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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-04-02 · Heft 14 (2.4.1920) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 14 (2.4.1920)
Date
1920-04-02
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Geltung kommen. Hierauf wird die Sitzung zur breiteren Besprechung der Angelegenheit vertagt. z. Basel, im März. Infolge der andauernden Judenverfolgungen im Osten beginnt bei unseren dortigen Brüdern ln den letzten Monaten wieder eine starke Emigration einzusetzen. Auf dem Wege zu den Einschiffungshäfen passieren diese Unglücklichen auch die Schweiz (Buchs-Basel), vorerst nur in kleinen Scharen, die sich' jedoch von Woche zu Woche mehren. In ihrer Not suchm nun diese Bejnnnnernswerton Hilfe bei ihren Brüdern in den Städten, die sie auf ihrer Wanderung berühren, und da tritt an die Juden in der Schweiz, welche von diesen Auswanderern Passiert wird, die dringende Aufgabe heran, hier ein Werk jüdischer Bruderpflicht zu erfüllen. In einer am 24. Januar 1920 abgehcMenen Versammlung der Vertreter sämtlicher jüdischer Vereinigungen Bafels, welche von Herrn Rabbiner Tr. Cohn in Bafel einberufen wurde, legte dieser die Notwendigkeit dar, wiederuni ein Bureau für jüdische Auswanderer in Basel pl errichten, wie dieses bereits vor dem Kriege in Bafel bestanden batte. Nach eingehender Beratung., in der allseitig hervorgehoben Unirbi', daß es hier gelbe, ein dringendes Werk jüdischer Bruderpflicht zu erfüllen, wurde die Errichtung eines Bureaus für jüdische Auswanderer in Basel einstimmig beschlossen. Das Ehrenprüsidiulu wurde deur Gemeindepräsidenten Herrn I. T r e y f u s - B r o d s k i übertragen. In das engere Komitee wurden gewählt die Herren Jules I u n g , Joseph! D o.l l a g , Frau Drehs u s - S t r a u ß , Willy E i s n e r , Victor Wyle r. Das Komitee hat die Vorarbeiten alsbald in Angriff genommen und >i>st zunächst an die Basler jüdische Bevölkerung mit einem Aufruf herangetreten. In einer Versammlung am 12. Februar erörterte Herr Victor W v l e r die zu leistende Arbeit, woraufhin sich eine große Anzahl von Damen und Herren zur Mitarbeit bereit erklärte. Das Bureau wird es sich zur Aufgabe machen, die in Basel eintreffenden Auswanderer, zu.'b'kkeiden, zu verpflegen und für deren Unterkunft zu sorgen, vor allem aber, wenn irgend möglich, den Durchwandernden die direkte Durchreise zmn Einschisfnngshasen zu ermöglichen, damit nicht durch ein Wandern von Gemeinde zu Gemeinde das Elend noch vermehrt würde. Das Burea.n wird sich mit allen großen jüdischen Organisationen sowie mit sämtlichen Gemeinden der Schweiz in Verbindung setzen. Das Bureau hat mit seiner Tätigkeit bereits begonnen. Borläufige Adresse für Zuschriften und Geldsendungen: Jules Jung, Basel, Austraße 57. Von MH und Frrn. - Auf Anordnung des Oberbesehlshabers haben an verschiedenen Stellen Festnahmen von Ausländern stattgesunden, die sich, unangemeldet in Groß-Berlin aushalten. Es handelt sich hauptsächlich darum, die Reichshauptstadt von Elementen zu befreien, die sich strafbarer Handlungen schuldig gemacht haben, namentlich im Schieber- und Lebcnsmittelwucher, und solche Personen, die an bolschewistischen Umtrieben beteiligt sind. Die. Festnahme erfolgte ohne Unterschied der Religion, und erstreckte sich auf alle Gesellschaftskreise. Ter Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands in Gemeinschaft mit der Freien Vereinigung und dem Deutschen Gruppenverband der Aguda richtet an alle jüdischen Gemeinden einen Aufruf zur Begehung des kommenden Pessachfestes als großen Ret-- tungstag für die jüdischen Landgemeinden. Die Erhaltung des jüdischen Lebens in Deutschlands Landgemeinden soll das Ziel der Sammelarbeit sein. - Das Mitglied des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde Herr Handelsrichter Berthold K ir stein beging am 1. April d. I. das 25jährige Jubiläum als Mitinhaber der bekannten Firma Knauth n. Co. — Am 23. v. M. konnte der Nestor der Berliner Augenärzte, Geheimer Mcdizinalrat I u l in s H i r s chberg, das 50jährige Dozentenjubiläum begehen. -- An der Grippe ist Professor Tr. Alfred Neu mann, Direktor der chirurgischen Abteilung am Krankenhaus Friedrichshain, in fast vollendetem 55. Lebensjahre gestorben. Neumann hat seine ärztliche Laufbahn am Krankenhaus Friedrichshain durchgemacht. Zunächst Assistent an der inneren Abteilung unter Fürbringer, kam er später an die chirurgische Abteilung und wurde 1894, als die chirurgische Oberarztstelle eingerichtet wurde, dort Oberarzt und nach dem Tode seines Lehrers Eugen Hahn 1902 dessen Nachfolger als Direktor der chirurgischen Abteilung. — Wie aus Danzig berichtet wird, ist dort vor kurzem ein amerikanisches Schiff eingetroffen, das 42 000 Sack Mehl für die Zu- , bereitung von Mazzoth für die notleidenden Juden in Polen brachte. Das Schiff enthielt außerdem als Ladung 2000 Ballen Baumwolle für die Licidzer Fabriken w nd 7.000 Kisten kondensierte ^Milch für hungernde Kinder. - Dem Prediger Herrn Rabbinatsverwalter L. Wallach in Haigerloch wurde das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen. — Im Krematorium auf dein Friedhof tu Baden-Baden fand am 10. v. M. die Einäscherung des von dem Studenten Enaelhorn erschossenen Studenten der Medizin Hans Kahn statt. Nach ergreifenden Trauerreden des israelitischen Geistlichen dielten Vertreter studentischer Korporationen Ansprachen. — In Prag fand im Saale des jüdischen Rathauses eine, allgemeine jüdische Franentaguna statt, die vom Verbände jüdischer Frauen im tschecho- ' slowak'scheu Staate und der Jüdischen Frauenorganisation für Mähren iw Brünn einberufen wurde. Das Hauptreferat am EröffnungZäbend hielt die bekannte jüdische soziale Arbeiterin und Gründerin des Jüdischen Frauenverbandes in Deutschland, Fräulein Bertha. Pappenheim aus Frankfurt a.M. Ferner sprach eine Dame der amerikanischen ' Kinderhilfskoni misst on, Miß Dorothy Gerber di n g , über Kinderfürsorae. Im Anschluß an die Arbeitssitzung fand in der Nosengasse 5 ein Empsangsabend statt. — In Wien erschoß sich der Dramatiker Leo B i r i n s k i. Birinski, ursvrünglich Buchhändler, wurde von Joseph Kainz dem Theater zugesührt, dem er Unterhaltunasstücke, meist mit russischem Milieu, lieferte. Das Berliner Lessina-Theater spielte unter Brahms Birinskis '„Narrentanz". - Der Oberrabbiner der Budapester Israelitischen Kultusgemeinde, Tr. Samuel Ka h n, ist im 79. Lebensjahre verschieden. — Die jüdischen Organisationen in Italien schufen ein Bureau, das sich mit der Uurerstütznng jüdischer Passanten durch Italien auf «dem Wege nach Palästina oder Amerika zu befassen haben wird. Agenturen sollen in Triest, Genua und Neapel errichtet werden. -- Wie aus London armeldet wird, hat Lord R e a d i n g einen bedeutenden Beitrag für den Geulah-Fonds gespendet. Dieser Tatsache wird in London große Bedeutung zugeschrieben. — Mr. Louis Edmund Benjamin wurde zum Richter des höchsten Gerichtshofes in der Kapkolonie gewählt. - - Wie aus Paris gemeldet wird, veranstaltete die Liga der Menschenrechte eine Protestversammlung gegen die Pogrome. Der Präsident der Liga, Mr. Buisson, Professor Basch, Mr. Marcel Cachin und Mr. Sangeir hielten Ansprachen. Mehr als 6000 Personen loa reu anwesend und eine flammende Resolution gegen die Pogrome wurde angenonnnen. — Die Zahl der Juden im neuen Polen beträgt jetzt 1 770 000. Sie stellen mit dieser Zahl 14 Prozent der Gesamtbevölkerung Polens dar. Warschau zählt unter etwa 900 000 Einwohnern 297 977 Juden, so daß fast jeder dritte Bewohner ein Jude ist. Die anderen bedeutenden Städte des Landes weisen zum Teil eine noch höhere jüdische Bevölkerungszahl auf: so Siedlce mit 56 Prozent, Suwalki mit« 55 Prozent und. Plock mit 51 Prozent Juden. In zahlreichen kleinen Städten bilden die Juden 50 bis 90 Prozent der Einwohnerschaft. In Galizien leben etwa 883 000 Juden, die 10 Prozent der Gesamtbevölkerung bilden. ' Die Ziffer der Juden beläuft sich in Lemberg auf 28 Prozent, in Przemysl auf 30 Prozent und in Krakau auf 21 Prozent. — Ter Iafsa-Korrespondent der „Daily News" telegraphierte seiner Zeitung: Die jüdische Kolonie Metustäh wurde vor kurzem durch Beduinen angegriffen. 6 getötet, 10 verwundet, der Rest geflohen und das Dorf verbrannt. — Auf Grynd eines Beschlusses der Versammlung jüdischer Gemeinden Amerikas wird in New Dork ein Jewish Court, of Arlbitration, ein sogenannter jüdischer Gerichtshof, gebildet, an den man sich in Geldstreitigkeiten und Zwistigkeiten, die Schulen, Vereine, Arbeiterfragen, Geschäftsangelegenheiten u. dgt. betreffen, wenden kann. In diesem Gerichte sind alle Klassen der Juden vertreten und unparteiische Richter werden für die Rechtssprüche sorgen. Ein jeder Jude kann an diesen Gerichtshof gelangen. Als Richter fungieren Rabbiner, städtische Richter, Kaufleute und andere. — In Washington starb, <80 Jahre alt, der frühere Brigadegeneral Alfred Mordechai. Er machte den Bürgerkrieg mit und war nachher Instrukteur an der Militärakademie der Vereinigten Staaten. — Die Jüdische Gemeinde in Melbourne überreichte dem General M o na sch (aus Krotoschin in Posen stammend) eine Gäbe «von 10 000 Pfund für seine hervorragenden Dienste. Monasch überwies diese «Summe der Melbourner Universität._ ' Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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