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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-12-26 · Heft 52 (26.12.1919) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 52 (26.12.1919)
Date
1919-12-26
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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83. Jahrgang. Nr. 52 Berlin, 26. Dezember 1919 Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements.Preis: durch den Buch. Handel oder die Post (in Berlin und vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. — Postscheckkonto Z2<k. Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Interesse Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adreffe: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße H6-H9, zu richten. Verlag von Rudolf Rlosse, Berlin. Festrede 3um 25jährigen Jubiläum der „Karlsbad" IJJIIJUll« xt. O. B. B., gehalten in der am 7 September 1919 stattgefunbenen Festsitzung vom Präsidenten Rabbiner Dr. I. Z i e g l e r. — Die Woche. — Htobiaden aus Rumänien. Von Elias Nacht (Berlin). — Dr. Heinrich Breit. — Bericht über den 23. ordentlichen Gemeindetag des Verbandes der Shnagvgengemeinden Westfalens im Israelitischen Kinderheim zu Sassendorf am 19. Oktober 1919. — Zinn 100. Geburtstage von Th. Fontane. Don W a l l h H a m bürg e r. — Die Juden in der Provinz Rheinhessen von 1816 bis 1916. Von Rothschild (Worms a. Rh.). — Feuil l e t v n : Benjamins Liebeslied. Roman von Sam n r l M e i s e 1 s. — B ü ch ereinlauf. — S p r e ch s a a l. Der Gemeindedote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"): Berlin, Posen, Rogasen, Breslau, Leipzig, Magdeburg, Hattingen (Ruhr), Spangenberg, Frankfurt a. Ai., Budapest. —- V v n N a h und F e r n. FrltreÄk'^ zum 25 jährigen Jubiläum der ,Karlsbad" U. O. 8. 8., gehalten in der am 7. September 1919 stattgefundenen Festsitzung vom Präsidenten Rabbiner Dr. j. Ziegler. Behr würdiger Großpräsident, würdiger Vertreter des sehr würdigen Exekutivkomitees, der sehr würdigen Großloge des VIII. Distriktes U. O. B. B., würdige Erpräsidenten und Präsidenten, liebe Brüder! Am 4. Juni d. I. sind es 25 Jahre geworden, daß unsere „Karlsbad" als fünfte Loge im X. Distrikt des U. O. B. B. gegründet wurde. Und wie es in unserer Zeit allgemein üblich ist, begehen wir in feierlicher Weise den Abschluß dieses ersten Vierteljahrhunderts unseres Bestandes und unserer Tätigkeit. Jedoch wir Bne Brith sollen, ich darf es wohl fordern, weder etwas tun noch etwas unterlassen, nur weil es so üblich ist. Die Feier unseres Stistungstages wäre eitle Zeitvergeudung, sinn- und wertlos, wollten wir uns nicht in dieser Stunde vor allem mit jenen zwei Fragen beschäftigen, die sich jede ernste Institution an der Wende eines solchen Zeitraumes zu stellen hat: mit der Frage nach dem Gründungszwecke unserer Loge und damit, wie sie diesem Zwecke gerecht geworden ist. Beide Fragen können befriedigend beantwortet werden, wenn wir uns über den Zweck des Gesamtverbandes klar sind. Was wollte eigentlich du Bne-Brith-Organisation, als sie, vor 77 Jahren in Amerika gegründet, vor nahe vier Jahrzehnten auf deutschem Boden Wurzel gefaßt hat und von deutschen Juden dann nach Oesterreich verpflanzt wurde? Meine lieben Brüder! Jedes geschichtliche Ereignis hat neben seinem äußeren auch einen inneren Impuls, wird nicht allein von Ursachen gezeitigt, die dem oberflächlichen Blick *) Im Anschluß an den in der „Wochenschau" der vorletzten Nummer aus den „M. N. N." reproduzierten Artikel von Franz Karl Endrcs: „Antisemitismus und Kultur" veröffentlichen wir diese in einem geschlossenen jüdischen Krei-se am 7. September 1919 gehaltene Rede. Sie beweist jedem ehrlich Denkenden aufs neue, wie tatsächlich auch im Judentum von den führenden Männern gegen den Materialismus gekämpft wird und wie namentlich die Logen des U. O. B. B. in diesen. Kampf um den altjüdischen Idealismus eintreten. Die Redaktion. sich zeigen, sondern zugleich von tief im Unterbewußtsein schlummernden Motoren in Bewegung gesetzt. Unser Orden ist ein geschichtliches Ereignis in der Entwicklung des jüdischen Kulturlebens in Amerika und Westeuropa. Lassen Sie mich Ihnen den inneren Motor für das Entstehen des U. O. B. B. enthüllen; lassen Sie mich ihn herausholen aus dem Unterbewußtsein des jüdischen Geistes: dem Gewissen unseres Volkes. Meine lieben Brüder! Es wird seit langem ein Unterschied gemacht zwischen dem Geist des Morgenlandes und dem des Abendlandes. Mit gutem Recht. Nur daß wir richtiger statt „Abendland" „Antike" sagen sollten, worunter der griechische und römische Geist zu verstehen ist. Der übrige Teil des Abendlandes ist kulturell ein Gemisch von morgenländischem und antikem Geist. Ich möchte die Verschiedenheit der beiden Geistesrichtungen grundlegend dahin zusammenfaßen, daß ich') sage: das Leitmotiv der Antike ist das Diesseits, das des Morgenlandes das Jenseits. Das heißt: die antike Welt hat zum Gegenstand ihres Denkens und Sinnens den Menschen: sein Wohl, sein Glück, seine Behaglichkeit; die Schönheit, die Lebensfreude, die Kunst; Besitz, Erwerb und Macht; daher alles, was unter der Sonne damit zusammenhängt, also das Diesseits. Der morgenländische Geist kümmert sich um all das fast gar nicht. Er schwelgt in seinen Phantasien über Gott; die überirdische Welt ist sein Trost, seine Hoffnung, die Lust und Schwärmerei seiner Seele; unser Planet nur der ungeliebte Vorhof für die große, herrliche, unbeschreiblich erhabene Welt der Gottheit: das Jenseits. Aus diesen so ungleichen Motiven ergibt sich etwas überaus Wichtiges. Der Antike ist das Individuum alles, Um und Aus allen Bemühens unb Arbeitens; sie ist der Schöpfer des Individualismus. Das Morgenland, das nicht das Individuum, sondern die Gottheit in den Mittelpunkt stellt, die Gottheit mit dem in ihr eingeschlossenen Weltganzen, ist der Schöpfer des Allheitsgedankens. Der Individualismus wieder gabelt sich in Jndividual-Jdealismus: die Pflichten des Menschen, die sein Wohl fördern, und Jndividual-Materialismus: die Rechte des Menschen auf das ihm Nützliche und Angenehme. Der Allheitsgedanke führt hingegen konsequenterweise zum Dienst am Nächsten, gnn Altruismus. Diese Unterscheidung zwischen morgenländischem und antikem Geist, wie ich sie Ihnen soeben dargelegt habe, ist jedoch keineswegs als eine Mauer vorstellbar, über die es kein Hinüber und Herüber gegeben hätte. Der Verkehr zwischen Griechenland und dem Orient war zu allen Zeiten ein äußerst reger: den neugierigen und wissensdurstigen Griechen finden ' wir in Aegypten, in Persien, in Babylon und Indien, zu Füßen der Weisen und Gelehrten dieser Länder. Die griechische Philosophie, dieses kostbarste Geschenk Griechenlands an die Menschheit, ist in ihren klassischesten Vertretern vielfach 2) mit Pawel Kopal.

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