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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-04-23 · Heft 17 (23.4.1920) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 17 (23.4.1920)
Date
1920-04-23
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 fest steht. Es sollen jedoch Versuche ge macht. Weeden, um die Erledigung zu beschleunigen. (Hnjtarn. z Budapest, im April. Tie ernste Lage des ungarischen und besonders des hallptstüdtischen Judentums während und nach dem Kommunismus hat zweifellos den jüdischen Geist der in den letzten Jahrzehnten vielleicht schon einigermaßen gleichgültig gewordenen Judenschnft Budapests zu neuem Leben erweckt und die maßgebenden jüdischen Kreise zu erhöhter, der Wahrung des jüdischen Glaubenstebens gewidmeter Tätigkeit angespornt. In die Verwaltung der Pester Israelitischen Religionsgemeinde ist unter der Leitung des verdienstvollen, die Interessen seiner Glaubensbrüder so eifrig verfechtenden Präsidenten Franz Szokely ein neuer frischer Geist eingezogen, der sich auch bisher schon in zahlreichen, der Belebung der Glaubenstreue dienenden Neueinrichtungen bekundet hat. Diesem neuen Geiste ist es auch zu verdanken, daß in Pest allein — die Ofener Seite der ungarischen Hauptstadt bildet eine besondere, gleichfalls segensreich wirkende Gemeinde derzeit 23 Gotteshäuser und 7 Talmud-Thora- Schulen jüdischen Geist und hebräisches Wissen verbreiten, daß die Konstituierung der einzelnen Bezirksverbände, die -den innigeren Kontakt mit den Juden der einzelnen Bezirke und deren erhöhte Beteiligung am jüdischen Kultur- und Geistesleben bezwecken, so rasch vor sich geht und daß die Gemeinde in neuerer Zeit eine größere Anzahl von Fleischbänken errichtet hat, in denen unter strenger Aufsicht der Gern ein de ausschließlich Koscherfleisch ausgeschrvtet wird. — Inmitten der Flut voll Angriffen und Beschuldigungen, die in neuerer Zeit gegen das ungarische Judentum gerichtet werden, endlich ein ehrliches, offenes Manneswort von maßgebender Seite. Ter kalvinische Bischof von Debreczen Tesider Baltazär, dessen lauteres tiefes liugarisches Gefühl in ganz Ungarn sprichwörtlich geworden ist und der sich ob seiner Gesinnungsfestigkeit und Glaubenstreue in allen Kreisen der größten Wertschätzung erfreut, hat sich im „Egyen löseg" — dem politischen Organe der Judenschaft Ungarns mit folgenden inhaltsreichen Worten über den modernen Antisemitismus geäußert: „In Debreczen, der Hauptstadt der Kalviner, können die Reaktion und die törichte Hetze, die Verfolgung nicht ihr Haupt er-, heben. I ch würde gegen jede konfessionelle H e tz e lil eine Stimme erheben, w e i l wir i n d i e s e nt Laude keine Ungerechtigkeiten dulden dürfen. Wer gefehlt hat, ln ö g e s ü h n, e n , ab e r u ll s ch ll l d i g e Al e n s ch e n sollen nicht leiden." Von Ssh und Fern. . — Tie Königlich Dänische Gesellschaft der Wissenschaften in Kopenhagen hat in ihrer letzten Sitzung mehrere deutsche Gelehrte ausgenommen, u. a. in die NaturwissenschastlickpAtathemalische Klasse: Albert Einstein, Professor am Kaiser-Wilhelm- Jnstitut in Berlin, R. Willstüdter, Professor an der Universität Atünchen. -- Wegen versuchten Raubmordes wird der 30 Jahre alte, aus Köln-Ehrenfeld gebürtige Ingenieur Heinrich Hubert Nachth e i in gesucht. Nachth-eim hat am 10. Februar d. I. in dein Pensionat des Fräuleins Ella Cohen in d.r Neuen Friedrichstraße 47 den 20 Jahre alten, aus Rufsisch-Polen stamurenden Oberkantvr Salomon Al o r r e s überfallen, ihn durch einen Dolchstich in den Hals schwer verletzt und ihin mehrere Wertsachen geraubt. In Gelsenkirchen festgenonlulen, mußte Nachtheim dort zunächst ins Krankenhaus gebracht werden. Aus diesem ist er jetzt entflohen. Wahrscheinlich hat er sich wieder lwch Berlin gewandt.Ter Berliner Sanitätsrat Tr. Theodor Apolant ist am 17. d. M. im Alter von 59 Jahren gestorben. -- Der F r a u e n v e r e i n z u r U n t e r st ü tz u n g i s r aeliti s ch e r W i t w e n u n d W a i s e n in Königsberg i. Pr. hat seine Gen e r a! ver sammllmg ab gehalten, worauf ihni Entlastung erteilt wurde. Der Vorstand und die Revisoren wurden wiedergewählt. Ter Verein hat aitcfji in den vergangenen Jahren segensreich gewirkt lind, seinen Mitteln entsprechend, im „Verband für jüdische Wohlsahrtspflege" Unterstützung gewährt. In dankenswerter Weise wurde der Verein durch Spenden und Beiträge seiner Mitglieder und Gönner in den Stand gesetzt, vielseitige Wohltätigkeit auszuüben. Der Kantor der Syllagogengemein.de Liegnitz, Herr Martin S o m m ersel d, begeht am 1. Mai sein 25jähriges Amtsjubiläum. .Professor Tr. Kittel, der Vertreter der alttestamentarischen Theologie an der Universität Leipzig, lvird in» der zweiten April-Hälste einer Einladung 'der Universität Upsala folgen, und dort eine Anzahl Gastvorlesungen über die Religion Israels halten..:— Tr. Bruno L a n g e hat fein Amt als Gemeinderabbiner der Gemeinde Essen ni-edergelegt und am Vorabend des Pessachsestes seine Abschiedspredigt gehalten. Er will sich fürderhin der Politik -und der Schriftstellerei widmen und sich nn oberbayerischen Gebirge ankaufen. — Ter an der Realschule Fürth i. B. wirkende Reallehrer Tr. Tachauer wurde zum Professor an der Realschule Nürnberg ernannt. — Wie aus München mitgeteilt wird, sind viele Hunderte von Ostjuden gezwungen worden, München und Bayern zu verlassen, und Zloar ohne Aufschub am Pessachfest. — Die letzten schweren politischen Känlpfe in Gotha forderten auch ein jüdisches Opfer Als Unbeteiligter wurde der 49jährige Viehhändler Meier Hart m ctnn auf einem Geschäftsgang von einer Kugel tödlich getroffen und starb nach wenigen Stunden.-- Im Alter von 55 Jahren ist in Gießen Professor Tr. Wilhelm Bouss e t gestorben. Die alttestamentarische Wissenschaft hat in ihm einen ihrer hervorragendsten Vertreter verloren. - - Herrn Rentier Hermann Heß in Gießen wurde die Rote-K-reuz-Medaille verliehen. — Aus Frankfurt a. M. wird berichtet: Die interalliierte Kommission hat eine Reihe antisemitischer Schriften für da>s besetzte Gebiet verboten, u. a. die Veröffentlichungen des Deutsch- P o l k i sch e n Bundes, worunter sich auch die Hetzschrift „Von d e.r H e r r s ch a f t de r H oh e n z o l l e r n z u r H e r r sch a f t d es Iudent u m s" und „T i e M a ch er in Es s e n" befinden. Tie alldeutschen Vaterlandsretter dürfen stolz daraus sein, daß sie der Besatz nngstruppe eine Gelegenheit zum Eingreifen geboten haben. — Aus Budapest wird geschrieben: Die Einschreibungen an den Hochschulen vollziehen sich noch immer unter schwierigen Umständen. Die Zahl der Studierenden ist eine sehr geringe, da die zur Immatrikulation notwendige Empfehlung von fünf Mitgliedern der Brachialgewalt nur solche erhalten, die einen Taufschein ihrer Eltern nustveisen können, damit Studenten jüdischer Herkunft vom der Universität ausgeschlossen bleiben sollen. „Pesti Naplä" beklagt, daß Tausende von wohlhabenden jüdischen Studenten an ausländische Hochschulen auswandern, und da sie von ihren Angehörigen in ausländischer Währung unterhalten lverden müssen, bedeutet diese Auswanderung für den Staat -einen beträchtlichen Geldverlust. -- Uni den trostlosen wnitären Verhättnifsen der jüdischen Bevölkerung iw Minsker Rayon erfolgreich.entgegentreten zu können, hat das Joint Distribution Committee c-irtc Reihe von Spezi alürzten und Hygienikern mit Tr. Spiwak an der Spitze nach Minsk entsandt, um genaue Erhebungenüber die sanitäre Lage der jüdischen Bevölkerung in den Schulen, Wohnungen und sozialen Einrichtungen von Minsk und Umgebungzu Pflegen. Nach Abschluß dieser Erhebungen soll eine intensive Hil'ssaktiou zur Besserung der sanitären Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung eingeleitet lverden. - Tie Verhandlungen, die längere Zeit geführt wurden, imi alle Hilfskomitees in London zu gemeinsamer Arbeit zu vereinigen, haben zu einem günstigen Resultat geführt. Es wird jetzt, wenn auch die einzelnen Hilfskomitees in den Sammlungen vollständig selbständig bleiben, doch eine Verbindung unter Denselben hevgestellt in bezug ans Ueberweisung von Geldern und bezüglich der Ausarbeitung von Plänen der allgemeinen Hilfsaktion. Beim ersten Exekutivmeetina, das am 23. Mürz in London stattfand', waren die Vertreter aller Hilfskomitees, nämlich des „Russischen Fondskomitees", des .-Zentral sonds zur Unterstützung der polnischen Juden", des „Verbandes der ukrainischen Juden" und des „Arbeiterfonds" anwesend. ~ Laut einer Havas-Meldung ist Clemenceau aus dem Sudan bereits nach Kairo zurückgekehrt und beabsichtigt, sich nach Palästina zu begeben. — Aus New-Jork wird berichtet: Das Mt. Sinai-Hospital errichtet mit einem Kostenaufwand von 3K Millionen Dollar zwei Anbauten, eine Privatabteilung mir 130 Zimmern und und eine Kinderabteilung mit 100 Zimmern. Für die Kosten stehen bereits 1 Million Dollar seitens der Familie Gug gen heim und 125 000 Dollar aus dem Henry L. E i n st e i n scheu Nachlaß zur Verfügung. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Frredenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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