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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-04-08 · Heft 15 (8.4.1920) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 15 (8.4.1920)
Date
1920-04-08
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 und verliehen ihnen einen hohen Publizistischen Reiz. Von den Deutschnationalen wie von den Christlichsozialen und den Sozialdemokraten wurde sie in gleicher Weise angeseindet, aber auch seitwärts der Parteien wurde sie vielfach scharf kritisiert, -und dennoch war sie bis zur Revolution eine Macht geblieben, die viele haßten und gleichzeitig doch fürchteten. Schon damals hat es freilich dem Herausgeber nicht an Enttäuschungen gefehlt. Als er vor einigen Jahren in das ehemalige Herrenhaus berufen wurde, folgte dieser Erfüllung ehrgeiziger Hoffnungen gleich der derbe Rückschlag, daß die scheinliberale Bersassungspartei jenes Hauses, die doch wirklich allen Grund hatte, die Publizistische Tätigkeit Benedikts dankbar anzuerkennen, den von ihm begehrten Eintritt in hochmütiger Anmaßung ablehnte. Für den Juden Benedikt war kein Platz da. Tie Revolution hat wie das Herrenhaus so auch die Macht Benedikts gestürzt. In der Republik hatte die „Neue Freie Presse", die mit dem neuen Staatswesen nichts anzufangen wußte, wenig zu sagen. Benedikt konnte sich in die neuen Verhält niste nicht mehr hineinfinden. Am Ende seines 70jährigen Lebens mußte er, der Sesterreichs Zukunft wesentlich in der Bewahrung und Weiterbildung theresianischer und josefinischer Ideen gesehen hatte, einen völligen Zusammenbruch alles dessen erleben, was das alte liberale Oesterreich erstrebt hatte. Die furchtbare Not, unter der Oesterreich und besonders Wien noch heute leidet, steigerte dieses traurige Geschick zum Uebermaß. Mitten in diesem furchtbaren Zusammenbruch seiner Ideen hat ihn selbst der Tod hinweggenommen. Sein Name wird dennoch in der Geschichte der deutsch-österreichischen Publizistik stets einen starken und eigenartigen Klang behalten, und auch das österreichische Judentum wird seiner stets in Ehren gedenken. Von Kah und Lern. Tie Ha u ptver s a mm lung des Verbandes der Deutschen Juden hat neuerdings auf den 16. Mai verlegt werden müssen, weil durch die Streikwoche die rechtzeitige Einberufung auf den 2. Mai unmöglich wurde. Gleichzeitig mit den Einladungen sendet der Verband den Gemeinden und vertretungsberechtigten Organisationen als Gabe ein Exemplar des von ihm zur Hauptversammlung herausgegebenen Buches „Di e Grundlagen der jüdischen Et h i f". Auf das Erscheinen im Buchhandel ist bereits hingewiesen worden. Gemeinden und Körperschaften erhalten es bei Bestellung von 20 oder mehr Exemplaren durch den Verband bis spätestens 2. Mai zum Vorzugspreis. — Die neue, von Stefan Groß m a n n herausgegebene Berliner Zeitschrift „Das Tagebuch" berichtet in ihrem Februar-Heft aus einem Briefe aus Amerongen, daß der Kaiser sich lebhaft für Dinters Zeitroman „Die Sünde wider das Blut" interessiert habe. Ec habe sich eingehend mit seiner Umgebung über das Buch unterhalten und zu seinem Prediger geäußert: „So ist es, wie Dinker es in seinem Roman schildert, sticht das deutsche Volk hat mich verraten, sondern die Juden und Judengenossen." Die Verantwortung für diese Notiz müssen wir der genannten Zeitschrift überlassen. — Die vereinigten Arbeiterverbände aller Richtungen hatten gegen die Ostjuden Verhaftungen, die ohne jedes Beweismaterial und jede vorherige Untersuchung wahllos vorgenommen worden seien, Einspruch erhoben. Der bisherige Minister des Innern Heine, der zur Zeit der Razzia die Geschäfte noch weitersührte, legt Wert -darauf, ausdrücklich zu erklären, daß seine Auffassung und seine Anordnungen nn schärfsten Widerspruch zu diesen eigenmächtigen Maßnahmen des Militärs gestanden hätten. — Aus Posen wird uns berichtet: Zu Ehren des Stnatsprästdenteu Pilsudski fand an seinem Namenstage im Kaiserschlosse eine größere Feier statt, bei der auch der Jüdische Volksrat in Posen vertreten war. — Eine unglaubliche Roheit, die bezeichnend für die sittliche Verkommenheit der heutigen Jugend ist, haben in Marggrabowa einige Jungenim Alter von! 15 bis 18 Jahren verübt. Aus dem jüdischen Friedhose haben sie Teile einer gußeisernen Grabeinsnssung gestohlen und als Altmaterial verkauft. Der Polizei ist es gelungen, die Namen der drei Haupttäter sestzuhalten und sie dem Untersuchungsrichter vorzuführen. — In Allenstein verschied am 22. März Rabbiner Dr. Markus O l i tz k i, der 28 Jahre in seiner Gemeinde segensreich gewirkt hat. — Rabbiner B. M. Auerbach, über dessen Ableben wir in der vorletzten Nummer berichtet haben, war nicht, lvie irrtümlich von uns angegeben, Rabbiner in Gollub und Wronke, sondern in Labischin und Wronke. Er war auch kein Bruder des vor mehreren Jahren in Berlin verstorbenen Ploeker Rabbiners Auerbach Er stammte nur aus derselben Stadt und war der Schwiegervater des Herrn Professor Dr. Heinrich. Löwe in Berlin. — Die Seniorin der Shnagogengemeinde Paderborn, erste Vorsteherin des dortigen Jüdischen Franenvereins, Frau Bertha Grünebaum, beging ihren 90. Geburtstag unter großer Teilnahme der Gemeinde. Prediger W e i l e r gedachte am Sabbat in der Synagoge im besonderen Gebete, der Jubilarin. Frauenverein und Syn agogenjso rstand sandten Blumenspenden. — Dem Vorsitzenden der Elberselder Synagogengemeinde, A l b e r t W e y l, ist das „Verdienstkreuz für Kriegshilfe" verliehen worden. — Dr. Adolf Ha nover (Köln) ist von der Jüdischen Gemeinde in Würzburg zum Distriktsrabbiner gewählt worden. — Der Haushaltungsausschuß des badischen Landtags bewilligte in seiner Sitzung vor kurzem die Anforderungen des Kul'tusetats. In der Beratung nahm sich ein demokratischer Abgeordneter der israelitischen Religionslehrer an, deren materielle Lage besonders ungünstig sei. Ein Regierungsvertceter erkannte die Notlage eines Teils der israelitischen Religionslehrer an und sicherte zu, er werde im Qberrat der Israeliten erneut aus eine bessere Stellung der Religionslehrer hinwirken. — Aus Budapest wird berichtet: Eine Massenkundgebung der „Erwachenden Magyaren" hinderte den bekannten Schauspieler jüdischer Konfession. Oskar B e r e g i, Mitglied des Nationaltheaters, an seinem Auftreten sowohl im Nationaltheater wie aus den anderen Budapester Bühnen. Im Anschluß daran veröffentlicht die Direktion des Nationaltheaters einen Beschluß des Kultusministers, wonach das Drama „König Ladislaus", in welchem Beregi die Titelrolle gespielt hotte, vom Spielplan -abzusetzen sei. — Aus London wird gemeldet: Lilli Montag u, -die Schwester Lord Swaythlings und des Ministers für Indien, Montagu, wurde als erste weibliche! Predigerin in der Reformsynagoge, Hoolstreet Hanovergate West, erwählt. — Der Generalgouverneur von Saloniki wurde von der griechischen Negierung bevollmächtigt, mit der dortigen jüdischen Gemeinde wegen ihrer Forderungen -bezüglich -nationaler und religiöser Sonderrechte zu verhandeln. Die griechische Regierung hat sich bereit erklärt, im Parlament ein Gesetz betreffend die nationale und rechtliche Stellung der Juden einzubringen. Die Stadt Saloniki, nächst Odessa der bedeutendste Hafen für Südeu.ropa, zählte vor dem Kriege unter ihren zirka 150 000 Einwohnern 90 000 Juden (vorwiegend Sephacdim). Die Juden sind der für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt maßgebendste Teil der Bevölkerung. Im letzten Jahrzehnt, da int Balkan- und Weltkrieg nur den Besitz Salonikis viel gestritten war, hat die Stadt sehr gelitten. Die jüdische Bevölkerung wurde von den Griechen, welche die jüdisch-kausmännische Konkurrenz mit allen Mitteln ausschalten wollten, arg bedrückt. Es scheint, daß die griechische Regierung die wirtschaftliche Wichtigkeit des. jüdischeil Elementes in Saloniki begreift und die Stellung der Inden rechtlich regeln will. — Der Gouverneur von Jerusalem, hat eine Proklamation erlassen, laut welcher alle weiteren Demonstrationen und Prozessionen in Jerusalem verboten sind. — Der „Spectator" schlägt die Gründung englischer Schulen in Palästina vor. In Jerusalem solle eine englische Universität gegründet werden. Er behauptet, daß nicht nur die mohammedanischen und christlichen Araber, sondern auch die orthodoxen Juden (?) Schulen mit englischer Unterrichtssprache wünschen und nur die Zionisten dagegen seien. — Die britischen Okkupationsbehörden in Mesopotamien haben eine Volkszählung durchgesührt, die . zum ersten Male ein zuverlässiges Bild über die Zusammensetzung der Bevölkerung dieses Gebietes bietet. Die drei bisher türkischen Wilajets Bagdad, Basra und Mosul zählen zusammen 2 849 282 Einwohner, worunter 87 488 Juden und 78 792 Christen sind. In Bagdad allein wohnen 50 000 Juden. — Die „Chine-Palästina Trading. Company" in Shanghai gibt bekannt, daß sie aus China den Export von Seide, Rohseide, Tee, Erbsen, Bohnen, Oel nsw. nach Palästina übernimmt. Die Gesellschaft ist auch bereit, mit palästinensischen Firmen in Verbindung zu treten, die verschiedene Waren für China offerieren können. — Aus New Port lvird gemeldet: „The Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society of America" hat das wundervolle Gebäude der bisherigen Astor-Bibliothek, 437 Lafayette Street, nahe der 8. Straße, für seine Zwecke erworben. Nebst sämtlichen Bureauräumen der Organisation wird das Gebäude für die Einwanderer Eßräume, Lesesaal, Synagoge usw. enthalten. * Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Verlin-Pankow. Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlm-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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