Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-02-06 · Heft 6 (6.2.1920) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 6 (6.2.1920)
Date
1920-02-06
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3229443-3229449--75533-3288045
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

4 die durch die Palästtnaämtei: tri der letzten Zeit die Einreise nach Palästina ermöglicht wurde und die nach Erez Israel befördert wurden, war die Gesellschaft geradezu eine Notwendigkeit. Den meist vollkommen ortsfremden Volksgenossen wäre die Reise ohne die Transportgesellschaft unmöglich oder nur mit großem Zeit- und Geldverlust und nur unter den größten Schwierigkeiten möglich gewesen. Tie Passagiere wurden meistens in geschlossenen Trans- - Porten, in separaten Waggons bis zur italienischen Grenze beziehungs'lveise bis nach Triest befördert, wo sie von Organen der Gesellschaft erwartet wurden. Auf der Reise durch beigestellte Karabinieri beschützt, geleitet von gesellschaftlichen Transportbegleitern, Verliesen die Transporte trotz der 'gegenwärtigen außerordentlich mißlichen Verhältnisse in größter Ordnung und erntete die Gesellschaft vielen Tank und aufrichtige Anerkennung seitens der Passagiere. Tank dem Uebereinkommen mit Schiffahrtsgesellschaften, Eisenbahnen, Behörden konnten die Reisenden mannigfache Vorteile, lute große Fahrtvergünstigungen, separate Waggons und andere Annchmlichkeiten, genießen. Die zahlreichen, bereits errichteten Vertretungen der Gesellschaft stehen in innigem Kontakt mit den Palästinaümtern. Tie Gesellschaft, deren Hauptsitz gegenwärtig in Wien II, Praterstraße 9, sich befindet, ist auf dem besten Wege, ein großzügiges jüdisches Werk zu schaffen. . . Angsrn. 2. Budapest, im Januar. Aus einem kleinen Städtchen Siebenbürgens kommt uns die folgende Kunde zu, die ein helles Licht auf die Treue unserer jüdischen Mitbürger wirft, mit der sie ihrem Vaterlande gerade in den Zeiten der höchsten Not anhängen. Bei ihrem Einzug in das Städtchen hatten die Rumänen von den dortigen Beamten die Ablegung des Treueides gefordert. Die Beamten vei> weigerten dies, worauf die Rumänen sie alle ihrer Stellungen entbvben und ohne einen Heller« Gehalt oder Entschädigung aufs Pflaster setzten. Ta stellten sich die jüdischen Kaufleute dieses Städtchens zusammen ilnd nahtnen es trotz ihrer eigenen prekären Lage auf sich, den entlassenen ungarischen Beamten von Monat zu Monat die verweigerten Gehälter aus ihren eigenen Mitteln aufzubringen. Wahrlich, ein Beispiel ungarischer Vaterlands- und echter Nächstenliebe, wie es die Antisemiten Ungarns noch niemals bekundet haben. Von Nah und Fern. r= T i c H a uptversa nt tu lung des Verbandes der D e n t s ch e tt Juden, die out. 30.. November v. I. hatte stattfinden sollen, aber wegen der Berkehrsschwierigkeiten verlegt werden mußte, soll nach dem nunmehrigen Beschluß, des Gesamtausschusses des Verbandes am 2. Mai d. I. stattfinden. Die für den ursprünglichen Hauptversammlungstag. erfolgten Benennungen von Abgeordneten der Gemeinden und Organisationen behalten ihre Gültigkeit für.die Hauptversammlung. — Ter Bureau beamte .der Jüdischen Gemeinde zu Berlin | Herr Felix Stern wurde durch die Verleihung des Eisernen Kreuzes I ztveiter Klasse ausgezeichnet. . Ter Jnseraieuteit dieser Nummer enthält eine Anzeige der Israelitischen Taubstummenanstalt ut Berliu-Weißensee, auf die wir unsere Leser besonders aufmerksam machen. — Im Alter von 74 Jahren ist in Eydtkuhnen der Vorstand der Shuagogengemeinde, Herr Leo Glaser, verschieden. Er stand im Ehrendienst der Gemeinde 20 Jahre. — Alts Posen wird uns berichtet: Das Verdienstkreuz für Kriegshilfe ist Frau Fanny Lewin, Inhaberin der Firma Loebel Lewin in Posen, von der preußischen Regierung verliehen worden. — Die Herren Ephraim und Leo.T a n^ ig e r haben ans Anlaß des Todes ihres Sohnes und Bruders, des Herrn Ernst Tanziger, der Armen der Stadt gedacht und 1000 Mark für den Speudensonds dein Stadtpräfidenteu überwiesen. — In Ritschenwalde verschied der Lehrer Samuel Abramowitz im besten Mannesalter. Der Verstorbene hak eine Reihe von Jahren in der dortigen Volksschule segensreich gewirkt und sich die Liebe und Wertschätzung bei den Eltern und ihren Kindern in hohem. Maße erworben. Tie überaus große Beteili-gung bei der Beerdigung gab ein beredtes Zeugnis davon. — Aus Leipzig wird geschrieben : Frau Dr, Henriette G >o>l d , s ch m i d t, die Vorkämpferin der modernen Frauenbewegung, ist am 30. v. Bl. im Alter von 95 Jahren hierselbst gestorben. Frau Tr. Goldschmidt wurde 1325 -in Krotoschin in der Provinz Posen geboren, heiratete 1353 den' Rabbiner Tr. Goldichmidt in Warschau, mit dem sie 4855 nach Leipzig übersiedelte. Hier rief sie mit Luise Otto-Peters und Auguste Schmidt 1865 den Allgenreinen deutschen Frauenverein ins Lebön, darstl 1871 den Verein für Familie und Erziehung in Leipzig und 1872 die erste Hochschule für Kindergärtnerinnen. 1874 erfolgte die Gründung des Lyzeums für Frauen; in diesem arbeitete sie bis 1911, in welchem Jahre die Hochschule für Frauen in Leipzig errichtet wurde. Der Kaufmann Samuel Ho f m an tt, Vorstand «der Israelitischen Kultusgemeinde in Bad Kissingem erhielk^das preußische Verdienstkreuz. — In Bochum starb der Klempnermeister Salnton Simon im Alter von beinahe 78 Jahren. Erst vor sechs Jahren war es ihm vergönnt, Has seltene Fest der goldenen Hochzeit zu begehen. Auch in der jüdischen Gemeinde hat sich Herr Simon erfolgreich betätigt. Ueber dreißig Jahre war er Repräsentant der Synagogengemeinde und viele Jahre aktives Mitglied des Synago-genchoes. Die Bochumer Kleimpnerinnung, -deren Ehrenmeister er war, widmete ihm ehrende Worte der Anerkennung und des Gedenkens. — In der Synagoge zu Flörsheim wurde der Opferkasten seines Inhalts beraubt. Es ist dies ein Zeichen der Zeit, daß den Dieben heute selbst die Gotteshäuser nicht mehr heilig und ehrwürdig genug sind. Glücklicherweise fiel den Dieben weiter nichts in die Hände; scheinbar wurden sie in ihrem Handwerk gestört. — Aus Wien wied uns geschrieben: Mannigfache Momente, sowohl ökonomischer als' -geistiger Art, haben in jüngster Zeit allenthalben zur Erstarkung der Schrebergärtenbewegung im Zilsiammenhange mit stedleri scheu Bestrebungen überhaupt geführt. In solchen Zusammenhängen, denen z.. B. auch in 'München unlängst der „Danielbund" entsprungen ist, soll nun auch m Wien der Versuch gemacht werden, -die Gründung einer jüdischen Schrebergartenkolonie ins Auge zit fasfe.tr. - - Aus- Leinberg wirdgemeldet: Tr. Tobias As chken a s e , Präsident der Advok.atenkanrtn'er und' gewesener Vizepräsident der Stadt, eine der markantesten Persönlichkeiten der Lemberger Judenheit, ist im 56. Lebensjahre verstorben. Er entwickelte als Vorsitzender des JÄdischenRettungskomitees eine ungewöynlich energische Tätigkeit. — Aus eine Eingabe des Volksverbandes der Juden für die Slowakei erließ das Ministerium für Schulwesen einen Erlaß an die Schuldirektionen und Schulleitungen in der Slowakei, wonach die Schüler und Schülerinnen jüdischen Glaubens vom Direktor oder Leiter der Schule vom Schreiben am Samstag und an den jüdischen Feiertagen auf Ansuchen der Eltern befreit werden können. Ter Volksverband der Juden für die Slowakei hat daraufhin eine weitere Eingabe an das Ministerium gerichbt, daß die Leitungen nicht nur ermächtigt, sondern verpflichtet werden sollen, den Wunsch nach Sabbatheiligung zu respektieren. — Aus Ezernowitz wird gemeldet: Die Negierung erlaubte für das Jüdische Gymnasium die Einführung des Hebräischen, verwarf aber den Vorschlag des Jüdischen Nationalrates, jüdische Volkskunde und Lektüre jüdischer Autoren, die jiddisch vorgetragen werden sollen, einzusühren. Seitens des Amerikanisch-Jüdischen Komitees liefen.elf Waggons Kleidungsstücke ein. — Wie „Das jüdische Volk" in Warschau mitteilt, ist der Jüdische Gemeinderat in Moskau von der Regierung aufgelöst worden. Die zionistischen Führer Salkind und Tscherikower sind verhaftet. Es sollen noch manche andere Zionisten verhaftet sein, darunter Mitglieder der Leitung des „Hechaluz". — Wie der Ukrainische Pressedienst meldet, hat das Direktorium der Ukrainischen Volksrepublik zum Chef der diplomatischen Mission der Ukraine in London den Herrn Arnold Margolin ernannt. Herr Margolin ist Mitglied der auf jüdisch-nationalem Programme stchenden Jüdischen Volkspartei. ~~ Wie aus Warschau mitgeteilt wird, hat der Ministerrat die Befreiung der ostgalizischen Internierten beschlossen. Die Befreiten werden in ihre Heimatgemeinden entlassen unb gegebenenfalls dort noch konsiniert. — Die Diener des Altstädt'ischen Tempels in Lodz haben wirtschaftliche Forderungen aufgestellt. Nachdem das Schulkomitee diesen nicht stattgegebenhatte, sind sie^ in den Streik eingetreten. Die ganze Frage soll zum Gegenstände einer Gemeindesitzung gemacht werden. — Der jüdische Märtyrer Mendel B e i l i s (bekanntlich das Opfer des Kiewer Ritualmordprozesses; Beil-is hat seinerzeit eine fünfjährige Gefängnisstrafe irr Rußland verbüßt und begab sich dann nach Palästina), der sich zurzeit in Jaffa befindet, veröffentlicht in den hebräischen Zeitungen von Palästina eine Erklärung, daß er keine Mittel zum Leben besitzt und große Not leidet. — Atls Washington wird gemeldet: In Regiernngskreisen verlautet, daß Präsident Wilson den jüdischen Finanzier Bernhard M. Baruch als Handelsminister statt des ausscheidenden William S. Redfield in Aussicht genommen hat. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz ii^erlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.