Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1919)
- Date
- 1919-12-19
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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I j! sich 40 Kinder melden; für mehrklassige oder höhere Schulen muß eine Frequenz, wie sie durchschnittlich in den polnischen Sch,ulen ähnlichen Typus vorliegt, gesichert werden. Zweisprachige Schulen sollen nicht geduldet werden. Bezeichnend ist, daß die P. P. S. durch verschiedene Verklausulierungen hinwiesen, daß obige liberalen Grundsätze keineswegs auch für die Juden Anwendung finden sollen. Von Kah und Fern. Das „Deuts che Wochenblatt", das nach 50tägigem Zensurverbot wieder kürzlich freigegeben wurde, scheint den Antisemiten als „geistige" Waffe ihrer Bewegung denn doch nicht zu genügeil. Seit einigen Wochen wird in Berlin eine neue antisemitische Wochenschrift ausgerufen, „Der Völkische Beobachter", der offenbar den gleichen Inhalt hat und nach dem gleichen System vertrieben wird, wie das „Deutsche Wochenblatt" des Herrn Knüppel- Kunze. Zu den Käufern dieses Machwerks gehören immer noch viele Juden, die mit ihren Groschen den Kampffonds der Antisemiten stärken. Tie Antisemiten tun uns unrecht, indem sie die jüdische Intelligenz so sehr überschätzen: auch bei uns werden die Dummen nicht alle. — Das Jubiläum des 50jährigen Bestehens der Religionssä-ule der A da ß - I i s r o e l - Gem e i n d e soll feierlich begangen werden. Ein Festgottesdienst in der Gemeindesynagoge in der Artilleriestraße, bei dem Rabbiner Tr. ÜJJt u n k die Festpredigt halten wird, leitet die Feier ein, welche in der Aula des Sophien-Lyzeums stattsinden wird. In der folgenden Woche wird ein Festkommers die ehemaligen Schüler und Lehrer vereinigen. — Am 9. d. M. ist Geheimer Sanitätsrat Tr. Jakob Eg er im 70. Lebensjahre gestorben. Frau Regina M ü l l e r , Witw. des Dozenten an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums Dr. Joel Müller, ist hochbetagt am 12. d. M. verschieden. — In Schildberg (Posen) starb im Alter von <17 Jahren Frau Helene Schwarz geb. Bergmann, die als Vorsitzende des Jüdischen Frauenvereins sich außerordentlich verdient gemacht hat. - - Das „Stralsundor Tageblatt" ist dieser Tage von dem Ponnnerschen Landbunde des Kreises Franzburg angekauft worden, um in der Form einer G. m. b. H., wie verlautet, zu einem agrarisch-antisemitischen Parteiblatt schärfster Richtung umgostaltet zu werden. Der Kaufpreis beträgt 260 000 Mark. Man sieht, die Herren können sich die Propaganda des Bürgerkrieges etwas kosten lassen.— Im Israelitischen Waisenhaus zu Köln - Braunsseld fand die Gedächtnisfeier für den verstorbenen Gründer der Anstalt, den Rabbiner Dr. Frank, sowie für die Wohltäter und Stifter des Hauses statt. Herr Rabbiner Dr. Kober hielt die Gedächtnisrede. Die Gedächtnisfeier ist als dauernde Institution vom Kuratorium beschlossen worden. — Alls Gießen wird uns berichtet: Die hiesige Medizrner - s ch a f t, welche dengrößten Teil der Studenten der medizinischen Fakultät an der hiesigen Universität umfaßt, hat beschlossen, alle A n g e h ö r i g e n der s e m i t i s ch e n R a s s e aus der G i e ß e n e r M e d i z i n e r s ch a f t u u s z u s ch l i e ß e n. Diese Resolution ist eine Folge der skrupellosen antisemitischen Hetze unter den Studenten, die vor etwa einem halben Jahre hier eingesetzt hat. Bereits im Oktober wurden in einem medizinischen Universitätsinstitut antisemitische Hetzblätter verteilt, gegen deren Verbreiter ein Verfahren eingeleitet wurde. - Herr Salomon Epstein in Frankfurt a. M., seit mehr als 30 Jahren der Vorsitzende der Maklerkammer, beging den 70. Geburtstag. - Im badischen Verfassungsausschuß teilte der Minister des Kultus und Unterrichts mit, daß demnächst dem Landtag ein Gesetzentwurf zugehen werde, durch bm auch die kirchlichen Wahlen der Israeliten neu geregelt werden, soweit nach den Bestimmungen der neuen Verfassung eine Aenderung der Kirchensteuergesetze notwendig ist. — Die in Chicago lebenden Kinder der Witwe Frau Stefanie W e i l l e r geb. Tillmann, ehemals in Bad Dürkheim wohnhaft, Haben zu Ehren des 75. Geburtstages ihrer genannten Mutter der israelitischen Kultusgemeinde in Dürkheim den Betrag von 5000 Mark zu wohltätigen Zwecken überwiesen. — Herr Kirchenvorsteher Jsak Sänger in OberdorstBopfingen feierte an seinem 70. Geburtstage zugleich sein 25jähriges Amtsjubiläum als Vorsteher. Das Kirchvorsteheramt brachte ihm zu dieser Doppelseier seinen Glückwunsch dar und überreichte ihm ein sinniges Geschenk. Auch die Oberkirchenbehörde ließ durch das Rabbinat dem Jubilar ihren Glücknnmsch und die Allerkennung seines verdienstvollen Wirkens anssprecheil. — Aus Zürich wird geschrieben: Im Aufträge und namens der jüdischen Sektion des Landeszentralkomrtees für Kriegswaifett- I fürsorge in Ostgalizien haben sich — den 18. November d. I. — Frau I Staatsbahnrätin Rosa P o l m e r a n z - M e l z e r und Frau Dr. Flora I Lan d a u - Rothfeld aus Lemberg ins Ausland begeben, um eine » Aktion zugunsten der jüdischen Kriegswaisen Ostgaliziens durchzuführen. > Auf ihrer Reise nach England und Amerika sind die Damen am I 3. d. M. in Zürich eingetroffen. Sie beabsichtigen, auf ihrer Tournee I die größten Städte der Schweiz zu besuchen und in Vorträgen der > jüdischer Musik von den ältesten. Zeiten bis zur Gegenwart, und ein I statten. — In Men wurde eine Gesellschaft zur Erfor- I schung und Förderung jüdischer Musik ins Leben ge- I rufen. Die neue Gesellschaft verfolgt ein rein wissenschaftliches Ziel, I das der musikhistorischen Erforschung der vorliegenden Dokumente I jüdischer Musik von den -ci-rteften Zeiten bis zur Gegenwart, und ein I kulturelles, die Förderung lebender Künstler, die schaffend oder aus- I übend mit der Pflege jüdischer Musik beschäftigt sind, sowie von Kor- I porationen mit gleichen Zielen. — Aus Budapest meldet die „Freie I Presse": Kriegsminister Friedrich hielt im Klub der Christlich-Natio- > nalen Vereinigung eine Rede, in der er u. a. sagte: Der Bolschewismus I erhebt in Ungarn wieder sein Haupt, und man fordert von uns die I Auslösung der Jnterniertenlager. Wir werden aber im Gegenteil die I Internierungen fortsetzen. Am 8. Dezember beginnt der Abschub der I Galizianer. Ich kann nicht dulden, daß meine ungarischen Brüder I hungern, während die fremden Elemente prassen. Wir werden I die Juden nach bem Internierungslager Hajmasker bringen. Am I Montag beginnt der große Tanz. Was ich als Ministerpräsident und I Kriegsminister nicht erreicht habe, werde ich als Parteiführer erreichen. I . .. Der ungarische Kultusminister Stefan Haller und Ackerbaumini- I ster R u b i n e k äußerten sich für die Einführung der Prozentnorm an I den Universitäten, damit das jüdische Element vermindert werde. I Rubinek sagte ferner, es müsse dafür gesorgt werden, daß die Presse I christlich und national sei. — In der neuen französischen Kammer sitzen I zwölf jüdische Deputierte, darunter Baron Maurice d e Roth- I schil d, der Sohn des Barons Edmund Rothschild. Damit wird zürn I ersten Male ein Mitglied der Famikie Rothschild Abgeordneter in I Frankreich. — Wie gerüchtweise verlautet, steht die Wiederausnähme der I Beziehungen zwischen Frankreich und dem Vatikan unmittelbar bevor. I Es gehört zu den pikantesten Scherzen der Weltgeschichte, daß der erste I Kandidat, der für die Besetzung des französischen Botschasterpostens an:! Vatikan genannt wird, ein Jude ist. Es handelt sich um den ehemaligen. I Deputierten La za re, der stets energisch für freundschaftliche Be- I Ziehungen zwischen Frankreich und dem Heiligen Strchl eingetreten ist. I — Der bekannte Philanthrop Jakob Mose r in Bradford feierte seinen I achtzigsten Geburtstag. Moser stammt aus Kappeln in Schleswig- Holstein und hat sich durch große Schenkungen für soziale und palästinensische Zwecke einen Namen gemacht. — Das polnische Unterrichtsministerium hat beschlossen, daß in den staatlichen Mittelschulen jüdische Schüler nicht verpflichtet sein werden, am Samstag zu > schreiben. Was die privaten Mittelschulen anbelangt, haben die! einzelnen Direktoren, denen das Ministerium keine Beschlüsse aufzwingen kann, die ihnen opportun scheinenden Bestimmungen zu I treffen. Nach Erledigung der entsprechenden Formalitäten wird das I Ministerium den einzelnen Schulverwaltungen in einem Erlasse von erwähnter Begünstigung Mitteilung machen. Die gänzliche Befreiung der. jüdischen Schüler vom Schulbesuch am Samstag > wurde vom Ministerium abgelehnt. — Aus Teheran wird berichtet: Seit kurzer Zeit haben wir unter Epidemien, die infolge der großen Hungersnot im Lande über uns hereinbrachen, furchtbar gelitten. Von der im ganzen 7000 Seelen zählenden jüdischen Bevölkerung Teherans sind im Verlaufe von zwei Monaten mehr als 1000 an Hunger und Krankheiten gestorben. Taut der Hilfstätigkeit der amerikanischen Juden konnte die arme jüdische Bevölkerung später, wenn auch mit Not und Mühe, ihr Leben fristen. Nach und nach begannen die Hungersnot und die Krankheiten zu verschwinden. — Die nichtj jüdische „New Jork Sun" veröffentlicht einen warmen Appell zuj gunsten der leidenden Inden der verschiedenen Länder, in dem zum Schluffe alle, ohne' Unterschied der Konfession, ausgesordert werden, durch Spenden das Joint Distribution Committee zu unterstützen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse. s <