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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-12-05 · Heft 49 (5.12.1919) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 49 (5.12.1919)
Date
1919-12-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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83. Jahrgang. Nr. 49 Berlin, 5. Dezember 1919 Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 DT.. — Postscheckkonto 324* Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Pbilippfon Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung sses Judentums*, Berlin SW, Jerusalemer Straße 46-49, zu richten. Verlag von Rudolf rnosse Berlin. ITttft£*14*+ Die Mdische Wanderung als wissenschaftliches Problem. Vorn» I)r. .für. 6t pbil. E r i ch> M a r x. — Die W'0 ch e. — Eine internationale jüdische Franenunwn. Von Fanny C o h n - Netzier. — Das „Friedrich-Luisen-Hochiz" in Bad Dürrheim. Ein Reisebild von Oberkantor Hermann Zivi (Elberfeld). — Die Inden im Kreise Flatvw. Don. P a u l Mvckiles. — Der Altmeister der Wissenschaft des Judentums. Von Leon Schernhaus (Memel). — F e u i l l e t du: Benjamins Liebeslied. Roman von S a m u e l M e i s e l s. — Sit erarische Mitteilungen. — S p r echsa a l. Der (Hemei «devote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"): Berlin, Thorn, Forst (Lausitz), Neustettin, Hamburg. Chemnitz. Nürnberg, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Budapest. — Von Nah und F er n. Die Milche Wanderung als willenlchastliches Oroblrm. Von vr. jur. et. phil. Erich Marx, us dem Weltkriege gehen säst alle Völker als Besiegte hervor. Auch jene, die sich in den Schein des Siegers hüllen. Vielleicht nur die Vereinigten Staaten von Amerika haben ihn unversehrt überstanden, und auch von ihnen weiß man noch nicht, welch tiefgehende soziale Wirkungen er auslösen wird. Von all den Stämmen aber, die durch den Krieg gelitten haben, ist keiner tiefer in den Staub geworfen worden als die Inden. Welche Leiden den Juden Osteuropas der Krieg mit seinen Folgeerscheinungen gebracht hat, davon haben die wenigsten schon eine klare Vorstellung. Dr. Paul Nathan hat kürzlich im „Berliner Tageblatt" ein ungefähres Bild davon gegeben, was sich in Osteuropa abgespielt hat und noch abspielt. Die Zahl der ermordeten Juden geht in die Zehntausende; von 40 000 Toten allein in der Ukraine berichtet sogar der gar nicht judenfreundliche „Matin". Millionen aber, die vor dem Kriege ein kärgliches Dasein fristeten, sind völlig um ihre Existenz gekommen lind vegetieren unter Umständen, unter denen man normalerweise menschliches Leben für unmöglich hält. Damit ist die ewige jüdische Wanderungssrage wieder in ein ganz -besonderes akutes Stadium getreten. Die jüdische Wanderung ist so alt wie der jüdische Stamm. Solange es Juden gibt, sind sie über die Erde gezogen, von Land zu Land, und diese Tatsache hat aus die Menschheit einen solch erschütternden Eindruck gemacht, daß das Symbol vom ewig wandernden Juden erstanden ist. Auch die letzten Jahrzehnte vor dem Kriege haben riesenhafte Judenwanderungen gesehen: Millionenauszüge aus dem Osten nach überseeischen Ländern; kleinere Wanderungen, weniger bemerkt, in aller Welt. Zahlreich sind die Organisationen und Vereine, die entstanden sind, um sich des jüdischen Wanderers anzunehmen, und zahllos sind die Akte der praktischen Fürsorgetätig'ke'it, die dem jüdischen Wanderer zugute gekommen sind.' Und ganz langsam und schüchtern begann sich eine Wissenschaft zu regen, die erkannte, daß das Problem der jüdischen Wanderung systematisch erforscht und behandelt werden müsse. Ganz schüchtern; außer dem einzigen Kaplun-Kogan, der in hervorragender Weise sich dieses Problems annahm, und einigen Studien der „Jca" hat die systematische Behandlung der jüdischen Wanderungsfrage,, in Westeuropa wenigstens, nicht viele Erfolge aufznweisen. Das kann und darf nicht so weiter gehen. Aufgabe der jüdischen Intellektuellen in aller Welt, in allen Zentren jüdischen Lebens, ist es, sich zusammenzuschließen und an eine ständige, systematische, wissenschaftliche Behandlung der jüdischen Wanderungssrage heranzutreten. Es ist notwendig, daß diese Gruppen in den verschiedenen Ländern alsdann zusammentreten zum Zwecke eines ständigen Gedankenaustausches ihrer Eindrücke und Forschungen. Dies war der Grundgedanke, der eine Reihe älterer und jüngerer deutschen und jüdischen Intellektuellen führte, als sie zu einem Berliner Komitee zusammentraten, das die Gründung einer deutschen Stndiengesellschaft zum Zwecke ständiger Beschäftigung mit der jüdischen Wanderungssrage vorbereiten sollte. Die Bemühungen dieses Komitees haben zum Erfolge geführt, und es ist in Berlin die „Jüdische Emigrationsorganisation" entstanden. Ihr Zweck ist nach den bisherigen Ausführungen klar. Sie ist nicht etwa gegründet worden, wie irrtümlichangenommen wurde, um in derselben Weise wie die alteren Organisationen praktische Hilsstätigkeit ansznüben, sondern sie stellt eine Studiengesellschast dar, die sich sortlanfend mit den Grundlagen und Erscheinungen der gesamten jüdischen' Wanderungssrage befassen unb die praktische Fürsorgetätigkeit der anderen Organisationen durch die Schaffung systematischer und wissenschaftlicher Grundlagen unterstützen will. Ihre Aufgabe ist ausschließlich die ideelle und prinzipielle Behandlung der Wanderfrage. Ihr Ziel will sie -vornehmlich erreichen durch fortlaufende Herausgabe geeigneter Publikationen, so eines Mitteilungsblattes „Die jüdische Wanderung" und einer Schristensolge, die sich in gründlicher Weise mit allen Fragen der jüdischen Wanderung besaßt, einer „Emigrationsbücherei". Demnach erfüllt sie eine Aufgabe, die bisher in Deutschland von den verschiedenen Organisationen noch nicht erfüllt worden ist. Für den wissenschaftlichen Charakter der Organisation bürgt der Name ihres 1. Vorsitzenden, Professor Dr. Sil'bergleit, des Direktors des Statistischen Amtes der Stadt Berlin. Stellvertretender Vorsitzender ist Professor Dr. Kalischer. Eine große Anzahl anderer prominenter Persönlichkeiten und jüngerer, wissenschaftlich interessierter Herren hat sich der Organisation angeschlossen, die entschlossen ist, ihre Daseinsberechtigung vornehmlich durch ihre Leistungen zu erweisen. „Die jüdische Wanderung", .deren Zweck es ist, Ideen auf dem Gebiete der Wanderungsfrage den Weg zu öffnen und möglichst gründliches Material aus den Zentren der jüdischen Aus- und Einwanderung der Oessentlichkeit zu übergeben, erschien zum ersten Male bereits in diesen Tagen. Sie enthält unter anderem die interessante Anregung Professor

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