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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-05-14 · Heft 20 (14.5.1920) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 20 (14.5.1920)
Date
1920-05-14
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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tocr’-amuiluitg nigte Stadtverordneter Wo r t h e m a n n (B. Bg.): Berlin ist keine deutsche Stadt mehr, (tonbern es ist eine reine Judenstadt geworden. Der einzige Wegist der, daß man den Mut hat zu sagen: alle diejenigen, die diszum Kriege in Berlin nicht ansässig waren, wieder dahin zu schicken, woher sie gekommen sind. Ein besonders anmutiges antisemitisches Flugblatt wird gegenwärtig verbreitet. Es trägt links oben den Vermerk ^Sozialdemokratische Partei zur Wahrung jüdischer Interessen. Geschäftsstelle: Synagoge" und ist unterzeichnet: ,.,Der rot-jüdische Aktionsausschuß. I. A.: Tr. Bandwurm." Das Ganze soll ein „Progrannn für die Maifeier" sein. Es heißt da unter anderem: 8 Uhr: Festgottesdienst in der^ Synagoge. 9 Uhr: Beförderung, des Genossen Hoffmann zum Generatulajor der Juden schutztruppe mit der Erlaubnis, sich Cohn zu nennen. Genosse Dittmann erhält den Davids-Orden 1. Klasse mit Knoblauch und Zwiebeln; außerdem eine freie Reise nach Jerusalem mit dein Salondampfer „Meschugge". Das soll offenbar, nach Ansicht der Herausgeber, „witzig" sein. Sie haben den Geschmack des ihnen geistesverwandten Mob getroffen. -- Zu dem in Nr.. 17 des „Gemeindeboten" erschienenen Bericht aus Königsberg i. Pr. teilt uns Herr Rabbiner Dr. Vögelst ei n berichtigend mit: 1. Ich bin in Königsberg nicht 24, sondern 23 Jahre. 2. Meine rab-binische Ausbildung habe ich nicht nur an der Lehranstalt in Berlin, sondern auch am Indischtheologischen Seminar in Breslau erhalten. 3. Ich bin nicht Dozent an der hiesigen Universität gewesen. Lediglich im Winter 1918/19 habe ich aut Ersuchen der Universität in dem „Auslandsstudinm" ein Kolleg über die Ostfuden gelesen. Die hierzuherangezogenen Personen sind aber infolge dieses einmaligen Lehrauftrags keineswegs Dozenten der Universität geworden. —- Die Sy na go gen gern einde in -M-inden i. W. hat ihren in den Ruhestand getretenen Religionslehrer und Prediger Herrn Liepmannssohn mit vollem Gehalte pensioniert und ihm die bisher bezogenen Tellerungszulagen bis an sein Lebensende weitergewührt.. Ter Münchener „Völkische Beobachter" ist bis zum 19. Mai verboten. Veranlassung zu dieser Maßregelung gaben, wie es in der -amtlichen Begründung heißt, die seit Monaten betriebene, die öffentliche Ruhe und Ordnung gefährdende Judenhetze und ein Artikel in einer Nllmmer dieses Blattes, der an den Jahrestag des Geiselmordes erinnerte, diewn den Juden in die Schuhe schob und unverkennbare Aufsorderunaen zu Gewalttätigkeiten enthielt. — Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde veröffentlicht in der „Bayerischen Staatszeitung" folgende Erklärung: „Die vom „Völkischen Beobachter" böswillig verbreitete Behauptung, die biesiae Israelitische Kultusgemeinde habe der Polizei gegenüber auf eine Ra-ch'frago nach dein Aufenthalt von Levien, Levine oder Toller erklärt, die Kultusgemeinde verrate keinen ihrer Glaubensbrüder, ist vollständig erflmden. Tie Polizei hat ui ein als eine solche Anfrage an die Kultusgemeinde gerichtet, und diese hat den Aufenthalt der drei genannten Kommunistenführer nicht gekannt, konnte ihn. also auch nicht verheimlichen." - Aus Zürich wird geschrieben: Am 29. April kam ein Zug von jüdischen Kindern aus Wien in der Schweiz an, bestellt und übernommen von den in der „Zentralstelle für notleidende jüdische Auslandskinder" vereinigten Komitees zur Versorgung erholilngsbedürfti.ger jüdischer Kinder in der Schweiz. Sie werden über die ganze Schweiz in die Gemeinden verteilt: etwa 290 werden in Zürich untergebracht, eine ansehnliche Zahl übernimmt St. Gallen, 30 bis 50 werden in ein eigens gemietetes Heim in der Nähe von Zürich gebracht. Die Kinder bleiben acht Wochen in der Schweiz. 40 sind schon vor fünf Wochen in Luzern übernommen worden. - Ter berühmte jüdische Bildhauer Pros. Henryk G li cen stein, der seit einigen Jahren in Zürich ansässig ist, beging am 6. d. M». seinen 50. Geburtstag. - Aus Wien wird uns geschrieben: Je größer die finanzielle Mißwirtschaft w-ird. desto deutlicher macht sich der Antisemitismus bemerkbar. Ein scharfer Wind weht gegen das Judentum, und wenn die ernsten Zeichen nicht trügen, dürfte beim projektierten Umsturz der gegenwärtigen Tinge der Kampf gegen die Hebräer ähnliche Formen annehmen wie in Ungarn. So sieht man auch hiernoch kein Ende all des Wirrwarrs und der Mißwirtschaft. — Aus Paris wird gemeldet: Die Alliance I s r a e l i t e hat eine Summe von 120 009 Francs für den Ankauf von Kleidern und Stieseln für die Ueberlebendeu der Pogrome in Polen und Westgalizien bewilligt. Eine Suunne von 25 000 Francs ist hauptsächlich für den Ankauf von Heilmitteln usw. bestimmt worden, die bereits nach Warschau gesandt worden sind. Auch die Waisenkinder Ostgaliziens sind mit 290 900 Francs bedacht worden. Die Subskriptionsliste zugunsten der Pogromopfer, die noch nicht abgeschlossen ist, hat bereits die Summe von 1 900 999 Francs überschritten. - Wie die „Times" melden, hat die Veröffentlichung der Entscheidung von San Remo in Jerusalem einen ungeheuren Jubel hervorgerufen. In den Synagogen fand ein besonderer Dankgottesdienst statt, in bem daraus hingewiesen wurde, daß die Judenheit England 31t Dank verpflichtet sei. In der A l l i a n c e - S ch u l e fand eine große Massenversammlung statt, in der England als Befreier des jüdischen Volkes gefeiert wurde. Aus der letzten Sitzung der Jerusalemer Handelskammer wurde ein Beschluß gefaßt, Waren, die aus anderen Ländern nicht bezogen werden können, aus Deutschland ein-. Zufuhren. — Wie aus einem offiziellen Bericht hervorgeht, ist die Wareneinfuhr durch deutsche oder österreichische Kaufleute -nach den von England besetzten ehemaligen türkischen Gebietsteilen (Süd) bis auf weiteres unter folgenden Bedingungen gestartet: Tie Ware muß in einem neutralen Hafen verladen werden und das Schiff muß unter neutraler Flagge segeln. ----- Tie jüdischen Kolonisten Palästinas haben sich kürzlich zu einem kooperativen Verband unter dem Namen „Ethrog" bereinigt, um den Bedarf der Ethrogim ihr Palästina wie auch für die Diasporalünder zu decken. Der Verband versichert, daß alle Arbeiten -- mit der Pflanzung der Bäume angefangen, bis Ztlr Verpackung der Ethrogim ~~ ausschließlich von jüdischen Arbeitskräften verrichtet werden. -- Das Interesse für die Juden von Keifengfn ist. wieder erwacht. Der amerikanische Gesandte in Peking, Mr. Charles S. Penney, hielt in der Medizinischen Gesellschaft von Schanghai einen Vortrag über die jüdische Kolonie in Keifengfn. Der Bischof William C. White von Keifengfn ist mit großem Enthusiasmus Herrn N. E. Esra aus Schanghai 'behilflich, einen Fonds zu sammeln zwecks Errichtung eines Hospitals für bedürftige Chinesen -an der- Stelle der alten Synagoge 'zum Andenken an die „Waisenkolonie". Bischof White ist nach England abgereist, wo man sich der Hoffnung hingibt, daß er im Verein für jüdische Geschichte einen Vortrag über die chinesischen Juden halten wird. Da White aus diesem Gebiet vorzüglich informiert ist, sieht man dem in Aussicht aestellten Vortrag mit großem Interesse entgegen. — Einem Bericht der „Jewish Chronicle" zufolge fand in New Uork aus- Anlaß des Palästinabeschlusses eine große jüdische Demonstration statt, um dem Tanke des jüdischen Volkes Ausdruck zu geben. Große Mengen von Juden zogen durch die Straßen, jüdische, amerikanische uu-d britn-chL Fahnen tragend, mit denen auch viele jüdische Häuser und öffentliche jüdische Anstalten geschmückt waren. In vielen New Norker Lokalitäten fanden Massenversammlu-ngen statt, um der britischen Negierung den Tank für die Einlösung des dem jüdischen Volke gegebenen Versprechens auszudrücken. — Auf einer in New Jork stattgefundenen Konferenz jüdischer Organisationen des ganzen Landes unter Beteiligung von gegen hundert Delegierten, die zwei Millionen Inden vertraten, wurde beschlossen, daß der Jüdische Kongreß für den 6. Juni nach Philadelphia einbernfen werde, wo er permanent tagen soll. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 98. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Masse. Kus Söder und Kurorten. Das „Eggelings-Hotel", Bad Harzburg, ging in den Besitz des Herrn W. Funke und Frau ans Posen über, welche das Hotelttnternehnwn als bevorzugte Erholungsstätte bei erstklassiger Verpflegung (Posener Küche) zu führen rmd auszubauen gedenken. (Frau Funke hatte bisher zusammen mit ihrer Mutter in Posen eine koschere Stadtküche.) — Bad Kudowa in der Grafschaft Glatz ist für das östliche Deutschland für alle diejenigen, welche an Herzkrankheiten, Nervenkrankheiten und Erkrankungen des Blutes leiden, das gleiche, was Nauheim für Westdeutschland ist. Auch Frauenleiden und besonders die Basedowsche Krankheit werden in Kudowa mit großem' Erfolge behandelt. Zur Unterkunft stehen in Kudowa etwa 199 gutgeführte Häuser zur Verfügung; die Verpflegung äst anerkannt gut, iuid die Preise den Zei'werhältnissen entsprechend mäßig.

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