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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-04-30 · Heft 18 (30.4.1920) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 18 (30.4.1920)
Date
1920-04-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Berlin, 30. Rpril 1920 84. Jahrgang. Nr. 18 eitung desAudentums. Lin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel. oder die Post (in Berlin und Vororten durch unser» Vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 LN. — Postscheckkonto 324. Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Pbilippfon Verlag r Rudolf Messe, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße H6-H9, zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. * S)et Antisemitismus der deutschen Jugend. Von Her- HI IHJ Uli .mann Becker (Berlin). sSchluß.j — Die Woche. — Bericht über eine Versammlung der jüdischen Seminardirektoren. — Machsor Iannai. Von I. E l b o g e n. — Interessante Lebenserinnerungen. Von Reg i n a Neißer (Breslau). — Bild der Rachel Felix. — Vergessen! Von P a u l M o ck il e s (Hamburg). — Feuilleton: Esther. Roman von C l e m e n t i n e Krämer. (4. Forts.) — Literarische Mitteilung e n. Der Gemeindevote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"): Berlin, Posen. Stettin, Staßfurt, Hannover. Frankfurt a. M., Freiburg i. B., Budapest, Warschau, New .Jork. — Von Nah und Fern. Der Unlisrmltlsmus Äkr deutschen Jugend. Von Hermann Becker (Berlin). (Schluß.) V. haben dasRecht zu fragen: Was haben die zuständigen Staatsbehörden getan, um den Antisemitismus der deutschen Jugend zu bekämpfen? Bis jetzt find zwei Ministerialerlasse von den deutschen höchsten Unterrichtsbehörden in dieser Angelegenheit ergangen. Der eine von dem preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung unterm U. November 1919 (Journal Nr. M II 2323, M II, W M III, M III usw.). Er besagt im wesentlichen: 1. Die Schule darf parteipolitischen Bestrebungen unter der Schuljugend keinerlei Förderung gewähren. 2. Die Lehrer müssen jede mittelbare oder unmittelbare Beeinflussung ihrer Schüler nach irgendeiner parteipolitischen Richtung hin streng vermeiden. 3. Die Schüler Haben sich innerhalb der Schule aller politischen Streitigkeiten und jeder herausfordernden Betonung ihres Parteistandpunktes' (z. B. durch Tragen von Abzeichen) zu enthalten. Die Provinzialschulkollegien und Regierungen wollen die Leiter und Leiterinnen der sämtlichen ihnen unterstellten Lehranstauen hiernach mit Weisung versehen." - Der zweite Ministerialerlaß ist von dem sächsischen Unterrichtsminister ergangen'. Er wendet sich in einem Ausruf an Schüler und Lehrer sämtlicher Unterrichtsanstalten Sachsens. Die Ausrufe versuchen, dem Geist, von dem die neue Reichsverfassung, zum Teil auch in ihren Schulbestimmungen, getragen ist, die Schulen zu öffnen und d e r p a r t eip o li ti s ch en W e r b ea r b e i t e n t g e g e n z u t r e t e n , d i e sich auch in S achte n, v o r a l l e m n a t ü r l >i ch i n d e n h ö h e r e n S ch u l e n, vielfach breit mach t. De? Aufruf an die Jugend soll von den Lehrern der Schülerschaft in geeigneter Weife besonders bekannt gemacht und 14 Tage lang im Schnlhause ansgehängt werden. Einige eindringliche Mahnungen dieses Aufrufes verdienen auch außerhalb Sachsens gehört zu werden. Sie lauten: „Das zweite ist, daß ihr euch alle fühlt als eines Volkes Glieder. Sein Schicksal ist euer Schicksal; euer Wert sein Wert. Die neue Schule trennt nicht mehr Reiche und Arme. Reicher Leute Kinder werden die Volksschule und die bürgerliche Berufsschule, armer Eltern Kinder die Gymnasien und Realschulen besuchen, wie es nach den Anlagen Eltern und erfahrenen Beratern am zweckmäßigsten erscheint. Kameradschaftlich sollt ihr miteinander um den Erfolg ringen ... Tie reiferen Schüler und Schülerinnen werden sich auch für eine der politischen Parteien ,e n t s ch e i d e n. Diese werben alle u m e u ch - h i e u n d d a m i t u n lauteren Mitteln. I h r habt das Recht, e u ch frei z :t entscheide n. A b er u n v e r e i n b a r m i t ö e nt Ge i st e , de r i n d e r S ch u l e Herr s ch e n so l l, i st e s , i n de r S ch u l efürdie e igene, g e g e ndie a nderen Partei e N' zu agitiere n. L e i d e r e r i o l g t der Streit der P a r t e i e n d r t ß e n i n F o r m e n , di e 0 lein n e r e E : u h e i t it n j c r e * V alle s z e r st ö r e n. Tie S ch' u l e a b e r soll die E i st h e i t f ö r d e r ll, d a r u m m u ß s i e d e n P a r t e i st r e i t v o n sich a b - w e h r e n. Wer i h n h i n e i n t r ä g t, b r i ch t i h c e n G o t t e s f r i e d e n. Die Lehrer sind zu W ä ch te r n dieses F r i e d e n s b e st e l l t. Tie Zukunft u n s e r e s Bolkes liegt in eurem Wollen. L a ß t e s nicht vergebens rufen." Das sind prächtige Worte, im Geiste des weisen Nathan, wie man sie in dem alten reaktionären Sachsen niemals gehört hat. Es kommt alles darauf an, daß diese Mahnungen auch von Lehrern und Schülern beherzigt werden. Geschieht das nicht, ebensowenig wie in Preußen der Ministerialerlaß vom 14. November 1919 durchweg beobachtet wird, dann haben wir in den neugeschaffenen Elternbeiräten, wie sie in Preußen bestehen, das beste Mittel, diesen Bestimmungen Geltung zu verschaffen, und brauchen nicht gleich zu Denunziationen zu schreiten, die in jedem Falle, wie auch der Erfolg sein mag, zu einer Verbitterung zwischen Lehrern und Schülern, Lehrern und Eltern und zur Verschärfung der Gegensätze in der Schülerschaft führen. Nach den Ergänzungen und Erläuterungen für die Tätigkeit der Elternbeiräte sollen diese gemeinsame Schulangelegenheiten beraten. Sie sollen das geringe Verständnis weiter Elternkreise gegenüber der Schule bekämpfen; sie fordern, daß Haus und Schule ficf) näher kommen, miteinander und füreinander, nicht, wie heute, vielfach gegeneinander arbeiten. Welche Ans.ellg<mheit wäre wichtiger und geeigneter zur Erörterung in den Elternbeiräten als die oben angeführten Ministerialerlasse und die zunehmende antisemitische Verhetzung der deutschen Schuljugend und damit die immer weiter um sich greifenden Absonderungsgelüste, welche den „Gottesfrieden der Schule, ihre erziehliche Arbeit und die Einheit des Volkes", wie der sächsische Ministerialaufruf sagt, auf das empfindlichste zerstören? — Wenn auf Antrag der Elternbeiräte die Schulleiter oder einer der Lehrer oder Lehrerinnen über diese Angelegenheit bisweilen Vorträge mit anschließender Aussprache abhielten, dann dürfte eine solche Erörterung doch nicht ganz nutzlos sein. In diesen Elternbeiräten haben wir eine wichtige Verständigungsorganisation,

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