Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1920)
- Date
- 1920-01-23
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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4 der übrigen durch die Verheerungen des Bolschewismus in Mitleidenschaft gezogenen Humanitären Anstalten der Gemeinde einzuleiten. Die Opferwilligkeit der Pester Juden schuft versagte auch diesmal nicht: schon in den ersten Tagen hat Herr Leßlauer über 300 000 Kronen aufgebracht"und hegt did Höffnnng, dies ganze erforderliche Summe aufbrivgen zu können. — In Budapest haben sich unter der Führung eines^ Rabbi begeisterte Anhänger des Judentums zusammengetan, - um.Hve Gründung eines Studentenheims für jüdische Gewerbezögsinge zu eryiöglichen. Die Aktion bezweckt, in der .Nach-bargemeinde Kispest die Etwerbung eines Areals von 2000 Quadratklaftern'zur Errichtrmg. . emeD pnt Internat verbundenen Studentenheims und die Erwerbung,, von 8 bis 10 Katastraljöch Boden zur Schaffung einer Praktischer» Schule für Weinbau , und Agrikultur. Das Gewerbestudentenheini , sott drei Hauptgruppen umfassen: 1. Mechanik (Elektrotechnik,! Schlosserei, Uhren- und Juwelierwerkstätte), 2. Tischlerei (Modelltischlerei, Kunstmöbelerzeugung, Holzschnitzerei,- Drechslerei) und v< 3. Bekteidungsgrllppe (Schusterei, Schneiderei, Modeartikel). Die Insassen des Heims sollen auch in den Weinbau und in die Landwirtschaft emgeführt werden. Der Lehrkursus jeder Gruppe wird drei Jahrgänge umfassend en denen neben den streng gewerblichen, höheren technologischen und- Praktischen kommerziellen Doktrinen die ungarische, englische, französische und hebräische Sprache, Musik und Gesang unterrichtet, Talmudstudien und Sport betrieben werden sollen. Die Unternehmer hoffen die Anstalt schon im Frühjahr eröffnen zu können. Von Ksh und Frrn. — Ter verdienstvolle Vorsitzende des Centlralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Gla.ubens, Geheimer Justizrat Dr. Eugen Fuchs, hat auf dringenden ärztlichen Rat dieses Amt niederlegen., müssen. Er wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. - - Das Ber- ' Diner Wohnungsamt hat vorgeschlagen, die große Zahl neuerdings eingewa-nderter polnischer Flüchtlinge in Barackenlagern unter- ■ zubringen, da die derzeitigen Unterkunststätten absolllt nzenschenunwürdig sind. In manchen Straßen Hausen zehn bis zwölf Personen in einem einzigen Raum. — Herrn Sanitätsrat Dr. Fischer in Berlin-Pankow ist die Rote-Kreuz-Medaille verliehen worden. — In Oliva bei Danzig soll eine Apotheke konzessioniert werden. Ter Regierungspräsident erläßt deshalb unter dem Datum des 19. Dezember 1919 eine Bekanntmachung, die zwar anhebt: „Die Konzession wird'nach Maßgabe des Allerhöchsten Erlasses vom 30. Juni 1894 . . . erteilt", aber in der von. den Interessenten als erstes, was ihrem Gesuch beizüfügen ist, gefordert wird: „Lebenslauf m i t . A n g a b e des G lau b e n s b e k e n n t n i s s e §." An dein Herrn Regierungspräsidenten scheint die Revolution spurlos vorübergegangen zu sein. — Herr Albert S iebu r t h, Inhaber der Firma Robert Sieburth Söhne in Posen, spendete für die Synagogengemeinde in Wveschen, seiner Geburtsstadt, zweitausend Mark zur Umzäunung kp-s neuen Friedhofes daselbst. Zu demselben Zwecke stiftete seinerzeit der Kaufmann Hekr Brummer, früher in Gnesen, fünftausend Mark. — Aus Wreschen wird uns geschrieben: In unserer Synagoge wurde eine Gedenktafel für die im Feldzuge gefallenen Krieger ans unserer Gemeinde enthüllt. Die Tafel, die der--Sie inmetzmeister Hermann Weinstock- -aus Posen angesertigt, besteht aus schwarzem Granit, trägt die Namen, mit goldenen Buchstaben. Herr Gemeinderabbiner Dr. M. L ewin hielt dieGedächtnisrede, zu. der sich eine große Anzahl von Gemein dem itgliedern eingesunden hatte. -- An dem von der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich errichteten, aber von Wilhelm II. -aus Korfu verbannten H e i n e - D e N k m a l,, düs im Hofe eines großen Kontorhauses in Hamburg eine Zuflucht gefunden hat, haben va-ndalifche Hasser des heute wieder so lebendig gewordenen toten Dichters ein Bubenstück schlimmster Arti verübt. Sie haben das Standbild besudelt und den Zei-gesinder der rechten Hand von der Figur abgeschlagen. Die Vandalen haben mit ihrer schmählichen Tat nicht das Andenken Heinrich Heines, sondern das Ansehen Deutschlands in der Kultur»oelt geschändet. - - Eine „t r e nde n t s ch e" Sch m a r o tz e r s e e l e. Im Mti-onalisti schon ,,Hammer" steht das folgende Inserat: „Welcher wahrhaft edle Deutsche stiftet -einem elternlosen, in großer Rot befindlichen -treu-' deutsch gesinnten Studiosus der evangelischen Theologie, Vizefeldwebel d. R., vier Jahre im Felde, zur-Fortführung seines Studiums seine Vermögensabgabe ganz oder zum Teil,, die doch nur dem jüdischen Ententegvoßkapital zu-fli-eht? Angebote .unter . . / —- ^'Diie Metziginstudierenden an der Universität Halle a. d. S. beschlosten mit großer Mehrheit 'den Ausschluß aller deutschen Studenten jüdischen Glaubens ans der Mnikerscha-st; der rechtswidrige Beschluß wurde vom Dekan natürlich aufgehoben, bleibt -aber ein Denkmal p der Schande. — Eine eindrucksvolle Feier fand im Jfraelitischen Kinderheim zu Köln anläßlich der Einweihung der neuen Anstallssynagoge am 28. Dezember Das Gotteshaus wurde auf Kosten einer Familie ausgeMvt, die seit Jahren zu den warmherzrgsten Gönnern der AnsMk zählt. Tie Weiherede hielt Herr Geurernd-erabbiner Dr. Rosenthal. — Aul 21. Tewes jährle sich zum fünften Male der Tag, an dem Martin Feist aus Frankfurt a. M.„ der Schöpfer -der Agudas-Jisro-el-J ugendorgani sation, den Tod fürs Vaterland starb. Aus diesem Anlaß fand in der - ■ Aigudas^Jisiroel-Ju-gendgruppe eine Gedenkfeier statt, bei der Rechtsclnwalt Horov » tz die Rede hielt. — Aus Heidelberg wird berichtet: Der „Verein deutscher Studenten irn Kyfshäuse'rverband" wollte seine Ziele am Schwarzen Brett in der Universität veröffentlichen, die u. a. den Satz -enthielten: „und bekämpfen den Einfluß des rastefremden jüdischen Elements." Dieser Satz wurde vom Rektor, Gehei mrat H. Kost-el, nicht genehmigt, »veil er in der „heutigen nervösen Zeit unangebracht sei" und sich durch ihn „,-ein großer Teil des deutschen Volkes beleidi-gt fühlen würde". Die 'antisemitische Presse ist über die neutrale Haltung des Rektors sehr -aufgebracht. — In Straßburg fand unter dem Vorsitz des Präsidenten des Konsistoriums, Herrn- Georges S ch »a o i 1, eine Versammlung, statt, die sich mit der Gründung einer jüdischen Bibliothek befaßte, um s einen Mittelpunkt jüdischen -und religiösen Lebens zu schaffen. — Der gelvesene Kmiltusv-orsteher (!) Leopold Ehr lich in Loschwitz, geboren in Holle schau (Mähren), ist aus dem Judentum ausgetreten. Ehrlich war vor einem halben Jahre zum. Vorsteher gewählt worden, nachdem er alle Hebel in Bewegung setzte, die Acehrheit der Stimmen auf sich zu vereinigen, mußte aber, da er sich gegen einen Beamten 'der ■ Kultnsgemeinde, wie die „Jüdische Volksstimme" berichtet, ungebührlich benahm, nach, kaum dreiwöchiger Amtstätigkeit vom Amte zurlrcktreten. Um sein Mütchen zu kühlen, hat. er nun seinen Austritt aus der jüdischen 'Religionsgemeinschaft a,ngemeldet. Jeder Kommentar ist überflüssig. — Aus Wien »vird geschrieben: Emer der bekanntesten ungarischen Aerzte, dessen Ruf als hervorragender Gelehrter und edler Mensch weit über die Grenzen seines Vaterlandes .gedrungen ist, der Stadtarzt Dr. Isidor Menczer ans Groß^Beezk-erA ist inr Alter von 69 Jahren am 12-. v. M>. in einer hiest^p Klinik einem schweren Leiden erlegen. Ein zahlreicher Freundbßkreis, unzählige derer, denen er mit Hilfe und Trost zur Seite gestanden hat, beklagen den Verlust eines edelmütigen Freundes upd Beraters. An seiner Bahre trauert ei-ye Witwe, die in langjähriges inniger Gemeinschaft ihm zur Seite stand. Besonders in- Groß- Beczkerek., »vo der Verblichene vierzig Jahre als Stadtärzt segensreich tätig war, »mrd sein Hinscheiden schmerzlich empfunden »verden. Ter Verstorbene ist nach seiner Heimat übergeführt', und Hort bestattet »vorden. — Aus Budapest wird berichtet, daß die OMveisung. unH Internierung der galizischen Juden in Ungarn begonnen hat. Dom Josefstädter Bahnhof aus wurde der erste Zug mit un.gesähr sieben-' hundert Ausgewiesenen abg-elassen. Der Zug nahm die Richtung Kaschau. — Der Spanisch-jüdische Verband in Tetuan hat die Ein* setzung eines Zentralausschustes in Madrid als Vertretung aller spanisch'-jüdischen' Vereine Marokkos beschlossen, um eine immer engere Annäherung zwischen Spaniern und Juden 'in Marokko, r»nd hauptsächlich in dem. unter spanischem Protektora-t stehenden Landstrich zu erzielen. Präsident ist Dr. Angelo Pulido (Madrid), als Ehrenpräsident wurde König Alfons bezeichnet. — Die Juden werden seit eilniger Zeit in Ha-madan schwer verfolgt. Laut -der neuen persischen Konstitution venoei-gern die Perser den Inden die Gleichberechtigung. Auf Beschwerde des Board of Deputies (Bund -der jüdischen Gemeinden in England) hat Lord Eurzon dem britischen Vertreter in Persien den Anstrag erteilt, Ungerechtigkeiten gegen die Jldden zu verhindern. $ Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.