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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-10-08 · Heft 41 (8.10.1919) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 41 (8.10.1919)
Date
1919-10-08
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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>nn Laudesgerichtsgebäude vorbei, überquerten bk Universitäts- ,/tr-a^e und gingan durch die Garnisongafse und Schwarzfpanierstraße zur Währinger Straße. A-nf -diesem Woge hörte man fortwährend Pf.m!- und Meder.'-Rufe gegen die Juden, -R-u.fe, wie: '.Ziehen wir in die Leopoldstadt!", ,,Vernichten wir die Judenbagage!" Bei jedem Go st- und Kaffeehaus stellten die Demonstranten die Frage: „Sind Juden drinnen!" Erst als die vor dem Lokal stehenden verneinten, zogen sie weiter. Vor-dem-SchwarAspaMer-hoif durchbrachen mehrere Reihen von Demonstranten die voran schreitende Kette von deutfchnationalen Studenten und Ordnern und liefen der Berggasfe zu, in der Meinung, daß der Zug sich in dieser Richtung bewegen würde und daß dort eine polizeiliche Absperrung sei. Es gelang aber den Ordnern und den Studenten, neuerlich eine starke Kette zu bilden und das Gros des Zuges auszuhalten und in die Währinger Straße zu lenken. Bei der Berggasse kam?s zu einem kleinen Zusammenstoß zwischen den die Demonstranten begleitenden Wachleuten und Teilnehmern an der Demonstration. Ein Demonstrant wurde verhaftet und auf das Polizeikommissariat gebracht. Zuerst wollten die in den letzten Reihen des Zuges befindlichen Demonstranten den Arretierten befreien. Die Wache aber erhielt Verstärkung. Ordner eilten herbei, und bald trat an dieser Stelle Ruhe ein, da der Grosteil des Zuges über die Währinger Straße bereits wnterg-ezogen war. Die Demonstranten zogen noch gemeinsam bis zürn Währinger Gürtel, wo sie sich zerstreuten. Da ein Gerücht verbreitet um*, daß ein Zug von Teilnehmern an der Rath-ausversammlung in die Brigittenau kommen. wolle, mit dort zu demonstrieren, und daß Ausschreitungen zu befürchten wären, sammelten sich auf dem Mathildenplatz an 500 Zionisten, mit Stöcken bewaffnet, an. Von den abgedrängten Teilnehmern der Demonstration im 9. Bezirk kam eine Menge von mehreren Hundert in die Brigittenau. Es kam zwischen Deutschnationalen und Zionisten zu Beschimpfungen und zu einem Geplänkel, dem die Sicherheitswache ein Ende wachte. Es wurden zwei Arretierungen wegen Richtfolgeleistung vorgenommen. Der Grund des deutschnationalen Zuges in die Brigittenau war folgender: Im Laufe des Nachmittags fand in der Brigittenau ein Raufhandel statt, der weder mit der Rathausversammlung noch mit der Politik zu tun hatte. Beide Exzedenten wurden arretiert. In der Brigittenau und bei der Versammlung verbreitete sich das falsche Gerücht, es 'sei im 20. Bezirk ein christlicher Eisenbahner von Juden mißhandelt und blutig geschlagen worden. Darauf wurde für einen Rachezug agitiert. Den Zionisten kam durch ihren Verbindungsdienst die Meldung von diesem Plane, und sie versammelten sich zur Abwehr auf dem Mathildenplatz. Auch dort wurde bei den Reibereien eine Person verletzt. Es ist der 21jährige Heizer Ignaz Feldmann, 20. Bezirk, Bäuerlegasse 8 wohnhaft, der vor dem Hause Mathilden platz 4 von einem Demonstranten einen Messerstich unterhalb des linken Schulterblattes erhielt und schwer verletzt wurde. Bon Aoh und Frrn. - Tie Freie jüdische Volkshochschule in Berlin wird ihn drittes Dorlesungsvierteljahr am Montag, den 20. Oktober, eröffnen. Den Vorlesungen wird am Sonntag, den 12. Oktober, eine Eröffnungsfeier voraufgehen, in der Dr. Hans Goslar über Wirtschastsfragen der deutschen Juden und Rabbiner Dr. Bergmann über Geschichte und Legende sprechen werden. Das in den nächsten Tagen erscheinende Vorlesungsverzeichnis wird im Sekretariat der Hochschule, jetzt in der Steglitzer Straße 9, zu haben sein. — Am 28. v. M. ist Frau Johanna Meyer geb. Levy, die Witwe des einstigen Vorsitzenden der Berliner Jüdischen Gemeinde, Justizrat Sigmund Meyer, im Alter von 81 Jahren verschieden. Die Entschlafene ist ihrem Wunsche gemäß in aller Stille zur Erde bestattet worden. —- Aus Posen wird uns geschrieben: Unter großer Anteilnahme beging Herr Rentier' Julius Ephraim hier seinen 80. Geburtstag. Vertreter der Gemeindebehörde, Vorstände der verschiedenen Wohltätigkeitsvereine und Private überbrachten herzliche Glückwünsche dem allbelie'bten Jubilar. Herr Ephraim dankte tiefgerührt allen Glückwünschenden. In der Synagoge erfolgte ein besonderer Akt für den Gefeierten. - Ebenso wurde der 70. Geburtstag des Herrn Lehrers' Gustav S p i ew ko w s k i hier tu feierlicher Weise begangen. Die Kollegen und fküheren Schüler des ,-JvKilars.- "von- ' -a uswärts, wo? Herr Slpiewkowski vorher im Amte tätig gewesen, ehrten ihren ehemaligen Lehrer in sinniger Weife. — Dte,Synagogengemeinde Oeks hat durch den mm 27> v . M ' ,-er-fiotlgtsn Tod des Vorsitzenden des Gemeinde- Vorstandes',- des Mitgliedes der Hände lskammer, Herrn. Stadtrat Karl B i etscho wfikh , einen' schweren Verlust ^erlitten. Der Vorstand und die Reprä-sentantenversammlung widmen ihm folgenden ehrenden Nachruf: Aüsgestattet mitseltenen Gaben' des Geistes und des Herzens,-ein''lauterer, edler., zuverlässiger Charakter, schlicht und bescheiden i,in seinem Wefen, erfüllt von, wahrhaft religiösem Sinn, in seiner. Sorge-und seinem Pflichteifer unermüdlich für das Wohl der Gemeinde bemüht, einer der wenigen' gottbegnadeten Menschen, der keinen Feind besessen, so steht sein Bild vor unserer Seele, so wird sein Andenken dauernd unvergeßlich in unseren Herzen fortleben. „Er war ein Mann, nehmt alles nur in allem, Ihr werdet nimmer seinesgleichen s-eh'n." — Aus Kolberg wird uns geschrieben: Die Gründung einer Ortsgruppe des V a t e rl ä n d i s ch e n Bundes j ü d i sch er Fron t s ob d a t e n wurde hier am 27. September durch den Vorsitzenden der Kösliner Ortsgruppe des Bundes, Redakteur S a b atz k y , -vorgenommen. Nach einein Referat des Genannten über die Ziele des Bundes, i-n welchem er auf die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der jüdischen Frontsoldaten gegenüber den antisemitischen Angriffen und Vorwürfen der Drückebergerei hinwies, erfolgte die Konstituierung der Kolberger Gruppe. Zum Vorsitzenden wurde Kaufmann M i ch e l s, zum Schriftführer Max S i m o n und zum Kassierer Handl ungs.angestellte r Cohn reich gewählt. Die Köslin e-r und Kolberger Mitglieder beabsichtigen, in nächster Zeit weitere Ortsgruppen zu gründen. — Privatdozent Dr. D. Katz in Güttingen ist als Ordinarius für Philosophie und Pädagogik nach Rostock berusen worden. — Aus Münster i. W. wird berichtet: Der Landesverband d er Deutsch notionalen Volkspartei diskutierte auf seiner letzten Tagung in großer Breite die Stellung der Partei zur Judenfrage. Die Mehrheit der Versammlung stand auf dem Standpunkt der Beschlüfse des Hauptparteitages und hielt jede Aenderung, besonders aber eine Verschärfung! der vom Hauptparteitage' beschlo>ssenen Judenresolution für gefährlich für die Partei. — Ten: Vorsitzenden Rat beim Verwalt ungshof in Karlsruhe i. B. Herrn. Geh. Oberregievungsrat Dr. David Mayer 'tt aus Anlaß seines Scheidens aus dem Staatsdienste -folgendes Schreiben des Staatspräsidenten- / zugegangen: Sehr geehrter Herr Geh. Oberregie.rungsrat! Das StaatsMinisterium hat Sie mit Entschließung vom 18. September 1919 Ihrem Ansuchen entsprechend inden Ruhestand versetzt. Diesen Anlaß benütze ich gern, um Jhuen im Namen des Staatsministeriums für Ihre in langjähriger erfolgreicher Tätigkeit dem Staate geleisteten hervorragenden Dienste den Dank der badischen Regierung mit den besten Wünschen für Ihre -ferneren Lebensjahre auszusprechen. In vorzüglicher Hochachtung ergebenst gez. Geiß, Staatspräsident. — In Mähren, hat sich eine Gcheimgesellschaft unter dem Namen „Blauer Stern" gebildet, welche die Ausrottung der Juden -durch Veranstaltung von Massenpogromen zum Zwecke hat undihre Tätigkeit über -das Gebiet der ganzen Tschechoslowakei erstreckt. Plangemäß sollen die Juderimetzeleien- Ende September, also zur Zeit der hohen jüdischen Feiertage, in Szene gesetzt werden. Die tschechoslowakische Regierung hat von der Tätigkeit der Gesellschaft „Blauer Stern" Kenntnis, was''daraus hervorgeht, daß an alle Sicherheitsposten und Gendarwerreko-m- >m an da nken Erlässe ergan gen sind, die Arbeit der Pogrom agitüto-ren zuverfolgen und Ausschreitungen .-rechtzeitig zu verhüten. — Im Ungarischen Tel-6gr.-K.or!r.-Bureau wurde sämtlichen Mischen Mitarbeitern plötzlich gekündigt. Demnach ist die Betonung über den christlichen Charakter Ungarns doch nicht' so harmloH. Der Leiter des Bureaus, Sektio-nsrat Nem-et, der von der Angelegenheit scheinbar bereits unterrichtet war, hat sich drei Stundenfrüher am Vormittag taufenlassen. Daß sich jemand, der der Religfion ftrnsteht, unter solchen Umständen taufen läßt,'ist nicht so auffallend wie, daß man ihn. tauft. Sollen daraus gute Christen werden? . __ ' _ Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastratze 88. i Verantwortlich für den Anzeigenteil: M a x F ah r n l ii n d e r > Neukölln. I Druck und Verlag von Rudolf Moste.

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