Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1920)
- Date
- 1920-02-13
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Konfessionen vollkommen etttsp rechen. Soda-mr räumte der Vortragende mit dem Märchen von der angeblichen Verjudung der Presse auf, indem er ----- wiederum an Hand konkreter Tatsachen . nachweist, eine wie verschwindend kleine Anzahl von jüdischen Mitarbeitern gerade die von Judengegnern mu meisten verschrienen Zeitungen aufweisen. Zum Schluß nahm der Redner für das deutsche Judentum unbedingt die deutsche Gesinnung in Anspruch, erklärte, daß deutsche Juden mit ganzem Herzen an chrem deutschen Vaterlande hängen imb sich der Mitarbeit am inneren Wiederaufbau Deutschlands nicht cutziehen werden. Und wenn das deutsche Volk das Wort beherzigen würde: „Tu sollst kein falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten", dann werden nicht nur die Inden tu Deutschland, sondern auch die Deutschen in der Welt gerecht beurteilt werden. Dieser wirkungsvollen, mit starkem Beifall aufgenommenen Rede folgte die Anssprache, in der die Redner fast sämtlicher Parteien den Antisemitismns in entschiedenster Form ablehnten. Dlutsch-Oksterreich. Z. Wien, 6. Februar. Der Wiener Altmeister des Violoncellos, Professor Josef Sulz er, begeht am 11. Februar d. I. seinen 70. Geburtstag und zugleich das 5Ojährige Jubiläum seines künstlerischen Wirkens in Wien. Snlzer wurde im jugendlichen Alter von 18 Jahren als Professor an das staatliche Konservatorium in Bukarest berufen, kehrte nach mehrjährigem Wirken in dieser Stellung nach Wien zurück und trat als Violoncellist in den Verband des Opernorchesters, zu dessen Zierden er durch mehrere Jahrzehnte unter den Direktionen Herbeck, Jauner, Jahn und Mahler zählte und war auch Mitglied des unvergeßlichen Meisterquartettes Hellmesberger. Snlzer betätigte sich atich erfolgreich als Komponist von Chorwerken, Liedern und Jnstrnnlentalkompositioneit. Im Laufe seines vieljährigen Wirkens war es Snlzer vergönnt, mit Richard Wagner, Brahms. Verdi. Goldmark, Liszt, Massenet, Saint-Saöns und anderen Meistern in Persönlichen Verkehr zu treten, worüber er in seiner (bei Eisenstein u. Co. erschienenen) biographischen Skizze „Ernstes und Heiteres aus den Erinnerungen eines Wiener Philharmonikers" interessante Einzelheiten berichtet. Gegenwärtig uutmret sich Snlzer in geistiger wie körperlicher Frische hauptsächlich der Virtuosen- und Lehrtätigkeit und «erfreut sich einer allgemeinen Beliebtheit, die denn auch gelegentlich seines demnächst stattfindenden Jnbiläumskvnzertes zutage treten dürfte. Von Kah und Fern. " Am 2. April d. I. feiert die Berlin e r I ü d i s ch e R e - s o r m g e tn e i n d e das Jubiläum ihres 75jährigen Bestehens. — Auf Grund einer Stiftung von Dr. R u d o l f M o s s e ist an der Heidelberger Universität, nach dem soeben erschienenen Jahresbericht, das Institut für geschichtliche Nechtslvissenschast mit einer rvmanistischen Abteilung lPaPhrnsinstitut) und einer den sichrechtlichen Abteilung errichtet worden. — Für den 10. Februar wurde nach London eine Sitzung des zionistischen Großen Aktionskomitees einberufen. Die Beratungen dürsten eine volle Woche in Anspruch nehmen. Gleichzeitig werden auch Beratungen der Jüdischen Kolonialbank und der Anato-Palestine Company stattsindcn. In dem diesjährigen Konzert des B e r e i u s z u r Pflege h e b r ä i s ch e r G e f ä n g e. (Dirigent Kapellmeister K e l l e r m a n n), das am 25. d. M. im Konzertsaat der Hochschule für Musik, Charlottenburg, Fasanenstraße 1, stattfindet, wirken solistisch mit: Frieda Wolf (Deutsches Opernhaus, Charlottenlbnrg), Kammersänger Desider Zado r und Professor Walter F i s.che r,. Das sehr interessante Programm bringt lt. a. Gesänge mit Begleitung dort Harfe, englischem Horn und Trompete. Karten zu 8 bis 2 Mark bei Bote u. Bock sowie Wer th e i m. - Der Prediger Herr Jakob B ä h r in Waldenlnirg begeht am 17. d. M. seinen 60. Geburtstag. Herr Bähr ist einer der hervorragendsten Führer und Vertreter der jüdischen Lehrerschaft itnd durch seine literarischen, jüdisch-wissenschaftlichen und pädagogischen Arbeiten sehr geschätzt. Mögen ihm noch viele arbeitssrohe Jahre beschieden sein. Der Prediger der Synagogengemeinde Oels i. Schles., Herr I. H e l l m a n n, wurde nach Atinden i. Wests, berufen. — In Hambltrg sind hetzerische Flugblätter des antisemitischen Schützutxb Trutzbundes verteilt lvvrden, die den Genehmigungsvermerk des Garnisonältesten tragen. Der Vorstand der Deutschen demokratischen Partei in Hanrburg hat sich deshalb mit einem Einspruch an den Reichswehrminister gewandt. — Der bisherige Prediger der Shnrgogengerneinde Münster i. W., Herr S. Keßler, wurde in Anerkennung seiner Verdienste um die Garnison-, Lazarett- und Kriegsgefangenenseelsorge durch die Verleihung des Eisernen Kreuzes 2. Klasse am lveiß-schwarzeu Bande ausgezeichnet. - Aus .Hannover wird uns geschrieben: Um das dringendste Zukunftsproblem unserer Zeit, die Heranziehung eines kräftigen und sozial wertvollen Geschlechtes, zu fördern, hat die Verwaltung des Israelitischen Simonschen Waisenhauses, das in erster Reihe für Kinder ans Stadt und Provinz Hannover bestimmt ist, sich entschlossen, auch aus anderen Landesteilen Waisenkinder anfzu nehmen und ihnen die Wohltat einer geregeltem, liebevollen Erziehung zuteil werden zu' lassen. Nähere Auskunft erteilt der Vorsitzende Rabbiner- Dr. Freund in Hannover. — Am 19. d. M. feiert Herr Professor Dr. I. H. B o n d i in Frankfurt a. M. seinen 60. Geburtstag. Außerhalb seiner beruflichen Tätigkeit, innerhalb welcher er sich als überaus tüchtiger Pädagoge bewährt hat, hat er sich noch hervorragend wissenschaftlich, und zwar auf dem Gebiete der Aeghptologie sowie dem der hebräischen Sprachwissenschaft betätigt. Auch seine Bestrebungen ans humanitärem Gebiete finden in den weitesten Kreisen unserer Glaubensgenossen die ungeteilteste Anerkennung. Möge cs dem noch jugendsrischen Manne, der eine Zierde der deutschen Jndenheit bildet, vergönnt sein, noch lange Jahre sich einer ungetrübten. Gesundheit zu erfreuen. Die Firma Bar.uch S t r a u ß in Marburg hat der dortigen israelitischen Gemeinde eine Stiftung in Höhe von 30 000 Mark unter dem Namen „Baruch- Josephitte-Stratlß-Stiftuug" überwiesen. Die Zinsen sollen Verwendung finden zur rituellen Beköstigung armer Kranken in den Kliniken, für Wöchnerinnen und auch für minderbemittelte Kinder zum Gebrauch einer Badekur. Ans Zürich wird geschrieben: Die ostaalizische Hilfsaktion der hiesigen Damen Metzer und Rothf e l d in Paris war von Erfolg. Die Alliance Jsraelite Universelle stiftete 200 000 Francs. Der Großrabbiner Levy rief eine Versammlung ein. Des weiteren wurde ein Komitee gebildet, dessen Hauptaufgabe die Adoption par distance ist, d. h. die Verpflichtung, mit einer Jahresspende von mindestens 500 Francs pro Kind für dessen Fortkommen zu sorgen. Begabten Kindern wird die Ausbildung in Paris zugesichert. Die oft jüdische Gemeinde m Paris hat bereits 50 Kinder adoptiert. Der Verband der . jüdischen Invaliden und Heimkehrenden in Wien II, Obere Tonaustraße 83/84, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den jüdischen Invaliden als den ärmsten Opfern des Weltkrieges dauernde Hilfe dadurch zu bringen, daß er sie wieder in produktive Berufe zurückführt und so ihre gefährdete physische und materielle Existenz neu aufrichtet und nrckerstntzt. Zu diesetn Zwecke nimmt er nunmehr die Gründung von Ambulatorien und Tnberkuloseheilstätten, Werkstätten itnd Prodnktivaenossenschaften, Gemeinschaftsküchen usw. in Angriff, um den Invaliden Gesundheit, Brot und Arbeit zu verschaffen. In London lvnrde unter Teilnahme aller Spitzen der jüdischen Gesellschaft die 25jährige Gründungsfeier der Jüdischen historischen Gesellschaft in England gefeiert. Attch eine Reihe prominenter nichtjüdischer Persönlichkeiten, unter ihnen der Lordkanzler, der amerikanische Gesandte und andere, hielt begeisterte Lobreden auf das Judentum. — Die „Times" melden, daß die Palästina bewohnenden muselmanischen nud katholischen Araber in einem Memorandum an den Papst gegen die zionistenfreundliche britische Politik in Palästina rtnd im beson-- deren gegen die Erklärung Balfours, daß Palästina das Land der Inden teilt müsse, Einspruch erhoben haben. - Wie die Londoner Zeitungen melden, bekundet der englische Premier, L.l o yd George, das lebhafteste Interesse süe die Arbeiten in Palästina. Vor kurzem erklärte er, sobald die Friedensverhandlmtgen abgeschlossen sein werden und dringlich? Altgelegenheiten ihn nicht zurückhalten, eine Reise nach Palästina unternehmen zu lvollen, um sich persönlich von dem Fortgang der Wiederbelebnugsarbeiten zu überzeugen. — In einer ihrer letzten Nummern fordert die Warschauer Zeitung „Dwa Grosze" die polnischen ZeitnNgeu ans, sich von den jüdischen Journalisten, die au der polnischen Presse Mitarbeiten, zu befreien. Als vorläufige Maßnahme schlägt das Hetzblatt vor, daß irgendeine öffentliche Jnstitiltion wenigstens eine Liste von Juden, „polltischen" Journalisten, veröffentlichen und die Blätter, au denen sie Mitarbeiten, denen nett soll. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Drück und Verlag von Rudolf Masse.