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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-03-12 · Heft 11 (12.3.1920) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 11 (12.3.1920)
Date
1920-03-12
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 stütz ungs- und Beschaffungsbeiträge von 630 000 Kronen wurde zur Kenntnis genommen und diese Unterstützungen nachträglich genehmigt. Grobe Befriedigung erweckte auch der Bericht über das neue jüdische Gymnasium, das demnächst sein eigenes Heim beziehen soll und dessen weitere Entwicklung ohne besondere materielle Opfer möglich sein wird. Die jüdische Bürgerschule, die ursprünglich in das Gymnasium umgewandelt werden sollte, wird auch weiterhin als Bürgerschule aufrechterhalten werden können. Die Generalversammlung schloß sich auch dem Anträge des Vorstandes an, für die ungarische nationale Armee eine auf den Namen ihres Oberkommandanten lautende Hun de rttau^en-dtronenstiftung ins Leben zu rufen und hiervon den Oberkommandanten Nikolaus Horthy deputativ zu verständigen. Am Schluffe der Sitzung Protestierte Ernst Mezey dagegen, daß das Judentum als gesetzlich rezipierte Konfession.bei der feierlichen Eröffnung der Nationalversammlung nicht die gleiche Rolle zuerterlt erhielt wie die christlichen Konfessionen; bei der Eröffnung hatten nämlich Seelsorger sämtlicher Konfessionen Weihegebete gesprochen und nur die Seelsorger der jüdischen Konfession hatten zu diesem Akte keine Einladung erhalten. Die Generalversammlung beschloß, ihre Beschwerde, an die Nationalversammlung zu leiten. - Wir haben bereits über die Treimillionenspende des aus Zenta gebürtigten Finmaner Unternehmers Bernat Braun für die Budapester orthodoxe Gemeinde berichtet, die zur Errichtung eines jüdischen, streng rituellen Spitales verlvendet werden sollte. Die orthodoxe Gemeinde hat nun ein geeignetes Sanatorium käuflich erworben. Da die Spende den Kaufpreis nicht vollständig deckt, haben die orthodoxe Gerneinde und die Chewra-Kadischa den Nest des Kaufpreises aus sich genommen: der Spender Bernat Braun hat sich aber verpflichtet, zu den jährlichen Erhaltungskosten jährlich eine Viertelmillion beizutragen. Die Einrickäung des neuen Krankenhauses ist bereits im Zuge und dank der Opserwilligkeit der orthodoxen Judenschaft Budapests ist sie auch schon w weit fortgeschritten, daß die Eröffnung des Spitales in Bälde erfolaen dürfte. Zu Mitgliedern des Spitalkuratoriums wurden der Präsident der orthodoxen Chewra-Kadiicha Josef Herzog, der bekannte Philanthrop Leopold v. Freudiger und der Stifter Bernat Braun entsendet. Zum Leiter des neuen Spitales ist der in jüdischen Kreisen allgemein bekannte Chirurg Dr. Max Rosenak ausersehen, der lange Zeit als Oberarzt am Spitale der Pester Israelitischen Religionsgemeinde tätig war ltnb sich in Fachkreisen eines großen Rufes erfreut. Von Mah und Fern. Ter „Vvlksbund Deutsche Kriegsgräbersürsorge" hat aus Eourtrai die Nachricht erhalten, daß die deutschen Kriegsgräber dort selbst noch erhalten sind. Die Instandhaltung dieser Gräber ist laut Friedensvertrag Sache der belgischen Negierung. Allen Angehörigen, die jedoch besondere Wünsche für die Pflege der Gräber oder deren Schmuck an Gedenktagen Haben, kann ivr Volksbund mit Rat und Tat helfen. Ter Volksbund hat die Möglichkeit, durch ortsansässige Gärtner, die ihm behördlich empfohlen worden sind, für die weitere Ausschmückung der deutschen Gräber in Eourtrai zu sorgen, Alle Wünsche sind dein Volksbund Deutsche Kriegsgräbersürsorge (neue Postadresse: Berlin-Charlottenburg 5, Königsweg 30) baldigst mitzuteilen, damit die Vermittelung derselben rechtzeitig erfolgen kann. In der nengewählten Studentenvertretung der Berliner Universität haben die deutschen Studenten jüdischen Glaubens (K. C. und Nichtkorporierte) mit 493 Stimmen 8 Sitze errungen. - Der „Verband der Sstjuden" (Bureau Auguststraße 17) schreibt uns: Der ,/Verband der galizischen und bukowinischen Juden in New Port" richtet au den „Verband der Ostjnden" (Berlin) die Bitte, ihm zwecks Hilfeleistung die Namen und Heimatstädte der sich in Deutschland befindenden, aus Galizien und der Bukowina stammenden Flüchtlinge anzugeben. Wir bitten daher alle sich in Deutschland befindenden Flüchtlinge, die aus Galizien und der Bukowina stammen, ihre jetzige Adresse sowie den Namen ihrer Heimatstadt und, falls sie Verwandte in Amerika haben, auch deren Adresse schnellstens entweder durch Briefe oder persönlich im Bureau des Verbandes täglich von 11 bis 1 Uhr, außer Sonnabend, auzugeben. — Herr Herrmann Bab, Oberpostschasfner (Berlin), hat das Verdi-enstkreuz für Kriegshilfe erhalten. — Am 26. v. Nt. verschied an den Folgen der Grippe auf einer Besuchsreise in Bres!au Rabbiner Dr. F. L. Bernstein aus Pr.-Stargard im blühenden Alter von 32 Jahren. Aus Posen wird uns geschrieben: Die Versammlung des Deutschen Bolksrats wählte in den Vorstand Herrn Georg I a f f e urr-d Frau Prochownik. — Die verfügbaren Zinsen der Dr. Heinrich und Jda Fraenkel geb. Jafföschen Stiftung sollen zu gleichen Teilen an einen b' ,ttirftigen Studierenden und an eine bedürftige Braut vergeben werden. Bewerbungen sind unter Beifügung eines Ausweises über die Bedürftigkeit an den Vorstand der Synagpgengemeinde Posen zil richten. — In der Sitzung des jüdischen Schulvorstandes zu Rogasen wurden die gewühlten und von der Regierung bestätigten Schulvorsteher und Repräsentanten in ihr Amt eingeführt. Die Entschädigung für Brennmaterial wurde uni 25 vom Hundert erhöht und schließlich die Anstellung einer zweiten Lehrkraft an der jüdischen Schule vorläufig vertagt. — In Hamburg haben sich jüdische Aerzte, Schwestern und ehemalige freiwillige Krankenpfleger znsammengeschloffen und unter dem Namen „Roter Mögen Dowid" einen Verein gegründet, welcher rege Tätigkeit entfaltet. Sie stellen z. B. unentgeltliche Sanitätswachen bei Turn- und Sportfesten, bei Versammlungen im Rahmen der jüdischen Gemeinschaft. — Aus einem Elternabend der Würzburger Privaten Erziehungs- und Unterrichtsanstalt wurde nach Ansprachen der Herren Schuldirektor M a n d e l b a u m , Seminarlehrer Anfänger und anderer mehr eine Resolution angenommen, wonach die Umwandlung der Anstalt in eine öffentliche Volksschule seitens der Erziehungsberechtigten im Sinne der Verfassung gefordert wird. - Die Münchener Israelitische Kllltusgemeinde, deren 2754 Mitglieder im vergangenen Jahre 183 386 Mark Beiträge zahlten, verausgabte 262 000 Mark (1918: 243 000 Mark). Die Zahl der ihr unterstehenden Stiftungen und Fonds ist ans 222 gestiegen. - Die P a l ä st i n a z e n t r a l e der Agudas Jisroel für Deutschland teilt uns mit: Bei Beginn der soeben stattgesnndenen Erez-Jisroel-Woche hat ein Ungenannter der Palästinazentrale eine Million M a r k zwecks Gründung einer landlvirtschaftlichen Siedlung gemeinsam mit industriellen Unternehmen zur Verfügung gestellt. Ein Spezialprospekt wird in Bälde veröffentlicht werden und dadurch Interessenten Gelegenheit zur Information geben. — Die im 38. Jahrgang erscheinende Tr. Blochs „Wochenschrift" stellt für längere Zeit ihr Erscheinen ein, da Tr. Bloch für mehrere Monat? ins Ausland reift. — Die von Herrn Oberkantor Bauer in Wien seit 35 Jahren geleitete Zeitschrift „Die Wahrheit" ist in den Besitz des durch seine publizistische Tätigkeit bekannten Herrn Ludwig Hirschseld übergegangen. -- Das Ungarisch-jüdische Kulturheim hat eine jüdische statistische Zentralkanzleierricktet, deren Aufgabe die Sammlung von genauen und verläßlichen Daten über die Rolle des ungarischen Judentums im Weltkriege, über seine Haltung und seine Leiden während der Kärolyi- und der Bol- .schewistenära bildet. Leiter dieser Kanzlei ist der Oberst Moritz Z ö l d , der sich während des Weltkrieges durch seine besondere Tapferkeit ausgezeichnet hat und mit zahlreichen Dekorationen und Auszeichnungen bedacht wurde. — Mit der „Mauretania" ist in London eine Kommission der „American Hebrew Immigrant Aid Society" eingetroffen, die sich nach Osteuropa zu begeben gedenkt, um die Verwandten der amerikanischen Inden, die sich im Osten befinden, ausfindig zu machen nnd sie nach Amerika herüberzunehmen. Die Kommission gedenkt längere Zeit in Europa zu verweilen. — Aus Petersburg wird der Tod des bekannten jüdischen Gelehrten Michael K n l i s ch e r im Alter von 72 Jahren gemeldet. Kulischer, der aus sozialem Gebiet Hervorragendes geleistet hat, war einer von den Gründern der russisch-jüdischen Zeitung ,,Raßwiet" nnb Herausgeber des „Trud" in Odessa. Er hat sich auch als Autor von zahlreichen Artikeln über jüdische Geschichte lind Jurisprudenz einen Namen gemacht. — In Lodz wurde eine Gesellschaft gegründet mit dem Zwecke, diePerllnutterindustrie in Palästina zu entwickeln. — In Haifa sollen demnächst folgende drei Fabriken eröffnet werden: eine Steinmüihle durch Herrn Kndicmsky, eine Fabrik zur Produzierung von Kalk und Kreide durch Ich in & (£te. und eine dritte Fabrik für Aluminiumgeschirr durch Jeksler & Klumker. - Das Präsidium des Joint Distribution Committee in New-Hork gibt bekannt, daß Tr. Julius G o l d m a n n, welcher beinahe 50 Jahre im jüdischen Wohlfahrtswesen gewirkt hat, zum Leiter des ganzen amerikanischen Hilfswerks des Joint Distribution Committee in Europa mit dem Titel eines Generaldirektors bestellt worden ist. Tr. Goldmann hat seine persönlichen Geschäfte in Amerika liquidiert, um sich ausschließlich dieser Tätigkeit zu widmen. Er ist in der ersten Februar-Woche mit dem Schiss „Mauretania" von Amerika abgereist. . __ Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Uofse.

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