zur Bakteriologin für das Moabiter Krankenhaus wählte der Magistrat Berlin gemäß dem Vorschläge der Krankenhausdeputation Frau Professor Dr. Lydia Rabinowitsch. — Die Referentin im Neichsarbeitsministerium Fräulein Dorothea Hirschfeld, ist Sum Regierungsrat und ständigen Hilfsarbeiter iur Reichsarbeitsministerium ernannt worden. — 3mit Prorektor der Landwirtschaftlichen Hochschule Bonn-Poppelsdorf ist Professor Dr. Wygod z i n s k i ernannt worden. — Der Nachfolger Emil Fischers, des genialen Chemieprofessors an der Berliner Universität, wird voraussichtlich Professor Haber, Direktor des Kaiser-Wilhelm--Instituts für physikalische Chemie in Dahlem, werden. Haber wird allerdings auch diese Stellung beibehalten, so daß er von setzt ab eine Doppelprofessur bekleidet. — Anläßlich der Ausstellung der Berliner Handwerkskammer April 1920 ist Herrn Mar Tr a katsch in Berlin, Potsdamer Straße 21a. in Anerkennung seines „eifrigen Streben? zur Förderung des Schneidergewerbes" ein Ehrendivtom verlieben worden, das in besonders aeiälliaer künstlerischer Ausführung gehalten ist. — Der Neos-Film bittet uns mitzuteilen: Unsere Anknndianng „jüdischer Filnte" bedeutet, entgegen mißverständlichen Auslegungen, nicht etwa, daß der Neos-Film ausschließlich indische Films Herstellen wird. Die für dieses Jahr vorbereitete Produktion bestellt aus zwei jüdischen und sünf anderen Sujets. Die jüdischen sind keine Tendenz- oder Aufklärunasfilme, sondern sie zeigen indisches Leben und indische Kultur d"§ neunzehnten Jahrhunderts im Nahmen starker Handlung. - - In einer Versammlung des Allgemeinen Studentenausschusses der Universität Königsberg, au der die inkorporierten Studenten vollzählig teilnallmen, die freie Studentenschaft infolge zu späten Bekanntwerdens jedoch fast gar lücht anwesend war, wurde folgender Antrag einstimmig angenommen: „Deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens sind zur Universität nur im Verhältnis ihrer Bevötkerungsziffer zuzulassen." Die Frage des anwesenden Rektors, Prosessor B e z z e n b e r g e r , ob die Balten als Ausländer zu betrachten seien, wurde Verneint. Dr. Lewi n (Leipzig) tourte zum Ersten Rabbiner in iKöniasbera, Dr. M. H a a s (Kattow. itz) znm Landrabbiner von Qldenbura aewählt. Beide sind Zöglinge des Breslauer Seminars. — In Bitko (O.-S.) überfielen Kongreßpolen einen jüdischen Bergarbeiter, der beim letzten Streik auf deutscher Seite gestanden batte, zogen ihn ans, strichen ihn mit Schuhputz an und mißhandelten ihn dann init schweren Bürsten, bis er am ganzen Körper blutete. Erst herbeigerufener Sicherheitspolizei gelang es, den Manu zu befreien. — Aus Breslau wird berichtet: Der Erste Vizepräsident der Breslauer Handelskammer. Herr David M'Ugdan zu Breslau, beging aut Dienstag, den 22. Juni, in voller geistiger und körperlicher Frische die Feier seines achtzigsten Geburtstages. Der Jubilar trat am 1. Januar 1878 als Mitglied in die Breslauer Handelskammer ein, gehörte ihr seither ununterbrochen an, wurde am 14. Januar 1903 zu ihrem Zweiten Vizepräsidenten u nd mit 16. Jan nur 1914 zu ihrem Ersten Vizepräsidenten gewählt, welches Amt er heute noch in voller Rüstigkeit ausübt. Seit 1. Juli 1884 ist er Handelsrichter am Landgericht zu Breslau und gehörte länger als ein Vierteljahrhundert bis zu ihrer Neubildung der Breslauer Stadtverordnetenversammlung an. Der Jubilar betätigte sich ferner in reichem Maße innerhalb der Breslauer Synagogengemeinde, deren Gemeindevorstand er von 1894 bis April 1920 angehörte, und bekleidete auch hier eine große Anzahl von Ehrenposten. -- Im Alter von 60 Jahren ist in Halle a. d. S. der gründliche Kenner der semitischen Sprachen und des biblischen Altertums Prosessor Dr. Karl Heinrich Cornill gestorben. — In Lippstadt (Westfalen) starb int 57. Lebensjahre Herr Benni Stern, Erster Vorsitzender des Vorstandes der Synagogengenteinden Lippstadt und Horn (Wests.). Der Tahin geschiedene hat lange Jahre, Mrst als Repräsentant, dann als Borstandsinitglied seine Kräfte in den Dienst der Gemeinde gestellt. — Auf vielseitige Aufforderung hin hat sich der bekannte Alttesta me ntler Professor Ed. K ö n i g in Bonn entschlossen, das Buch von Friedrich Delitzsch „Die große Täuschung" einer eingehenden Prüfung zu unterwerfen. und er wird seine Ergebnisse tmter dem Titel „Friedrich Delitzschs „Die große Täuschung kritisch beleuchtet" im Verlag von E. Bertelsmann in Gütersloh erscheinen lassen. Diese Gegenschrift soll int Laufe dieses Monats herauskoutuven. — Aus Worms wird uns berichtigend mitgeteilt, daß die Weiherede bei der Einweihung «des den Wormser Kriegsgefallenen auf dem dortigen Israelitischen Friedhof errichteten Ehrendenkmals nicht, wie aus dem tu Nr. 24 unseres Mattes zum Abdruck gelangten Bericht scheinen könnte, Herr Hofrat Max Levh, sondern Herr Rabbiner Dr. H o t z e r gehalten hat. — Aus dem Israelitischen Friedhöfe in Lampertheim sind 34 Grabsteine teils demoliert, teils umgeworfen worden. Diese schändliche Tat ist nur eine Folge der maßlosen und unverantwortlichen antisemitischen Hetze der Deutschnationalen. — Aus Marburg a. d. L. wird uns geschrieben: Unser verstorbener verehrter Rabbiner Dr. Leo Munk hat in seinem Testament eine Familienstiftung errichtet, deren Zweck darin besteht, für weibliche Abkömmlinge der beiderseitigen Geschwister der Stifter zu deren Verheiratung und Ausstattung Beihilfe zu gewähren. Ausnahmsweise darf auch in anderen als Heiratsfällen Unterstützung gewährt werden. — Aus Reichenhall wird gemeldet: Der Stadtrat beschäftigte sich mit einem Antrag um Errichtung eines jüdischen rituellen Gastwirtsbetriebes. Das Gesuch wurde einstimmig abgelehnt, da ein dringendes Bedürfnis nicht anerkannt werden könne. — Alts Wien wird geschrieben: Das Aktionskomitee zur Erhaltung des Rothschild-Spitals, des Versorg ttngshauses, des Indischen Taubstummen- und Blindeninstitnts konnte in einer seiner letzten Sitzungen in einem Rechenschaftsbericht feststellen. daß es seit dem 1. Januar d. I. bis zum 1. Mai dem Bersorgungshaus allein an barom Geld und Naturalien den Betrag von 662 547 Kronen zttgeführt hat. Seit dem Einsetzen seiner Tätigkeit wurden 76 Pfleglinge in die Anstalt ausgenommen, die sonst ausgesperrt geblieben wären. Das Bersorgungshausallein fordert nach dem Voranschlag für 1920 2K> Millionen Kronen. Wie soll nian diese Summe, wie die Deckung der Bedürfnisse der anderen drei Anstalten attfbringen, wenn nicht alle, aber auch alle Juden Wiens dem Komitee Mitarbeit leisten?! — Wie aus London mitgeteilt wird, findet dort mit 4. Juli in der „Memorial Hall" eine zionistische Weltkonferenz statt. Unter den Delegierten wird auch Mr. Justin Brand eis, der Führer der amerikanischen Zionisten, sich befinden. Die Konferenz wird die gegenwärtige Lage beraten ttnd sich hauptsächlich mit kolonisatorischen und finanziellen Fragen befassen. Ein Aufruf an die gesamte Judenheit der Welt, 25 000 000 Pfund Sterling aufzubringen, soll erlassen werden. — Wie der Berliner „Jüdischen Rundschan" aus zuverlässiger Quelle telearaosüert wird, sind in Riga authentische Nachrichten eingetroffen, daß in Moskau ttngefähr 100 Teilnehmer einer zionistischen Versammlung verhaftet worden sind. Das Leben der Verhafteten soll in Gefahr sein. — Die ..Iewi sh CHr-on'cle" berichtet, daß Lord Alleubv für den Wiederaufbaufonds der Zionistischen Organisation 1000 Pfund Sterling gezeichnet bat. — Die Vernehmungen vor der Vornntersuckntnaskontmissivn des Jerusalemer Pogroms sind beendet. General Bols hat seine Aussagen itnter Ausschluß der Oeffentlrckkett abgegeben. Dem Zeugnis des Militärkommandanten von Jerusalem, der unter Eid aussagte, ist zu entnehmen, daß die Beschuldigung Jabotinskys an der Gründung der Haganah (Selbstschutz) haltlos ist. Ihm als Kommandanten Jerusalems sei eine solche Gründung ganz unbekannt. Die Gründung eines jüdischen Selbstschutzes vor dem Tage der Vorfälle in Jerusalem sei weder auf legalem noch auf illegalem Wege erfolgt. — Wie dem „Doar Hajom" aus Damaskus gemeldet wird, befindet sich der Redakteur der „Suria=al-Ganubia", Aaref-al-Aares, einer der Anstifter des Jerusalemer Pogroms, der feige sich den Gerichten entzogen hat, in Damaskus, wo. er weiter seine .Hetze gegendie Jttden und speziell die Zionisten betreibt. — Der Senior der jüdischen Buchhändler in Amerika, Jchuda Katze n e l enb o gen, der Pionier des jüdischen Buchhandels in Amerika, ist am 9. Llpril in Brooklyn gestorben. Im Jahre 1868 als Sohn des Rabbi Samuel Michael Katzenelenbogen geboren, kam er vor 34 Jahren nach Amerika und begründete die erste große jüdische Verlagsanstalt und Buchhandluug „Hebrew Publishing Calo". So war Katzenelenbogen der Initiator des heute io weit verzweigten und stetig an Bedeutung gewinnenden jüdischen Verlags- und Buchhandelsbetriebes in Amerika. — Eine Meldung aus New York besagt: Der Senat hat alle für die Zeit des Krieges getroffenen gesetzlichen Bestimmungen ausgehoben. Das bedeutet auch für die Einwanderung nach Amerika eine große Erleichterung. Verantwortlicher Redakteur: Albert K a tz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich fiir den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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