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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-01-23 · Heft 4 (23.1.1920) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 4 (23.1.1920)
Date
1920-01-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Anhalt* System und Weltstellung des Judentums. Von Dr, Arnr-and Kaminka. — Die Woche. — Dr. Simon Bernfeld. — Ben'edetto Marcello und die nltjüdischen Melodien. Von , Musikdirektor A r v n > F r i-e d in a n n (Berlin)/ >— Die Einwirkung! des „Schwarzen Todes" <-^s 't>ie sächsisch-thüringischen Juden. Von Rabbiner' Dr. S i e g b e r t N e \yte l d in Briefen ^(M-estpr.). — F e u i 11 c t o n : , Benjamins Liebeslied.% Roman von S a lini c l 9)1 e i s e l s. — L e s e'-- fruchte. — Literarische Mitteilunge n. Berichtigung. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Leitung des Judentums"): Berlin, Memel, Breslau, Eleiwitz, Dessau, Köln, Qffenbach, Budapest. — Von Nah und Fern. System und Mrltltkllung des Judentums. Bon Dr. A r m n n d K n m i n f a. II. Das Judentum als philosophisches und soziologisches System. ie Tatsache, daß eine Gemeinschaft durch Jahrtausende sich erhalten hat. enthält keinen zwingenden Beweisfür den sicheren weiteren Bestand derselben, solange nicht ein der Tatsache zugrunde liegendes logisches System nachgewiesen werden kann, das die Notwendigkeit der gleichen weiteren Entwicklung bedingt. In erbaulichen Betrachtungen kann man mit Hilfe biblischer Zitate den Glauben an die Unverwüstlichkeit eines Volkes befestigen, welches bereits durch so viele Generationen allen Verfolgungen getrotzt hat. Die geschichtliche Erfahrung lehrt aber in Wirklichkeit nur, was bis jetzt gewesen ist, und gibt an. sich keine Bürgschaft dafür, daß es nicht in einer anderen Weltlage anders werden könnte. Welcher Gedanke von unbegrenzter Geltung Mt speziell dem Judentum die Kraft, sich für die Dauer der Zeiten zu erhalten? Seit seinem Auftreten in der Ürjeit erschien es äks ' ein Mächtiges Bestreben, die Wahnvorstellungen derheidnischen Völker zu zerstören und unter den Menschen eine Erkenntnis zu verbreiten, durch welche der innere Zusammenhang aller Dinge der Welt als einheitlicher Schöpfung uni) gleichzeitig der Urheber dieser Schöpfung als Begründer des Moralgesetzes für die Menschen, der absoluten Gerechtigkeit und Wahrheit, erfaßt wird. Nach H ö f f d i n g liegt die Wurzel der Religion in dem Satze bon der Erhaltung des Wertes, der eine gewisse Analogie zu dem Satze von! der Erhaltung der Energie ln der Naturwissenschaft bildet. Diese Erhaltung des Wertes, der Glaube an ein durch alle Zeiten festes, moralisches Band („Er bleibt eingedenk der Frömmigkeit der Väter nnd bringt Erlösung den Kindes-. lindern") ist im jüdischen Monotheismus mit der Ueberzeugung von der absoluten Einheit aller Kräfte der Natur und von der plgnmäßigen Entwicklung der Schicksale der Menschen urtb Völker verbünden. Was der Erhaltung würdig ist, wird mit Sicherheit erhalten.bleiben, und das Güte wird ganz auch den chm gebührenden Rang -in der Welt erlangen. Der jüdische Monotheismus bedeutet nicht bloß ein objektives einheitliches Weltbild, sondern zugleich einen im Aufträge des Urhebers aller Dinge tätigen, entschiedenen und feines Zieles unerschütterlich sicheren Lebenswillen; er hat zugleich mit dem metaphysischen einen moralischen und soziologischen SinN. Die „Einheit" (deren tiefer.Gedanke einen Mann wie Rabbi Akiba so mächtig ergriff, daß er ihm den grausamen Martertod erträglich machte) etstreckt.sich auf Raum und Zeit, Ursache und Folge aller Dinge. Sie-gibt jeder Intelligenz — die ja nur ein Funke des schaffenden Universalgeistes ist — notwendigerweise eine S e n düng lind verbindet mit der Sendung die freudige Gewißheit des zu erreichenden Zieles („Wie der Regen nicht an seine-Ausgangsstelle zurückkehrt, sondern die Erde sättigt And fruchtbar macht, so wird mein Wort nicht leer zurückkehren, sondern meinen Willen vollbringen und Erfolg haben" Jesaja 55, 10, 11). Wäre die Sendung nicht, so würde die Einheit nicht Schöpfer und Kreatur umfassen. Wäre die absolute Sicherheit des Erfolges nicht, so bedeutete dies einen Bruch der moralischen Einheit. Der „Fels aller Welten" erschiene dann nicht als derjenige, der „recht behält für alle Zeiten". - Der Optimismus, der im Wesen dieses Einheitsgedankens liegt, bedeutet üicht nur, daß, alles in der gleichmäßig nach festen Gesetzen tätigen Natur wie in den ersten Schöpfungstagen als sehr gut befunden wird, sondern daß selbst unter den innerhalb gewisser Grenzennach eigenem Willen ihr Leben gestaltenden M e n s ch e n.; trotz der physischen Leiden und der so viel Elend und Verbrechen hervorrufenden antisozialen Instinkte, alles ganz) sich er aus dem Wege zum Guten ist; mäg das Ziel auch erst „am Ende der Tage" zu erreichen sein. Alles Unheil unter den Menschen ist, wie Maimonides es ausdrückt,- nur eine notwendige Folge des Fehlens der-richtigen Erkenntnis; durch das Erfassen der Wahrheit müssen Haß und Streit unter den Menschen und die gegenseitige^ Schädigung Mhören (More 3, 11). Der Gedanke hat eine ganz allgemeine formale Bedeutung und kann daher ebenso wie die mathematischen Wahrheiten seine Geltung niemals verlieren. Was jemals von der wissenschaftlichen Forschung durch Aufklärung von Einzelheiten zum Inhalte der Gesamterkenntnis beigetragen werden wird, kann unmöglich den Geist von "seiner Tendenz ablenken, sich an das Ewige anzulohnen und dadurch einen unerschütterlichen Lebenswillen zu erhalten. Wo diese Ablenkung geschieht und dieser Wiste erlischt, vollzieht sich dejc Abfall von der Erkenntnis des Ewigtzn -nüd' damit automatisch auch der Untergang. Die Unkenntnis dieser höchsten Wahrheit' hat die vorübergehend ist kstvWeltgeschichte mit großer Macht hervorgeireteiien NativTstn'^H^ durch kriegerische Taten ihren Ruhm suchten undMwist ' und Gehässigkeit unter den Menschen 84. Jahrgang W. 4 Berlin, 23. Januar 1320 Ein unMvteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint. wöchentlich. AbonnementS'Preisr durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. —^Postscheckkonto 324. Begründet von Ra bbin e r Pr. Lu d w! g Pbilippfon Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle; Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: vertag der „Allgenu Zeitung des. Judentums", Berlin SW> Jerusalemer Straße 46-49, zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. .zweifellos nicht nur vor dem Untergange geschützt, sein, sondern

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